Steuergewitter 2015 in Griechenland war fruchtlos

18. Januar 2016 / Aktualisiert: 20. Januar 2016 / Aufrufe: 814
Einen Kommentar schreiben Kommentare

Die harten Steuermaßnahmen des zweiten Halbjahrs 2015 in Griechenland brachten anstatt neuer Einnahmen einen Anstieg der fälligen Verbindlichkeiten an den Fiskus.

Das wirtschaftliche Resultat der harten neuen Steuermaßnahmen, die in Griechenland während der Dauer des Jahres 2015 die Privatleute und Unternehmen heimsuchten, erwies sich als praktisch nichtig.

Laut der zuständigen Direktion des Finanzministeriums erreichten die Steuereinnahmen für das vergangene Jahr 46,424 Milliarden Euro, während der entsprechende Betrag 2014 bei 46,375 Milliarden Euro lag. Kurz gesagt, die „Ernte“ des Steuergewitters des Jahre 2015 belief sich auf gerade einmal 38 Millionen Euro.

9 Maßnahmen mit rückwirkender Wirkung brachten … nichts

Es wird angemerkt, dass die konkreten Angaben sich einzig und allein auf die Einnahmen der Finanzämter beziehen und nicht mit den regulären Nettoeinnahmen zu verwechseln sind, bei denen Informationen zufolge eine Überschreitung der Zielvorgaben um 1,9 Mrd. Euro verzeichnet wurde und in denen auch andere Einnahmen des Fiskus (Nationaler Strategischer Rahmenplan – NSRP / ESPA, öffentliches Investitionsprogramm usw.) oder sogar auch die Steuererstattungen umfasst sind, deren Zahlung verzögert wird und die in den staatlichen Kassen verbleiben.

Jedenfalls zeigen die Angaben über die Einnahmen der Finanzämter, dass das Resultat der im 2. Halbjahr, jedoch mit rückwirkender Geltung erfolgten Verhängung der 9 Maßnahmen unbedeutend war. Konkret schritt die Regierung 2015 zu:

  1. Änderungen bei den MwSt.-Sätzen, die zu Preiserhöhungen bei den meisten Lebensmitteln, von Gastronomie-Betrieben servierten fertigen Gerichten, Fahrpreisen der Beförderungsmittel, Tarifen der Taxi und einer Menge anderer Produkte und Dienstleistungen führten.
  2. Streichung der Ermäßigung der MwSt. um 30% auf 6 Inseln (Santorin, Mykonos, Naxos, Paros, Rhodos und Skiathros).
  3. Erhöhung der Solidaritäts-Sonderabgabe für Arbeitnehmer und Rentner mit Einkommen von über 30.000 Euro.
  4. Erhöhung der sogenannten Steuer luxuriöser Lebensführung für die Eigentümer von Fahrzeugen mit einem Motorhubraum von über 2.500 cm³, Schwimmbecken und Flugzeugen rückwirkend für die Einkommen des Jahres 2014 um 30%.
  5. Erhebung einer Steuer luxuriöser Lebensführung für die Eigentümer von Freizeitbooten mit einer Länge von über 5 Metern.
  6. Erhöhung der Einkommensteuervorauszahlung von 27,5% auf 55% für die Bauern rückwirkend für das Geschäftsjahr 2014.
  7. Erhöhung der Einkommensteuervorauszahlung von 80% auf 100% für die Unternehmen rückwirkend für das Geschäftsjahr 2014.
  8. Reduzierung der Erstattung der Sonderverbrauchssteuer auf Dieselkraftstoff, der von den Bauern verwendet wird.
  9. Kürzung der Mittel für die Heizkostenbeihilfe an private Haushalte um insgesamt 50%.

Die Angaben zeigen, dass die eingenommenen Beträge konstant bleiben, so sehr auch die Einnahmen angehoben werden. Dagegen nehmen die fälligen Verbindlichkeiten an den Fiskus zu. Aufzeigend ist, dass die (alten und neuen) fälligen Verbindlichkeiten inzwischen insgesamt 84 Mrd. Euro tangiert haben. Aus den Daten des Finanzministeriums geht sogar hervor, dass Haushalte und Unternehmen im Durchschnitt jeden Monat Steuern in Höhe von einer Mrd. Euro unbezahlt lassen.

Neue steuerliche Belastungen von weiteren 2,2 Mrd. Euro für 2016

Für das Jahr 2016 sind jedoch ebenfalls neue Steuermaßnahmen auf den Weg gebracht worden, damit zusätzliche 2,2 Mrd. Euro beigetrieben werden:

  • Erhöhung der Besteuerung bei den Einkommen aus Mieteinnahmen.
  • Rückwirkende Erhöhung der Solidaritäts-Sonderabgabe ab dem 01/01/2015 für die Einkommen von über 30.000 Euro.
  • Rückwirkende Erhöhung der Steuervorauszahlung der Selbständigen für die Einkommen des Jahres 2015 von 55% auf 75% und für die Einkommen des Jahres 2016 auf 100%.
  • Die Gewinne der Unternehmen des Jahres 2015 werden mit einem höheren Satz besteuert, der sich von 26% auf 29% gestaltete.

Zu all diesem kommen auch noch die (bisher allerdings nicht finalisierten) Änderungen im Versicherungswesen hinzu, von denen erwartet wird, dass sie mit signifikanten Beitragserhöhungen die Unternehmen, Selbständigen und Bauern treffen werden.

(Quelle: sofokleous10.gr)

  1. Uli
    18. Januar 2016, 05:31 | #1

    Wenn man dann noch bedenkt, dass durch die Steuererhöhungen die Wirtschaft und die Privat-Kaufkraft geschwächt wurden, ergibt sich sogar eine negative Bilanz. Regierung und Finanzministerium haben sich also einen Bärendienst erwiesen.

  2. Wolfgang Neumann
    18. Januar 2016, 10:47 | #2

    Ich glaube Ihnen ist im 1. Absatz mit 2016 ein Fehler unterlaufen. Es müsste m.E. 2015 heißen.

    • Team
      18. Januar 2016, 12:25 | #3

      Ja stimmt, danke für den Hinweis, der Fehler wurde korrigiert.

  3. windjob
    18. Januar 2016, 12:57 | #4

    Wen wundert das. Tatsache ist doch, dass die Steuerlast zu hoch ist und von den meisten nicht aufgebracht werden kann, in einigen Fällen vielleicht auch nicht aufgebracht werden will. Was nützt es da, die Steuerlast zu erhöhen. Hier wird wieder mal nur an den Symptomen gearbeitet. Nützlicher wäre es, die Steuerlast zu senken. Niedrigere Steuerlast erzeugt mehr Steuerzahler und höhere Einnahmen. Aber dies werden unsere Beamten und Bürokraten vermutlich nie begreifen. Die Politiker schon garnicht. Eine Kuh gibt auch nicht mehr Milch, wenn man sie öfter melkt.

  4. Leonidas
    18. Januar 2016, 13:25 | #5

    Als ob das nicht absehbar war!

  5. CYR
    19. Januar 2016, 12:40 | #6

    Und das sollte niemanden verwundern. Die griechische Wirtschaft steckt in eine Deflation. Und das bedeute das alles runter geht, Preise, Konsum und Steuereinnahmen und der Anstieg der Arbeitslosigkeit als Seiteneffeckt. Da raus zu kommen ist sehr schwierig und mit Erhöhen der Steuern nicht zu meistern. Im Gegenteil es wird immer länger dauern aus der Deflation rauszukommen.

  1. Bisher keine Trackbacks

Hinweis: Kommentare werden erst nach Freischaltung durch einen Administrator sichtbar.
Bitte beachten Sie die Hinweise und Regeln bezüglich der Abgabe von Leserkommentaren.