Linksregierung und 400-Euro-Sklaven in Griechenland

15. August 2015 / Aufrufe: 3.031
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Die Regierung der Linken in Griechenland scheint mit wichtigeren Themen als dem Zusammenbruch des Arbeitsmarkts und der modernen Sklaverei beschäftigt zu sein.

Der Umstand, dass vor gerade einmal zwei Tagen die „Bombe“ des Erganis-Systems * platzte und die Regierung nichts mitbekam, ist tatsächlich kommentierungswert. (* Gemeint ist das nationale EDV-System zur Erfassung der unselbständigen Beschäftigung.)

Der gesamte Regierungsstab hatte seine Aufmerksamkeit auf das Athener Hilton-Hotel und die Verhandlungen mit den Gläubigern bzw. Institutionen gerichtet. Wo bleibt da noch Zeit, sich auch mit dem Zusammenbruch des Arbeitsmarktes inmitten des Sommers zu beschäftigen?

Moderne Sklaven, wirkliche Heloten

Es scheint niemanden nachdenklich zu stimmen oder zu beunruhigen, dass die Entlassungen die Einstellungen um 16.659 Arbeitsplätze übersteigen – und zwar in einer Periode, in der wegen des Tourismus die Zahlen genau umgekehrt sein müssten. In der Regierung hat man sich offensichtlich auf wichtigere Themen fokussiert, wie es die Primärüberschüsse, die fiskalische Balance und der neue Kredit sind, der einem Land eine Schlinge um den Hals legt.

Ruft die Offensive der wechselweisen Beschäftigung möglicherweise mehr Interesse hervor? Wohl kaum, wenn wir uns mit vorab zu erfüllenden Voraussetzungen, der Bewältigung der Rezession und der Rückkehr auf den Weg des Aufschwungs zu beschäftigen haben. Nur dass die selbigen Arbeitnehmer, also so viele dann noch verblieben sein werden, nicht dabei sein werden, wenn es jemals zu diesem Aufschwung kommen sollte.

Außerdem, mal ehrlich, wie kann jemand als Arbeitnehmer betrachtet werden, wenn er aufgefordert ist, täglich 10 – 12 Stunden zu arbeiten, einen Lohn von 300 – 400 Euro erhält und mit wenigstens 2 – 3 Monaten Verzögerung bezahlt wird? Wir haben es mit modernen Sklaven zu tun, mit der neuen Form von Sklaven, mit wirklichen Heloten und ganz sicher nicht mit Arbeitnehmern. Und um es nicht zu vergessen, sei daran erinnert: all dies geschieht im Griechenland des Jahres 2015, das seit Anfang des Jahres eine Regierung der Linken hat …

Operation gelungen, Patient ist tot

Aber, nein. Diese Regierung beschäftigt sich nicht mit trivialen Themen, wie es die Arbeitnehmer und der Arbeitsmarkt sind. Sie interessiert sich für die signifikanten und großen Themen. Sie will Griechenland retten. Sie fordert, dass unser Land bei den internationalen Foren respektiert und nicht erniedrigt wird.

Um ein Land zu retten, muss man natürlich wohl erst seine Einwohner retten. Wenn letztere das Land scharenweise zu verlassen beginnen, wird die (und es sei wiederholt, linke) Regierung genau das erreicht haben werden, wie es auch in der einschlägigen Anekdote lautet. Sie wird geschafft haben, dass die Operation mit Erfolg gekrönt wird, der Patient wird jedoch verstorben sein.

Herzliche Glückwünsche zu der neuen Vereinbarung und dem neuen Memorandum. Dieses Griechenland der flexiblen Beschäftigung und der modernen Sklaven braucht genau das: Eine neue Partie von „Aufsehern“, die uns mit der Peitsche im Nacken sitzen und befehlen werden, mehr zu arbeiten, nicht zu sprechen, uns nicht zu widersetzen und die Erniedrigungen auszuhalten – natürlich zum Wohl des Landes. Wir haben sie gefunden, die Regierung der Linken hat jeden Grund, darauf stolz zu sein. Sie schickt sich sogar an, „lang und breit“ ihre Unterschrift zu setzen um die Vereinbarung zu ratifizieren und sie wieder nach Griechenland zu holen, damit sie evaluieren und zuweilen die Peitsche schwingen …

(Quelle: dikaiologitika.gr, Autor: Vasilis Angelopoulos)

  1. Bella
    15. August 2015, 14:54 | #1

    In jedem Land – so auch in GR – gibt es zwei Sorten von Einwohnern, Reiche und Arme. Syriza ist angetreten um die Armen zu retten. Jetzt retten Sie die Reichen und deren Staat vor den Zugriffen der ausländischen Gläubiger. Wieder haben die Armen niemanden, der sie retten kann. Sie müssen es wohl selbst tun, eine neue Organisation aufbauen. Mit Syriza war es wie mit allen übrigen griechischen Regierungen … sie retten den reichen ihr Land.

  2. Delta120
    15. August 2015, 16:22 | #2

    Solange die Griechen nicht aus dem Euro austreten, werden sie diesen Spießrutenlauf ertragen müssen. Europa kann die Griechen nicht aus der Eurozone raustreten und hofft, dass irgend wann einmal die Milch wohl sauer genug ist. Denn jeder weiß, dass die Griechen niemals ihre Schulden zurückzahlen können und da müssen die Griechen nicht glauben, dass es da in der Führungsebene Mitleid gibt.

  3. Heidi Preiss
    15. August 2015, 16:31 | #3

    Ich bin geschockt über das, was in Griechenland abläuft. Ich habe die Syriza immer für die gute Oma gehalten, nein, ist sie nicht. Die Syriza ist der verkleidete Wolf. Die Syriza hat das Volk zur Schlachtbank geführt; jetzt werden sie an die Haie verfüttert.

  4. Hellos
    15. August 2015, 16:42 | #4

    Leider glaubt die Mehrheit der Griechen, der Austritt aus Euro und EU sei eine Katastrophe und ein Rückfall in die Nationalismen der 30er Jahre. Das ist falsch. Euro und EU bedeuten Leiden ohne Ende, während der Austritt daraus Leiden mit Aussicht auf Besserung bedeutet. Die wirklich armen Griechen haben nichts mehr zu verlieren, aber die Mittelschicht braucht noch mehr Leiden um umzudenken. Für die Oberschicht ist Euro und EU sowieso die bessere Lösung. Für diese Klasse arbeitet jetzt auch Syriza.

  5. Ökonom
    15. August 2015, 18:40 | #5

    Die Griechen können durch den Euro nur intern abwerten. Also müssen die Löhne runter. Deutschland hat es vorgemacht. Andere folgen. Das ist der Preis für den Euro, den die Griechen bezahlen müssen, um ihn zu erhalten. Wenn nun Deutschland die Löhne dank Zuwanderung aus allen Ländern weiter senken kann, werden auch die Löhne in Griechenland, Spanien, Frankreich und sonstwo im Euroraum fallen. Es geht um Wettbewerb. Das ist das unumstößliche Gesetz der Geldpolitik und der Marktwirtschaft. Wer es nicht will, muss eine eigene Währung haben.

  6. Frank-Uwe Albrecht
    15. August 2015, 21:37 | #6

    Es hört sich so vieles bekannt an. Man muss nur das Wort Griechenland mit Deutschland austauschen. Einziger Unterschied: in Griechenland gibt es eine (angeblich) linke, in Deutschland eine abgehalfterte neoliberale Regierung.

  7. Erich Mühsam
    18. August 2015, 19:43 | #7

    Ich kann diesen Hetz-Schwachsinn nicht mehr hören, von wegen, „daß die Griechen nie ihre Schulden bezahlen werden“, weil sie nämlich die ganze Zeit bereits bezahlen, 40 MRD an den IWF und mindestens 6 MRD (nur die Zinsen) an die EZB wurden bereits zurückgezahlt, davon alleine in 2015 rund 17,5 MRD. Allerdings ist „zurückbezahlt“ so eine Sache, denn wenn man bis 2030 von 200 MRD 150 MRD nur an Zinsen zu bezahlen hat, stellen sich ganz andere Fragen, zb. die nach einem Zinsenschnitt.

  8. Skeptiker
    19. August 2015, 14:10 | #8

    Nun ist die Katze aus dem Sack. Milliardenschwere Geschäfte (Verkauf von 14 Flughäfen) an die FRAPORT als eine, sicher nicht unbedeutende Bedingung! für ein weiteres Hilfspaket. EU Politiker, Griechische Regierung, das Parlament in Athen haben das ausgehandelt und genehmigt. Die ursprüngliche (italienische) Mafia geht dezenter vor. Die Mafia der heutigen Macht ist da deutlich dreister. Dieses Europa ist nicht mehr mein Europa

  9. Freigeist
    22. August 2015, 15:32 | #9

    Ich bin sofort für die Erhöhung der Löhne, wenn es Arbeitsplätze gibt, die Wertschöpfung generieren.

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