Griechenland wird wieder das Geld ausgehen

27. Januar 2016 / Aufrufe: 2.180

ESM-Chef Klaus Regling vertritt, Griechenland werde trotz einer Verbesserung seines Verhältnisses zu den Gläubigern früher oder später wieder das Geld ausgehen.

Klaus Regling, geschäftsführender Direktor des Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM), schlägt erneut die Alarmglocke, da er in einem Interview an die französische Zeitung Le Figaro erklärte, zwar Anzeichen einer Verbesserung in der „Atmosphäre“ in dem Verhältnis Griechenlands zu seinen internationalen Gläubigern zu sehen, jedoch werde es für Griechenland „früher oder später ein Finanzierungsproblem geben„.

Spezieller betonte Herr Regling charakteristisch, „die Atmosphäre ist völlig anders. Die ersten sechs Monate des vergangenen Jahres waren eine Katastrophe.

Geschieht nichts, wird Griechenland in 5 Jahren keine Renten zahlen können

Wie der Leiter des ESM – sich auf Yanis Varoufakis beziehend – erklärte, „kooperierte der griechische Finanzminister in jener Epoche überhaupt nicht mit den europäischen institutionellen Organen„. Evklidis Tsakalotos, den neuen Finanzminister Griechenlands seit vergangenem Sommer (2015), dem er die Erzielung einer Vereinbarung für Griechenland mit seinen internationalen Gläubigern zuschrieb, hob er jedoch hervor.

Klaus Regling wiederholte, Griechenland werde in Gefahr laufen, dass ihm das Geld ausgeht, wenn die (seit Herbst vergangenen Jahres anhängige) Bewertung sich verzögert. In Bezug auf das Versicherungsthema merkte er an, wenn nicht etwas geschehe, werde Griechenland in fünf Jahren die Renten nicht zahlen können. Außer der Notwendigkeit hinsichtlich der Tragfähigkeit des Versicherungssystems, in Bezug auf welches Thema er bei den Erklärungen des Premierministers unterstrich, das jetzige System sei nicht tragfähig, stellte Herr Regling auch das Thema der fiskalischen Zielvorgaben und „der Angleichung, die Griechenland vorzunehmen hat, um diese (Ziele) 2016 und 2017 zu erreichen, was nicht leicht sein wird„.

Hinsichtlich des Themas der Vollendung der Bewertung brachte er die Hoffnung zum Ausdruck, dass „sie vor Ostern (dem katholischen Osterfest Ende März) zum Abschluss gebracht werden kann„. In Zusammenhang mit der Verschuldung betonte er, die Diskussion stelle eine Verpflichtung der Eurogruppe dar, stellte jedoch klar, weil Griechenland einen zehnjährigen Aufschub in der Tilgung der Verschuldung erhalten habe, „wird eine neue Erleichterung der Verschuldung hauptsächlich nach 2022 eine Auswirkung auf die Zahlungen haben„.

Abschließend eine Bilanz seiner Amtszeit bei EFSF und ESM ziehend kommentierte Klaus Regling, in den letzten schweren Jahren „halfen wir vier Ländern, die ernsthafte Krise zu überwinden„, und merkte an, „ich würde sagen, dass ohne EFSF und ESM gewisse Länder, die von der Krise getroffen wurden, wahrscheinlich die Eurozone hätten verlassen müssen„. Er bezog sich auf Irland, Spanien, Portugal und Zypern, welche die Krise überwunden haben, und meinte: „Griechenland ist ein spezieller Fall.

(Quelle: Imerisia)

  1. Protagoras
    27. Januar 2016, 09:04 | #1

    „Griechenland ist ein spezieller Fall“ – ganz gewiss ist es das, aber nicht in dem Sinn, den Herr Regling vermutlich meint. Was in „diesem speziellen Fall“ einem Land, vor allem aber seiner Bevölkerung, zugemutet worden ist, tritt alles, was man unter „europäischen Werten“ versteht mit Füßen. Die Umstände, die „die Rettung“ des Landes begleitet haben, sind ohne Beispiel, das Versagen eines Großteils der Presse, die Verleumdung von Politikern eines souveränen EU-Mitglieds, die Verunglimpfung eines Volkes in Bausch und Bogen, die völlige Ignoranz demokratischer Gepflogenheiten und Verfassungsgrundsätzen. Völlig gleichgültig, was diesem Elend vorausgegangen sein mag, Griechenland gegenüber hat die neoliberale Politik ihre Maske fallen lassen – dahinter verbirgt sich eine hässliche Fratze giergetriebener, skrupelloser Technokraten, denen der Bürger und sein Schicksal vollkommen gleichgültig sind.

  2. Anton
    27. Januar 2016, 18:00 | #2

    Interessant: Denn in der Grundaussage wiederholt Rehling nur das, was bes. Vaurofakis auch betonte, nur mit dem feinen Unterschied, dass dieser dafür eben genau jene aufgezwungene Wirtschaftspolitik verantwortlich macht, für die Rehling (ESM) gerade steht.

  3. Kleoni
    27. Januar 2016, 18:10 | #3

    der „Spieler“ Hr. Varoufakis hat (leider) immer mehr Recht mit seinen Prognosen. Die EU wird es vermutlich Ende Jahr so nicht mehr geben. In Brüssel hofiert man lieber dem Rechtspopulisten Erdogan – er bekämpft ja vehement die linken Kurden bis zum Genozid – sperrt Intellektuelle und Regimkritiker ein, dafür lässt man Griechenland fallen wie eine heisse Kartoffeln. Jetzt wo es ausgeplündert ist, kann man sich ja auch anderweitig helfen.
    Endlich ist man dann die Regierung Tsipras los, die Listen der Korrupten und Steuerflüchtlinge werden verbrannt, ERT wieder geschlossen, dann kann die alte Nomenklatura – so ca. 10% der Griechen – wieder ungestört leben, was mit den restlichen 90% passiert, wen interessiert das dann noch – nur ein hungernder Grieche ist ein gefügiger Grieche. Ich weiss, das ist polemisch und darf auch gern wieder entfernt werden, aber was ich gerade so in der deutschen Presse lese, lässt meinen Hals als deutsche EU-Bürgerin immer dicker werden.

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