Wahrheiten und Demagogie im Flüchtlingsthema

7. Februar 2016 / Aufrufe: 1.950
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Laut einem Beitrag von Tony Barber auf dem Portal der FT werfen die Fakten ein neues Licht auf das Thema der in Europa eintreffenden Flüchtlinge und Immigranten.

Es ist an der Zeit, mit dem Katastrophengerede aufzuhören und Europas Flüchtlings- und Immigrationskrise unter einem logischen Aspekt zu sehen.

In der gesamten EU bewirken gewisse demagogische Politiker und hysterische Medien eine Panik bezüglich Europa überschwemmender unkontrollierbarer Wellen von Immigranten aus nicht weißen, häufig islamischen Ländern. Diese Immigranten werden häufig als Urheber oder Täter terroristischer Anschläge, Sexualverbrechen, Morde und Raubüberfälle präsentiert.

Die meisten Aufenthaltsgenehmigungen erhielten 2014 … Ukrainer

Lassen Sie mich diverse Fakten aus einem (im Oktober 2015 veröffentlichten) offiziellen Bericht der EU anführen, die das Thema der Einwanderung nach Europa aus einer unterschiedlichen Sicht beleuchten. Die Angaben beziehen sich auf die Aufenthaltsgenehmigungen in der EU, die Nicht-Europäern erteilt wurden. Ich gebe zu, selbst überrascht gewesen zu sein, als ich die Daten zum ersten Mal sah. Was glauben Sie, aus welchem Land kommende Bürger 2014 in der EU die meisten Aufenthaltsgenehmigungen erhielten? Aus dem vom Krieg verwüsteten Syrien oder dem Irak? Nein. Aus dem von den Konflikten zerrütteten Afghanistan oder aus Eritrea, wo es an Menschenrechten mangelt? Nein.

Letztendlich waren es die Ukrainer, welche die meisten – konkret 302.772 – Aufenthaltsgenehmigungen erhielten. Direkt danach folgen die Amerikaner. Sie erhielten 199.244 Genehmigungen. Auf dem dritten Platz liegen die Chinesen, die sich 169.657 Genehmigungen sicherstellten. Auf dem vierten Platz liegen mit 134.881 Genehmigungen die Inder. Die auf der Liste folgenden nächsten sechs Länder sind Marokko, Syrien, Weißrussland, Brasilien und die Türkei. Anders gesagt, die Mehrheit der Aufenthaltsgenehmigungen für Nicht-Europäer gingen im Jahr 2014 an Menschen aus Ländern – unter Ausnahme von Marokko und Syrien – die nicht im Mittleren Osten oder in Nordafrika liegen.

All diese Informationen sind in einem Bericht enthalten, den im November 2015 die Eurostatt, also die Statistik-Behörde der EU veröffentlichte. Ich bin Espeth Guild vom „Centre for European Policy Studies“, einer Denkfabrik mit Sitz in Brüssel zu Dank verpflichtet, die es in ihrer Untersuchung „Revision der Verteilung der Immigranten in der EU: Sollen wir uns die Fakten ansehen?“ herausstrich.

Die Fakten bekommen außerordentliches Interesse, wenn man sich anschaut, welche EU-Länder 2014 die meisten Aufenthaltsgenehmigungen erteilten. Wie zu erwarten gewesen sein könnte, war es Polen, Nachbarland der Ukraine, das die meisten – nämlich fast 250.000 – an Ukrainer erteilte. Dies reflektiert die politische Unruhe, die militärischen Konflikte, den wirtschaftlichen Zusammenbruch und die zwangsweise Verlagerung von Bürgern, was 2014 für die Ukraine zu einem außerordentlich ernsthaften Problem wurde.

Das wirkliche Problem sind Demagogie und engstirnige Politiken

Wer erteilte jedoch all diese Genehmigungen an Amerikaner, Chinesen und Inder? Der mit großem Abstand großzügigste Aussteller war England (136.000 an US-Bürger und 70.000 an Chinesen und Inder). Insgesamt erteilte Britannien im Jahr 2014 insgesamt 568.000 Aufenthaltsgenehmigungen – sehr viel mehr als das mit 355.000 auf Platz 2 folgende Polen, Deutschland mit 238.000 auf Platz 3 und Frankreich mit 218.000 auf Platz vier.

Den Lesern braucht nicht in Erinnerung gerufen zu werden, dass die englische Regierung für den Volkskonsum bezüglich der Immigration eine besonders harte Linie adoptiert hat und sich darin gefällt, ihre Partner in der EU des sogenannten Problems zu beschuldigen. Wie wir sehen, zeigen die Fakten ein völlig anderes Bild.

Aus dem Bericht der Eurostat geht ein weiteres interessantes Element hervor. Von 2008 bis 2014 haben die Regierungen der EU eine imponierend stabile Anzahl an Aufenthaltsgenehmigungen erteilt, fast immer zwischen 2 und 2,5 Millionen im Jahr. Denken Sie dabei daran, dass die Krisen des Bankensektors und der öffentlichen Verschuldung sich in jenen Jahren auf ihrem Höhepunkt befanden und eine der schwersten Rezessionen der letzten 100 Jahre verursachten. Jedoch erhielten weiterhin Millionen Immigranten eine Aufenthaltsgenehmigung um in Europa zu leben. Brach irgendwo die gesellschaftliche Ordnung zusammen? Nein.

Das bedeutet natürlich nicht, dass die Handhabung der aktuellen Flüchtlings- und Immigrantenkrise im östlichen Mittelmeerraum durch Europa ruhig, harmonisch und effizient war. Es war eine traurige, entzweiende und ungeschickte Handhabung der Situation. Was jedoch die Krise unkontrollierbar zu erscheinen macht, ist nicht die riesige Anzahl der Flüchtlinge. Wie auch der Bericht der Eurostat zeigt, hat Europa die Möglichkeit, eine große Anzahl an Neuankömmlingen aufzunehmen. Das wirkliche Problem sind die Demagogie und die engstirnigen Politiken, die Europas Antwort gestalten.

(Quelle: Imerisia, Data shed new light on EU migration, Autor: Tony Barber)

  1. healer
    7. Februar 2016, 11:46 | #1

    Ah, das Sandmännchen ist wieder unterwegs, uns Sand in die Augen zu streuen … . Das kommt mir so vor, wie dieser Polizist, der uns statistisch weismachen will, dass Migranten keinesfalls krimineller sind, als Einheimische. Die Statistik bezieht sich aber auf VERURTEILUNGEN, und wir wissen alle, dass es meistens nicht mal zu einer Anklage kommt.
    Die Aufenthaltsgenehmigungen sind nicht gleichbedeutetnd mit Asylanträgen. Kein Amerikaner, Inder oder Chinese käme auf den Gedanken Asyl zu beantragen. Selbst in den 2016er Statistiken werden Syrer nicht vorn sein, weil es vom Asylantrag bis zur Aufenthaltsgenehmigung ein langer Weg ist.

  2. Demagoge
    7. Februar 2016, 11:55 | #2

    Was interessiert Länder, in denen ein paar hunderttausend Ukrainer in Polen vorläufige Aufnahme finden, oder Amerkaner oder Chinesen in GB. Diese Leute sind meist, außer den Ukrainern, keine Flüchtlinge, bringen Wissen und Ausbildung mit und intergrieren sich ohne Probleme. Sie sind nicht vergleichbar mit den Lawinen, die sich aus dem islamischen Raum nach Deutschland (nicht nach Polen und England) ergießen. Da gibt es nur eins: Wenn diese Dinge ehrlich angesprochen werden müssen, hat das nicht mit Demagogie zu tun, da gibts einfach nur knallharte Fakten, die auf den Tisch kommen müssen. Und, ehrlich, wenn ich Denkfabrik lese, na denn weiß ich schon Bescheid.

  3. Ronald
    7. Februar 2016, 12:55 | #3

    Der Artikel ist für die gegenwärtige Flüchtlingsbewegung völlig irrelevant, beleuchtet er doch nur die Zahlen geordneter Aufenthaltsgenehmigungen (in England beispielsweise aus dem Commonwealth) keinesfalls jedoch die Asylanträge, in denen in allein Deutschland um die 700.000 anhängig sind, wobei nach letzten Zahlen rund 300-400.000 eingereiste Flüchtlinge zwar erfasst wurden, jedoch noch keinen Asylantrag gestellt haben bzw. noch nicht stellen konnten.

  4. Bernd Dieter
    7. Februar 2016, 13:02 | #4

    Der Autor vergißt meiner Meinung nach alle wirklich wichtigen Aspekte des Zustandekommens eines derartgen Flüchtlingsstroms. Er meint das die ängstlichen Menschen keinen Grund zur Besorgnis hätten. Augen zu und abwarten empfehlen solche Artikel, nach dem Motto: Flüchtlingsströme sind normal. Aber im Gegenteil: Die Bankenmafia, die Nato, die EU, Waffenhändler und Großkonzerne (hinter denen sich aber immer Interessen von realen Menschen verbergen) sind Schuld an den Flüchtlingsströmen durch die Zerstörung der Lebensgrundlage der Menschen und ihrer Länder. Oder glaubt der Autor, die kommen alle freiwillig hierher, weil sie gern unter menschenunwürdigen Umständen in Hallen oder Containern wohnen. Die Frage ist: Wer hat Interesse an der Situation?

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