Griechenlands Kirche droht Bankrott

10. Februar 2016 / Aufrufe: 1.507
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Entgegen den Mythen über unermessliches Kirchenvermögen droht Griechenlands Kirche in Wirklichkeit der Bankrott.

Griechenlands Kirche steht einen Schritt vor dem wirtschaftlichen Zusammenbruch, da die Einnahmen versiegen und die Steuern steigen. Attische Klöster von symbolhafter Bedeutung, wie das Kloster Petraki und das Kloster Pentelis, begegnen bereits schärfsten Problemen und sind praktisch zu einem Zahlungsstopp geschritten.

Die Klöster tun sich mit der Zahlung der Gehälter ihrer Bediensteten schwer, leisten Abschlagszahlungen, verlangen von dem Finanzamt eine Ratenzahlungsvereinbarung für die Entrichtung der Immobilienbesitz-Steuer (ENFIA) und verkaufen Immobilien, um ihren Betriebskosten zu begegnen.

Es droht ein soziales Domino

Ergebnis ist, dass der reibungslose Betrieb der Sozialprogramme der Kirche gefährdet ist, wie die Tafeln für die Mittellosen, was erwarten lässt, ein Domino sozialer Entwicklungen zu verursachen, da die Kirche zu den Hauptpfeilern in der Bewältigung der vielseitigen Krise in Griechenland zählt.

Im selben Moment ist die Zusammenarbeit zwischen Staat und Kirche zur Verwertung des Kirchenvermögens nicht nur nicht aktiviert worden, sondern der Staat errichtet sogar Hindernisse in der Anziehung von Investoren, während die Probleme ungelöst bleiben, welche die Kirche mit Filet-Immobilien hat. Insgesamt 123 Immobilien der Kirche in Athen, Piräus und Thessaloniki bleiben blockiert, sind also enteignet worden, und die Kirche ist nicht entschädigt worden und kann sie gleichzeitig nicht verwerten.

Die Haupteinnahmequellen der griechischen Kirche sind versiegt

Spezieller sind die beiden Hauptquellen der Einnahmen der Kirche – aus der Nutzung ihrer Immobilien und aus den Aktien der Nationalbank Griechenlands (ETE) – versiegt: die Mietpreise fallen, Käufer sind schwer zu finden, während der Preis der Aktie der ETE sich bei 0,25 Euro (und inzwischen noch niedriger) bewegt.

Wie im Gespräch mit der griechischen Zeitung „Kathimerini („K“) der Generaldirektor der Rechnungsstellen der Kirche Griechenlands (EKYO), Bischof Salonon Antonios erklärte, beteiligte die Kirche sich 1996 und 2005 an den entsprechenden Erhöhungen des Aktienkapitals der ETE. 2005 wurden ihre Aktien für 22 Euro gekauft und ihr Preis erreichte bis zu 47,80 Euro. 2010 beteiligte die Kirche sich unter dem durch Bitten hochrangiger Funktionäre der Regierung und des inländischen Banksystems ausgeübten Druck an der neuen Erhöhung des Aktienkapitals der ETE. „Indem Ihr Euch beteiligt, werdet Ihr eine Botschaft bezüglich der Seriosität und Liquidität des Hauptpfeilers des griechischen Banksystems schicken„, war damals ihr Argument.

Um sich an der Kapitalerhöhung der ETE zu beteiligen, erhielt die Kirche von der Postbank einen Kredit von 27 Mio. Euro und verwendete einen entsprechenden Betrag aus ihren eigenen verfügbaren Mitteln. Wie jedoch Herr Antonios sagt, „zockt die Kirche nicht„, und ließ durchklingen, dass eine nutzbringende Verwaltung der Aktien der ETE zu erfolgen gehabt hätte, als sie sich am limit-up bewegten. Dies wurde jedoch nicht beschlossen, und … dann kam die Krise. Wegen der Wirtschaftskrise hörte die Bank 2008 mit der Ausschüttung von Dividenden auf, während es sich nun mit dem Preis der Aktie der ETE bei 0,25 Euro nicht einmal lohnt, sie zu verkaufen …

Erdrutsch bei den Immobilien

Im selben Moment hat der Absturz des Immobilienmarkts die andere Haupteinnahmequelle der Kirche versiegen lassen, die über 19.000 Hektar kultivierbaren Landes, 700 Grundstücke, 400 Gewerbeimmobilien und 260 Wohnimmobilien verfügt. Die Mieten sind im Verhältnis zu 2008 analog zu dem Gebiet um 30% bis 70% geringer, viele Immobilien stehen leer und ihre Verwertung bereitet „Kopfschmerzen“, da sie kontinuierlicher Wartung bedürfen. Und Bares existiert nicht. „Die heutigen Einnahmen der Kirche sind im Verhältnis zu 2008 um etwa 75% gesunken. Damals lag der Jahresetat der Kirche bei 23 Mio. Euro und nun liegt er bei 6 Mio. Euro„, sagt der Leiter der EKYO.

Die Kirche verlangt von dem Staat, ihr bei der Anziehung von Investoren und der Lösung der Themen zu helfen, die Immobilien „blockiert“ halten. Beispielsweise bleibt eine Fläche von 130 Hektar zwischen dem See von Vouliagmeni und Varkiza ungenutzt (das Gebiet heißt Faskomilia), deren größter Teil mit Steinen und Erde bedeckt ist. Die Kirche hatte verlangt, dass ein niedriger Bebauungsfaktor für die Nutzung von 22,5 Hektar erteilt und der Investor verpflichtet wird, die übrigen 107,5 Hektar zu bepflanzen, jedoch werden bisher Gegenargumente unter der „Flagge“ des Forstschutzes erhoben.

Die Kirche verfolgt ebenfalls, zur Verwertung einer großen Fläche in Schistos zu schreiten. Dort besteht ein großer Bedarf zur Schaffung von Logistik-Zentren in Verbindung auch mit den Reedereibetrieben. Der Staat meint jedoch, das Gebiet sei ein Wald, während die Kirche über Karten verfügt, die zeigen, dass das Forstgebiet seit 1850 bis heute unverändert bleibt. Gleichermaßen unverändert sind auch die mit Obsessionen belasteten bürokratischen „Verknöcherungen“ des Staats.

Ratenzahlungsvereinbarung mit dem Finanzamt

Jedes Erzbistum, jedes Kloster und sogar auch die einzelnen Kirchen haben Vermögenswerte, die von den konkreten Einrichtungen verwaltet werden, ohne dass irgendjemand eingreift, und alle diese juristischen Personen öffentlichen Rechts – wie auch die Kirche – zahlen Immobiliensteuer, ENFIA (vormals EETIDE) und Einkommensteuer. Aus diesem Grund begegnen das Kloster Petraki und das Kloster Pentelis großen Problemen.

Bezeichnenderweise beantragte das Kloster Petraki neulich, für die Entrichtung ihrer steuerlichen Verpflichtungen unter die 100-Raten-Regelung aufgenommen zu, während es Schwierigkeiten hat, die Gehälter zu zahlen. Um mit Mythen über ein unermessliches Kirchenvermögen Schluss zu machen, berichteten kirchliche Quellen der „K“, das Kloster Petraki verfüge über ein Mehrparteienhaus in der Nähe des Krankenhauses „Evangelismos“ und am Koumoundourou-Platz zwecks Verwertung.

In einer entsprechenden Situation befindet sich das Kloster Pentelis, das neulich als vorläufige Lösung, um seinen Betriebskosten zu begegnen, eine ihm gehörende Immobilie verkaufte. Auch dieses Kloster ist Opfer von Gegenreaktionen, da ein Plan zur Installation photovoltaischer Panels auf einer Fläche von 2.500 Hektar in Penteli nicht voranschritt.

Bischof Salonon Antonios erklärte, die EKYO finanziere die Erzbistümer für deren karitatives Werk, was das Domino der Auswirkungen eines Kirchen-Bankrotts bestätigt.

(Quelle: Kathimerini, Autor: Apostolos Lakasas)

  1. GR-Block
    10. Februar 2016, 12:26 | #1

    Die „Mythen“ gab es nur in der Presse und nennt sie eigentlich „Zeitungsenten“. Die griechische Kirche war immer „reich“ an Immobilienbesitz, nie an Geld. Immobilien die irgendwelche verwirrten Geister dem lieben Gott hinterlassen, um ganz sicher zu gehen, dass er nicht doch nachtragend ist. Da aber in GR fast jeder Immobilien besitzt, sind sie nur soviel wert, wie man sie nutzt. Kaum jemand kann mit Immobilien spekulieren. Schon gar nicht ein Gott, weil Spekulieren Teufelswerk ist. Und jetzt in der Finanzkrise wollen natürlich viele ihre überflüssigen (zweit-) Immobilien abstoßen. Die will aber inzwischen nicht einmal die Kirche, selbst wenn sie geschenkt sind. Weil sie natürlich mehr Steuern kosten, als sie Gewinn abwerfen.

    Dieselben Leute, die den lieben Gott noch vor kurzem, wie die Sau durch’s Dorf trieben, haben jetzt ihr Herz für seine Finanzprobleme entdeckt??? Zum Teufel mit ihnen!
    Dass die nationale griechische Kirche eher bescheiden ist, erkennt man an den Werken, die sie vollbringt: Kirchen in Beton-Billigbauweise. Sie hat kaum Geld um ihre Krankenhäuser und soziale Einrichtungen zu finanzieren, geschweige denn traditionelle Kultur (z.B. Bauweise) zu pflegen. Ganz anders der Weltkonzern in Rom, den die reichsten Industrieländer finanzieren.
    Wenn GR entgegen dem Subventionsdruck der EU seinen Agrarsektor massiv ausweiten würde, nur dann würde Ackerland in GR an Wert gewinnen und die Kirche könnte ihre Steuern zahlen. Aber eher würde die Troika verlangen, das die griechische Kirche ihr Land „privatisiert“. Das hieße dann wohl, sie müsste an die liquiden deutschen Kirchen verkaufen. Wie es analog mit den Flughäfen passiert ist. Nennt man das nicht „feindliche Übernahme“? Oh Gott, das wäre ja das Ende des Schismas!

  2. LiFe
    10. Februar 2016, 20:29 | #2

    Beinah könnte man meinen: Hätte Napoleon griechischen Boden betreten, Griechenlands Kirche wäre aus dem Schneider gekommen. Deutschlands Kirchen dürfen im Gegensatz zu anderen Kirchen im Ausland Steuern erheben. Ein Vermächtnis von Napoleon Bonaparte, das mit den Jahren Kirchen zum Wohlstand gebracht haben. Priester, Kardinäle, Bischöfe und Bedienstete werden vom Staat finanziert.

  3. Freigeist
    11. Februar 2016, 01:27 | #3

    Als Freigeist und scharfer Kirchenkritiker, Gott ist nur eine Illusion, muss ich hier klar den deutschen Kirchen-Steuerkirchen zu Seite springen. Der Wahrheit gilt die Ehre. Die Priester bezahlt in Deutschland die Kirche selbst. Bischöfe, Kardinäle etc. bezahlen alle deutschen Steuerzahler. Nun zu Griechenland. Die stock-konservative griechische Kirche ist für den konservativen allgemeinen Schlamassel in Griechenland ganz klar teils verantwortlich.

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