Griechenland ist ein größtenteils unfreies Land

3. Februar 2016 / Aktualisiert: 03. Februar 2016 / Aufrufe: 1.396
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Griechenland liegt auf dem Weltindex wirtschaftlicher Freiheit zwischen Bangladesch und Mozambique und wird als größtenteils unfreies Land charakterisiert.

Auf dem von der Heritage Foundation erstellten weltweiten Index wirtschaftlicher Freiheit sank Griechenland 2015 auf Platz 138, da – wie die Organisation vertritt – das Land in der Wirtschafts- und Währungspolitik „die Kontrolle verlor„.

Wie die britische Zeitung Telegraph betont, wird Griechenland als „größtenteils unfreies“ Land charakterisiert und seine Situation verschlimmert sich stetig, nachdem es sich zu der Troika flüchtete, die zwar vertritt, Reformen zu forcieren um das Land effizienter, transparenter, moderner und wettbewerbsfähiger zu machen, in Wirklichkeit jedoch für Rechnung der nördlichen Gläubiger des Landes Schulden beitreibt.

In Griechenland bedarf es kühner Schritte

Griechenland fiel genau deswegen auf Platz 138 – zwischen Bangladesch und Mozambique – der Rangordnung zurück, weil es auf Ebene der Wirtschafts- und Währungspolitik „die Kontrolle verlor„, wozu auch die im Sommer 2015 verhängten Kapitalverkehrskontrollen beitrugen, welche die wirtschaftliche Freiheit noch mehr einschränkten.

Die Situation in Griechenland und der weltweite Durschnitt
(größtenteils frei – mäßig frei – größtenteils unfrei – unterdrückt)
Quelle: Heritage Foundation
Verlauf des Indexes wirtschaftlicher Freiheit in Griechenland

Auf engerem europäischen Niveau rangiert Griechenland in Europa auf Platz 41, mit seinem starkem Punkt die Freiheit der Handelsgeschäfte und schwachen Punkten die Verwaltung der öffentlichen Finanzen, die Korruption und die Ineffizienz der Regulierungsbehörden.

Das sich fortsetzende Fehlen wirtschaftlicher Freiheit kommt zusätzlich zu den Problemen einher, denen Griechenland mit seiner Wettbewerbsfähigkeit und politischen Instabilität begegnet, betont die Heritage Foundation und fügt an, es haben kühne Schritte zu erfolgen, damit die fiskalische Tragfähigkeit wiederhergestellt, der Arbeitsmarkt elastischer und der Korruption begegnet wird.

Es wird angemerkt, auf dem ersten Platz liege Hongkong, während Singapur, Neuseeland, die Schweiz, Australien, Kanada, Chile, Irland, Estland und Großbritannien die erste Dekade vervollständigen. Wie diesbezüglich die Heritage Foundation betont, wurde Europa 2015 weniger wirtschaftlich frei, wobei Faktoren wie die Kosten der Arbeitsregelungen und die hohen steuerlichen Belastungen das Wachstum beeinträchtigen.

EU-Länder sind weniger frei als vergleichbare andere Länder!

Das Bemerkenswerte am Index 2016 ist genau diese schockierende Feststellung der „Unfreiheit“, welche die Europäische Union charakterisiert, in der es derzeit eine freie Zone im Norden gibt, die sich rund um Britannien, Irland, Holland und die Region der Nordsee und des Baltikums erstreckt, während die Schweiz immer nahe der Spitze liegt, jedoch sicher vor den „Krallen“ Brüssels und der regulativen Strangulation.

Innerhalb dieses ersten Blocks befindet sich auch Deutschland, das auf Platz 18 der internationalen Rangordnung liegt. Im selben Moment existieren zwei andere „Gruppen“ von Staaten mit ernsthaften Problemen: eine arme Gruppe im Osten mit einem zerbrechlichen Rechtsstaat und die überschuldeten Länder des europäischen Südens, die ernsthaften wirtschaftlichen Problemen begegnen.

Wie sich aus dem Index zeigt, sind die Länder der EU im Durchschnitt weniger frei als andere Länder mit einem vergleichbaren Pro-Kopf-Einkommen und Entwicklungsniveau.

Das erfolgreiche Beispiel Britanniens

Das sich deutlich unterscheidende Land scheint Britannien zu sein, das auf dem Weltindex wirtschaftlicher Freiheit sogar auch die USA hinter sich ließ und drei Positionen mit dem Resultat gewann, weltweit als 10. abzuscheiden.

Dieser Erfolg wird dem Umstand zugeschrieben, dass das Land die Besteuerung für die Unternehmen senkte, während der Beitrag des Staates zum BIP schrumpft. Zusätzlich ist es in England sehr leicht, ein neues Unternehmen zu gründen, und die Gesetze, die das Beschäftigungswesen regeln, sind elastisch.

(Quelle: Imerisia)

  1. Protagoras
    3. Februar 2016, 10:01 | #1

    Ohne Zweifel sind die angelsächsischen Länder, was die wirtschaftliche Freiheit (vulgo die Freiheit der Wirtschaft) anbelangt, die „freiesten“ der Welt. Von dort kommt der Neoliberalismus und wird am heftigsten vorangetrieben. Ein Blick in die USA zeigt ein erstaunliches Bild in Bezug auf die Vorwahlen: Ein Mann wie Bernie Sanders liegt mit H. Clinton nahezu gleichauf. Gerade die Jungen kehren offenbar dem Establishment den Rücken. Die gesellschaftlichen Verwerfungen infolge der ungezügelten Freiheit der Wirtschaft sind genau dort am größten, wo die neoliberalistische Ideologie vorankommt. In Europa sollte niemand GB oder die USA zum Vorbild nehmen. Die Finanzkrise von 2008 müsste jedem klarmachen, was vom wirtschaftlichen Neoliberalismus zu halten ist: die andauernde Krise verdanken wir genau ihm. Die Verschuldung der privaten Haushalte ist mitnichten eine Spezialität Griechenlands, sie ist in den USA ungleich größer und auch in Deutschland wird die Schere zwischen Arm und Reich stetig größer. Die Verteufelung des Staates und die Aufgabe der Daseinsvorsorge ist die eine Seite, die andere ist die Ausbeutung, Prekarisierung und die Explosion des Reichtums einiger weniger. Die Freiheit der Wirtschaft hat die Verschuldung und Verknechtung der Völker zu verantworten – und zwar überall.

  2. Ronald
    3. Februar 2016, 16:29 | #2

    In diesem Ranking landen die Länder, in denen der Kapitalismus schalten und walten kann wie er will, ganz weit oben. Da finde ich es durchaus erstrebenswert „nur“ im Mittelfeld zu liegen.

  3. navy
    3. Februar 2016, 17:54 | #3

    dieser Index der Amerikaner ist totaler Unfug. Albanien liebt weit vor Griechenland, war sogar einmal bei einem Weltbank Index auf der Stufe von Deutschland, ebenso Georgien, wo es keinerlei Justiz gibt

  4. 4. Februar 2016, 08:42 | #4

    Der Index of Economic Freedom ist eine Mogelpackung. Zunächst einmal muss festgestellt werden, dass die Heritage Foundation keine neutrale Instanz ist, sondern eine von Industriellen finanzierte Stiftung, die sich einseitig für das Großkapital einsetzt. Insofern wird ausschließlich die wirtschaftliche Freiheit des Großkapitals betrachtet, nicht die der Bürger. Alles was sich negativ auf das Vermögen des Großkapitals auswirken könnte (Sozialstaat, Steuern etc.) wird in diesem Index negativ gewertet.

    Da das deutsche Grundgesetz in Artikel 14 Absatz 2 sagt, dass in Deutschland Eigentum verpflichtet und dem Wohle der Allgemeinheit dienen soll, muss man eigentlich schlussfolgern, dass eine vordere Position Deutschlands in diesem Index bedeutet, dass unser Wirtschaftssystem eben nicht mehr Grundgesetzkonform ist. Des Weiteren sagt das Grundgesetz, dass in Deutschland alle Staatsgewalt vom Volke ausgeht. Natürlich darf und muss der vom Volk gewählte Gesetzgeber den Markt regulieren. Auch das fließt aber negativ in den Index ein.

    Ein niedriges Ranking in diesem Index ist also nicht per se etwas schlechtes, sondern kann auch einfach nur bedeuten, dass diejenigen, die sich an anderer Leute Arbeit dumm und dämlich verdienen, ihren Wohlstand demokratisch legitimiert fair unters Volk zu verteilen haben.

    Entlarvend ist doch der letzte Absatz über Großbritannien. Der Staat als demokratisch legitimierte Instanz zieht sich zurück und lässt wirtschaftliche Akteure, die über keine demokratische Legitimation verfügen, frei schalten und walten und Gewinne abschöpfen, ohne davon etwas abgeben zu müssen und ohne den Arbeitern, die ja die eigentliche Wertschöpfung betreiben, irgendwelche Sicherheiten bieten zu müssen.

    Wenn Griechenland irgendetwas richtig machen will, dann sollte es auf keinem Fall auf diesen Propaganda-Index der Heritage Foundation achten und sich bloß nicht an den angelsächsischen Ländern orientieren.

  5. PalioTomaro
    4. Februar 2016, 11:51 | #5

    © 2016, The Heritage Foundation
    Conservative policy research since 1973

    Zumindest versucht diese Organisation nicht aktiv zu verschleiern, wessen Brot sie isst und wessen Lied sie deshalb singt …

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