Als die Griechen selbst die Einwanderer waren …

29. Dezember 2015 / Aktualisiert: 30. Dezember 2015 / Aufrufe: 2.845

Die erste große Auswanderungswelle erlebte Griechenland bereits im 19 Jahrhundert und die Wirtschaftskrise hat erneut hunderttausende Griechen ins Ausland getrieben.

Die wirtschaftliche Krise riss wieder die alte „Wunde“ der Emigration auf. In dem Zeitraum 2009 – 2013 verließen schätzungsweise über 230.000 Griechen – in ihrer Mehrheit junge Leute mit Studienabschlüssen – das Land auf der Suche nach einer besseren Zukunft in Ländern Mitteleuropas und hauptsächlich in Deutschland.

Das Problem des demographischen „Aderlasses“ ist für die Gesellschaft Griechenlands nicht neu. Die erste große „Welle“ griechischer Auswanderer wurde bereits gegen Mitte des 19 Jahrhunderts verzeichnet, wobei Amerika den größten „Pol der Anziehung“ darstellte.

Ihrer Vorfahren unwürdige „Drecks-Hellenen“ …

Im Jahr 1848 wurde der erste Grieche verzeichnet, der zusammen mit mehr als 90.000 Irländern und 50.000 Deutschen in den USA eintraf. Nach 1880 steigt die Anzahl der nach Amerika auswandernden Griechen konstant an und im Jahr 1910 übersteigt sie 180.000. Bis 1920 befand sich die überwältigende Mehrheit der griechischen Auswanderer – sprich ungefähr 400.000 von der halbe Million, die das Land verlassen hatten – in den USA.

Die meisten waren Männer im Alter zwischen 18 – 35 Jahren mit niedrigem Bildungsniveau, die sich in New York, in den Gebieten oberhalb der Ebene des Mississippi und hauptsächlich in Chicago und San Franzisco zu sammeln begannen. Ohne der Sprache mächtig zu sein lebten Gruppen von 25 Personen in einem einzigen Zimmer und versuchten, unter schwierigen Umständen zu überleben. Manche arbeiteten bei der Eisenbahn, in den Schlachthöfen und in anderen Kleinunternehmen und fielen häufig „Patronen“ zum Opfer, die ihnen den Verdienst wegnahmen. Andererseits wird ihnen als einer niederen, ihrer Vorfahren unwürdigen Rasse begegnet und sie galten als „unerwünscht“. Referenzpunkte für die Feindseligkeit, der sie begegneten, waren die Vertreibung von rund 2.000 – 3.000 Griechen in Süd-Omaha in Nebraska, aber auch die Verhaftung, Misshandlung und Verurteilung des griechischen Immigranten Giannis Masouridis im Jahr 1909, weil er ein Verhältnis mit einer 17-jährigen Amerikanerin hatte.

Zur selben Stunde waren jedenfalls abgesehen von dem fremdenfeindlichen Klima gegen die „Dreckshellenen“, wie sie die Einheimischen nannten, auch ihre deliktischen Verhaltensweisen häufig. Laut dem Polizeibericht der Epoche wurde die Verwicklung von Griechen in illegale Aktivitäten verzeichnet, vor allem bei dem Import und Export von Waren, während die Übernachtungen auf Polizeirevieren bis zur Feststellung ihres Wohnortes und Arbeitsplatzes ein häufiges Phänomen war.

Die Epoche des großen „Aufbruchs“ nach dem 2. Weltkrieg

Nach dem 2. Weltkrieg durchlebte Griechenland eine weitere tragische Periode seiner Geschichte. Zehntausende Griechen suchten nach einem besseren Leben weit weg von den Trümmern, wobei die meisten in Richtung Europa und hauptsächlich Deutschland zogen. Der entwickelte Norden brauchte billige „Arbeiterhände“, die der europäische Süden in Fülle bot. Die Länder, in die sich Hauptvolumen des Auswanderungsstroms gelenkt wurde, waren Deutschland, Italien, Großbritannien, die Schweiz, Belgien, Frankreich, Österreich, Schweden und Holland.

Besonders beeindruckend sind die Zahlen für Deutschland, das in dem Zeitraum 1960 – 1976 mehr als 623.300 Griechen aufnahm, welche Zahl ungefähr 84% des Gesamtvolumens der griechischen Nachkriegsauswanderung in Europa entspricht. Rechnet man dieser Zahl auch die Mitglieder ihrer Familien hinzu, müssen die Griechen, die in den 60er und 70er Jahren Deutschland passierten, mehr als 1,5 Millionen zählen.

Zu dem deutschen Wortschatz kommt der Begriff Gastarbeiter hinzu, der mit den Jahren verschiedene negative Interpretationen erhält.

Griechenland verlor seine besten Arbeitskräfte an Deutschland

Die nach Deutschland ausgewanderten Griechen waren zu 85% Bauern und nur 7% kamen aus großen Städten. Ihr Bildungsniveau war niedrig. Weniger als die Hälfte hatten die Grundbildung absolviert. Auf der anderen Seite waren es jedoch die besten Arbeitskräfte, über die Griechenland verfügte. 90% der Auswanderer waren im Alter von 18 – 35 Jahren und ihre Gesundheit war ausgezeichnet.

Im Gegensatz zu dem Geschehen während der Vorkriegsperiode, als die großen Verluste an Humankapital den Peloponnes betrafen, erlitt in den Nachkriegsjahren Makedonien, sprich das „Rückgrat“ der griechischen Wirtschaft, den stärksten Schlag. In dem Jahrzehnt 1960 kamen schätzungsweise 45% – 50% der Auswanderer ausschließlich aus Nordgriechenland. Im Norden Griechenlands gibt es fast keine Familie, die nicht von der Auswanderung nach Deutschland betroffen ist.

Für diejenigen, die es schafften, die vielbegehrte „grüne Karte“ zu bekommen, begann die Reise nach Deutschland entweder über Piräus mit dem legendären Fährschiff „Kolokotronis“ nach Brindisi in Italien, von wo aus sie ihre Reise mit dem Zug fortsetzten, oder – später – mit dem Sonderzug aus Thessaloniki. Die Passagiere kamen am im Münchener Bahnhof auf Gleis 11 an, dass die Italiener „Gleis der Hoffnung“ getauft hatten. Von dort gelangten sie hauptsächlich in die Metallindustrie, die Elektro- und Elektronikfabriken, aber auch die Chemiefabriken von Nürnberg bis Stuttgart, in Köln und Düsseldorf, Hamburg und Berlin.

Manche von ihnen fanden wirklich ihr Glück, erreichten ihr Ziel und kehrten nach Griechenland zurück. Viele von ihnen blieben jedoch für immer dort, in Deutschland, dem Land, das für sie und ihre Kinder zum zweiten Vaterland wurde.

(Quelle: Imerisia)

  1. Otto
    29. Dezember 2015, 11:48 | #1

    Für Deutschland, oder besser gesagt, dass deutsche Kapital, war die Zuwanderung der Griechen optimal, hielt es doch die Lohnkosten niedrig. Auch heute ist das wieder so. Die zugewanderten Griechen, auch gut ausgebildet, werden nicht mehr als den Mindestlohn von 8,50 Euro die Stunde erhalten. Überstunden sind natürlich unbezahlt. Aber damit fahren die griechischen Zuwanderer immer noch besser als in Griechenland. Dort sind die Löhne noch geringer. Und genau das ist der Grund für den Erfolg Deutschlands und seiner Unternehmer. Konkurrenz im Ausland kaputtmachen und dort billigst die Arbeitnehmer absaugen. Die Griechen und andere Europäer werden in Kürze in Deutschland unter Druck kommen. Der Syrier macht es bestimmt noch billiger als der Grieche. Die Diskussion um Abschaffung des Mindestlohnes ist im vollen Gange. Dann gibt es auch Stundenlöhne für 4-5 Euro wieder. Hauptsache billig muss der Knecht sein. Das wissen wir bereits seit den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts.

  2. clavier
    29. Dezember 2015, 13:44 | #2

    Fragt doch mal wie viele gr freiwillig Ihre Beine in die Hand nehmen wuerden um diese BRD zu verlassen wenn sie doch nur die Aussicht auf einen Job haetten

  3. Heiko
    29. Dezember 2015, 18:25 | #3

    Der Unterschied aber zu den Flutlingen 2000+ ist der, dass der Grieche tolerant und anpassungsfähig war, dass der Grieche arbeiten und dann evtl. wohlhabend in seine Heimat zurückkehren wollte! Der Grieche wollte keine gesellschaftliche, religiöse Invasion aufkommen lassen und auch keine Sozialleistung alimentieren!

Kommentare sind geschlossen