Verarmung der Haushalte in Griechenland setzt sich fort

25. Januar 2016 / Aktualisiert: 25. Januar 2016 / Aufrufe: 2.461

Laut einer Untersuchung des IME des GSEVEE leben in Griechenland mehr als einer von drei privaten Haushalten von einem familiären Jahreseinkommen von unter 10.000 Euro.

In Griechenland hegen 4 von 10 Haushalten negative Erwartungen hinsichtlich ihrer Fähigkeit, 2016 grundsätzliche Verpflichtungen decken zu können, 1 von 3 Haushalten leben mit einem jährlichen Familieneinkommen von unter 10.000 Euro und 122.700 Haushalte befürchten, ihr Haus / ihre Wohnung verlieren zu werden.

Diese Befunde gehen aus der Untersuchung des Instituts für Kleinunternehmen (IME) des Dachverbands der Handwerker und Kaufleute Griechenlands (GSEVEE) über die Einkommen und Ausgaben der privaten Haushalte für das Jahr 2015 hervor.

Die Lage 80% der Haushalte hat sich weiter verschlechtert

Wie am vergangenen Donnerstag (21 Januar 2016) der Vorsitzende des GSEVEE, Giorgos Kavvathas, bei einer Pressekonferenz erklärte, sind die Erwartungen der Haushalte für das Jahr 2016 negativ, da 70% eine Verschlechterung ihrer wirtschaftlichen Lage erwarten und nur 5,1% auf eine Verbesserung hoffen. Weiter führte er an, in diesem Jahr (2016) werden die Unternehmensschließungen zunehmen und Arbeitsplätze verloren gehen, da etliche kleine und mittlere Unternehmen bereits in den vergangenen Jahren reichlich schrumpften, womit sie nunmehr keine andere Lösung als die Einstellung des Betriebs haben.

Wie Herr Kavvathas kommentierte: „Die aufrecht erhaltenen Belastungen des zweiten Memorandums sowie auch die weiteren, die mit dem dritten Memorandums-Programm hinzukamen, verschlechtern sicherlich die Perspektiven der Inlandsnachfrage, des Konsums und des Lebenshaltungsniveaus. Es wird erwartet, dass Maßnahmen wie die Aufhebung der Aussetzung der Zwangsversteigerungen, die Erhöhung der Steuern und Abgaben, die von dem neuen Versicherungsgesetz vorgesehenen zusätzlichen Belastungen den potentiellen Konsum weiter schrumpfen lassen werden.

Den Fakten der Untersuchung zufolge erklären sich einer von zwei Haushalten, die sich auf eine Rente stützen, hinsichtlich der Fähigkeit pessimistisch, im laufenden Jahr (2016) ihren grundsätzlichen Verpflichtungen zu entsprechen. Aus der Untersuchung geht ebenfalls hervor, dass die Ungleichheiten, die sich während der gesamten Dauer der Krise gestaltet hatten, auch im Jahr 2015 unverändert bestehen blieben, während eine Menge neuer Regelungen des dritten Programms (Memorandums) bereits weitere Belastungen zu den Familien-Etats und Einkommen der Haushalte hinzugefügt haben. Aus den Fakten der Untersuchung geht hervor, dass 80% der griechischen Haushalte im Vergleich zu dem vorherigen Zeitraum unter sehr viel schlimmeren (quantitativen und qualitativen) Bedingungen leben.

Das Problem der Überschuldung, der Armut und der sozialen Entbehrung in Griechenland war Gegenstand eines ausgedehnten Dialogs bei dem jüngsten Besuch von Sachverständigen der Vereinten Nationen (UN) in Griechenland, wie Herr Kavvathas anmerkte und betonte, im kommenden Zeitraum werde die griechische Regierung aufgefordert sein, Maßnahmen zu ergreifen, die zwischen dem Ziel der fiskalischen Stabilität und der dringenden Notwendigkeit auszubalancieren sind, den sozialen Problemen zu begegnen.

Einkommen – wirtschaftliche Lage der Haushalte in Griechenland

1) Mehr als 1 von 3 Haushalten erklären, mit einem familiären Jahreseinkommen zu leben, das sich auf der niedrigsten Einkommensstufe befindet (36,3% deklarieren ein Einkommen von unter 10.000 Euro). Die Verarmung der griechischen Gesellschaft setzte sich auch im Jahr 2015 fort, wenn auch im Verhältnis zu 2013 und 2014 mit niedrigeren Rhythmen der Zunahme.

2) 15,2% der Haushalte erklären, ihre Einkommen reichen nicht aus, um ihre Grundbedürfnisse zu decken, welcher Befund zu dem in Griechenland verzeichneten Prozentsatz extremer Armut passt (der auf 40% des durchschnittlichen Einkommens veranschlagt wird, ELSTAT). Es ist charakteristisch, dass bezüglich einer eventuellen außerordentlichen Notwendigkeit zur Zahlung von 500 Euro 15,2% erklären, diese nicht tätigen können zu werden, während 52,9% die Ausgabe mit großer Schwierigkeit decken würden.

3) Ungefähr 2/3 der Haushalte (64,1%) sind zu Einschränkungen gezwungen, um den Lebensunterhalt sicherzustellen, während über die Hälfte der Haushalte (56,5%) nicht vermögen, die Ernährungsbedürfnisse der Familie hinreichend zu decken und ein befriedigendes Niveau der Beheizung (ihrer Wohnung) sicherzustellen (Index sozialer Entbehrung). Es ist anzumerken wert, dass die Ein-Personen-Haushalte und vielköpfigen Haushalte (mit über 5 Personen) einem ernsthafteren Überlebensproblem begegnen.

4) 94,2% der Haushalte weisen einen signifikanten Rückgang der Einkommen nach dem Ausbruch der Krise auf, bei einer ganz klaren Tendenz zur Ausweitung der Ungleichheit zu Gunsten von 1% der Bevölkerung. Auch im Jahr 2015 wurde sogar für 77,9% der Haushalte ein Einkommensrückgang verzeichnet.

5) Entmutigend ist der Umstand, dass die Erwartungen der Haushalte für das neue Jahr (2016) überwältigend negativ bleiben, da 70% eine Verschlimmerung ihrer wirtschaftlichen Lage erwarten (nur 5,1% erwarten eine Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Möglichkeiten). Das Gefühl der Nichterfüllung selbst niedriger Erwartungen ergibt sich auch aus der Tendenz zum Anstieg des Anteils der Haushalte, die erklären, mit einem geringeren verfügbaren Einkommen (über-) leben zu können.

Beschäftigung – Arbeitslosigkeit

6) 33,9% der Haushalte, also über 1 Millionen Haushalte haben wenigstens eine arbeitslose Person in der Familie. Die Quote der Langzeitarbeitslosigkeit tangiert 80% der gesamten Anzahl der Arbeitslosen.

7) Die Haushalte, die Einkommen aus einer unternehmerischen Aktivität als Haupt-Einkommensquelle angeben, belaufen sich auf gerade einmal 6,1% (gegenüber 12,6% im Jahr 2012), welche Tatsache die ernsthafte Schrumpfung der unternehmerischen Aktivität aufzeigt, die eventuell auf den Anstieg der Markt-Oligopole und die Konzentration von Marktanteilen bei weniger und mächtigeren „Spielern“ zurückzuführen ist. Entsprechend bleibt der beunruhigende Befund bestehen, gemäß dem die Renten für 51,8% der Haushalte die Haupt-Einkommensquelle darstellen. Im Jahr 2012 betrug der entsprechende Anteil 42,3%.

Finanzielle Verpflichtungen

8) 1 von 5 Haushalten haben fällige Verbindlichkeiten an das Finanzamt, während gerade einmal 16,4% der Schuldner in die sogenannte 100-Raten-Regelung aufgenommen worden sind. 12,5% der Haushalte haben fällige Verpflichtungen an die Banken.

9) 42,8% der Haushalte hegen insgesamt negative Erwartungen hinsichtlich ihrer Fähigkeit, Basisverpflichtungen zu decken. 1 von 2 Haushalten, die sich auf eine Rente stützen, erklären sich hinsichtlich der Fähigkeit pessimistisch, im laufenden Jahr ihren grundsätzlichen Verpflichtungen zu entsprechen.

10) 29,2% der Haushalte nehmen an, ihren steuerlichen Verpflichtungen nicht entsprechen können zu werden, während spezieller 14,7% der Haushalte erklären, nicht zu vermögen, die Steuern (ENFIA) für die ihnen gehörenden Immobilien zu zahlen.

11) 33,7% der Haushalte schätzen ein, im kommenden Jahr nicht ihren Verpflichtungen aus Krediten entsprechen zu können. 1 von 4 Haushalten, die Eigentum bewohnen, haben einen Bau- / Wohnungskredit. 15,4% dieser Schuldner haben in Verzug befindliche Verbindlichkeiten. 1 von 4 Haushalten (24,6%) äußern die Angst, sowohl wegen der angehäuften Verbindlichkeiten als auch wegen der zusätzlichen Belastungen (für Kredite, Steuern und Sonstiges) ihre Wohnung verlieren zu werden.

12) Für die Deckung ihrer Verpflichtungen braucht in den letzten 4 Jahren die überwältigende Mehrheit der Haushalte entweder Gelder aus Ersparnissen auf oder wendet sich an Verwandte und Freunde. Im Jahr 2015 war zu beobachten, dass es bei der Nutzung von Ersparnissen einen Rückgang um 6,2% gibt, da offensichtlich ist, dass die Ersparnisse der Haushalte sich allmählich erschöpfen, welcher Umstand die Guthabenbasis negativ beeinflusst.

13) Einen signifikanten Anstieg verzeichnete die Verwendung von Plastik-Geld zwecks Deckung der Verpflichtungen des Haushalts. Dies kann als Folge sowohl des Rückgangs der Guthabenbasis als auch der Verhängung von Kapitalverkehrsbeschränkungen interpretiert werden. Die Kreditkarten-Nutzung stieg von 15,8% im Jahr 2012 auf 31% im Jahr 2015 an.

Konsum der privaten Haushalte in Griechenland

14) Der Zusammenbruch der Inlandsnachfrage setzt sich fort, da bei fast der Gesamtheit der Güter und Dienstleistungen eine negative Bilanz verzeichnet wird (Kleidung – Schuhwerk, Geschenkartikel, Besuch von Restaurants – Cafés – Bars, Reisen, Haushaltsgüter u. a.).

15) Einen negativen Umstand stellt der Befund dar, dass im zweiten aufeinanderfolgenden Jahr die privaten Aufwendungen der Haushalte für die medizinische Versorgung anstiegen, und zwar offensichtlich wegen der Erhöhung der Selbstbeteiligung und der Reduzierung der öffentlichen Aufwendungen im Gesundheitswesen. Eine positive Aufwendungsbilanz zeigen zum ersten Mal die Ausgaben für Bildung und Rechnungen öffentlicher Unternehmen (DEKO) Diese Tendenz zur Ausweitung der Aufwendungen für die Sicherstellung von Gütern sozialen Charakters (Gesundheit, Bildung, gemeinnützige Rechnungen) stellt einen potentiellen Faktor für den Bruch des gesellschaftlichen Gerüsts dar und muss umgekehrt werden.

16) 70,1% der Haushalte erklären, einem ernsthaften wirtschaftlichen Problem begegnen zu werden, falls die Preise der von ihnen konsumierten Nahrungsmittel erhöht werden. Es ist offensichtlich, dass die im vergangenen Halbjahr beschlossene Erhöhung der Mehrwertsteuer bei einem breiten Spektrum von Gütern und Lebensmitteln von 13% auf 23% die Lage der Haushalte verschlimmerte.

17) Auf dem gesamten griechischen Staatsgebiet bezogen wenigstens 120.000 Haushalte Basisgüter zur Lebenshaltung von den „sozialen Lebensmittelläden“ oder auch mittels der sogenannten „Verpflegungskarte“.

(Quelle: dikaiologitika.gr)

  1. Romanuss
    25. Januar 2016, 10:58 | #1

    Gäbe es die „großzügige“ Finanzhilfe des ach so „friedlichen demokratischen“ Westens nicht, würde es dem griechischen Volk jetzt eindeutig besser gehen. Schäuble, der vor allem im Interesse der Hochfinanz – Kartelle arbeitet, hat die Verarmung Griechenlands genauso mit zu verantworten, wie die Noch-Kanzlerin Merkel.

  2. GR-Block
    25. Januar 2016, 20:03 | #2

    Die „Finanzhilfe“ kann für den Zustand GR’s nichts. Es ist eher die unterlassenen Hilfeleistung, als der Ministerpräsident darum bat. Die EU-Kollegen hatten seine Notlage für eigene Zwecke missbraucht. Anstatt dass der IWF, wie von Papandreou beantragt, eine kleine Überbrückung gewährt, sagte Strauß-Kahn „non“ und verwies auf seine zukünftigen Kollegen in der EU. Nebenbei, genau dafür ließ ihm Obama den Marsch blasen.
    Die EU übernahm den Ball und zockte: du bekommst deine paar Mrd. Kredit (vielleicht 7), wenn du für 107 Mrd. unterschreibst. Ihr zahlt später die 7 Mrd. zurück und die Differenz streichen wir, wenn keiner mehr hinguckt. Samaras musste später sogar 130 unterschreiben und Tsipras 86. Damit hat die griechische EU ihren 27 Kollegen geholfen, 323 Mrd zu veruntreuen um davon vielleicht 23 zu erhalten. Und das lediglich als Kredit. Wie blöd muss man da sein! Ich hätte mir für dieses Gaunerstück eine goldene Nase bezahlen lassen.

    Wie … ist schon passiert? Ach so … die drei Ministerpräsidenten haben diesen Deal jeder für sich selbst gemacht. Na dann, willkommen im Club.

  3. Konstantin
    25. Januar 2016, 21:38 | #3

    Solange unsere Politiker in Griechenland alles unterschreiben um an Geld zur Bedienung der Schulden zu gelangen, ist überhaupt keine Verbesserung in Sicht. Auch nicht mit dem Euro, der einem Land die Abwertung einer Währung unmöglich macht.
    Ich bewundere unsere Landsleute in Griechenland, die bei allem noch so ruhig bleiben.

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