Wie viel die „reichen“ Rentner Griechenlands verlieren

12. Oktober 2015 / Aufrufe: 4.144

Rentner in Griechenland mit Bezügen von insgesamt über 1000 Euro brutto haben mit erneuten Kürzungen ihrer Renten um 10 bis zu 20 Prozent zu rechnen.

Feuer und Beil allen in Griechenland … die wagten, in ihrem Leben Versicherungsbeiträge – häufig auch bei mehr als einer Versicherungskasse und sogar obligatorisch – zu entrichten, um für ihr Alter eine bessere Rente sicherzustellen.

Die Entscheidung, der die Regierung sich zuwendet – und die praktisch die Minister bereits angekündigt haben – ist, dass die Renten bis insgesamt 1.000 Euro (brutto) „geschützt“ werden. Das bedeutet jedoch, dass alle Bezüge, die – immer auf den Gesamtbetrag der Haupt- plus Zusatzrenten bezogen – 1.000 Euro übersteigen, gekappt werden müssen – und zwar drastisch. Obwohl die Regierung von gestaffelten Kürzungen spricht, ist sicher, dass diese Staffelung zweistellige Prozentsätze umfassen wird, die ab 10% – 11% für alle beginnen, die sich im Bereich eines „Tausenders“ bewegen, und sich sogar bis zu 20% staffeln werden.

Nur 1 Drittel der Rentner hat (Brutto-) Bezüge von über 1.000 Euro

TheTOC.gr wertete die Daten des Helios-Systems aus, die auch in den beiden weiter unten folgenden Tabellen veröffentlicht werden. Was daraus hervorgeht? Dass die Aufwendungen für Renten sich auf ungefähr 2,345 Mrd. Euro im Monat bzw. 28,144 Mrd. Euro im Jahr gestalten. Von diesem Betrag teilen sich die – die gerade einmal 905.000 von insgesamt 2,65 Millionen Rentnern zählenden – Empfänger mehr als 1.000 Euro betragender Renten gerade einmal 1,326 Mrd. Euro im Monat bzw. 16 Mrd. Euro im Jahr.

Um eine Kürzung der Aufwendungen um 1,7 Milliarden Euro sicherzustellen, damit die Vereinbarung mit den Gläubigern „schließt“, hat die griechische Regierung zwei Optionen: entweder die 1.000 Euro übersteigenden Bezüge aller Rentner horizontal um 12% – 13% zu kürzen oder eine Skala einzuführen, die Kürzungen ab 10% bis hin zu 20% für die Wenigen vorsehen wird, die weiterhin hohe Renten beziehen. (Anmerkung: ab 2.000 Euro und mehr beziehen gerade einmal 49.960 Personen, während es ab 3.000 Euro und mehr nur 2.500 Personen sind).

Es sei angemerkt, dass die prozentuale Kürzung größer sein muss als jene, die tatsächlich erforderlich ist, damit der geforderte Betrag sichergestellt wird, weil die Gläubiger immer den „wirklichen Nutzen“ anstreben. Was dies bedeutet? Dass auch die Beträge berücksichtigt werden müssen, die dem Fiskus aus Verlusten bei der Einkommensteuer entgehen werden. Warum es einen Verlust geben wird? Weil die Rentner weniger Geld beziehen und folglich auch weniger deklarieren werden.

Verteilung der Renten in Griechenland nach Bezügen und Empfängern

Die derzeitige Verteilung der Renten in Griechenland nach Höhe der (Brutto-) Bezüge und Anzahl der Empfänger stellt sich folgendermaßen dar:

Monatliche Bezüge (€) Anzahl der Rentner Monatliche Kosten (€)
0 – 300 121.181 16.128.349
300 – 400 236.782 86.599.121
400 – 500 280.182 126.957.433
500 – 600 267.018 146.616.527
600 – 700 284.187 185.799.664
700 – 800 294.113 219.643.948
800 – 900 139.059 117.741.589
900 – 1.000 125.101 119.486.364
1.000 – 1.500 549.167 692.617.053
1.500 – 2.000 306.524 517.461.240
2.000 – 2.500 38.155 82.767.547
2.500 – 3.000 9.303 24.817.849
3.500 – 4.000 769 2.841.795
> 4.000 251 1.158.702
Summe 2.653.274 2.345.398.894

Die anteilmäßige Verteilung der Rentenbezüge im Verhältnis zur Gesamtzahl der Rentner zeigt deutlich, dass die große Mehrheit der Rentner in Griechenland monatliche (Brutto-) Bezüge von unter 1.000 Euro und fast 45% von sogar unter 700 Euro haben. (Quelle: Imerisia)

Monatliche Bezüge (€) Anzahl der Rentner Gesamtanteil (%)
bis 700 1.189.3.96 44,80
700 – 1.000 559.736 21,08
1.000 – 1.500 549.168 20,69
1.500 – 2.000 306.524 11,55
2.000 – 2.500 38.155 1,44
2.500 – 3.000 9.303 0,35
3.000 – 3.500 1.482 0,06
3.500 – 4.000 769 0,03

2015 – 2016 sind bei den Renten wenigstens 1,7 Mrd. einzusparen

Wie viel muss jedoch der Fiskus aus der Kürzung der Renten sicherstellen? Die „Gesamtrechnung“ für das Versicherungswesen wurde im Vorentwurf des staatlichen Haushaltsplans 2016 wiedergegeben: aus Renten, Beiträgen und sonstigen Sozialversicherungsleistungen müssen 1,268 Mrd. Euro im Jahr 2016 und insgesamt 1,7 Mrd. Euro in der Periode 2015 – 2016 eingespart werden, damit auch die Memorandums-Klausel bezüglich der Einsparung von Mitteln eingehalten wird, die 1% des BIP für 2016 entsprechen.

Der Vorentwurf des Haushaltsplans 2016 spricht explizit von einer Einsparung von Ausgaben mittels der Versicherungsreform, wobei die „Rechnung“ der undefinierten Maßnahmen sich auf 258 Mio. Euro für die Renten des öffentlichen Sektors und auf 464 Mio. Euro für die Renten der Sozialversicherungsträger (IKA, OAEE, OGA usw.) gestaltet. Die bis auf weiteres „unbekannten“ Maßnahmen im Versicherungssystem zeigen sich fortan mit einem Etat von 722 Mio. Euro, ohne dass in diesem Betrag die äquivalenten Maßnahmen bezüglich der Null-Defizit-Klausel bei den Zusatzrenten enthalten sind.

Es wird erwartet, dass der Vorschlag für das neue Versicherungsgesetz – genauer gesagt, die Vorschläge, da erwartet wird, dass der „Ausschuss der Weisen“ die Gesamtheit der Schriftsätze übergeben wird, die seine Mitglieder seit Sommer 2015 ausarbeiteten – an die Öffentlichkeit gegeben werden wird, damit umgehend danach der Prozess der „wirtschaftlichen Bilanzierung“ beginnt. Mittels dieses Prozesses wird sich letztendlich auch ergeben, wie der Betrag der 710 Mio. Euro (bzw. wenigstens 1 Mrd. Euro, wenn auch die Nichtumsetzung der Null-Defizit-Klausel hinzugerechnet wird) gedeckt werden soll.

Für das Jahr 2015 wird erwartet, dass die Bilanz der Versicherungskassen mit einem Defizit der Größenordnung von 1,672 Mrd. Euro abschließen wird – und zwar in dem Moment, wo die – wie im Winter vergangenen Jahres veranschlagte – Zielvorgabe für dieses Jahr auf ein Defizit von 968 Mio. Euro lautete. Für 2016 wird ein Defizit von 2,559 Milliarden Euro ohne die national-logistischen Angleichungen und von 1,675 Mrd. Euro prognostiziert, wenn die national-logistischen Angleichen berücksichtigt werden. In diesem Betrag sind allerdings noch nicht die Aufwendungen für die Renten enthalten, die noch nicht bewilligt bzw. gezahlt worden sind. Diese übersteigen 300.000 Fälle und die Aufwendungen für ihre Zahlung tangieren insgesamt rund 3 Mrd. Euro.

(Quelle: TheTOC.gr, Autor: Thanos Tsiros)

  1. windjob
    12. Oktober 2015, 06:13 | #1

    Ich bin sicher, dass auch dies wieder mal vom entsprechenden Gericht einkassiert wird. Wenn ich für meine Rente einbezahlt habe, habe ich auch das Recht diese zu beziehen. Aber dies ist halt die Denkweise der Politik. Den Politiker geht es ja gut. Es gab in Deutschland mal ähnliche Bestrebungen und diese ausgerechnet von den Grünen. Man wollte Betriebsrenten mit der Hauptrente verrechnen sprich sie davon abziehen. Hat auch nicht funktioniert. Viel wichtiger wäre es, das gesamte Rentensystem grundlegend zu reformieren wie vieles andere auch.

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