Person des Jahres 2015 in Griechenland

2. Januar 2016 / Aufrufe: 2.336
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Die Person des Jahres 2015 in Griechenland ist weder prominent noch von Rang und Namen und ist den meisten wahrscheinlich völlig unbekannt.

Das US-amerikanische Nachrichtenmagazin Times kürte die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel zur Person des Jahres 2015. Per Definition „werden zur Person des Jahres diejenigen ausgewählt, die nach Ansicht der Redaktion die Welt im jeweiligen Jahr maßgeblich verändert oder bewegt haben – zum ‚Guten‘ oder zum ‚Schlechten‘ … „.

Sich von dieser Definition sinngemäß nicht weit entfernend, schritt in Griechenland die „Zeitung der Redakteure“ (EfSyn) ebenfalls zur Wahl der Person des Jahres 2015, die allerdings weder prominent noch von Rang und Namen ist!

Die Person des Jahres 2015 bist Du

Nach der Person des Jahres 2015 brauchst Du nicht lange zu suchen und nicht in die Ferne zu schweifen. Sie / er hat keinen „gewichtigen“ Nachnamen und auch kein strahlendes Curriculum Vitae – möglicherweise würde niemand ihren / seinen Namen und ihr Gesicht erkennen:

In Mytilini heißt er Stratis: „Hochschwangere Frauen und andere mit den Babys im Arm, versehrte Menschen mit Krücken und Rollstühlen. Die Strände unserer Kindheit füllten sich mit Schmerz und Verzweiflung. Jedes Kind, das ich aus dem Boot hebe und auf meinen Arm nehme, ist mein Kind.

In Idomeni heißt sie Anna Maria: „Für diese Menschen ist die ganze Hoffnung eine Teller warmes Essen, um die Reise fortzusetzen. Wir vermögen das Problem nicht zu lösen, wir vermögen es jedoch zu lindern.

Auf Kos heißt er Jorgos: „Wir kochen diverse Mahlzeiten, wir verteilen Decken und trockene Kleidung, an den Nachmittagen bringen wir alle, die dessen bedürfen, ins Krankenhaus, wir kommen für die Ausgaben für ein Hotelzimmer für die Schwächsten sowie auch Fährtickets auf.

Auf Leros heißt sie Matina: „Wir haben Freiwillige aus der ganzen Welt. Das geschieht zum ersten Mal. Die Touristen hörten von Zahlen und sahen die Menschen, ihre Trauer, ihren Schmerz. Und sie sahen ebenfalls, wie sehr Griechenland dabei ohne Hilfe ist.

Auf Chios heißt sie Viki: „Man denkt und meint, die Freiwilligen geben sogar auch ihre Seele, um den Flüchtlingen zu helfen. Und ihre einzige Belohnung ist dies: ein großes thank you, shukraan in ihrer Sprache. Dass sie erschöpft ins Bett fielen, jedoch mit einem reinen Gewissen. Das ist eine große Sache.

In Galatsi heißt er Giorgos: „Ich sagte zu meinen Kindern, sie sollen die Spielzeuge zusammentragen, die sie nicht mehr haben wollen, mit meiner Frau sortierten wir auch Kleidung aus und kauften ebenfalls einige Lebensmittel ein. Wir nahmen auch die Mädchen mit uns, sie sollen von klein auf lernen – Menschlichkeit lernt man.

Auf dem Victoria-Platz heißt er Dimitris: „Wir sind 8 Straßenfeger im Schichtdienst, aber wo sollen wir zuerst beginnen? Es kann nicht sein, dass kleine Kinder unter diesen Umständen leben. Schreiben Sie, man soll Toiletten und Wasser für die Menschen bringen. Und kommen sie um zu helfen, tun wir alle, was wir können.

In Eleonas heißt sie Myriam: „Hier arbeiten Profis und Freiwillige mit ihrer ganzen Seele, sie tun es nicht nur formal und erfüllen auch nicht nur einfach ihre Aufgaben und gehen. Zum Spielplatz kommen fast jeden Tag Lehrer und Kindergärtner.

Auf dem Mars-Feld heißt sie Klik: „Wir waren auch Flüchtlinge und Migranten. Wir wissen, wie rauh diese Reise ist. Es war das Mindeste, dass wir für die Kinder Frühstück zubereiten und Rucksäcke fertigmachen.

Es sind die Rettungsschwimmer der Küstenwacht. Die Fischer und die Bootsleute. Die Ärzte und Krankenpfleger der öffentlichen Krankenhäuser und der Nicht-Regierungsorganisationen. Die Frauen, die Kleidung und Decken der Flüchtlinge waschen und trocknen. Die Menschen, die Lebensmittel zusammentragen und Mahlzeiten kochen. Jene, die Babytragen anfertigen und Mützen stricken. Diejenigen, die Informationen sammeln und über das Internet verbreiten.

Während Europa Mauern errichtet, schaffen hier in Griechenland – von den Inseln der Ägäis bis Piräus und Exarchia und von Kreta bis Nordgriechenland – hunderttausende Menschen mit völlig verschiedenen ideologischen und politischen Positionen, aber einem gemeinsamen Ausgangspunkt ein Netz der Menschlichkeit und Würde.

Für uns bei der „Zeitung der Redakteure“ hat somit in diesem Jahr die Person des Jahres Dein eigenes, Dein solidarisches schönes Gesicht.

(Quelle: Zeitung der Redakteure (EfSyn), Autorin: Dina Daskalopoulou)

  1. LiFe
    2. Januar 2016, 07:44 | #1

    Der Artikel hat mir besonders gefallen. Es ist wahr, Menschlichkeit, aber auch Tierliebe können nur erlernt werden.

  2. Hella
    2. Januar 2016, 10:29 | #2

    Das Gastrecht ist den Griechen seit der Antike heilig, es ist verankert in Mythen wie dem Mythos von Philemon und Baucis. Es gehoert zum Selbstverstaendnis jedes Griechischen Menschen. Dieses Gastrecht wird jetzt den Fluechtlingen gewaehrt. Es laesst sich nicht durch Bruesseler Vorgaben wegrationalisieren und auch nicht durch die fortgesetzten Bemuehungen der Glaeubiger, die Griechischen Buerger mit Sparmassnahmen zu auszuhungern.

  3. Zoi Bischoff
    4. Januar 2016, 12:57 | #3

    Es sind die einfachen Menschen, jeden Tag von Neuem, die Großartiges bewegen!!!!

  4. Karsten
    19. Januar 2016, 10:12 | #4

    Ich wohne seit 43 JAhren in Dänemark. Damals war es ein Land der Freizügigkeit und Toleranz. Heute ist es durch die Politik verschiedener Regierungen zu einem „denke-zu-erst-an-dich selbst-Land“ verkommen. Menschlichkeit und Hilfe kommt nur von Menschen! Danke für diesen Bericht.

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