Ergebnis der Parlamentswahlen September 2015 in Griechenland

20. September 2015 / Aktualisiert: 07. Juli 2019 / Aufrufe: 5.607

Die SYRIZA geht aus den Parlamentswahlen am 20 September 2015 in Griechenland als klarer Sieger hervor, ohne jedoch eine regierungsfähige Mehrheit zu erreichen.

Wie das Ergebnis der vorgezogenen Parlamentswahlen am 20 September 2015 in Griechenland zeigt, hat die SYRIZA erneut einen klaren – wenn auch etwas schwächeren als im Januar 2015 – Wahlsieg errungen und alle Demoskopien lügen gestraft, die ein knappes Kopf-an-Kopf-Rennen mit der Nea Dimokratia (ND) oder gar deren Wahlsieg prophezeiten.

Die Nea Dimokratia liegt dagegen erneut mit einem (im Vergleich zu den Januar-Wahlen allerdings um rund 2,5 Prozentpunkte geschrumpften) deutlichen Abstand von etwa 7% zurück und ihr – wenn auch leicht verbessertes – Ergebnis bewegt sich wieder ungefähr auf den selben Niveaus wie schon bei den Wahlen im Juni 2012 und Januar 2015.

ANEL schafft Sprung ins Parlament, Nationale Einheit bleibt draußen

Entgegen den gehegten (jedoch von Angang an eher unrealistischen) Hoffnungen auf eine regierungsfähige Mehrheit wird die SYRIZA allerdings auch diesmal keine eigenständige Regierung bilden können und wieder eine Koalition mit den „Unabhängigen Hellenen“ (ANEL) eingehen, womit eine – wenn auch nicht sehr üppige – parlamentarische Mehrheit von 155 (von insgesamt 300) Mandaten zustande kommt. Ob ein weiterer Regierungspartner „ins Boot“ geholt werden kann, bleibt abzuwarten, eine Koalition mit der Nea Dimokratia war und bleibt jedoch mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen.

Allen gegenteiligen Prognosen zum Trotz schaffen die (als „rechtspopulistisch“ charakterisierte) „Unabhängigen Hellenen“ (ANEL), sprich der Koalitionspartner der vorherigen und nunmehr auch jetzigen SYRIZA-Regierung, wenn auch mit einem deutlich schwächeren Ergebnis als bei den Wahlen im Januar erneut bequem den Sprung ins Parlament.

Die aus der Abspaltung der sogenannten Linken Plattform der SYRIZA unter Panagiotis Lafazanis entstandene „Nationale Einheit“ (LAE) scheitert dagegen knapp an der 3%-Hürde und wird in dem neuen Parlament nicht vertreten sein, obwohl man sich anfänglich sogar (allerdings schnell verblassende) Hoffnungen machte, möglicherweise als drittstärkste Fraktion aus den Wahlen hervorgehen zu können.

Drittstärkste parlamentarische Fraktion ist wieder die rechtsextremistische neonazistische Chrysi Avgi (Goldene Morgenröte) sein, die ihre Position im Vergleich zu den Wahlen im Januar 2015 trotz des Umstands weiter festigte und zwei Mandate hinzugewann, dass praktisch die gesamte Führungsriege der Partei bis vor nicht langer Zeit in Untersuchungshaft saß, ihre Funktionäre in laufenden Strafverfahren vor Gericht stehen und der Parteivorsitzende Nikos Michaloliakos jüngst bei einer Wahlkampfkundgebung gleichermaßen unverblümt wie provokant die „politische Verantwortung“ für den Mord an Pavlos Fyssas übernahm!

Einen bemerkenswerten Erfolg erzielte Vasilis Levendis mit seiner „Zentrumsunion“, die im Gegensatz zu den Januar-Wahlen diesmal die 3%-Hürde deutlich überwand und mit einer 9 Mandate zählenden, also nur um 1 Mandat schwächeren Fraktion als die ANEL den Einzug in das neue Parlament schafft.

Als der große Verlierer der Wahlen gilt dagegen der vorläufige Parteivorsitzende der Nea Dimokratia und potentielle Anwärter für das Amt des Premierministers, Vangelis Meimarakis, da das Wahlergebnis sowohl die Hoffnungen auf eine Rückkehr seiner Partei an die Macht zunichte machte als auch seinen persönlichen Ambitionen einen kräftigen Dämpfer verpasste. Die erneute Wahlniederlage der Nea Dimokratia wird in üblicher Manier unweigerlich parteiinterne „Konsequenzen“ zur Folge haben … .

Ergebnisse der Parlamentswahlen September 2015 im Detail

Das nachstehend dargestellte Wahlergebnis der 10 stärksten Parteien und Wahlbündnisse gibt den bisherigen Stand der Auszählung der abgegebenen Stimmen und der sich daraus ergebenden Mandate wieder. Zum Vergleich werden – sofern zutreffend – auch die entsprechenden Ergebnisse der Wahlen im Januar 2015 angeführt. Hinsichtlich der Verteilung der Mandate ist anzumerken, dass gemäß dem geltenden griechischen Wahlrecht die stärkste Partei unabhängig von dem erzielten Stimmanteil einen „Bonus“ von 50 Mandaten erhält!

 Zur Anzeige der Parteinamen in der nachstehenden Graphik den Mauszeiger bitte auf das jeweilige Partei-Logo führen, jedoch nicht anklicken. (Diese sogenannte Mouseover-Funktion funktioniert allerdings bei „Mobile Devices“ in der Regel leider nicht.)

SY.RIZ.A. - Bündnis der Radikalen Linken ND - Neue Demokratie Goldene Morgenröte Demokratisches Bündnis - PA.SO.K. - DIM.AR. K.K.E. - Kommunistische Partei Griechenlands Potami AN.EL. - Unabhängige Hellenen Zentrums-Union - Vasilis Leventis LA.E. - Nationale Einheit Ant.Ar.Sy.A. - E.E.K. Sonstige

Wahlergebnis der Parlamentswahlen am 20 September 2015 in Griechenland

Hinweis: Die vorstehend angeführten Ergebnisse wurden (noch) nicht von den zuständigen Amtsgerichten bestätigt und sind somit bis auf weiteres als „vorläufig“ zu betrachten. Infolgedessen sowie auch möglicherweise im weiteren Verlauf erfolgender gerichtlicher Anfechtungen sind also leichte Verschiebungen oder im Extremfall sogar eine „Karambolage“ bei der Verteilung der Mandate nicht auszuschließen, was jedoch jedenfalls nur geringfügige Verschiebungen zur Folge haben könnte.

(Quellen: Dolnet.gr, Griechisches Innenministerium, Medienberichte)

  1. GR-Block
    20. September 2015, 23:36 | #1

    Nun ja, 155 Parlamentssitze für eine Koalition aus SYRIZA und ANEL ist nicht gerade üppig. Mal sehen wie lange sie hält, wenn die Provokationen eines Dijsselbloem, eines Juncker weiter gehen. Denn immerhin möchte Tsipras ja weiter verhandeln. Und Dijsselbloem hat dieses kategorisch abgelehnt.
    Jedenfalls hoffen wir alles beste für die beiden und für das Land. Es wäre nicht auszudenken, wenn die ND gewonnen und mit PASOK und Potami koaliert hätte. Jetzt haben wir immerhin die Hoffnung, dass die alten EU-Seilschaften gekappt werden und ihre Nutznießer in die Tiefe stürzen. Vor fünf Jahren hatte die EU noch eingegriffen, um ihre Geschäftskontakte in Athen zu retten. Jetzt muss sie neue knüpfen. Mal sehen wie lange die Regierungsparteien dem Korruptionsdruck aus der EU standhalten, bevor sie „vernünftig“ werden.

  2. LiFe
    21. September 2015, 00:06 | #2

    Ganz ehrlich, mich haben die ersten negativen Schlagzeilen in den Medien genervt. Nicht gerade ermutigend für Griechenland, das Investoren und Touristen braucht. Es müsste peinlich genug gewesen sein, dass ein Autowerk es nötig hatte, Diesel-Abgaswerte manipulieren zu müssen. Statt auf Griechenland einzudreschen sollten sie bei sich selber anfangen, fair zu bleiben. Ach ja, BER Flughafen ist auch ein Fiasko. Das Dach vom Terminal ist total verbaut. Die Statik stimmt überhaupt nicht. Zwei Tonnen zu viel Lasten auf dem Dach. Der Umbau wird Millionen kosten. Macht irgend jemand etwas richtig? Griechenland war vor der Finanzkrise nicht sehr hoch verschuldet. Die Diskussion um Bankenkrise wandelte sich um in Staatsschuldenkrise. Von Banken spricht keiner mehr.

  3. Schmidt
    21. September 2015, 01:21 | #3

    Schockierend, dass immer noch fast 30% die Mafia-Partei ND wählen! Wie doof sind diese Leute? Glauben die etwa wirklich, dass es mit Korruption, Vetternwirtschaft, Privatisierungen und sog. „Investitionen“ in Griechenland wieder bergauf geht? Oder erhoffen sie sich einfach etwas persönliche finanzielle Quersubventionierung durch Bauunternehmer – Bürgermeisters – Onkel?

  4. Ronald
    21. September 2015, 09:35 | #4

    Herr Tsipras unterscheidet sich kaum mehr von den Vorsitzenden der anderen Parteien. Er hat sich längst mit dem politischen System in Griechenland arrangiert und ich glaube nicht, dass seine Regierung etwas bewegen wird.

  5. Radices
    21. September 2015, 12:45 | #5

    Erstens, erst mal gut, dass er (A. Tsipras) es nochmal geschaft hat. Spricht nicht gegen die Griechen, andere Gesellschaften würden sich noch viel mehr von rechtem Geschwafel einlullen lassen und auch so wählen. Wenn Deutschland solche Probleme hätte: 25 % Arbeitslosigkeit damit kein KV Schutz mehr, Renten sinken …, nur um mal zwei Punkte zu nennen. Deutsche würden lauthals nach „Pegida“ oder ähnlichem Zeug rufen – ein Thilo Sarrazin schafft es auf die Bestsellerlisten … . Zum Vergleich: die Nazipartei „Goldene Morgenröte“ bekam 6 % (schlimm genung), Pegida in Dresden bei den Kommunalwahlen über 10 %, wobei die Linke eher nicht profitieren konnte. Und Deutschland geht es noch vergleichweise gut!
    Zweitens, wenn A. Tsipras es errnst meint mit dem Ende der Austeritätspolitik, sollte er sich überlegen, mit der KKE eine Koalition einzugehen, die wohl 15 Sitze bekommen hat. Wäre rechnerisch nach dem vorläufigen Ergebnis möglich und auch Kompromisse würden dann leichter zu finden sein als mir anderen Parteien, die eher kapitalistisch / neoliberal orientiert sind. Vielleicht stärkt das Ergebnis ja die Volksbewegungen, besonders Podemos in Spanien. Vielleicht ist jetzt die Zeit gekommen, dem grossen nihilistischen Nein des Kapiatlismus das grose „Ja“ des Lebens, im Frommschen Sinne des „Haben oder Sein“ entgegen zu halten. Auch wenn diese Hoffnung nur klein ist.

  6. Inego
    21. September 2015, 13:46 | #6

    Also erstmal: Ich bin echt stolz auf die Griechen! Trotz monatelangem Psychoterrors, dutzendfacher Repressalien, Meinungsterror von allen Seiten lassen sie sich nicht mehr reinquatschen – richtig beeindruckend! Und auch obwohl im Vorfeld der Wahlen schon so übel geunkt wurde: nicht mal 2 % sind zur Chrysi Avgi abgewandert! Also hier in D wäre DAS eindeutig nicht so gewesen – hier kriegen die braven Bürger ja schon bei wesentlich weniger Problemen Existenzpanik. Die Rechten wären hier bei ähnlicher Konstellation sicher schon viel weiter …
    Wie es jetzt in GR weitergeht, steht natürlich auf einem ganz anderen Blatt. Politik alleine wird aber wohl nicht mehr gegen die geballten Konzerninteressen helfen. Das zu glauben, ist mehr als naiv. Tsipras sollte sich besser schleunigst ein paar Verbündete außerhalb des korrupten Euro-Raums suchen, wenn er nur halbwegs auf Augenhöhe weiterverhandeln will.

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