Griechenland: Wie sich die Geschichte wiederholt

19. August 2015 / Aktualisiert: 05. Oktober 2017 / Aufrufe: 2.928

Die Art und Weise, wie bereits vor 2 Jahrhunderten sogenannte Philhellenen Griechenland mitspielten, erweist sich auch hinsichtlich der heutigen Situation als sehr lehrreich.

Wenn zutrifft, dass die Vergangenheit der „Leitpfaden“ für die Zukunft ist, können aus einer fast zwei Jahrhunderte alten Geschichte sehr nützliche Schlussfolgerungen bezüglich der heutigen Situation gezogen werden, die Griechenland durchlebt … . Begeben wir uns also zurück in die Jahre 1824 und 1825.

Die Finanzierungsbedürfnisse des Befreiungskampfs waren erdrückend. Die Aufnahme von Auslandskrediten war praktische eine Einbahnstraße. Die Regierungen des sich zur Revolution erhobenen Griechenlands wendeten sich dem Finanzzentrum der damaligen Epoche, sprich London zu, um nach Krediten zu suchen. Die Geschichte dieser beiden Kredite erweist sich als besonders lehrreich.

Der erste Kredit

Die griechische Regierung schickt zwei Entsandte in die britische Hauptstadt, nämlich Ioannis Orlandos und Andreas Louriotis. In Zusammenarbeit mit dem Londoner philhellenischen Komitat unterzeichneten sie am 21/08/1824 mit dem Haus Lofnan ein Kreditabkommen in Höhe von 800.000 Pfund Sterling zu einem Ausgabepreis von 59% und mit einem Zinssatz von 5% und einer Laufzeit von 36 Jahren.

Von den theoretisch 800.000 Pfund würde Griechenland nur 459.700 Pfund erhalten, und davon sollte ein signifikanter Betrag abgezogen werden, weil die Vereinbarung vorsah, dass vorab zu zahlen waren: die Zinsen und die Tilgung für zwei Jahre, die Provisionen und die verschiedenen Kosten.

In Griechenland kamen letztendlich gerade einmal 289.700 Pfund Sterling an. Weiter sei angemerkt, dass als Sicherheit für die Zinsen der Kredite alle öffentlichen Einnahmen (des griechischen Fiskus) und für das Kapital alle „griechischen Liegenschaften“ verpfändet wurden.

Der zweite Kredit

Zentrale Figur war Ioanis Orlandos, da Andreas Louriotis inzwischen verstorben war. Der Kredit wurde von der Bank der Gebrüder Ricardo erteilt. Die Vereinbarung wurde am 07/02/1825 unterzeichnet. Das nominale Kapital belief sich auf 2.000.000 Pfund Sterling und wurde in 200.000 Bonds gestückelt, die zu einem um 55,5% über dem Nennwert liegenden Preis emittiert wurden. Dies bedeutet automatisch einen Gewinn von 1.100.000 Pfund Sterling für die Bankiers. Parallel wurden vorab Zinsen für 2 Jahre (220.000 Pfund), Tilgungsraten für 1 Jahr, eine Zinszahlungsprovision (64.000 Pfund), Vermittlungsprovision und diverse Ausgaben einbehalten. Der letztendlich bereinigte Betrag belief sich 816.000 Pfund.

Anstatt jedoch wenigstens diesen Betrag vollständig nach Griechenland zu schicken, wurde er für Rüstungsausgaben außerhalb Griechenlands (!) absorbiert:

  • Schwere und leichte Waffen: 77.000 Pfund.
    Letztendlich wurden weniger Kanonen und mit großer Verzögerung ausgeliefert.
  • Bestellung von Dampfschiffen in England und Gründung eines Expeditionskorps: 160.000 Pfund.
    Es wurden 6 Schiffe bei einer Rederei bestellt, die als zentralen Kunden den Ibrahim hatte, der über den Peloponnes hinwegfegte. Von den bestellten Schiffen trafen in Griechenland nur drei (Karterina, Elpida, Hermes) und mit großer Verzögerung ein.
  • Bestellung von 2 Fregatten in den USA: 155.600 Pfund.
    Die Geschichte ist von vorne bis hinten unglaublich: Die beiden Parteien vereinbarten, dass ein … französischer General der Kavallerie (Lallemand) als Sachverständiger zu der Reederei der USA geschickt wird. Sie zahlten ihm eine Gehalt von 120 Pfund im Monat und schickten ihn los, um den Reeder zu spielen. Kaum in New York eingetroffen, wendete der Franzose sich an zwei Reedereien (Leroy, Bayard & Co και G. G. Howland). Er entschied sich für die erste, da der eine ihrer beiden Gesellschafter Präsident des philhellenischen Komitats war. Noch bevor sie irgendeine Arbeit begannen, lösten sie einen Scheck über 120.000 Pfund ein. Unmittelbar danach stimmte der Franzose einer Änderung der Vereinbarung zu.

Anstatt also auf Basis eines Festpreises voranzuschreiten, sollten die endgültigen Kosten auf Basis der Arbeitsstunden berechnet werden! Innerhalb von sechs Monaten, die sie als Lieferfrist hatten, hatten sie 750.000 Dollar eingenommen und nicht einmal ein Paddelboot geliefert. Um ein Vergleichsmaß zu haben: die Regierung der USA bezahlte für gleiche Schiffe 250.000 pro Stück.

Bisher hatte es also einen „Aufschlag“ von 250.000 Dollar gegeben. Die Abzocke sollte sogar 550.000 – 600.000 erreichen, da die Kosten für jedes Schiff sich bei 500.000 – 550.000 Dollar bewegen würden. Sie forderten sogar weitere 275.000 Dollar, um die Arbeiten fortzusetzen. Es war jedoch keine „Spucke“ mehr vorhanden, da das Geld „verbraten“ worden war.

Daraufhin brach der „Londoner Skandal“ aus und es wurde beschlossen, eins von den beiden Schiffen zu verkaufen. Es wurde von der amerikanischen Regierung für 223.570 Dollar gekauft (225.000 weniger als es kostete). Das eine Schiff, das übergeben wurde, kostete folglich 750.000 Dollar, war also um 500.000 Dollar überteuert.

(Quelle: Imerisia)

  1. windjob
    19. August 2015, 05:39 | #1

    Es macht doch keinen Sinn in der Vergangenheit zu schwelgen, wir sind in der Gegenwart. Die 86 Milliarden werden nichts bringen, da kein Cent davon in Griechenland ankommt. Die Schuldentragfähigkeit ist nicht gegeben. Griechenland braucht, egal wie das Kind nun benannt wird, einen Schuldenschnitt. Viel wichtiger ist allerdings, dass nun die Reformen zügig angepackt werden. Tsipras hat hier schon richtig begonnen. Dies geht aber nun mal nicht in ein paar Tagen, sondern es wird Jahre dauern und diese Geduld muss man haben. Warum glaubt eigentlich jeder, man könne ein Volk in kürzester Zeit umkrempeln, und wollen wir dies wirklich? Ich nicht.

  2. Klaus28
    19. August 2015, 20:02 | #2

    Es ist schon traurig wie wenig von dem Geld letztendlich in Griechenland angekommen ist. Aber es ist zu bedenken, dass das Risiko für die Geldgeber auch sehr hoch war! Also ein Spekulationsgeschäft. 1824 gab es nur eine provisorische Regierung in Griechenland. Kurz nach Kreditvergabe wurde dann auch ein Zahlungsausfall nach London gemeldet in deren Folge Griechenland vom den internationalen Geldmärkten abgeschnitten war. 50 Jahre später wurden dann doch noch 1.2 Milionen Pfund zurück gezahlt in etwa die ursprüngliche Kreditsumme.

  3. freigeist
    23. August 2015, 03:13 | #3

    Aller Wahrscheinlichkeit nach wird es bei den Überprüfungen, ob die Reformen durchgeführt werden, zu Problemen kommen. So werden dann vermutlich nur mit Holperschritten die 86 Mrd. ausbezahlt werden. Oder gar ein Teil gar nicht, weil sich die Behörden weigern werden, die Reformen durchzuführen. Siehe Rumänien und Bulgarien, nur dass diese beiden eine eigene Schrottwährung haben und das Volk nichts machen kann gegen die Bürokratenkaste. Mir tun die Griechen leid, da sie in diesem System gefangen sind, noch.

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