Deutsche Zeitungen berichten unsachlich über Griechenland

26. März 2016 / Aktualisiert: 26. März 2016 / Aufrufe: 1.508
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Die Deutschen mögen Griechenland freundlich gesonnen sein, ihre Massenmedien und hauptsächlich ihre Zeitungen sind es jedoch nicht.

Eine Untersuchung über die deutschen Massenmedien und Griechenland zeigt interessante Dinge. Wie z. B., dass in der „Bild“ nicht ein einziger Artikel gefunden wurde, der irgend eine positive Stellungnahme gegenüber der griechischen Regierung enthält.

Laut der Untersuchung der – das Mitbestimmungs-, Forschungs- und Studienförderungswerk des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) darstellenden – Hans-Böckler-Stiftung war die Berichterstattung der deutschen Massenmedien über die griechische Wirtschaftskrise häufig nicht objektiv und erfolgte oberflächlich, während die Mitglieder der griechischen Regierung hauptsächlich auf negative Weise präsentiert wurden.

Missachtung qualitativer journalistischer Kriterien

Wie die Berliner Zeitung Tagesspiegel in ihrer Ausgabe vom 24 März 2016 schrieb, untersuchten Wissenschaftler der Universität Würzburg insgesamt 1.142 Publikationen verschiedener deutscher Zeitungen (Die Welt, Bild, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Süddeutsche Zeitung und Tageszeitung sowie auch der elektronischen Präsenz Spiegel Online) des ersten Halbjahrs 2015 und gelangten zu der Schlussfolgerung, dass das Thema der griechischen Reformen nicht befriedigend analysiert wurde.

Laut den Forschern beschäftigten die Redakteure sich vorrangig allgemein mit dem Hilfsprogramm sowie ebenfalls auch mit dem Nebenthema der Beanspruchung der Kriegsentschädigungen für die Zerstörungen, welche Deutschland während des 2. Weltkriegs in Griechenland anrichtete. In vielen Artikeln wurden die zu analysierenden Themen nicht klar benannt, während dagegen als ihre wahrscheinliche Folge sehr häufig die Rede von einem möglichen Grexit erfolgte. Gründliche Analysen enthielten gemäß den Autoren der Untersuchung nur wenige Artikel.

Laut den Forschern enthielten 26% der Artikel die persönlichen Meinungen und Bewertungen der Redakteure und in 45% der Fälle positionierten die Journalisten sich gegenüber der griechischen Regierung negativ. Nur 16% äußerten sich positiv und 39% neutral.

In der Bildzeitung fand sich nicht ein einziger Artikel, der irgend eine positive Stellungnahme gegenüber der griechischen Regierung enthielt. In der Zeitung Die Welt erreichten die negativen Artikel 60%, in der Süddeutschen Zeitung 49%, bei Spiegel Online 35% und in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung 33%. Die linke – alternative Tageszeitung war bei der Untersuchung die einzige Zeitung, in der die negativen und positiven Artikel über die griechische Regierung sich auf den selben Anteil (23,9%) beliefen. In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung herrschten die neutralen Artikel vor.

Wie die Forscher feststellten, wurden qualitative journalistische Kriterien wie die ausgewogene Tangierung und die Neutralität nicht besonders berücksichtigt.

(Quelle: To Pontiki)

  1. windjob
    26. März 2016, 03:55 | #1

    Was dieses Blatt mit den 4 Buchstaben betrifft habe ich es immer abgelehnt es auch nur in die Hand zu nehmen. Traurig ist, dass ausgerechnet unsere Politiker es dazu benutzen Meinungsmache zu betreiben. Warum sonst geben sie so bereitwillig Interviews. Mit seriösem Journalismus hat dies allerdings herzlich wenig zu tun und zeigt auf welche Stufe unsere Politik inzwischen gesunken ist.

  2. Rudi
    26. März 2016, 09:11 | #2

    Was von der BILD zu halten ist, wissen sogar die meisten BILD-Leser. Welt und Süddeutsche sind nicht viel besser. Und wenn der BILD Redakteur Blome zum Leiter des Spiegel-Hauptstadtbüros mutiert, muss man sich fragen wo der Spiegel mittlerweile steht. Leider ist der Blick auf die europäische Medienlandschaft nicht erfreulicher.

  3. V 99%
    26. März 2016, 09:14 | #3

    Dass es eine wissenschaftliche Untersuchung braucht, um festzustellen, dass die BLOEDzeitung nicht objektiv berichtet klingt witzig … dass die Medien manipuliert werden, und zwar nicht nur in D, auch.

  4. 26. März 2016, 09:55 | #4

    Es wundert mich, dass die Zeitschriftenverkaeufer in Griechenland gewisse deutsche Druckerzeugnisse nicht schon laengst aus ihrem Angebot gestrichen haben. „Wer Bild liest um sich zu informieren, der trinkt auch Schnaps weil er Durst hat“

  5. Kleoni
    26. März 2016, 10:21 | #5

    das Schlimme daran ist, BILD ist die meistgelesene Zeitung und für Tausende die einzige Infoquelle. Zudem wenden sich leider immer mehr deutsche Politiker über dieses Käseblatt an „das Volk“. Dieses Blatt gibt (genauso wie Face Book) Infos ohne seriöse Recherche und tendenziös an die Öffentlichkeit weiter.

  6. Dresdner
    26. März 2016, 14:46 | #6

    Deutsche Zeitungen berichten nicht nur unsachlich über Griechenland. Sie berichten unsachlich über Russland, Syrien etc. Es verwundert nicht, warum Menschen in Dresden Montag abend Zeitungen als Lügenpresse bezeichnen. Schön, dass es nun auch die Griechen merken. Aber nicht nur die. Auch die Bürger merken es und wenden sich von Zeitungen in Deutschland ab.

  7. Griechenlandfreund
    26. März 2016, 15:34 | #7

    Im Artikel ist ein inhaltlicher Fehler: In Zeile 7 steht „während die Mitglieder der deutschen Regierung hauptsächlich auf negative Weise präsentiert wurden.“ Es muss jedoch „griechische Regierung“ heißen.

    Ansonsten ist die BILD-Zeitung ein Unterschichten-Yellowpaperblatt mit starker Polarisierung, wie es sie in vielen Ländern gibt. Glücklicherweise ist ihre Auflage seit 2005 um 65% gefallen, letztjährig erneut zweistellig. Ihr politischer Einfluss ist heute nur noch ein Bruchteil dessen, was er Jahrzehnte vorher war. Es ist zudem völlig realitätsfern, dass ausländische Regierungen jeweils im gleichen Maße von Medien zitiert werden, wie die eigenen.
    Beruflich bedingt lese ich zudem mehrere ausländische Zeitungen und erhalte zudem übersetzte Presseauszüge. Im Analysezeitraum berichteten diese anderen EU-Zeitungen ähnlich kritisch über das Verhalten der griechischen Regierung und die mangelnden Reformumsetzungen. Nur Frankreich (mässig) und Italien (mehr) hatten mehr Verständnis gegenüber der griechische Regierung. 16 Staatsregierungen waren hingegen kritischer, davon ein Dutzend ost- und nordeuropäischer Euro-Staaten deutlich kritischer, als Deutschland. Das wird nach meinem Erleben in Griechenland kaum wahr genommen.

  8. Team
    26. März 2016, 17:39 | #8

    Griechenlandfreund :

    Im Artikel ist ein inhaltlicher Fehler …

    Peinlich, danke für den Hinweis, ist inzwischen korrigiert worden.

  9. Delta120
    27. März 2016, 14:40 | #9

    Die deutschen Medien sind nach DDR Art gleichgeschaltet, nur halt heute Neoliberal. Die griechische Regierung ( wie auch die polnische, ungarische u.s.w.) sind halt keine Anhänger des Neoliberalismus und daher politischer Gegner. Keine deutsche Zeitschrift kann vom Verkauf Ihrer Zeitschriften leben und braucht weitere Zuwendungen um zu überleben.

  10. Isabelle Diez
    27. März 2016, 19:46 | #10

    ich wohne in der schweiz und verfolge (gezwungenermassen) die bekannten deutschen „zeitungen“ – es ist einfach nur peinlich und dermassen bedenklich was bild&co. für beschähmende kampagnen gegen griechenland fahren. mit journalismus hat das wirklich nichts mehr zu tun. es ist auch sehr, sehr „seltsam“ wie die blätter die meinung von gewissen, bekannten, politikern 1:1 unterstützen. der bild-boykott muss einfach noch mehr ausgelebt werden – die deutschen verdienen wirklich bessere medien.

  11. Koutsounis
    27. März 2016, 20:35 | #11

    Na ja, wer BILD zitiert, hat sich disqualifiziert. Die Bild kann man auch nicht als Zeitung bezeichnen, geschweige denn Journalismus nennen.

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