Griechenlands Regierung hat das Volk verraten

23. August 2015 / Aufrufe: 2.598

Griechenlands ehemaliger Finanzminister Yanis Varoufakis vertritt, die SYRIZA-Regierung habe die große Mehrheit des griechischen Volkes verraten.

Der ehemalige Finanzminister Yanis Varoufakis sprach zu der französischen Zeitschrift Nouvel Observateur über die Parlamentswahlen in Griechenland und seine eigenen nächsten Schritte vor dem Hintergrund der vorgezogenen Neuwahlen.

Wenn die Wahlen zur Erneuerung des Auftrag des Volkes erfolgen, damit die Vereinbarung vom 13 Juli 2015 umgesetzt wird, könnte ich mich auf keinen fall daran beteiligen„, führt Yanis Varoufakis in seinem Interview aus Ägina (wo er sich derzeit aufhält) gegebenen Interview an die Zeitschrift an.

Ohne Demokratisierung der Eurozone wird kein Land bessere Tage sehen

Als Alexis Tsipras von der Gipfelkonferenz zurückkehrte, stellte er ein konkretes Dilemma: Entweder akzeptieren wir die konkrete Vereinbarung oder es kommt Schäubles Plan für das Ausscheiden des Landes aus dem Euro zur Umsetzung„, erklärte Yanis Varoufakis und fügte an: „Genau in diesem Dilemma liegt auch meine Meinungsverschiedenheit mit Alexis Tsipras. Persönlich glaube ich, dass die Akzeptanz der dritten Memorandums praktisch der Ausgangspunkt für das Ausscheiden des Landes aus dem Euro ist. Die konkrete Vereinbarung ist der Anfang für die Umsetzung des Plans Schäubles. Abgesehen von einer nicht tragfähigen Vereinbarung ist das dritte Memorandum die Akzeptanz des Endes des Landes im Euro.

Auf die Frage, wie er die Zukunft der SYRIZA sehe, führte Herr Varoufakis (der das Interview offensichtlich noch vor Bekanntgabe der „Völkischen Einheit“ unter Panagiotis Lafazanis gab) an, wenn die Genossen nicht schaffen, geeint zu bleiben, gebe es keine Zukunft.

Was ihn persönlich betrifft, sagte Yanis Varoufakis: „Ich werde politisch aktiv bleiben, was auch immer geschehen wird, jedoch bin ich mir über Folgendes sicher: All diese Fragen, die Austerität, die Verschuldung, müssen auf europäischer Ebene untersucht werden. In Verständigung mit den leidenden Völkern und ihren Vertretern und nicht in der Eurogruppe, die keinerlei institutionelle Rolle inne hat … . Wenn es keine europäische Bewegung mit Ziel die Demokratisierung der Eurozone gibt, wird kein europäisches Land bessere Tage sehen: Weder die Franzosen, noch die Italiener und auch nicht die Iren, niemand.

(Quelle: dikaiologitika.gr)

Relevante Beiträge:

  1. nb_wh
    23. August 2015, 11:04 | #1

    „Völkische Einheit“: Was ist denn das für eine schwachsinnige Übersetzung? „Völkisch“ ist genuin rechtes und pangermanisches Vokabular und ist bei einer internationalistisch und emanipatorisch ausgerichteten Linkspartei völlig fehl am Platze. „Λαϊκή Ενότητα“ knüpft an die chilenische „Unidad Popular“ von Salvador Allende an und diese wiederum wird gemeinhin mit „Volkseinheit“ übersetzt.

  2. windjob
    23. August 2015, 11:46 | #2

    Ich schätze Herrn Varoufakis sehr. Nur, er hat sich doch zurückgezogen. Welche Möglichkeit hätte Herr Tsipras denn gehabt? Die grösste Angst hier in GR ist immer noch der Grexit obwohl ich dies manchmal nicht ganz verstehe. Wenn Herr Varoufakis seinem Volk einen Gefallen erweisen will sollte er wieder zurück in die erste Reihe. Sein Sachverstand ist gefragt. Europa wird er so schnell, wenn überhaupt, nicht ändern. Dafür gibt es genug Sträubles und Konsorten.

  3. Orakel
    23. August 2015, 16:18 | #3

    Herr Varoufakis hat völlig recht. Die Regierung hat das Volk verraten. Was aber nun viel schlimmer ist, ist die Tatsache, dass die Griechen sehen, dass ihnen die Linken und Sozialisten, welche ihnen das Blaue vom Himmel versprochen haben, nicht in ihrer Not helfen, ganz im Gegenteil, noch auf das Volk treten. Die goldene Morgenröte wird nun davon profitieren. Auch gedenk der Tatsache, dass Polizei und Armee zu großen Teilen diese Partei unterstützen. Mich würde nicht wundern, wenn nun auch ein Putsch in Griechenland stattfindet.

  4. Catalina
    23. August 2015, 17:46 | #4

    Ja, man sollte es ganz klar aussprechen, so wie Herr Varoufakis:
    Tsipras und Co. haben Griechenland, haben die Griechen und Griechinnen ganz schmählich verraten!! Und jetzt auch noch an die Öffentlichkeit zu gehen und zu sagen „nun muß das griechische Volk entscheiden“ ist an Zynismus kaum noch zu überbieten. Was ist denn diese geplante „Entscheidung“ wert? Kann damit noch die all umfassende Ausplünderung Griechenlands gestoppt werden? Nein, kann sie nicht, denn dazu bedarf es wohl eines Volksaufstandes.
    Herr Tsipras ist gerade dabei, seine Widersacher (bis vor kurzem waren es noch Freunde / Weggefährten) Lafazanis, Konstantopoulou etc. unter Umgehung aller demokratischen Regularien und in beschämender Art und Weise schachmatt zu setzen. Für Millionen von Menschen, nicht nur in Griechenland, war A. Tsipras der Hoffnungsträger und nun stellt er sich vor die Kameras und „verteidigt“ auch noch dieses mörderische neoliberale dritte Memorandum. Mein Gott, man kann gar nicht so viel futtern wie man kotzen möchte!

  5. GR-Block
    23. August 2015, 19:26 | #5

    Oh Gott! Was wird da herumorakelt. Herr Varoufakis ist gegangen worden, weil sich Tsipras mit der EU wieder gut stellen wollte. Den Biss des etablierten Herrn Professors hat der unerfahrene Ingenieur und Nur-Politiker nicht. Er fürchtet sich um seine und die politische Zukunft Griechenlands. Ich hätte mir gewünscht, dass Tsipras etwas mehr den Kampfeswillen des griechischen Volkes vertraut hätte und der Loyalität seines „Kriegers“ Varoufakis. Die Zweitwährung einzuführen hätte dem Einfluss GRs auf die EU einen gewaltigen Schub gegeben. Aber Tsipras hatte am Ende Angst vor der eigenen Courage. Schließlich war nicht er die Galionsfigur bei den Wählern sonder sein „Krieger“.
    Wahrscheinlich dachte er, wenn ihn die EU feiert, würde er wieder Image bekommen. Dieser Irrtum sei seiner Jugend gezollt. Er hätte wissen sollen, auch Efialtis ist von den Persern nicht gefeiert worden, als er die 300 verriet.
    Ob Varoufakis es schafft, einen Alleingang zu machen, bezweifle ich, würde ihn aber mit aller Kraft unterstützen. Es fehlt ihm das volksnahe Charisma eines jugendlichen Tsipras. Der Herr Professor kann sehr leicht Akademiker, Fachleute selbst Politiker überzeugen. Dem einfachen Volk ist er zu sperrig. Auch Konstantopoulou kann man nur einen bestimmten Bereich im politischen Kampf anvertrauen. Sie repräsentiert die klassische Amazone. Lafazanis strahlt zwar Würde und Erfahrung aus, stellt jedoch viel zu sehr den alten Recken aus KKE-Zeiten dar, als es um Arbeiterrechte und die Erinnerung an fremde Besatzer ging. Mal sehen, wie weit er mit seinem „NE“ zur EU kommt (NE=Nationale Einheit).
    Wer aber soll alle Facetten der griechischen Gesellschaft in einer Person integrieren. Ich sehe da niemanden am Horizont. Und die Rentnerpartei selbst scheint sich vollständig herauszuhalten. Die KKE war ja noch unter Papariga aktiver als heute. Nein, auf Berufspolitiker ist kein verlass. Es ist peinlich, wenn der alte Mikis Theodorakis, wie aus der OBI-Werbung, noch mal vom Sterbebett aufstehen muss, um seinen „Spitha“ (=Funke) sprühen zu lassen… Ja, ich schätze ihn auch, den „Krieger“-Professor Varoufakis.

    Wer aber jetzt verbreitet, in GR würde der Faschismus Party feiern, ist vollkommen außerhalb der Gesellschaft. Die XA ist nach oben geschnellt als die alten NDler trotzig wurden und deren Jungen es cool fanden Fascho zu sein. Die Alten sind längst wieder zu ihrer ND zurückgekehrt, nur ihre verführten Jungen sind geblieben. Wie wir aus der Nazi-Zeit wissen, brauchen diese länger für die Entnazifizierung.

Kommentare sind geschlossen