Steuererhöhungen in Griechenland sind kontraproduktiv

13. Februar 2016 / Aufrufe: 800
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Die von der Troika in Griechenland, Portugal und Irland erzwungenen Steuererhöhungen waren für die Senkung der staatlichen Verschuldung kontraproduktiv.

Laut einem am vergangenen Montag (08 Februar 2016) von der Europäischen Zentralbank (EZB) publizierten und auf der jüngsten Historie der Eurozone basierender Untersuchungsbericht ist die Erhöhung der Steuern kontraproduktiv, wenn ein Land versucht, den Prozentsatz der öffentlichen Verschuldung im Verhältnis zu seiner Wirtschaftsproduktion zu senken versucht.

Die EZB war zusammen mit der Europäischen Kommission und dem Internationalen Währungsfonds Teil der Troika der Institutionen und zwang überschuldeten Ländern der Eurozone wie Griechenland und Portugal als Gegenleistung für Kredite Austeritäts-Maßnahmen auf, darunter auch Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen.

Kontraproduktive fiskalische Umstrukturierung

Die Arbeit, die Maria Grazia Attinasi, Mitglied der Abteilung für Fiskalpolitiken der EZB, und der Ökonom Luca Metelli der Italienischen (Zentral-) Bank erstellten, entdeckte, dass die höheren Steuern den Prozentsatz der Verschuldung eines Lands im Verhältnis zu seinem Bruttoinlandsprodukt (BIP) nicht zu senken vermögen.

Wenn die fiskalische Umstrukturierung mittels Erhöhung der Besteuerung erfolgt, kehrt der Prozentsatz der Verschuldung zum BIP auf das Niveau vor der Krise nur langfristig zurück und schafft dabei das, was wir kontraproduktive fiskalische Umstrukturierung nennen„, führten Attinasi und Metelli in ihrer Arbeit an und ergänzten, die Senkung der staatlichen Ausgaben habe größere Wahrscheinlichkeiten, eine chronische Senkung des Prozentsatzes der Verschuldung zum BIP zu bewirken. Ihre Befunde basieren auf Daten aus 11 Ländern der Eurozone, einschließlich der Rettungs-Empfänger, sprich Griechenland, Portugal und Irland, zwischen 2000 und 2012.

Das griechische Rettungsprogramm des Jahres 2010 umfasste Kürzungen staatlicher Ausgaben im Wert von 7% des BIP des Landes, zusammen mit Steuererhöhungen, die 4% der Wirtschaftsproduktion entsprachen. Gemäß den Daten der Eurostat gelangte der Prozentsatz der öffentlichen Verschuldung zum BIP Griechenlands Ende 2014 bei 180% an, gegenüber 127% vor fünf Jahren, also vor dem ersten Rettungsprogramm. Portugal und Irland sahen die Prozentsätze der Verschuldung zu ihrem BIP ebenfalls ansteigen, nachdem sie in Rettungsprogramme eintraten, die zu ungefähr einem Drittel der gesamten fiskalischen Angleichung auf höheren Steuereinnahmen basierten.

In den letzten Monaten hat die EZB wiederholt zu einer Lockerungen der Fiskalpolitiken der Eurozone – wenn auch innerhalb der Grenzen der Regelungen der Europäischen Union – aufgerufen, um den schwächlichen wirtschaftlichen Aufschwung der Region zu stärken. „Die Befunde unserer Analyse haben einen konkreten politischen Bezug zu dem, was die Diskussion über die Vorteile der fiskalischen Umstrukturierung als das Hauptwerkzeug für die Wiedererlangung der Tragfähigkeit der Verschuldung in den Ländern der Eurozone betrifft„, schrieben die Autoren der Arbeit.

Besagte Arbeit bringt die Ansichten ihrer Autoren und nicht der EZB zum Ausdruck.

(Quelle: sofokleous10.gr)

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