Griechenlands Banken verdienen sich an Gebühren dumm und dämlich

17. Januar 2016 / Aufrufe: 1.255
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Die Banken in Griechenland sacken sich jährlich über eineinhalb Milliarden Euro aus Kartenprovisionen und Transaktionsgebühren ein.

Die griechische Regierung plant die Umgehung der labyrinthischen Abrechnungssysteme für Karten-Transaktionen, die wegen der erhobenen Provisionsgebühren die Kosten übertrieben hoch treiben. Eins der Hauptszenarien, an dem die Regierung arbeitet um eine Senkung der überdimensionalen Bankprovisionen von bis zu 3% zu bewirken, welche die Transaktionen der Unternehmen und Verbraucher belasten und parallel den Kassen der Banken Einnahmen von hunderten Millionen bescheren, ist die Schaffung eines „DIAS“-Systems (sprich bankübergreifenden Abrechnungssystems) für Kredit- und Debitkarten

Es ist charakteristisch, dass im ersten Quartal nach Verhängung der Kapitalverkehrskontrollen in Griechenland (sprich im dritten Quartal 2015) die Einnahmen der vier systemischen großen griechischen Banken aus Provisionen auf Basis ihrer veröffentlichten Angaben 300 Millionen Euro überstiegen.

Banken rechtfertigen Abzocke mit Regeln des freien Marktes

Unter diesen außerordentlichen Umständen der Kapitalkontrollen erzielte für den Zeitraum Juli – September 2015 die meisten Einnahmen aus Provisionen die Griechische Nationalbank mit 86 Mio. Euro, gefolgt von der Eurobank mit 76 Mio. Euro, der Piräus Bank mit 73 Mio. Euro und schließlich der Alpha Bank mit 69,3 Mio. Euro. Besagtes Quartal stellt aber kaum keine Ausnahme dar, da ab 2011 und nachfolgend trotz des senkrechten Absturzes der Bankaktivitäten die Einnahmen der Banken aus den Provisionen keinen analogen Rückgang erlitten haben.

Das Thema der übertriebenen Gebühren, welche die Banken sowohl auf die Transaktionen mit Plastikgeld als auch auf die Transfers von Geldern (Überweisungen usw.) erheben, hat das Entwicklungsministerium auf den Plan gerufen, das in Verständigung sowohl mit dem Finanzministerium als auch mit der Griechischen (Zentral-) Bank steht, damit Wege zur Senkung der Kosten der Bankgeschäfte gefunden werden. Innerhalb der laufenden Woche wird der Sekretär für Handel und Verbraucherschutz, Antonis Papaderakis, jede Bank getrennt auffordern, zur Senkung der Gebühren zu schreiten, wobei die Regierung die Senkung des Prozentsatzes der Belastung auf 0,6% bis 0,8% zum Ziel gesetzt hat, wie es aus Quellen des Entwicklungsministeriums verlautet.

Trotz der wiederholten „Ermahnungen“ und der Beschwerden der unternehmerischen Träger weigern die Banken sich, zu Senkungen zu schreiten, und berufen sich dabei auf die Regeln des freien Marktes. Die jüngste europäische Verordnung bezüglich der Senkung der Provisionen für bankübergreifende Transaktionen beeinflusste minimal die Politik der hohen Provisionen der Banken, da laut der Gewerbekammer Athen veranschlagt wird, dass die Kosten um gerade einmal 0,2% gesenkt wurden.

Unter den Plänen, an denen die Regierung arbeitet, befindet sich die Umgehung der labyrinthischen Abrechnungssysteme für Karten-Transaktionen, die wegen der erhobenen Provisionsgebühren die Kosten übertrieben hoch treiben. Das Resultat ist, dass Gewerbetreibende und Konsumenten überdimensional hohe Kosten zahlen, um ihre Geschäfte abzuwickeln, während die Regierung inzwischen die allgemeine (obligatorische) Verwendung der Karten plant, und zwar unter Androhung der Streichung des Einkommensteuerfreibetrags, falls nicht ein bestimmter Anteil des Jahreseinkommens nachweislich unter Verwendung von „Plastikgeld“ für Konsumausgaben aufgewendet worden ist.

Wuchergebühren trotz obligatorisch bargeldlosen Zahlungsverkehrs

Das Szenarium der Erhebung einer Abgabe (sprich Transaktionssteuer) von 1 Promille auf Bankgeschäfte, damit Mittel zur Finanzierung des Versicherungssystems aufgetrieben werden, rief im vergangenen Zeitraum dagegen heftige Reaktionen von Seite der Bankiers hervor (Anmerkung: Wegen der großen Belastung in der Wirtschaft wird letztendlich nicht mit der Realisierung der Maßnahme gerechnet). Derweilen sind es jedoch selbige Banken, die sich jedes Jahr über 1,5 Mrd. Euro aus Provisionen und Gebühren einsacken und dabei ihre Kunden für die unglaublichsten Dienstleistungen abzocken.

Sogar auch nach der Verhängung der Beschränkungen im Kapitalverkehr im vergangenen Sommer (2015), womit eine große Menge von Bankgeschäften fortan obligatorisch nur noch elektronisch oder von Bank zu Bank ausgeführt werden konnten, setzte die Praxis der Erhebung von Provisionen auf diese Vorgänge sich mit ungemindertem Rhythmus fort. Zusätzlich erhöhte die zwangsweise Nutzung von Plastikgeld signifikant die Einnahmen aus den Provisionen, welche die Banken von Geschäften und Unternehmen jeder Art erheben.

Im dritten Quartal des Jahres 2015 erreichten somit die Einnahmen der vier systemischen Banken aus Provisionen 305 Mio. Euro. Diese Einnahmen rührten aus einer Reihe von Dienstleistungen her, welche die Banken den Kunden anbieten und die – wie aus der einschlägigen Preisliste hervorgeht, die auf der Website der Griechischen Bank eingestellt ist – sündhaft teuer in Rechnung gestellt werden. Viele dieser Dienstleistungen waren die Kunden der Banken nach der Verhängung der Kapitalverkehrskontrollen wegen der Beschränkungen bei den Barabhebungen zu nutzen gezwungen.

So kann beispielsweise der Transfer von Geldern von einer Bank zu einer anderen per E-Banking sogar bis zu 20 Euro kosten. Für eine Barabhebung unter Belastung eines Sparkontos über das Netz anderer Banken kann der Kunde abgesehen von der sich für eine einzige Abhebung bis zu 2,20 Euro bewegenden Grundgebühr mit bis zu 5 Promille des Betrags belastet werden. Hohe Kosten (0,15 – 0,30 Euro) belasten die Kunden auch, wenn sie mittels des Netzes anderer Banken ihr Guthaben abfragen, während für die Bezahlungen von Inlandsanweisungen von einer Bank zu einer anderen die Belastungen bis zu 10% des Transaktionswertes erreichen können.

(Quelle: Zeitung der Redakteure EfSyn, Autor: Vasilis Georgas)

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