Eurozone senkt Steuern, Griechenland erhöht Steuern

15. Oktober 2015 / Aktualisiert: 06. Oktober 2017 / Aufrufe: 1.074

Die steuerliche Ungleichheit in der Eurozone setzt sich munter fort, wobei einige Staaten die Steuern weiter senken, während Griechenland sie zum wiederholten Mal erhöht.

Der steuerliche Rahmen in den verschiedenen Ländern der Eurozone sieht unter anderem Ausnahmen, reduzierte Steuersätze für konkrete Berufsgruppen und Inselkomplexe, aber auch Sonderabgaben und zusätzliche Belastungen für die sehr großen Unternehmen vor.

Dies geht aus der Analyse der interessanten Untersuchung „Worldwide Tax Summaries, Corporate Taxes 2015/16“ der PcW hervor, die jüngst veröffentlicht wurde und zeigt, wie jeder Staat getrennt der Unternehmerwelt begegnet.

Horrende Besteuerung in Griechenland stoppt Investitionen

Die Abweichungen im Steuermodell sind imposant. Zur Stunde, wo Griechenland zur Abschaffung der reduzierten Steuersätze auf den griechischen Inseln schreitet und die Gesellschaftssteuer auf 29% erhöht, behält Portugal weiterhin niedrigere Steuersätze auf den Azoren-Inseln bei (18,4% gegenüber den für das übrige Land geltenden 21%) und Spanien senkt die Gesellschaftssteuer ab 2016 von derzeit 28% auf 25%.

Speziellere Fürsorge gibt es im Gegensatz zu Griechenland auch für die sehr kleinen, aber auch die neugegründeten Unternehmen, die Anreize benötigen, um sich zu entwickeln und zu überleben. Beispielsweise erhebt Litauen auf diverse Kleinunternehmen (wobei weder der Betrag noch ihr Gegenstand erläutert wird), aber auch die landwirtschaftlichen Nutzungen eine Steuer von nur 5%. Eine geringere Besteuerung bei allen Unternehmen, die Einnahmen von bis zu 15.000 Euro haben, erhebt auch Portugal, während eine ähnliche Entlastung sogar auch Luxemburg eingeführt hat.

Große Unterschiede bestehen auch bei der Höhe der Steuersätze. Auf der einen Seite finden sich Länder wie Zypern, Irland, Litauen, Slowenien, Lettland mit Steuersätzen, die 20% nicht übersteigen, und auf der anderen Seite Deutschland, Frankreich, Italien, Griechenland, Malta mit Steuersätzen, die in manchen Fällen sogar 30% übersteigen.

In diversen Ländern und Fällen gibt es sogar eine spezielle Handhabung der Unternehmen mit hohen Umsätzen. Charakteristisch ist der Fall Italiens, das eine zusätzliche Steuer von 6,5% („Robin Tax“) für alle auf dem Mineralölsektor tätigen Firmen und die Elektrizitätsgesellschaften mit einem Umsatz von über 3 Mio. Euro sowie zusätzliche Steuern bei Banken und Versicherungsgesellschaften erhebt.

Marktfaktoren verlangen Neuuntersuchung der Steuern

Unter Berücksichtigung des Vorstehenden halten Marktfaktoren für notwendig, dass das Thema der Besteuerung in Griechenland – immer in Absprache mit den Institutionen – neu untersucht wird und überall, wo dies möglich ist, diverse Steuererleichterung eingeleitet werden, damit der Markt „zu Atem“ kommt.

Die selben Kreise betonen, von den neuen Belastungen, die aus der Vereinbarung der Regierung mit den Institutionen entspringen, werde erwartet, dass sie die bereits belastete Situation etlicher Unternehmen verschlimmern und geplante Investitionen, die unter anderen Umständen und anderen Gegebenheiten bezüglich des Verlaufs der wirtschaftlichen Aktivität beschlossen wurden, „auf Eis“ legen werden.

Es wird eingeschätzt, dass viele Firmen ihren Investitionsplan neu untersuchen werden, da in einer erneut in der Rezession versinkenden Wirtschaft die erwarteten Gewinne fragwürdig werden. Weiter wird damit gerechnet, dass die Verschiebung des Steuersatzes auf Niveaus nahe bei 30% in Kombination mir dem übrigen Investitionsumfeld (z. B. Bürokratie, Anreize, Geschwindigkeit bei der Rechtsprechung) auch die Anziehung ausländische Investitionen hindern wird, die das Land in dem gegebenen Moment dermaßen nötig hat.

Welche Steuern die Unternehmen in den 19 Ländern der Eurozone zahlen

Griechenland: 26% (ab dem nächsten Jahr beläuft der Satz sich nach der Verabschiedung des Memorandums auf 29%)

(Der Vollständigkeit halber sei angemerkt, dass die in Griechenland außer für Arbeitnehmer und Rentner obligatorische Steuervorauszahlung für das nächste Jahr im Sommer 2015 rückwirkend ab dem 01 Januar 2015 für juristische Personen von 80% auf 100% und für landwirtschaftliche Einkommen von 27,5% auf 55% der für das laufende Jahr festgestellten Hauptsteuer erhöht wurde, während ab 2016 weitere drastische Erhöhungen dieser völlig paradoxen Steuervorauszahlung zum Tragen kommen werden. Zusätzlich werden ausgeschüttete Gesellschaftsgewinne natürlich gemäß der Einkommensteuerverordnung besteuert, womit sich eine steuerliche Gesamtbelastung von bis zu über 100% ergeben kann.)

Österreich: 25,00%

Belgien: 33,99% (darin ist die nach der Krise erhobene Sonderabgabe enthalten)

Zypern: 12,50% (es sind konkrete Ausnahmen vorgesehen)

Estland: 20% auf die ausgeschütteten Gewinne (erneut in das Unternehmen investierte Gewinne werden nicht besteuert)

Finnland: 20,00%

Frankreich: 33,33% (zusätzliche Steuer von 10,7% auf die Firmen mit Umsätzen von über 250 Mio. Euro und Abgabe von 3% auf die ausgeschütteten Gewinne)

Deutschland: zwei Arten von Steuern, nämlich
a) die Gesellschaftssteuer, die 15% + 5,5% Solidaritätsabgabe beträgt,
b) die Gewerbe- und Handelssteuer, die analog zu dem Gebiet variiert, in dem das Unternehmen seinen Sitz hat (im Durchschnitt liegt sie bei 14% – 16%).
So kann die zu zahlende Gesamtsteuer eines in München ansässigen Unternehmens 33%, in Frankfurt 32% und in Berlin 30,2% erreichen.

Irland: Drei verschiedene Steuersätze, analog zu Struktur und Aktivität der Gesellschaft: (12.5%, 25% und 25% – 40% für auf dem Mineralölsektor tätige Firmen)

Spanien: 28% bis Ende 2015 und 25% ab 2016 und nachfolgend. Für Unternehmen mit Einnahmen, die 5 Mio. Euro nicht übersteigen, beträgt die Steuer 25%, während sie für die neugegründeten bei 15% liegt.

Italien: 27,5 + 3,9% Lokalsteuer. Eine zusätzliche Steuer von 6,5% (Robin tax) wird auf in der Mineralöl- und Gasbranche tätige Gesellschaften und auf Elektrizitätsgesellschaften mit Einnahmen von über 3 Mio. Euro erhoben. Die konkrete Steuer wurde jedenfalls für verfassungswidrig befunden, allerdings ohne rückwirkende Geltung. Eine zusätzliche Steuer von 3,8% wird auf Gesellschaften, denen von der Regierung irgend ein Monopol gegeben wurde, von 4,20% auf die Banken und von 5,3% auf die Versicherungsgesellschaften erhoben. Luxemburg: 20% und 21% für die Unternehmen mit Einnahmen von über 15.000 Euro.

Malta: 35,00%

Holland: 25,00%

Portugal: 21% und 17% für die Gesellschaften mit Einnahmen von über 15.000 Euro. Reduzierter Satz (18,4%) für die Firmen auf den Azoren.

Slowakei: 22,00%

Slowenien: 17,00%

Litauen: 15% und 5% für diverse Kleinunternehmen und landwirtschaftliche Nutzungen.

Lettland: 15%. Zusätzlich ist ein spezieller Steuerstatus für die sehr kleinen und die neugegründeten Unternehmen vorgesehen.

(Quelle: Imerisia, Auto: Giorgos Manettas)

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