Industrie-Strom in Griechenland ist zweimal teurer als in Deutschland

25. Oktober 2015 / Aufrufe: 857

So unglaublich es auch klingen mag, die Industrie in Griechenland bezahlt elektrische Energie fast doppelt so hoch wie Industriebetriebe in Deutschland.

In einer um wie viel besseren Position hinsichtlich der Energiekosten vermag sich ein deutscher Industriekonzern wie ThyssenKrupp befinden als eine griechische Schwerindustrie, die sich inmitten einer schärfsten Krise und in einem außerordentlich widrigen wirtschaftlichen Umfeld bemüht, um ihr Überleben auf den europäischen Märkten zu kämpfen?

Eine Antwort auf diese Frage gibt eine jüngst von der Deloitte durchgeführte enthüllende Studie, in der die Endpreise des Stroms einschließlich der Netztarife, aber auch der übrigen Gebühren verzeichnet werden, welche die energieintensiven Industrien bezahlen.

Deutschlands Industrie zahlt für elektrischen Strom unter 40 € / GWh

Es geht also um den Vergleich des Endpreises, der den Wettbewerbspreis (sprich Marktpreis), die Transportkosten, aber auch alle anderen Steuern und Gebühren umfasst. Gemäß der von Capital.gr enthüllten Studie liegen in Deutschland die Strom-Endkosten, einschließlich der Netzgebühren, aber auch der Steuern und Abgaben, um ungefähr 50% niedriger als die entsprechenden Kosten in Griechenland. Spezieller beträgt der finale Gesamtpreis, den ein deutscher Industriebetrieb zahlt, bei 39 Euro pro Megawattstunde und ist das Resultat sowohl des niedrigen Preises bei den Wettbewerbspreisen für Energie als auch der niedrigen Netzgebühren, aber auch der übrigen Steuern und Abgaben.

Es ist sogar anzumerken wert, dass im Jahr 2013 der Wettbewerbspreis für Strom ohne Einbeziehung der übrigen Netzgebühren und Steuern über 43 Euro lag, jedoch gab es sowohl 2014 als auch 2015 signifikante Senkungen mit dem Resultat, dass der Wettbewerbspreis für Energie sich für die Grundlast in der Nähe von 35 Euro je Megawattstunde bewegt.

Was die Netztarife betrifft, befinden diese sich sowohl für die Großverbraucher mit über 1.000 WGh als auch für die Industriekunden mit einem Verbrauch bei 100 GWh auf Niveaus von unter 1 Euro pro Megawattstunde. Charakteristisch ist, dass die Industriebetriebe in Deutschland einen Rabatt von bis zu 90% im Verhältnis zu den normalen Tarifen für die übrigen Verbraucher haben. Was die Steuern und Abgaben betrifft, bezahlen die deutschen Industrien mit einem großen Verbrauch von über 1.000 GWh etwas über 3 Euro pro Megawattstunde, während die übrigen Industrien (100 GWh) nicht über 4 Euro pro Megawattstunde kommen.

Preis des Industriestroms in Griechenland

Gemäß einer älteren Studie der Roland Berger bezahlt ein industrieller Großverbraucher mit einem Verbrauch von 50 – 1.000 GWh für regulierte Gebühren [Sonderabgabe für Emissionsreduzierung (ETMEAR), Gemeinnützige Leistungen (YKO), Sonderverbrauchssteuer (EFK)] 9,14 Euro pro Megawattstunde sowie ebenfalls 3,5 Euro pro Megawattstunde für das Transportnetz. Für den wettberwerblichen Teil betragen die Kosten ohne den von der Generalversammlung der Öffentlichen Elektrizitätsgesellschaft (DEI) beschlossenen Rabatt, der mit dem neuen Memorandum gestrichen wird (!), 58 Euro pro Megawattstunde. Der Preis wird ebenfalls auch noch mit Kohlendioxid-Rechten in einer Größenordnung von 6 Euro pro Megawattstunde belastet.

Ein entsprechender Industriebetrieb in Griechenland bezahlt also einen Endpreis von über 76 Euro pro Megawattstunde, sprich einen um 95% höheren Preis als die 39 Euro in Deutschland.

Hohe Energiekosten sind Todesurteil für Griechenlands Industrie

Der Unterschied zwischen den Stromtarifen macht jede Diskussion über Wettbewerbsfähigkeit der griechischen Industrie und Wachstumsanreize gegenstandslos. In der Realität sind die griechischen Industriebetriebe mit diesem Unterschied bei den Stromkosten verurteilt und können auf Kostenebene auf keinen Fall mit entsprechenden ausländischen Industrien konkurrieren. Und es muss unterstrichen werden, dass diese Preise sich in den beiden letzten Jahren als Resultat der Politiken ergeben haben, die von der deutschen Regierung zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der Industrie des Landes beschlossen wurden.

Das grundsätzliche Problem Griechenlands, dass dem Land derzeit nicht gestattet, entsprechende Tarife zu haben, ist der Umstand, dass der Elektrizitätsmarkt nicht im Wettbewerb steht und es daher keinerlei Druck gibt, damit die Kosten, aber auch die Endpreise elektrischen Stroms gesenkt werden. Parallel zu dem nicht wettbewerblichen Betrieb des Marktes gibt es in Griechenland natürlich auch sehr hohe regulative Kosten und eine Besteuerung, welche die Kosten des Stroms überdimensional belastet.

In Konkurrenzländern genießen dagegen die energieintensiven Industrien der Größe wegen signifikanteste Rabatte bei den Netzkosten, Abgaben und sonstigen Steuern, welche die Stromkosten beschweren. Kurz gesagt, die griechische Industrie ist also verurteilt, mit einem Wettbewerbsnachteil gegenüber ihren ausländischen Hauptkonkurrenten auf die internationalen Märkte zu gehen. Unter Umständen einer ausgedehnten inländischen Rezession kommt dieser Nachteil einem … langsamen Tod gleich.

(Quelle: capital.gr, Autor: Charis Floudopoulos)

  1. Kleoni
    25. Oktober 2015, 16:40 | #1

    dadurch, dass in D die Industrie billigen Strom bezieht, müssen – damit die Stromkonzerne gewinnorientiert arbeiten können – die privaten Haushalte entsprechend mehr für Strom bezahlen.

  2. Zambo
    25. Oktober 2015, 20:16 | #2

    Das ist ja nun leider ein zweischneidiges Schwert.. In Deutschland zahlen bekanntlich die privaten Stromabnehmer für die Industrie mit.
    Wenn der griechische Normalbürger auch hier noch zur Kasse gebeten würde, wäre das wohl schwierig, schließlich haben die Meisten schon jetzt Probleme, Ihre Stromrechnung zu begleichen.

  3. GR-Block
    26. Oktober 2015, 16:15 | #3

    Es sind diese Verhältnisse, die den Standort Griechenland das Wasser abgraben, unabhängig von der Qualität der produzierten Waren. Direkte und indirekte Subventionen für die Industrien verzerren die Märkte zugunsten jener, die schon gut bezahlte Arbeitsplätze haben und deshalb z.B. mittels Stromrechnungen deren Arbeitgeber co-finanzieren, um weitere Absatzmärkte an sich zu reißen. In diesen Teufelskreis einzubrechen, ist für ein krisengeschütteltes Land ohne Liquidität unmöglich. Aus dieser Art „Wettbewerb“ entsteht niemals ein stabiles Gleichgewicht sondern die Monopolisierung der Märkte. Das Konzept EU führt folglich in den Abgrund, wenn nicht der Sieger den Laden übernimmt. Aber wer will das schon, bei dem Sieger.

    „Hohe Energiekosten sind Todesurteil für Griechenlands Industrie“ – Nein, nur wenn in anderen EU-Ländern Strompreis-Dumping betrieben wird. Würde GR hier nachziehen und der Industrie den Strom unter Preis verkaufen, dann würde ein ähnliches Geschrei wie bei den Reedern losbrechen. Jene genießen nämlich schon seit Jahrzehnten die selben Privilegien wie ihre EU-Konkurrenz. Sehr zum Unwillen der Griechen, die sich das nicht leisten wollen. Dagegen haben subventionsgewohnte Europäer kein Problem mit solcher Art Marktverzerrungen in ihrem Lande.

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