Geier kreisen über Griechenlands Häusern

24. Oktober 2015 / Aktualisiert: 06. Oktober 2017 / Aufrufe: 7.060

Mit der geforderten Freigabe der Zwangsversteigerung von Hauptwohnungen wollen Griechenlands Gläubiger einen neuen Markt in der griechischen Wirtschaft schaffen.

Die Forderungen der Vertreter der Institutionen nach Freigabe der Zwangsversteigerungen der Hauptwohnung öffnen den … Weg für das Eindringen ausländischer spekulativer Funds, aber auch Immobilien-Consulting und -Verwaltungsgesellschaften in den griechischen Markt.

Das „Quartett“ (anstatt vormals der Troika) beharrte auch gestern bei seinen stundenlangen Verhandlungen mit Finanzminister Evklidis Tsakalotos und Wirtschaftminister Giorgos Stathakis auf der Festsetzung von Kriterien mit sehr niedrigen Grenzen hinsichtlich des Einheitswertes, der Höhe des Einkommen und der Verbindlichkeiten, welche die in der „Lex Katselis“ Zuflucht suchenden Kreditnehmer zu erfüllen haben, damit sie die Ausnahme der Hauptwohnung von der Verflüssigung ihres übrigen immobilen Vermögens zur Regelung ihrer Schulden erreichen.

Fonds und Spekulanten kommen durch die … Hintertür

Die harten Vorschläge der Gläubiger beziehen sich nur auf die Haushalte, die sich unterhalb der Armutsgrenze befinden, wobei eins der geschickt von ihnen wieder auf den Tisch gebrachten Szenarien, um Druck auf die griechische Seite auszuüben, – also das des Schutzes der Hauptwohnung mit einem Einheitswert von bis zu 70.000 Euro – gerade einmal 20% der Eigentümer deckt. Die beiden Seiten erneuerten ihr Rendezvous für gestern Mittag (23 Oktober 2015), während Quellen der griechischen Regierung nicht die Möglichkeit ausschlossen, dass in dem Fall, in dem auch heute keine Vereinbarung gefunden werden sollte, auf höchster politischer Ebene nach einer Lösung gesucht werden wird.

Wie Quellen berichten, steckt hinter dem Beharren des „Quartetts“ in Kombination auch mit den jüngsten Novellierungen der Zivilprozessordnung in Bezug auf Immobilienversteigerungen in Schnellverfahren seine Absicht zur Schaffung eines neuen Markts in der griechischen Wirtschaft. Informationen zufolge hat die Freigabe der Versteigerungen von Hauptwohnungen der Kreditnehmer das weitere Sinken der Immobilienpreise zum Ziel. Wie die selben Quellen anmerken, werden die in den letzten Jahren an den Verhandlungen mit den Kreditnehmern beteiligten Banken sich somit gezwungen sehen, massenweise … Immobilien unter den Hammer zu bringen.

Weil die Banken jedoch – wie die selben Kreise ergänzen – nicht über ein solches Know-how verfügen, werden sie sich zwei Lösungen zuwenden: Die erste wird sich auf die Beauftragung ausländischer Berater-Gesellschaften (in Griechenland gibt es keine solchen Unternehmen) beziehen und die zweite wird der Verkauf „roter“ Kredite an Hedge- und Distress-Fonds zu einem sehr niedrigen Nennwert sein, und zwar einzig und allein um ihre Portefeuilles zu entlasten. Natürlich ist nicht ausgeschlossen, dass beide Lösungen geschehen werden.

So wird ein neuer Markt entstehen, auf dem ausländisches Spekulationskapital und Gesellschaftsschemen zu sehr niedrigen Preisen Wohnungen kaufen werden, die sie entweder sogar auch an deren ehemalige Eigentümer vermieten werden, damit diese gegen einen symbolischen Preis darin wohnen bleiben, oder sie werden die „Filetstücke“ an Schichten mit höheren Einkommen weiterverkaufen. Die erste, wegen der sehr niedrigen Verkaufspreise hervorgerufene Nachfrage wird zu einem Anstieg der Werte führen, und so werden die Funds und die Verwaltungsgesellschaften noch mehr verdienen.

Die „offizielle“ Argumentation

Offiziell spricht das Quartett der Institutionen allerdings nicht offen über diesen neuen Markt. Sein Hauptargument ist, dass niemand seinen Kredit abzahlen werde, wenn es keine niedrigen Schutzgrenzen gibt. Auf der Gegenseite hält die griechische Seite dagegen, dass eine Freigabe der Versteigerungen einen neuen und größeren Schock in der griechischen Gesellschaft verursachen würde, nachdem sie in den Jahren der Rezession 25% des BIP verloren hat, die Einkommen um 40% gekürzt worden sind und die Arbeitslosigkeit auf 26% hochgeschnellt ist.

Die beiden Minister beharren bei den Verhandlungen darauf, dass von der Rezession nicht nur die niedrigen, sondern auch die mittleren Einkommensschichten getroffen worden sind. Die Verhandlungen zwischen dem Wirtschaftsstab der Regierung und den Institutionen sind an den Grenzen der Blockade angelangt. Und dies zeigt sich aus den Vorschlägen auf, welche die beiden Seiten präsentiert haben. Konkreter schlägt das „Quartett“ der Institutionen vor, dass die Hauptwohnung der Kreditnehmer geschützt wird, die sich zu der „Lex Katseli“ flüchten, sofern sie kumulativ die folgenden Kriterien erfüllen:

  • Der Einheitswert der Hauptwohnung liegt nicht höher als 120.000 Euro (erstes Szenarium) oder 70.000 Euro (zweites Szenarium).
  • Das Einkommen für eine Einzelperson soll bis 8.180 Euro und für ein Ehepaar bis 13.917 Euro betragen, wobei die vorstehenden Grenzen für jedes Kind und bis zu drei Kindern um je 3.350 Euro steigen.
  • Die Summe der Schulden hat bis zu 120.000 Euro zu betragen.

Die griechische Seite beharrt dagegen auf den folgenden Kriterien, welche die Kreditnehmer zu erfüllen haben, damit die Hauptwohnung von der Verflüssigung des übrigen immobilen Vermögens ausgenommen wird:

  • Der Einheitswert der Hauptwohnung hat für eine Einzelperson nicht über 200.000 Euro und für ein Ehepaar nicht über 250.000 Euro zu liegen, wobei diese Grenzen für jedes Kind und bis zu drei Kindern um je 25.000 Euro steigen.
  • Das Familieneinkommen hat 35.000 Euro jährlich nicht zu übersteigen.
  • Die Summe der Schulden hat bis zu 200.000 Euro zu betragen.

Der Plan

Wie Quellen berichten, steckt hinter dem Beharren des „Quartetts“ sein Absicht zur Schaffung eines neuen Markts in der griechischen Wirtschaft. Informationen zufolge hat die Freigabe der Versteigerungen von Hauptwohnungen der Kreditnehmer das weitere Sinken der Immobilienpreise zum Ziel. Wie die selben Quellen anmerken, werden die sich in den letzten Jahren an den Verhandlungen mit den Kreditnehmern beteiligenden Banken sich somit gezwungen sehen, massenweise … Immobilien unter den Hammer zu bringen.

Der Profit

Die erste, wegen der sehr niedrigen Verkaufspreise hervorgerufene hohe Nachfrage wird zu einem Anstieg der Werte führen, und so werden die Funds und die Verwaltungsgesellschaften noch mehr verdienen.

(Quelle: Imerisia, Autor: Christos Kolonas)

Kommentare sind geschlossen