Griechenland verlor fast 50 Mrd Euro seines BIP

16. Oktober 2015 / Aufrufe: 2.808

Griechenland verlor seit 2010 bis 2014 fast 50 Milliarden Euro seines BIP, während die Schulden des Fiskus an den Privatsektor bis Ende 2015 auf rund 6 Milliarden Euro stiegen.

Die Verarmung der Griechen und die rapide Schrumpfung der Wirtschaft Griechenlands während der Periode 2010 – 2014 bestätigen die jüngsten Angaben der Griechischen Statistikbehörde (ELSTAT), gemäß denen das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in laufenden Preisen von 226,031 Mrd. Euro im Jahr 2010 auf 177,559 Mrd. Euro im Jahr 2014 sank.

Innerhalb dieser fünf Memorandums-Jahre gingen also der griechischen Wirtschaft 48,472 Mrd. Euro verloren. Wie sich nach der Revision der Einschätzungen der ELSTAT bezüglich des Verlaufs des BIP ergibt, wurde in dem Zeitraum 2011 – 2014 eine Rezession verzeichnet, die kumulativ 18,9% erreichte.

Absturz der Produktion, Ausgaben und Investitionen

Der Zusammenbruch des BIP infolge der Verhängung des ersten Memorandum im Jahr 2010 bis Ende des Jahres 2014 war Resultat des freien Falls sowohl der Produktion als auch der Ausgaben und der Einkommen. Es ist charakteristisch, dass die Produktion von Gütern und Dienstleistungen einen freien Fall von 354,633 Mrd. Euro im Jahr 2010 auf 282,457 Mrd. Euro im Jahr 2014 verzeichnete, die finalen Konsumausgaben der Haushalte sich dramatisch von 152,038 Mrd. Euro im Jahr 2010 auf 120,140 Mrd. Euro im Jahr 2014 einschränkten, die entsprechenden Ausgaben der allgemeinen Regierung von 50,188 Mrd. Euro im Jahr 2010 auf 35,372 Mrd. Euro im Jahr 2014 abstürzten und die Bezüge für lohnabhängige Arbeit von 82,130 Mrd. Euro im Jahr 2010 auf 58,160 Mrd. Euro im Jahr 2014 sanken. Im Schnitt ging in den vier Jahren 2011 – 2014 der Konsum der Haushalte um 5,1% und die privaten Investitionen um 14,05% zurück.

Was die Rezession betrifft, glich die ELSTAT ihre Einschätzung bezüglich des vergangenen Jahres (2014) leicht rückläufig an und revidierte die Angaben für die Periode 2011 – 2013.

Spärliches Wachstum

Auf Basis der revidierten Daten schloss das Jahr 2014 mit einem spärlichen Wachstum von 0,7% ab, gegenüber einer ersten Einschätzung von 0,8%. Die Summe der Konsumausgaben wurde im vergangenen Jahr um 0,2% beschnitten, der Konsum der Haushalte stieg um gerade einmal 0,5% an und die privaten Investitionen gingen um 2,8% zurück.

Die jüngste Bekanntmachung der ELSTAT platziert ebenfalls die Rezession des Jahres 2013 bei Niveaus von 3,2% (gegenüber einer vorherigen Einschätzung auf 3,9%), verzeichnet eine Schrumpfung des BIP um 7,3% für 2012 (die vorherige Einschätzung war 6,6%) und zeigte für 2011 eine Rezession von 9,1% (die anfängliche Einschätzung war 8,9%).

In der Summe fällt die Differenz (der Prognosen) bezüglich der Periode 2011 – 2013 jedoch gering aus, da sich für die drei Jahre eine Rezession von 19,4% ergibt, während die vorherigen Angaben eine Rezession von 19,6% wiedergaben.

IWF prognostiziert ein „Loch“ von 450 Mio. Euro

Zur selben Stunde, wo die technischen Stäbe der europäischen Gläubiger Griechenlands in Athen den Grad der Realisierung des ersten Pakets der vorab zu erfüllenden Maßnahmen untersuchen, damit die 2 Mrd. Euro für Griechenland freigegeben werden, beharren die entsprechenden Technokraten des IWF darauf, dass sich trotz der Maßnahmen, die verabschiedet worden sind oder deren Ergreifung vereinbart worden ist, ein „schwarzes Loch“ von 450 Mio.  Euro bei der Ausführung des diesjährigen Haushaltsplans (2015) und weiteren 900 Mio. Euro Euro im Jahr 2016 ergeben wird.

Parallel schlagen sowohl die Funktionäre der europäischen Gläubiger als auch die des IWF ein „Alarmglöckchen“ bezüglich des Fehlens oder der Unzulänglichkeit adäquater (Ersatz-) Maßnahmen bezüglich der MwSt. von 23% im privaten Bildungswesen, der Privatisierung des ADMIE, des 5-Euro-Tickets in den Ambulanzen der Krankenhäuser und der Unterstützung 20% der Berechtigten, die derzeit die sogenannte Soziale Solidaritätszulage für Rentner (EKAS) und die in Rede stehende Beihilfe auf Druck der Gläubiger ab März 2016 allesamt verlieren sollen.

Vor dem Hintergrund dieser Schwierigkeiten sollte am 13 Oktober 2015 der EU-Finanzkommissars Pierre Moscovici in Athen eintreffen um sich mit Premierminister Alexis Tsipras und Regierungsfunktionären zu treffen. (Anmerkung: Moscovici sagte wegen des Ablebens seiner Mutter den geplanten Besuch kurzfristig ab, der Informationen zufolge jedoch baldmöglichst stattfinden soll.) Ziel ist, zu zeigen, dass Brüssel Athen unterstützt, aber auch Druck auf die griechische Regierung ausübt, die versprochenen Maßnahmen zu realisieren.

Eine Botschaft, dass die EU Griechenland helfen wird, die vereinbarten Maßnahmen über die Bühne zu bringen, schickte jüngst auch Kommissions-Chef Jean-Claude Juncker, der – auf eine einschlägige Frage antwortend – ebenfalls anführte, Herrn Tsipras zu vertrauen.

Fiskus schuldet Privatsektor inzwischen wieder rund 6 Mrd. Euro

Einen neuen Anstieg verzeichneten im August 2015 die fälligen Verbindlichkeiten des Fiskus an den Privatsektor und gestalteten sich auf 5,91 Mrd. Euro, gegenüber 5,7 Mrd. Euro gegen Ende Juli und 3,7 Mrd. Euro zu Beginn des Jahres.

Spezieller erreichten die Schulden des Fiskus an den privaten Sektor im August 5,105 Mrd. Euro, gegenüber 4,955 Mrd. Euro im Juli 2015, während sich im selben Monat die anhängigen Steuerrückzahlungen an den Privatsektor auf 809 Mio. Euro beliefen, gegenüber 781 Mio. Euro im Juli 2015. Dies ergibt sich aus den monatlichen Angaben über den Verlauf der Größen der allgemeinen Regierung, die von dem griechischen Finanzministerium an die Öffentlichkeit gegeben wurden.

Die fälligen Verbindlichkeiten des staatlichen Haushaltsplans an den privaten Sektor beliefen sich im August 2015 auf 728 Mio. Euro und verzeichneten einen Anstieg gegenüber den 753 Mio. Euro im Juli 2015. Die Schulden der übrigen juristischen Personen des öffentlichen Sektors beliefen sich auf 264 Mio. Euro, gegenüber 251 Mio. Euro im Juli, und die Schulden der Träger der lokalen Selbstverwaltung auf 317 Mio. Euro, gegenüber 316 Mio. Euro im Vormonat.

Die größten Verbindlichkeiten an den Privatsektor betreffen die Sozialversicherungsträger, die im August 2,571 Mrd. Euro schuldeten (gegenüber 2,457 Mrd. Euro im Juli), und die Krankenhäuser mit Schulden von 1,255 Mrd. Euro (gegenüber 1,179 Mrd. Euro im Vormonat).

Was den Verlauf (der Ausführung) des staatlichen Haushaltsplans betrifft, weisen die Angaben des Finanzministeriums für den Zeitraum Januar – August 2015 einen Primärüberschuss von 2,61 Mrd. Euro aus.

(Quelle: dimokratianews.gr, Autor: Marios Rozakos)

KategorienWirtschaft
Tags:
  1. Lentz
    16. Oktober 2015, 09:56 | #1

    Dies alles sind die Folgen der Euro-Einführung und der hiermit zusammenhängenden Verschuldung. Der Umgang mit der daraus entstehenden Krise war sicherlich bei den verantwortlichen Akteuren falsch. Was für die EU / Deutschland gut ist, muss für Griechenland noch lange nicht richtig sein.
    Griechenlands Zukunft liegt einzig in einer eigenen Währung, verbunden mit einer Modernisierung der Verwaltung und dem Wieder-Aufbau einer eigenen Wirtschaft, da, wo es sinnvoll ist.

  2. LiFe
    18. Oktober 2015, 18:30 | #2

    Die Abwanderung der Unternehmen ab 2010 ins Ausland haben merklich dazu beigetragen

Kommentare sind geschlossen