Griechenlands Maßnahmen gegen Berlin

4. August 2015 / Aufrufe: 4.583

Laut Kreisen der Regierung in Griechenland plante Athen Maßnahmen zu Lasten deutscher Interessen, um einen eventuellen Bruch noch teurer zu machen.

Musste die griechische Regierung einen Notplan für den Fall haben, dass die Gläubiger einen unkoordinierten Bankrott des Landes hervorrufen würden? Offensichtlich, sagt der gesunde Menschenverstand. Das Gegenteil wäre anfällig für Kritik bezüglich krimineller Naivität oder des bewussten Anschlusses an die Strategie Schäubles.

Auf eine einschlägige parlamentarische Anfrage der PASOK-Vorsitzenden Fofi Genimatas über die Züge des ehemaligen Finanzministers antwortend sagte jüngst Premierminister Alexis Tsipras im Parlament, „natürlich, selbstverständlich hatte ich Yanis Varoufakis persönlich angewiesen, ein Team zur Planung für einen Ausnahmezustand zu bilden„.

Athen musste sich auf einen „großen Unfall“ vorbereiten

Zur Untermauerung seiner Ansicht berief Herr Tsipras sich sogar auf die Erklärungen sowohl Jean-Claude Junckers als auch Jeroen Dijsselbloems, aber auch Regierungsfaktoren anderer Mitgliedstaaten der Eurozone, dass sowohl die Kommission als auch die anderen Brüsseler Organe sowie auch Regierungen sich auf diese Möglichkeit vorbereiteten und einschlägige Pläne ausgearbeitet hatten – wobei jener der Kommission sogar 1.000 Seiten umfasst und, wie ihr Leiter sagte, in seinem Büro gut behütet wird.

Der Premierminister vertrat ebenfalls, die Vorbereitung auf einen von den Gläubigern zu verantwortenden großen Unfall sei nicht das selbe wie die Planung des Ausscheiden aus dem Euro (Grexit). Außerdem strafen die Züge der Regierung all jene lügen, die behaupteten, es habe eine heimliche Agenda gegeben. Beweis ist der Schriftsatz der 47 Seiten, den er den Institutionen vorlegte und der anfänglich mit ermutigenden Kommentaren aufgenommen wurde, den jedoch im weiteren Verlauf der Schäuble-Block in Zusammenarbeit mit dem IWF zurückwies.

In jener kritischen Phase wurde dem Stab im Maximou (Anmerkung: gemeint ist die Regierungszentrake) bewusst, dass auf der Gegenseite die Ansichten bezüglich eines vollständigen Bruchs mit der griechischen Regierung an Boden gewannen. Die starken Einwände des französischen Präsidenten Hollande und des italienischen Premierministers Matteo Renzi waren da noch nicht zum Ausdruck gebracht worden.

Planung einer „aggressiven Verteidigung“

So begannen sie (Regierungsstab), noch forciertere Szenarien auszuarbeiten, um für die Gläubiger die Kosten eines Bruchs zu steigern. In der Terminologie des Basketballs ausgedrückt könnte man sagen, die Regierung hätte das System der „aggressiven Verteidigung“ angewendet. Laut hochrangigen Quellen umfasste dies:

  • Verstaatlichung des Trägers für Glückspiele (OPAP).
  • Verstaatlichung von Verkehrsachsen (Mautstellen).
  • Verstaatlichung der Verbindung Rio – Antirrio und der Olympischen Straße.
  • Wiederaufnahme der Aktivitäten zur Auslieferung des Siemens-Funktionärs Christoforakos und Neuuntersuchung des außergerichtlichen Vergleichs mit Siemens.
  • Schutz der Immobilien des Privatisierungsfonds (TAIPED), und hauptsächlich zwar jener, für die Deutschland besonderes Interesse gezeigt hatte.
  • Überprüfung von Korruptionsthemen bei Firmen deutscher Interessen (Siemens, OTE, Lidl, Allianz, MAN, Hochtief).
  • Kontrollen bei Firmen, die sich an Ausschreibungen von Verträgen zur Belieferung des griechischen Staates beteiligen.

(Aus aktuellem Anlass sei angemerkt, dass Deutschland den Abschluss einer neuen „Rettungs-Vereinbarung“ unter anderem speziell von der skandalösen Abtretung griechischer Flughäfen an die FRAPORT AG – SILENTEL Ltd und der Privatisierung des griechischen Stromversorgungsnetzes abhängig macht.)

Berlin deckt „schwarze“ Geschäfte deutscher Firmen

Falls sich eine frontale Kollision mit den Institutionen ergeben würde, würde für die griechische Regierung die deutsche Seite die Verantwortung tragen, da den Ton bei den Verhandlungen der Finanzminister Wolfgang Schäuble direkt oder mittels seiner Untergebenen angab.

Die bei Mitarbeitern des Premierministers bestehende Ansicht ist, dass die „schwarzen“ Geschäfte der Deutschen in Griechenland für den griechischen Fiskus Schäden von etlichen Milliarden Euro herbeigeführt haben. Gleichzeitig haben sie mit dieser von ihnen verfolgten Taktik zur Zerstörung der Industriestruktur des Landes, zur Festigung der Korruption und zur Entstehung eines schwachen Unternehmertums geführt.

Wie die selben Quellen sagen, erfolgten viele der „schwarzen“ Geschäfte von deutschen Firmen, die in ihrem Versuch, auf betrügerische Weise (mit Schmiergeldern) Filetstücke des griechischen Staates für sich sicherzustellen, fast immer von dem deutschen Staat unterstützt wurden. Mal durch gesetzgeberische Unterstützung (wie im Fall Christoforakos), mal mittels der Diplomatie.

Im selben Augenblick beschuldigen jedoch die deutschen Politiken und wirtschaftlichen Eliten die griechischen Regierungen, weil sie nicht die Kreise der Korruption in Griechenland zerschlagen, und beharren darauf, das rächende fiskalische Politiken umgesetzt werden.

(Quelle: Zeitung der Redakteure, Autor: Tassos Pappas)

  1. windjob
    4. August 2015, 09:22 | #1

    Bravo, dies ist exakt die richtige Methode. Herr Tsipras soll ruhig die gesamte Korruption, die durch deutsche Firmen gefördert wurde aufdecken. Spätestens wenn deutsche Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen wird diese S…bande begreifen welchen Schaden sie angerichtet haben. Aber dann ist es zu spät. Die Vorgehensweise von Herrn Varoufakis durch Interviews dieses verlogene Geschäft aufzudecken ist die ideale Retourkutsche zu den Methoden der deutschen Klatschpresse. Dies kann nicht nur Sträuble sondern auch Merkel den Kopf kosten. Wie heisst es so schön „wenns dem Affen zu wohl wird geht er aufs Eis“ und dies ist ein Affentheater. Ich hoffe, dies wird so kommen.

  2. varuskater
    9. August 2015, 02:43 | #2

    ich bin froh, dass sich Yanis Varoufakis nach seiner Demission nicht vollständig aus der Politik zurückgezogen hat, er soll ruhig weiterhin – Stück für Stück – diese unsägliche Kapitulationsrunden von Brüssel aufdecken, damit wenigstens die „normalen“ Menschen ansatzweise mitbekommen, was dort gespielt worden ist. GR wird nicht das letzte Land gewesen sein, wo diese Erpressungspolitik praktiziert werden soll. Besonders wird es mich freuen, wenn das „großmäulige“ Germany an der Reihe ist!

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