Wohin die Löhne in Griechenland „verschwinden“

8. November 2015 / Aufrufe: 1.708

In Griechenland liegen die Versicherungsabgaben 70 Prozent über OECD-Durchschnitt und jeder erwirtschaftete Euro erfordert das fünffache Investitionskapital.

Ein Arbeitnehmer mit Bruttobezügen von 2.400 Euro im Monat (welcher Betrag um 67% größer ist als der Durchschnittslohn) und zwei Kindern zahlt 60% seines Lohnes für Steuern und Abgaben, also einen Anteil, der um fast 20 Prozentpunkte höher als in Deutschland ist und 70% über dem Mittelwert der OECD liegt.

Entsprechend hat Griechenland für einen Arbeitnehmer mit einem Bruttoeinkommen von 1.440 Euro im Monat als Prozentsatz der Löhne im Vergleich zu Holland, Finnland, Spanien, Portugal und Italien die höchsten Sozialversicherungsbeiträge und nur drei Länder haben spürbar höhere Beiträge als in Griechenland.

Griechenland ist ein extremer Fall der Unterinvestition

Die Daten gehen aus dem wirtschaftlichen Wochenbericht des Griechischen Industrieverbands (SEB) hervor, in dem betont wird, dass jedoch alle Länder, die entsprechend hohe Beiträge haben, Länder mit weniger Bürokratie, ohne Kapitalverkehrskontrollen, mit weniger politischer Ungewissheit sind und denen die Märkte vertrauen, auf welchen Ebenen unser Land weit zurück liegt.

Der SEB wiederholt, Vorschläge bezüglich der Anhebung der Versicherungsbeiträge werden unter den heutigen Umständen als unhaltbar beurteilt, da sie die vor den Toren stehende Rezession verstärken und zu einem Anstieg der Arbeitslosigkeit führen werden, während er ebenfalls wiederholt, das Rentensystem sei zu dem öffentlichen Sektor generös, da die Analogie der Pensionen des öffentlichen Sektors zu den Gesamtaufwendungen spürbar höher ist als der Anteil der Rentner des öffentlichen Dienstes an der Gesamtzahl der Rentner, wobei die Rentner des Staates und der Organismen des allgemeinen öffentlichen Sektors traditionell unverhältnismäßig hoch an den vorzeitigen Verrentungen beteiligt sind.

In dem Bericht wird weiter unterstrichen, dass Griechenland heute ein extremer Unterinvestitions-Fall ist. Unterinvestition in geringerem Grad wird auch in Portugal, Italien und Zypern beobachtet, während alle übrigen Länder der EU der 28 positive Nettoinvestitionen haben, was bedeutet, dass ihre Investitionen vollständig die Bedürfnisse zum Erhalt ihrer Kapitalausstattung decken und sie – zusätzlich – ihren Kapitalbestand steigern.

In unserem Land ist für jeden Euro Produktion und Einkommen Investitionskapital im fünffachen Wert erforderlich, wogegen in der übrigen entwickelten Welt ungefähr die Hälfte dieser Gelder erforderlich ist. „Die Tatsache, dass unser Land in der einschlägigen Aufstellung das letzte ist, bedeutet, dass es in der wirtschaftlichen Aktivität mit riesigen Hindernissen funktioniert, die – wenn sie nicht ausgeräumt werden – das Land zu einer kontinuierlichen Rezession oder im besten aller Fälle zu einem Konjunkturmorast mit niedrigen Ergebnissen verurteilen, die nicht fähig sind, Gelegenheiten für den Anstieg der Beschäftigung und der Einkommen zu schaffen“, vertritt der SEB.

Das Präsidium des Verbands befand sich am 29 Oktober 2015 in Brüssel und hatte eine Begegnung mit EU-Präsident Jean-Claude Juncker.

(Quelle: dikaiologitika.gr)

  1. krisenfrei
    8. November 2015, 03:03 | #1

    Mit diesem Zitat ist alles gesagt: „Wenn der Staat Pleite macht, geht natürlich nicht der Staat pleite, sondern seine Bürger.“ (Carl Fürstenberg, deutscher Bankier)
    Das gilt natürlich nicht nur für Griechenland.

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