Griechenland: Alles ändert sich … und Alles bleibt beim Alten

30. November 2015 / Aufrufe: 1.722

Griechenland darf keine hohen Rhythmen eines tragfähigen wirtschaftlichen Wachstums erwarten, solange dieses auf Konsum und geliehenem Geld basiert.

In Griechenland freut man sich, weil die Wirtschaft in diesem Jahr stagnieren und im nächsten Jahr leicht rezessiv sein wird. Die Essenz ändert sich jedoch nicht. Trotz der Verkündigungen sind die Aussichten auf ein tragfähiges Wachstum trübe.

Die meisten Analysten sind sich einig, dass die Beseitigung der makroökonomischen Ungleichgewichte der griechischen Wirtschaft einen notwendigen, jedoch nicht auch tauglichen Pakt für ihre Rückkehr auf einen Wachstumskurs darstellt.

Griechenland braucht eine Änderung seines Wirtschaftsmodells

Seit 2010 bis einschließlich 2014 ergriff Griechenland drosselnde fiskalische Maßnahmen mit einem Volumen von über 60 Mrd. Euro, um die primären Defizite des Haushalts der allgemeinen Regierung auszumerzen. In Kombination mit der inländischen Abwertung auf Ebene der Löhne und der Beschneidung der Verschuldung (PSI) mittels einer Senkung der Zinsen trug all dies ebenfalls zur Umkehr des Defizits der Handelsbilanz in einen Überschuss bei. Die Kosten der Ausmerzung der Zwillings-Defizite des Haushalts und der Handelsbilanz erwiesen sich jedoch als ungeheuer. Die Wirtschaft schrumpfte um 25%, die Arbeitslosigkeit schoss auf 27% hoch und in einem gewissen Grad wurden auch die Einkommen komprimiert.

Wir werden uns nicht auf den bekannten Streit beziehen, inwieweit das hässliche Resultat hauptsächlich der übertriebenen Austerität oder der Nichtrealisierung vieler struktureller Reformen anzulasten ist. Zumal auch die ELSTAT diese tage eine sicherere Einschätzung über den Verlauf des BIP im 3. Quartal und Daten über die jeweiligen Größen wie den Konsum bekannt gab, werden wir jedoch bei etwas anderem stehen bleiben. Nämlich dem – zumindest bisherigen – Unvermögen zur Umgestaltung der griechischen Wirtschaft von einem Modell, das hauptsächlich auf dem Konsum basiert, in ein anderes, das auf den Investitionen und den Exporten basiert.

Die fiskalische Disziplin und die Änderung des Wirtschaftsmodells werden von vielen Analysten für erforderlich gehalten, damit die griechische Wirtschaft mittelfristig auf einen Kurs eines tragfähigen wirtschaftlichen Wachstums kommt. Die angestrebte Änderung des Wirtschaftsmodells zeigt sich jedoch problematisch, trotz der Verbesserung der Ergebnisse des Landes bei Produkten und Dienstleistungen (Tourismus) in den ungefähr beiden letzten Jahren. Einer Verbesserung, die jener anderer Länder der Europeripherie, wie Portugal und Irland, in dem selben Zeitraum nachhinkt.

Konsum und Kredite können kein tragfähiges Wachstum generieren

Der Wert der griechischen Exporte von Produkten und Dienstleistungen stieg von 2009 bis einschließlich 2014, als er 58 Mrd. Euro erreichte, was laut den Angaben der Kommission darstellt, um ungefähr 29%. Als Prozentsatz des BIP stiegen die Exporte mit Hilfe des Tourismus im Jahr 2014 auf 32,6%, gegenüber 22,1% im Jahr 2010. Auf der anderen Seite sind die Investitionen auf ungefähr 11% des BIP abgestürzt, gegenüber ungefähr 27% im Jahr 2007, als sie sich in ihrem Zenit befanden.

Auf sehr hohen Niveaus im Verhältnis zum BIP bleibt der Konsum. Obwohl er von 207 Mrd. Euro bzw. 91,6% im Jahr 2010 im vergangenen Jahr auf 160,4 Mrd. Euro bzw. 90,3% des BIP zurückging, bleibt er im Verhältnis zum BIP auf hohen Niveaus. Es handelt sich um eine der höchsten Quoten unter den Mitgliedsländern der Eurozone. Die Wirtschaft wird jedoch verwundbar bleiben, solange sie sich in einem dermaßen hohen Grad auf den – mittels der Importe zum Teil ins Ausland abfließenden – Konsum stützt und die Investitionen versinken.

Trotz der gegenteiligen Verkündungen hat das Wirtschaftsmodell des Landes sich nicht geändert. Praktisch bedeutet dies, dass wir mit Schimmern eines wirtschaftlichen Wachstums rechnen können. Es wäre jedoch nicht realistisch, tragfähige hohe Rhythmen eines wirtschaftlichen Wachstums zu erwarten, solange dies auf dem Konsum und auf geliehenem Geld basiert.

(Quelle: euro2day.gr)

  1. Jorgo
    30. November 2015, 13:56 | #1

    Solange Griechenland den Euro hat, wird es sich wirtschaftlich nie soweit erholen können, dass es auf eigenen Füssen stehen kann.

  2. GR-Block
    30. November 2015, 18:22 | #2

    Solange GR im Binnenmarkt bleibt, wird es sich nicht erholen. Es wird sich nie gegen Preisdumping wehren dürfen und schon gar nicht gegen die immense Korruption der Industriestaaten, gegen Schäuble’sche Klientelnetzwerke aus den 80ern und 90ern (s. Wiki: „Schattenwirtschaft – eine anschwellende Quelle für Schmiergeld“). Kleine Betriebe sind der Brutalität des Kapitalismus ausgeliefert und verlieren ihre Märkte an korrupte „Investoren“. Dagegen hilft keine Währungsabwertung. Die könnte das Problem nur kaschieren, aber nie bekämpfen.

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