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Wem und wie viel Griechenland schuldet

Wem und wie viel Griechenland schuldet

17. November 2015 / Aktualisiert: 18. November 2015 / Aufrufe: 6.553

Die Höhe der Verschuldung, die Anzahl der Schuldner und die Struktur der Finanzierung Griechenlands sind geradezu schwindelerregend.

Die Verschuldung des griechischen Fiskus an Privatleute und offizielle Gläubiger beläuft sich heute auf 296 Mrd. Euro. In diesem Betrag ist jedoch nicht die auch sogenannte „versteckte Verschuldung“ in Höhe von 25 Mrd. Euro enthalten, welche die potentiellen Verbindlichkeiten des griechischen Fiskus im Fall des Fälligwerdens der Bürgschaften sind, die er an Träger innerhalb und außerhalb der zentralen Regierung gewährt hat: also staatliche Unternehmen, öffentliche Organisationen und öffentliche Träger und Unternehmen.

In dem Fall, dass diese Bürgschaften alle fällig werden, wie es mit den 481 Mio. Euro der Griechischen Bahn (OSE) und den 49 Mio. Euro des Genossenschaftsverbands (EAS) im ersten Halbjahr geschah, könnte die öffentliche Verschuldung auf bis zu 320 Milliarden Euro hochschnellen. Und dies ohne die Bürgschaften des Fiskus für die Banken, die bei der Europäischen Zentralbank (EZB) hinterlegt worden sind, damit sie einen Teil der Finanzierung decken, die sie mittels der ELA geschöpft haben und die jedenfalls regulär bedient wird. Und in den 296 Mrd. Euro sind natürlich auch nicht die Kosten der Bedienung dieser Kredite enthalten, also die Zinsen, die jährlich entrichtet werden und deren durchschnittliche Höhe in einer Größenordnung von 2% liegt.

Schwindelerregende Zahlen

Die Beträge, aber auch die Strukturen der Finanzierung erregen Schwindel bei denen, die nicht mit der Dynamik der Entwicklung der Verschuldung und der Anzahl der Gläubiger vertraut sind. Und der Gesamtbetrag ändert sich stetig, manchmal sogar auch auf Wochenbasis, da Athen die aufeinander folgenden Tilgungsraten vorheriger Kredite, die sich bis einschließlich 2059 erstrecken, aber auch Einnahmen aus dem dritten Hilfsprogramm vor sich hat. Eine solche Auszahlung ist die anstehende Tranche der 2 Mrd. Euro und solche Zahlungen sind die drei Raten an den IWF im Dezember, die 1,2 Mrd. Euro übersteigen.

Streuung der griechischen Verschuldung (in Mrd. €)
Quellen: Träger für die Verwaltung der öffentlichen Verschuldung, Internationaler Währungsfonds, Europäische Kommission, Wall Street Journal

Europäische Finanzstabilitätsfazilität (EFSF) 131
Länder der Eurozone 53
Private Investoren 36
Europäischer Stabilitätsmechanismus (ESM) 23
Europäische Zentralbank (EZB) 20
Internationaler Währungsfonds (IWF) 18
Inhaber von Schatzbriefen 15

Es sei angemerkt, dass Griechenland von dem Europäischen Stabilitätsmechanismus (European Stability Mechanism bzw. ESM) bisher nur einen Teil des dritten Pakets zur Stützung der griechischen Wirtschaft erhalten hat. Es sind 23 Milliarden Euro ausgezahlt worden, von denen 10 Milliarden Euro für die Bedürfnisse der Rekapitalisierung der Banken vorgesehen sind und auf einem Sonderkonto in Luxemburg verbleiben und nicht an Griechenland überwiesen worden sind, während weitere 13 Milliarden Euro, die ausgezahlt worden sind, für die großen Tilgungszahlungen der vergangenen Monate an den IWF und die EZB verwendet wurden.

Die anstehende Auszahlung der Tranche der 2 Mrd. Euro wird genau aus diesen 63 Mrd. Euro der insgesamt 86 Mrd. Euro herrühren, die der ESM im Rahmen des dritten Programms genehmigt hat.

Schwindel erregt jedoch auch die Anzahl der Gläubiger. Gläubiger des Landes sind grundsätzlich die Inhaber von Schatzbriefen des Fiskus, deren Höhe sich auf 15 Milliarden Euro beläuft. Diese kurzfristige Verschuldung wird kontinuierlich „recycelt“ und wird hauptsächlich, jedoch nicht in ihrer Gesamtheit, von griechischen Banken gehalten. Unter den Käufern erschienen früher in diesem Jahr auch ausländische Organisationen, jedenfalls mit einer sehr kleinen Beteiligung.

Beteiligung der Eurozonen-Länder an den Krediten an Griechenland (in %)
(An der EZB sind auch Länder beteiligt, die nicht der Eurozone angehören, deswegen summieren die nachstehenden Anteile sich nicht auf 100%)
Quelle: Europäische Zentralbank

Deutschland 18,00 Irland 1,16
Frankreich 14,18 Slowakei 0,77
Italien 12,31 Litauen 0,41
Spanien 8,84 Slowenien 0,35
Holland 4,00 Lettland 0,28
Belgien 2,48 Luxemburg 0,20
Österreich 1,96 Estland 0,19
Portugal 1,74 Zypern 0,15
Finnland 1,26 Malta 0,06

Ebenfalls schuldet Griechenland 18 Mrd. Euro an den Internationalen Währungsfonds (IWF). Die Raten zur Tilgung dieser Schuld enden im Jahr 2024, in dem sie dann auch beglichen sein wird. Es ist jedoch noch nicht klargestellt worden, ob und in welchem Grad der IWF sich an dem neuen Paket der 86 Milliarden Euro des dritten Hilfsprogramms beteiligen wird, das bis auf weiteres vollständig als Kreditlinie des Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) genehmigt worden ist. Ob der IWF sich letztendlich an diesem Programm beteiligen wird, wird ganz klar von der Diskussion zwischen Athen und europäischen Gläubigern über die Regelung der Tragfähigkeit der griechischen Verschuldung entschieden werden – einer Diskussion, von der erwartet wird, dass sie auf keinen Fall in diesem Jahr zum Abschluss kommt.

Weitere 20 Milliarden Euro schuldet der griechische Fiskus der Europäischen Zentralbank. Es handelt sich um alte Anleihen des griechischen Fiskus die von der EZB und Zentralbanken der Mitgliedstaaten der Eurozone gehalten werden und von dem „Schnitt“ des Jahres 2012 ausgenommen wurden. Die unmittelbar nächsten Zahlungen zur Tilgung dieser Schulden an die EZB, die der Fiskus nach denen zu leisten hat, die im Sommer auf abenteuerliche Weise und dank der in das dritte Programm aufgenommenen 13 Mrd. Euro erfolgten, sind für April und Juli 2016 angesetzt.

Vom PSI zum ESM

An private Investoren – Inhaber der neuen griechischen Anleihen, die sich aus dem PSI im Jahr 2012 ergaben, aber auch der beiden neuen Anleihen-Emissionen des Jahres 2014 schuldet der Fiskus insgesamt 36 Milliarden Euro. Diese Anleihen beginnen im Februar 2013 fällig zu werden. Sie befinden sich in den Händen sowohl institutioneller Investoren als auch bei Hedgefonds, aber auch bei natürlichen Personen und Versicherungskassen.

Dem ESM schuldet Griechenland in diesem Moment wie vorstehend angeführt 23 Mrd. Euro, die zu 25 Mrd. Euro werden, wenn die Tranche der 2 Mrd. Euro zur Auszahlung kommt, und voraussichtlich zu 86 Mrd. Euro tendieren werden, analog zu der Höhe der Gelder, die letztendlich bis zum Jahr 2018 erforderlich sein werden, in dem das dritte Programm auch ausläuft. Es sei angemerkt, dass von diesen 23 Mrd. Euro und spezieller den 10 Mrd. Euro daraus, die für die Rekapitalisierung der Banken bestimmt sind, auf Basis der herrschenden Einschätzung bezüglich einer großen Beteiligung der privaten Investoren an den im Gang befindlichen Rekapitalisierungen möglicherweise nicht alle Gelder nötig sein werden.

(Quelle: Kathimerini, Autor: Ilias Mpellos)

  1. Rudi
    18. November 2015, 05:07 | #1

    Zahlendreher im zweiten Absatz: nicht 230, sondern 320

    • Team
      18. November 2015, 12:52 | #2

      Danke für den Hinweis, der Fehler wurde korrigiert.

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