Die moderne Sklaverei in Griechenland

31. März 2016 / Aufrufe: 1.312
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Arme Arbeitnehmer verkörpern speziell, wenn auch nicht nur, in Griechenland die moderne Sklaverei des 21 Jahrhunderts.

Die in den Jahren der Wirtschaftskrise erfolgte Deregulierung der Arbeitsverhältnisse trat auf die härteste Weise bei den vorzuherrschen tendierenden diversen Formen der unbezahlten Beschäftigung in Erscheinung.

Laut den Angaben des Instituts für Arbeit der GSEE zählen in Griechenland die unbezahlten Arbeitnehmer über 1.200.000, was etwa 1/3 der wirtschaftlich aktiven Bevölkerung entspricht, wobei die Verzögerungen (der fälligen Lohnzahlungen) sich ab 3 bis zu 24 Monaten bewegen!

80% der Hotelunternehmen in Griechenland schulden Lohnzahlungen!

Die stetig zunehmenden Phänomene sind die Bezahlung in Sachwerten (Verpflegungs-Coupons, kostenlose Unterbringung usw.), die Abschlagzahlungen kleiner Beträge oder die gesamte Schuldung des Lohns über große Zeiträume. Inzwischen wird offen von dem neuen gesellschaftlichen Phänomen der armen Arbeitnehmer (allgemeinen Verarmung) gesprochen, das die moderne Sklaverei des 21 Jahrhunderts darstellt. Auf diese Weise wird eine neue Kultur der Beschäftigung, der Unterwerfung unter die Aussicht auf rechtlose Arbeitnehmer geschaffen – billig, extrem flexibel und jederzeit an die Bedürfnisse des Kapitals anpassbar.

Die unbezahlte Beschäftigung äußert sich in vielen Formen. Wie von Sofia Papaikonomou – Juristin und Mitarbeiterin der EU-Abgeordneten der SYRIZA, Konstantina Kouneva – bei einer jüngst erfolgten Konferenz der Eurogruppe belegt wurde, gibt es außer der typischen Form der unbezahlten Beschäftigung (Nichtentrichtung fälliger Löhne, Zulagen usw.) auch formlose Weisen. Zu diesen zählen die Umwandlungen von Vollzeitbeschäftigungs-Verträgen in Teilzeit- oder wechselweise Beschäftigung, die Kürzungen der Zuschläge für Mehr- und Überstundenbeschäftigung, die Streichung der im Dreijahres-Rhythmus erfolgenden Lohnerhöhungen, die Kürzungen der Kündigungs-Abfindungen, die Erhöhung der Arbeitszeit und die Durchsetzung der „Dienstbereitschaft“ bei öffentlich Bediensteten, die Verlängerung der Geltung von Praktikums-Verträgen und der „freiwillige Dienst“, also die Erbringung von Arbeit gegen eine „immaterielle Vergütung“. Eine unbezahlte Beschäftigung stellen ebenfalls die langfristigen Verzögerungen bei der Bewilligung von Renten und Abfindungen dar.

Die von der unbezahlten Beschäftigung heimgesuchten Zweige sind hauptsächlich die des Tourismus und der Gastronomie, die Branche der Reinigung und Bewachung, der Raum der Massenmedien, die Seefahrt, der Bausektor, die Zustellungsdienste, der Einzelhandel und die privaten Gesundheitsdienste. Bezeichnend ist, dass speziell im Tourismus, sprich in der „Schwerindustrie“ der griechischen Wirtschaft, 80% der Hotelunternehmen Löhne für 1 bis 15 Monate schulden, zu einem Anteil von 40% ungemeldete (sprich nicht versicherte) Arbeitnehmer beschäftigt und erfahrene Saisonarbeiter durch Arbeitslose mit Praktikumsverträgen ersetzt werden.

(Quelle: dikaiologitika.gr, Autor: Vasilis Angelopoulos)

  1. Kleoni
    31. März 2016, 19:18 | #1

    Es ist beschämend, dass die griechischen Arbeitnehmer die „all inclusive Touristen“ mitfinanzieren müssen, damit die Touristikkonzerne aus Mittel- und Nordeuropa die Preise drücken und 2-stellige Gewinne verzeichnen können. Die Globalisierung bezahlen einmal mehr die Lohnempfänger, Tavernenwirte, kleine Familienhotels und Einzelhändler vor Ort.

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