Neu Welle der Schließungen und Entlassungen in Griechenland

5. September 2015 / Aktualisiert: 06. Oktober 2017 / Aufrufe: 3.696

Laut dem IME-GSEVEE droht in Griechenland 63000 Unternehmen die Schließung, was den Verlust von bis zu 138000 Beschäftigungsplätzen impliziert.

Die Prognosen über den Verlauf des Marktes in den kommenden Monaten sind außerordentlich unheilverkündend. Gemäß der letzten Untersuchung des „Instituts für Kleinunternehmen des Dachverbands der Gewerbetreibenden, Handwerker und Kaufleute Griechenlands“ (IME-GSEVEE) laufen im zweiten Halbjahr des laufenden Jahres 63.000 – hauptsächlich Klein- und mittelständische – Unternehmen in Gefahr, die „Rollläden herunterzulassen“ und ungefähr 138.000 Arbeitnehmer auf die Straße zu setzen, während auf die Bezüge auf dem privaten Sektor neue Kürzungen warten.

Wie das Institut anführt, verschlechterte die mit der Verhängung von Kapitalkontrollen ihren Gipfel erreichende letzte Krise die wirklichen Größen der Unternehmen, während der Abschluss einer Vereinbarung mit den Institutionen nicht zu einer Umkehr des negativen Klimas führte. Dagegen begannen die Anzeichen einer Dämpfung der rezessiven Kurses, die sich im zweiten Halbjahr 2014 zeigten, während des ersten Halbjahrs 2015 signifikant umzukehren.

Austerität stranguliert unternehmerische Aktivitäten

Obwohl die am Ende der Verhandlung Griechenlands mit seinen Gläubigern gewählte Lösung den unkontrollierten Bankrott abwendete, weitete sie – wie die GSEVEE unterstreicht – die Sackgassen für die kleinen Unternehmen aus, die außer der Überschuldung und dem senkrechten Rückgang der Inlandsnachfrage einem außerordentlich feindlichen Umfeld von Regelungen zu haben, das den Wettbewerb beeinträchtigt und zu einer weiteren Oligopolisierung des Marktes führt.

Das IME-GESEVEE schätzt ein, dass wegen der Umsetzung des neuen kurzfristig ausgerichteten Austeritäts-Programms im kommenden Halbjahr erneut ein signifikanter Rückgang der unternehmerischen Aktivität verzeichnet werden wird. Es ist kein Zufall, dass die Bilanz negativer und positiver unternehmerischer Erwartungen für das zweite Halbjahr 2015 auf die Niveaus der Periode 2011 – 2012 hochschnellte, während bei allen Teilindizes wirtschaftlicher Erwartungen ein überwältigender Pessimismus und negative Ergebnisse für mehr als sieben von zehn Unternehmen verzeichnet werden.

Zunahme der Schattenwirtschaft

Auf Basis der Untersuchung, die in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft Marc in dem Zeitraum 21 – 27 Juli 2915 an einem Muster von 1.005 Unternehmen durchgeführt wurde, halten 46,3% der Unternehmen die Gefahr der Schließung für sehr (gegenüber 32,9% bei der entsprechenden Erhebung im Februar 2015), während 27,3% der kleinen Unternehmen einer direkten Gefahr begegnen, im kommenden Halbjahr zu schließen. Es wird eingeschätzt, dass die Minderung der Unternehmen im kommenden Halbjahr 63.000 betragen wird und hauptsächlich die sehr kleinen Unternehmen betrifft, während nicht auszuschließen ist, dass das Phänomen der Verlagerung eines Teils von diesen auf den „formlosen“ Sektor (sprich in die Schattenwirtschaft) oder der Verlegung des Sitzes ins Ausland beobachtet werden wird. Beunruhigend ist das Bild in Zusammenhang mit den zukünftigen Beschäftigungsflüssen.

Die Perspektiven für das kommende Halbjahr bleiben negativ, da fast eins von vier Unternehmen eine Senkung des beschäftigten Personals vorsieht. Heftig präsentiert sich das Phänomen bei den größeren Unternehmen (die ab fünf Personen und mehr beschäftigen), wo ihre Absicht offensichtlich ist, zu einer neuen Umstrukturierung der Arbeitsplätze und Beschäftigungskosten zu schreiten, um den neuen wirtschaftlichen Belastungen und der schwachen Wachstumsperspektive zu entsprechen. Gemäß dem Basis-Szenarium des IME-GSEVEE implizieren die wahrscheinlichen Schließungen im „roten Bereich“ befindlicher Unternehmen die Gefahr des Verlustes von insgesamt 138.000 Beschäftigungsplätzen (Arbeitgeber, Selbständige, Arbeitnehmer).

Zahlungsunfähigkeit

Zusätzlich erklären 41,1% der Unternehmen, dass es sehr wahrscheinlich ist, im kommenden Halbjahr Löhne oder Arbeitszeiten zu senken, wobei angesichts einer fehlenden Aussicht auf einen Anstieg der Nachfrage und der Investitionen diese Praxis weiterhin eine Notlösung für die Unternehmen darstellen wird.

Auf der Ebene der steuerlichen Verpflichtungen bleibt trotz der von den Unternehmen im ersten Halbjahr 2015 in Anspruch genommenen günstigen 100-Raten-Regelungen für Steuer- und Versicherungsschulden (drei von zehn erklären, die Aufnahme unter die Regelung beantragt zu haben, gegenüber 11% für die vorherige Regelung) ihr erklärtes Unvermögen bestehen, die hohen Steuer- und Versicherungsverpflichtungen im kommenden Halbjahr zu erfüllen (37,9% erklären Zahlungsunfähigkeit). Ein großer Teil (35,6%) der in Verzug befindlichen Verbindlichkeiten bezieht sich auf die geschuldeten Versicherungsbeiträge an den Hauptversicherungsträger der Selbständigen (OAEE).

Schließlich erachtet die Unternehmerwelt, obwohl sie sich reichlich zurückhaltend und wegen der politischen Abläufe und dem Wahlkampf gespalten zeigt, dass die sich aus den anstehenden Wahlen ergebende Regierung aufgefordert ist, zusammen mit der Gewährleistung politischer Stabilität nach „Lösungen“ für die Erzielung eines wirtschaftlichen Aufschwungs und die Wiederherstellung des Vertrauensklimas zu suchen.

Markt hat an den Kapitalkontrollen schwer zu tragen

43% der Unternehmen vermögen nicht, fristgerecht die Löhne zu zahlen, obwohl eins von vier Unternehmen die Bezüge der Beschäftigten gekürzt hat.

Außerordentlich schwer ist die „Rechnung“, die der Markt aus der Verhängung der Kapitalverkehrskontrollen bezahlt. Laut der Untersuchung des IME-GSEVEE bewegte sich in diesem Zeitraum der Rückgang der Umsätze für die Unternehmen im Durchschnitt bei 48%, während der Konsum um 50% bzw. 3,8 Mrd. Euro zurückging. Auf der Ebene der Beschäftigung gingen im ersten Halbjahr 2015 Beschäftigungsplätze verloren (von denen 15.000 Lohnarbeitsplätze waren), während eins von vier Unternehmen erklärte, die Bezüge der Beschäftigten gekürzt zu haben.

Zusätzlich vermögen 43% der Unternehmen nicht, rechtzeitig die Löhne zu zahlen, während das System der Umsetzung flexibler Beschäftigungsformen weiter (wenn auch mit 39% gegenüber 43% leicht rückgängig) etabliert bleibt. Bei den übrigen Größen stellen drei von vier Unternehmen auch in diesem Halbjahr einen Rückgang der Nachfrage (75,4%) und der Bestellungen (77,1%) und eine Verschlechterung der Liquidität (81,7%) feststellen.

Weiter bewegt sich der Desinvestitions-Index auf hohen Niveaus, da 49,8% der Unternehmen eine Senkung der Investitionen im vergangenen Halbjahr erklärten, während nur 4,9% die Investitionen steigerten. Diese Situation stellt einen Vorboten einer Fortsetzung des Abgleitens der griechischen Wirtschaft in einen neuen Teufelskreis der Rezession – Desinvestition – Unterbeschäftigung der Produktionsfaktoren dar. Auswirkungen gibt es schließlich auch auf das Portmonee des Verbrauchers, da sich die Anzahl der Unternehmen verdoppelt hat, die erklären, im kommenden Halbjahr wegen der Erhöhung der Steuern (von 5,7% auf 12,6%) die Preise anheben zu werden.

(Quelle: Imerisia)

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