Schwindelerregende private Verschuldung in Griechenland

6. Februar 2016 / Aufrufe: 1.296
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Unternehmen und private Haushalte in Griechenland schulden rund 210 Milliarden Euro an Finanzämter, Banken und gesetzliche Versicherungskassen.

Die fälligen Verbindlichkeiten der Unternehmen in Griechenland an Fiskus, Versicherungsträger und Banken belaufen sich auf insgesamt über 150 Mrd. Euro und bringen einerseits die Existenz der Firmen selbst und des Finanzsystems und andererseits die Gesamtheit der nationalen Wirtschaft in Gefahr.

Unter Berücksichtigung auch der Schulden der Haushalte an Fiskus und Banken tangiert die fällige private Verschuldung insgesamt sogar 210 Mrd. Euro! Anders gesagt, das Verhältnis fälliger privater Verschuldung zum BIP beträgt bei einer Schätzung 2015/2014 in stabilen Preisen 116% und ungefähr 62% der Auslandsverschuldung.

Private Verschuldung annulliert Bemühungen um Aufschwung

Gemäß den Angaben die von dem Griechischen Verband für Handel und Unternehmertum (ESEE) präsentiert werden und sowohl auf offiziellen Daten als auch auf Einschätzungen des Verbands basieren, belaufen sich die Schulden der juristischen Personen bis Anfang Januar 2016 auf:

  • 58 Mrd. Euro an das Finanzamt
  • 3,7 Mrd. Euro an die Zollämter
  • 27,4 Mrd. Euro an die Versicherungskassen [15,35 Mrd. Euro rühren aus Verbindlichkeiten von jeweils über 5.000 Euro her und sind zur Zwangsbeitreibung an die Zentrale für Beitreibung von Versicherungsschulden (KEAO) weitergeleitet worden.]
  • 60 Mrd. Euro an die Kreditinstitute [11 Mrd. Euro beziehen sich auf 800 Großunternehmen (Unternehmen mit über 250 Beschäftigten und Umsätzen von über 50 Mio. Euro), 28,5 Mrd. Euro auf Schulden 6.000 mittelständischer Unternehmen (Unternehmen mit 50 – 249 Beschäftigten und Umsätzen von bis zu 50 Mio. Euro), während die übrigen 20,5 Mrd. „rote“ Kredite 120.000 kleiner und sehr kleiner Unternehmen betreffen.]

In den vorstehenden Beträge sind sogar noch nicht einmal die Schulden enthalten, welche Unternehmen bei anderen Unternehmen haben, wobei die Zahlungsverzögerungen häufig größer als 90 Tage sind.

Die schwindelerregende Höhe, welche die fälligen Verbindlichkeiten – zum Teil auch wegen der Zahlungsverweigerungs-Kultur vor der Krise in Kombination mit der Unfähigkeit der Einnahmemechanismen des Staates – erreicht haben, annulliert praktisch jede Bemühung um einen wirtschaftlichen Aufschwung, da er dem Staat, den Banken und den Unternehmen signifikante Liquidität entzieht.

(Quelle: dikaiologitika.gr)

  1. Konstantin
    6. Februar 2016, 12:52 | #1

    Vermutlich stimmen die Zahlen wie immer nicht. Wer in Griechenland sein Gewerbe aufgibt kann es erst dann abmelden wenn er die Forderungen vom Finanzamt beglichen hat. Geht irgendwie nicht wenn man kein Geld hat, so laufen die Forderungen unendlich weiter. Dementsprechend auch die Forderungen der Versicherungs- und Rentenkassen.
    Dann gibt es noch die Forderungen vom Finanzamt für Beträge die aus Griechenland überwiesen wurden. Meine Elten haben selbst so ein Verfahren am Hals, weil sie von Griechenland nach Deutschland zurück gezogen sind. Alle geforderten Unterlagen wurden eingereicht, aber 5 Jahre später, hat das Finanzamt die Angelegenheit immer noch nicht abgeschlossen.

  2. Freiberufler
    6. Februar 2016, 19:01 | #2

    Man kann einem nackten Mann zwar nicht die Tasche langen, aber ihm einen Steuerbescheid zustellen und das beim Fiskus als „Forderung“ verbuchen. Wir dürften es hier also eher mit Steuerausfällen als mit Schulden zu haben.

  3. GR-Block
    6. Februar 2016, 22:29 | #3

    Richtig, die Schulden der Betriebe gab es vor der Krise nicht. Die sind erst durch die „Umstrukturierungen“ gekommen. Die Bereinigung des Marktes von Kleinbetrieben und Selbständigen mittels Steuererhöhungen steht kurz bevor. GR hat es bald geschafft. Dann kann der Aufschwung kommen. Damit aber auch der letzte Laden den Markt für ausländische Konzerne frei macht, muss man zuvor dem Griechen noch ein letztes Mal tief in die Tasche greifen.
    Aber Vorsicht, Alexis, mach dir dabei nicht die Hände schmutzig! Denn schon Aristophanes sagte: „Wer einem nackten Griechen in die Tasche greift und wider Erwarten etwas herausbekommt, sollte sich danach die Hände waschen.“

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