Bürger in Griechenland sollen Geld zu Banken zurückbringen

17. September 2015 / Aktualisiert: 06. Oktober 2017 / Aufrufe: 4.893

Die Griechen sollen ihr Geld zur Bank bringen, der ehemalige Finanzminister Tsakalotos erklärt, die Guthaben seien nicht sicher, und das Finanzamt nimmt alle Konten ins Visier.

Der stellvertretende Finanzminister Tryfonas Alexiadis rief die Bürger in Griechenland auf, die Gelder, die sie von den Banken abzogen und zu Hause in „Truhen“ und Matratzen aufbewahren, auf ihre Bankkonten zurück zu bringen.

Am vergangenen Montag (14 September 2015) in der Morgensendung des TV-Senders Mega sprechend versicherte Herr Alexiadis, jeder Bürger, der Geld zu der Bank zurück bringt, von der er es aus Angst (vor einem Grexit bzw. „Schnitt“ der Guthaben) abgehoben hatte, „kein Problem hat“ – womit er meinte, dass im Fall, wo es sich um Gelder handelt, die auf legale Weise erworben und besteuert worden sind, kein Grund zur Beunruhigung besteht, da sie nicht überprüft und (erneut) besteuert werden sollen. (Zu letzterem ist allerdings anzumerken, dass dies in der Praxis nicht zutrifft!)

Bis zu 10 Jahre zurückreichende Steuerprüfungen

Die Kontrollbehörden des Finanzministeriums, aber auch die Wirtschaftspolizei haben mittlerweile Zugang zu allen Daten der Bankkonten. Wie Herr Alexiadis betonte, droht dennoch keinem Steuerzahler Gefahr, sofern er die Herkunft seines Geldes erklären kann, jedoch werden große Steuerhinterziehungsfälle ins Visier genommen werden.

Wie der stellvertretende Minister anführte, ist das Dezernat für Wirtschaftskriminalität (SDOE) dabei, ein Verfahren zu vollenden, das die Daten der Steuererklärungen mit den Guthaben vergleicht. „Wenn jemand 2008 ein Einkommen von 50.000 Euro hatte, in dem selben Jahr jedoch 500.000 auf ein Konto einzahlte, wird er aufgefordert werden, diese Differenz zu rechtfertigen. In diversen Fällen können wir bis zu zehn Jahre zurück gehen„, unterstrich er charakteristisch.

Steuerfahnder nehmen Bankguthaben ins Visier

Informationen zufolge werden sich im Visier der Kontrollbehörden Guthaben von über 100.000 – 200.000 Euro befinden. Die Prüfer werden erforschen, ob die sich auf den Bankkonten der Steuerzahler befindlichen Beträge auch bei den Steuerbehörden deklariert worden sind. Falls Differenzen ausfindig gemacht werden, also die in der Steuererklärung deklarierten Beträge geringer als die auf den Bankkonten befindlichen Beträge sind, wird der Steuerpflichtige aufgefordert werden, die Differenz zu rechtfertigen. Sofern er das nicht schafft, wird er sich mit der Verhängung von Steuern mit dem Satz konfrontiert sehen, der in dem Jahr galt, für das die Differenz ausfindig gemacht wurde.

Allerdings ist bisher noch nicht der Modus gefunden worden, mit dem den Einkommen begegnet werden soll, die Steuerpflichtige aus dem Verkauf von Immobilien zu über den Einheitswerten liegenden Preisen (in den meisten Verträgen wird der Einheitswert und nicht der reale Preis angeführt) sowie auch aus Aktiengewinnen erwarben, angesichts der Tatsache, dass die Bürger in den vergangenen Jahren nicht verpflichtet waren, diese Einkommen in ihrer Steuererklärung anzugeben. Laut Informationen wird erwartet, dass das Ministerium für die beiden vorstehenden Fälle eine für die Steuerpflichtigen günstige Lösung geben wird.

Evklidis Tsakalotos: Bankguthaben sind nicht völlig sicher

Laut dem (bei den anstehenden Wahlen am 20 September 2015) kandidierenden Abgeordneten und ehemaligen Finanzminister Evklidis Tsakalotos sind jedenfalls die Guthaben bei den griechischen Banken derzeit nicht völlig sicher. Wie er anführte, werden die Bankguthaben erst dann zu 100% sicher sein, wenn bis zum 01 Januar 2016 die Rekapitalisierung der griechischen Banken erzielt wird, und sofern die Klippe der ersten Bewertung überwunden wird und eine Regulierung der Verschuldung erfolgt, wird dann der Grexit, sofern er nicht zwischenzeitlich erfolgte, niemals geschehen.

„Big Brother“ bei den Bankguthaben

Derweilen werden die Kontrollbehörden und die Wirtschaftsstaatsanwälte mittels einer E-Mail innerhalb von 24 Stunden die vollständigen und detaillierten Bewegungen der Konten (Einzahlungen, Abhebungen, Zahlungen usw.) konkreter natürlicher Personen und Unternehmen in den Händen haben, die als verdächtig gelten, Einkommen zu verbergen und „Schwarzgeld“ zu bewegen.

Die Beschleunigung der Verfahren zur Auffindung von Fällen der Steuerhinterziehung eröffnet der Beschluss des stellvertretenden Finanzministers Tryfonas Alexiadis, der im Regierungsanzeiger veröffentlicht wurde und sich auf die Ausweitung und Modifizierung des Systems des Registers der Spar- und Zahlungskonten bezieht. Die Prüfer werden vollen und direkten Zugriff auf die detaillierten Bewegungen der Bankkonten jeder natürlichen und juristischen Person sowie auch auf die Gesamtheit der Transaktionen haben, die den verbuchten Stand dieser Konten beeinflussen.

Auf Basis der obigen Informationen wird ein Abgleich des Profils, das der Steuerpflichtige beim Finanzamt zeigt, mit der Geldbewegung mittels der Banken geschehen, damit festgestellt wird, ob seine Transaktionen – gleich ob sie sich auf Guthaben, Zahlungen für den Kauf von Vermögenswerten oder sonstige Handelsgeschäfte beziehen – durch seine Einkommensteuererklärungen und Deklarationen immobilen Vermögens gerechtfertigt sind. Parallel wird – wie von dem Memorandum vorgesehen – bis November 2015 dem Parlament ein Gesetzentwurf für die Aufdeckung nicht deklarierter Guthaben im In- und Ausland und die Umsetzung des Vermögensregisters vorgelegt werden.

Steuerliche Amnestierung befreit nicht von Strafverfolgung

In Zusammenhang mit den nicht deklarierten Sparguthaben innerhalb und außerhalb Griechenlands betonte der stellvertretende Finanzminister, dass abgesehen von einer (zusätzlichen) steuerlichen Belastung all denen, die legale Beträge inne haben, keine Gefahr droht, stellte jedoch klar, dass die Amnestierung der nicht deklarierten Guthaben nicht all jene von eventuellen strafrechtlichen Verfolgungen befreit, die Schwarzgeld aus illegalen Aktivitäten (z. B. Schwarzhandel) versteckten, da es sich in diesem Fall nicht um eine rein steuerliche, sondern eine Strafsache handelt, die der Justiz unterliegt.

Ebenfalls betonte er sogar, dass von den 24.710 (Auslands-) Überweisungen der Periode 2009 – 2011 nicht einmal 1.500 überprüft worden sind, und fügte an, dass – wenn das Ziel die Steigerung der Einnahmen des Fiskus sei – „die Kontrollen viel schneller erfolgen müssen„.

(Quelle: Imerisia, Autorin: Maria Vourgana)

  1. Konstantin
    17. September 2015, 11:40 | #1

    Nichts ist in Griechenland sicher und schon garnicht mal das Geld auf den Banken. Meine Eltern wurden auch wegen Auslandsüberweisungen geprüft, einen Berg von Papieren, übersetzt mit Apostillen etc. Sie lebten bis zur Renteneintritt in Deutschland und danach in Griechenland, auf Grund einer Krankheit sind sie wieder nach Deutschland zurück und haben das Geld was vorher von Deutschland nach Griechenland geschickt wurde wieder zurück überwiesen. Alles wurde belegt und da Finanzamt hat es in 5 Jahren nicht geschafft, das Verfahren ein zu stellen. Da scheinen viele Unfähige in Positonen rein gekommen zu sein, durch Vetternwirtschaft, die zu blöde sind einen Computer zu starten. Und das zieht sich durch ganz Griechenand mit den Behörden. Die fitten Leute lässt man nicht arbeiten, die haben ja kein „Messon“

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