Das Ende des Mittelstands in Griechenland

19. Oktober 2015 / Aktualisiert: 06. Oktober 2017 / Aufrufe: 885

Eine Untersuchung der Credit Suisse zeigt, dass in Griechenland innerhalb weniger Jahren riesige Vermögen verloren gingen und die Armen ärmer und die Reichen reicher wurden.

Der Mittelstand steht in Griechenland den letzten Jahren unter Auflösung, da die Politiken der harten fiskalischen Angleichungen ab 2010 und nachfolgenden hauptsächlich die mittleren Einkommen beeinträchtigten.

Es gingen riesige Vermögen in Immobilien, Aktien, Anleihen verloren, deren Besitzer hauptsächlich Anleger waren, die ihre erarbeiteten Gelder investierten. Abgesehen von der Katastrophe, die tausende mittelständische Unternehmen heimsuchte, dem Anstieg der Arbeitslosigkeit – die zur Verflüssigung von Vermögenswerten oder dem „Verbrauch“ der Guthaben führt, damit Schulden bezahlt werden – und dem „Absturz“ des Konsums sind die politischen Entscheidungen signifikant, die zur Auslöschung der Mittelschicht führten.

Die Armen werden noch ärmer

Der Reichtum nahm in Griechenland ab dem Jahr 2000 mit imposanten Rhythmen in einem Maß zu, das die ganze Situation einer „Blase“ gleichen ließ. In den Jahren der Memoranden platzte diese „Blase“ abrupt und außerordentlich heftig. Es werden Befürchtungen geäußert, dass auch in den kommenden Jahren die befolgten Politiken zur Verstärkung der sogenannten „Zweidrittel-Gesellschaft“ führen werden. Die Armen werden noch ärmer werden, die Mittelschicht wird verschwinden, während ein kleiner Anteil der Bevölkerung sich von der Krise unberührt oder zumindest mit nur leichten Verlusten auf den höchsten Ebenen der Pyramide des Reichtums befinden wird.

Die vor wenigen Tagen von der Credit Suisse veröffentlichte Untersuchung ist charakteristisch dafür, wie der Mittelstand durch die verhängten Maßnahmen schrumpft. In nur 12 Monaten wurden die Griechen um 12% ärmer. Ab Juni vergangenen Jahres bis Juni 2015 sank der (durchschnittliche statistische) Reichtum der Einwohner von 98.097 auf 81.432 Dollar, womit also innerhalb eines Jahres ungefähr 17.000 Dollar verloren gingen.

Heute wird der gesamte Reichtum der Griechen auf 743 Mrd. Dollar veranschlagt, wogegen er 2007 insgesamt 1,1 Billionen Dollar überstieg. Vor acht Jahren wurde das Vermögen eines jeden Griechen sogar auf 136.751 Dollar veranschlagt, gegenüber 55.715 Dollar im Jahr 2000. Vor der Periode 2000 – 2007 verdreifachte sich der persönliche Reichtum fast, um in den nachfolgenden acht Jahren zu sinken, wobei er jedoch immer noch höher als im Jahr 2000 lag.

Die Credit Suisse schätzt, dass von diesem in einer Größenordnung von 41% liegenden dramatischen Rückgang 1,2 Millionen Griechen in Mitleidenschaft gezogen wurden. Innerhalb dieser Jahre gingen also 500 Mrd. Dollar verloren. Es sei angemerkt, dass als Reichtum die besessenen Immobilien, die Aktien an der griechischen Börse, Anleihen sowie auch die auf Basis des Wechselkurses Euro / Dollar berechneten Bankguthaben gewertet werden.

Die Vernichtung des Reichtums

Es ist folglich einleuchtend, dass in der Epoche der Börsenexplosion und im weiteren Verlauf des imposanten Anstiegs der Immobilienpreise das Vermögen der Griechen in die Höhe schoss. In den letzten Jahren der Memoranden brachten der dramatische Rückgang der Börse, der Zusammenbruch des Marktes für Anleihen und deren „Beschneidung“ sowie auch der Absturz des Euro-Kurses im Vergleich zum Dollar die Auslöschung des Reichtums in Griechenland.

Aus den Fakten der Untersuchung geht natürlich auch die Schrumpfung des Mittelstandes hervor. Konkret wird veranschlagt, dass von 4,7 Mio. Menschen, die sich in der Mittelschicht befanden, 4,6 Mio. abgerutscht sind, wobei unser Land sich (zusammen mit Argentinien, Russland, Ägypten und Türkei) unter den fünf Ländern befindet, die im 21. Jahrhundert eine Schrumpfung des Mittelstands erlebten. Das negativste Element kommt jedoch zutage, wenn ein Vergleich zu den Jahren vor der Krise angestellt wird. Konkret wird zwar veranschlagt, dass die Anzahl der Griechen, die dem Mittelstand angehörten, bei 4,6 Mio. gegenüber 4,7 Mio. im Jahr 2000 liegt, im Jahr 2008 waren es jedoch 5,8 Mio., womit also 1,2 Mio. Bürger aus der Mittelschicht verschwanden.

Das außerordentlich ungünstige Bild scheint sich leicht zu verbessen, wenn man das Gesamtvermögen der Griechen und in Bezug auf den Zeitraum 2000 – 2015 untersucht. Im Jahr 2000 wurde es auf 457 Mrd. Dollar veranschlagt, während es für dieses Jahr bei 678 Mrd. Euro angesiedelt wird und somit einen Zuwachs um 221 Mrd. Dollar verzeichnet.

Die reichsten 1% der Griechen besitzen 56% des gesamten Reichtums

Es wird veranschlagt, dass seit Juni vergangenen Jahres die Immobilien der Griechen um 5,2% nachgaben, der Wechselkurs Euro / Dollar um 18% und die Kapitalisierung des Börse um 54,9% nachgaben. Das Resultat ist, dass ein großer Teil des Vermögens – 17,1% innerhalb eines Jahres – verloren ging, während in der Periode 2000 – 2015 der Verlust 40,5% erreicht. Speziell bezüglich der Immobilien wird in der Untersuchung betont, dass es weltweit der zweitgrößte (nach Polen mit -5,5%) ist, während der Rückgang des Vermögens in Griechenland – in Euro berechnet – innerhalb eines Jahres insgesamt 21% erreicht.

Die Forscher und Autoren des Berichts prognostizieren, dass etliche Jahre nötig sein werden, damit das Niveau des Pro-Kopf-Vermögens auf jenes des Jahres 2007 zurückkehrt. Im übrigen sei angemerkt, dass Griechenland hinsichtlich der Tendenzen bei dem durchschnittlichen Reichtum und dem Rhythmus des Wachstums oder der Schrumpfung des realen jährlichen Reichtums zu den zehn Ländern mit den schlechtesten Ergebnissen in den Fünfjahresperioden 2000 – 2005, 2005 – 2010 und 2010 – 2015 zählt.

Interessant ist, dass die reichsten 1% der Griechen im Jahr 2000 insgesamt 54,1%, im Jahr 2007 insgesamt 48,6% und im Jahr 2014 insgesamt 56,1% des Reichtums besaßen. Das einzige positive Element ist, dass die Verschuldung pro volljährigen Griechen im Verhältnis zu 2007 um 28,1% und im Verhältnis zu 2014 um 19,9% sank.

(Quelle: Imerisia)

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