Warum in Griechenland der Benzinpreis nicht sinkt

7. Januar 2016 / Aufrufe: 4.751
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Trotz des rasanten Absturzes des Ölpreises bezahlen in Griechenland die Verbraucher an der Zapfsäule die vierthöchsten Benzinpreise in der gesamten Europäischen Union.

Die enorme Besteuerung, die hohen Raffinerie-Preise und die Steigerung der Brutto-Gewinnspanne des Mineralölhandels und der Tankstellen „kappen“ in Griechenland die Preisrückgänge des „schwarzen Goldes“ an den Zapfsäulen.

Es ist charakteristisch, dass der Rohölpreis seit Juni 2014 bis heute um 60% und seit dem vergangenen Jahr immerhin um 30% sank, während in Griechenland das bleifreie Benzin entsprechend um gerade einmal 18,4% und 2,95% billiger wurde.

Fiskus in Griechenland sackt sich 1 € pro Liter Sprit ein!

Wie aus einer von der griechischen Zeitung „Ethnos“ durchgeführten Recherche hervorgeht, haben der Mineralölhandel und die Tankstellen ihre Brutto-Gewinnspannen im Vergleich zu Sommer 2014 innerhalb von 18 Monaten um 35,87% gesteigert. Über einen Zeitraum von einem Jahr beschränkten sie diese sogar überhaupt nicht. Zusätzlich hielten die Raffinerien in Griechenland – wie im übrigen auch die entsprechenden Unternehmen im Mittelmeerraum – wegen der hohen Treibstoff-Nachfrage auf den internationalen Märkten die Raffinations-Gewinnspannen hoch.

Dies erschien auch aus den letzten wirtschaftlichen Ergebnissen der Gesellschaften, die in den neuen Monaten des Jahres 2015 im Verhältnis zu dem entsprechenden Zeitraum des Jahres 2014 einen Anstieg auf mehr als das Doppelte zeigten. Somit schritten sie nicht zu größeren Senkungen ihrer Preise.

Die größte Hürde bei dem Rückgang der Benzinpreise stellt jedoch natürlich die Besteuerung dar. Sonderverbrauchsteuer, Abgaben und sonstige Belastungen stellen in Griechenland 67% des Endpreises des Produkts dar. Anders gesagt, von den 1,384 Euro pro Liter bleifreies Benzin, die von den Verbrauchern gezahlt werden, fließt konstant und unverändert ungefähr 1 Euro in die staatlichen Kassen.

Die Fakten – sinkende Rohölpreise, steigende Gewinnspannen

Spezieller schritt die Zeitung „Ethnos“ zur Auswertung der Angaben der „Treibstoff- Preiswarte“ des Entwicklungsministeriums, aber auch der internationalen Rohölpreise.

Konkreter lag am 18 Dezember 2015 der Rohölpreis bei 36,88 Dollar pro Barrel. Damit ein korrekter Vergleich erfolgt, wurde sein Wert auf Basis des an jenem Tag geltenden Kurses von Euro zu Dollar in die Einheitswährung (sprich Euro) umgerechnet. Somit ergibt sich der Preis von 33,93 Euro pro Barrel bzw. ein Literpreis von 0,213 Euro.

Am 20 Juni 2014 wurde einer der Höchstpreise des Rohöls verzeichnet. Auf den internationalen Märkten hatte er mit 114,81 Dollar pro Barrel geschlossen. Wird der Barrel-Preis in Euro umgerechnet, belaufen seine Kosten sich auf 84,36 Euro. Mit der Umrechnung der Menge in Liter gestaltet der Preis sich auf 0,531 Euro. In Dollar betrug im Verhältnis zum 18 Dezember 2015 der Preisrückgang somit 67% und in Euro sackte das Rohöl um 59% ab. Im Juni 2014 betrug in Griechenland der (gemittelte) Preis für bleifreies Benzin 1,696 Euro pro Liter. Seitdem bis heut sah der Endverbraucher allerdings nicht etwa einen Preisrückgang um 59%, sondern um nur 18,4%.

Bei einer sorgfältigeren Untersuchung wird man feststellen, dass damals die Brutto-Gewinnspanne der Handelsfirmen und Tankstellen (für bleifreies Benzin) bei 0,08 Euro pro Liter lag, während sie am 18 Dezember 2015 auf 0,11 Euro pro Liter bzw. um 35,87% gestiegen war. Die Raffinerie-Preise sanken natürlich um 45,17%.

Rückgang des Rohölpreises in Dollar um 37%

Vor einem Jahr, am 26 Dezember 2014, lag der Rohölpreis 59,54 Dollar pro Barrel. Der Rückgang lag in einer Größenordnung von 37%. In Euro wird der Rückgang auf 31% veranschlagt, da das Barrel mit dem Wert der Einheitswährung (sprich des Euro) einen Preis von 48,82 Euro hatte. Die Umrechnung in Liter ergibt einen Rohölpreis von 0,370 Euro.

Der Preis an der Zapfsäule war jedoch um gerade einmal 2,95% gesunken. Am 18 Dezember 2015 lag er bei 1,384 Euro pro Liter und am 26 Dezember 2014 wurde der Liter für 1,426 Euro verkauft. Warum und wie? Es wird festgestellt, dass die Brutto-Gewinnspanne des Mineralölhandels und der Tankstellenbesitzer mit 0,11 Euro die selbe wie im vergangenen Jahr blieb. Während der selben Periode blieben die Steuern und Abgaben praktisch unverändert. Am 18 Dezember 2015 lagen sie bei 0,93861 pro Liter.

Obwohl das Rohöl in einem Jahr einen imposanten Preisabsturz hatte, gingen die Preise der Raffinerien um gerade einmal 9% von 0,370 auf 0,336 Euro pro Liter zurück.

Griechen zahlen für Benzin mehr als Dänen und Deutsche

Auf den Preis bleifreien Benzins bezogen befindet Griechenland sich auf dem viertteuersten Platz in der EU. Gemäß den letzten offiziellen Angaben der Europäischen Kommission für den 14 Dezember 2015 kostete bleifreies Benzin hier 1,396 Euro pro Liter. Einer der Hauptgründe dafür sind die hohen Steuern und Abgaben, die den Treibstoff belasten. Die Sonderverbrauchsteuer nebst anderen Belastungen auf das griechische bleifreie Benzin liegen bei 0,679 Euro und die MwSt. beträgt 23%.

Auf dem ersten Platz der einschlägigen Liste befindet sich Holland mit einem Preis von 1,463 Euro pro Liter. Die Steuern belaufen sich auf 0,774 Euro pro Liter und die MwSt. beträgt 21%. Das zweitteuerste bleifreie Benzin bezahlen die Italiener mit 1,451 Euro pro Liter, wobei Sonderverbrauchsteuer und übrige Belastungen mit 0,728 Euro pro Liter und die MwSt. mit 22% zu Buche schlagen.

Nach Italien folgt Großbritannien. Obwohl England die höchste Besteuerung in der gesamten EU hat, liegt der Preis des bleifreien Benzins niedriger als in Holland und Italien. Konkret wird es für 1,432 Euro pro Liter verkauft, wobei die MwSt. 20% beträgt und die Sonderverbrauchsteuer bei 0,798 Euro pro Liter liegt. Direkt nach Griechenland kommt Dänemark, mit einem Preis von 1,391 Euro pro Liter und der Sonderverbrauchsteuer bei 0,652 Euro. Die MwSt. für bleifreies Benzin beträgt in dem Land 25%.

Benzinpreise im Süden und in anderen Ländern

Zu den griechischen Gegebenheiten „passende“ Länder, sprich Spanien und Portugal, haben im Verhältnis zu Griechenland sehr viel niedrigere Benzinpreise. Obwohl Portugal eine Sonderverbrauchsteuer bei 0,617 Euro pro Liter hat, liegt der durchschnittliche Preis für bleifreies Benzin bei 1,344 Euro pro Liter. In Spanien liegt der Endpreis bei 1,14 Euro pro Liter, wobei die Sonderverbrauchsteuer auf bleifreies Benzin sich auf 0,461 Euro pro Liter gestaltet.

In Deutschland liegt der durchschnittliche Preis bei 1,299 Euro pro Liter, wobei die Steuern bei 0,654 Euro pro Liter liegen und die MwSt. 19% beträgt. Unter 1 Euro pro Liter befinden sich die Preise in Polen und Estland. Auf etwas über 1 Euro pro Liter gestaltet sich der Preis bleifreien Benzins in Bulgarien, Tschechien, Ungarn, Lettland, Litauen und Luxemburg.

(Quelle: Imerisia, Autor: Christos Kolonas – Ethnos)

  1. Frank Paesold
    14. Januar 2016, 03:29 | #1

    Back to the roots. Im Eselsgalopp durch mein schönes, liebes Ellada. Aber vielleicht wird ja in Zukunft der Methanausstoß des Viehs besteuert. Wer weiss, wer weiss.

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