Griechenland: Warum die Deutschen nicht unsere Freunde sind

9. August 2015 / Aufrufe: 9.477

Die abstrafende Stimmung gegenüber Griechenland ist zu einem Synonym der Politik im Land Merkels geworden und der moderne deutsche Antihellenismus kommt nicht zufällig.

Im Jahrzehnt 1980 brüllten diverse junge Demonstranten in Militärjacken „Amerikaner, Mörder der Völker„. Jedoch sorgten sogar auch jene (Demonstranten) klarzustellen, dass sie es mit den jeweiligen Regierungen Washingtons haben. Nicht mit dem amerikanischen Volk.

Heutzutage fahren etliche Griechen darin fort, mit gewissen der internationalen Praktiken der Regierung Obama nicht einverstanden zu sein, obwohl der konkrete amerikanische Präsident einer der populärsten der jüngeren Periode ist. Den von Regeln der Sympathie und des gegenseitigen Respekts bestimmten Beziehungen zwischen den beiden Völkern bleibt jedoch die Politik gleichgültig.

Aufleben der deutschen Führungs- und Herrscher-Mentalität

Der durchschnittliche amerikanische Tourist ist ein durchaus liebenswerter Typ. Hervorragend als Besucher, Verehrer der antiken griechischen Kultur, zivilisiert und freigebig. Keinerlei Zusammenhang mit den grölenden Westgoten und den betrunkenen britischen … Sexkannibalen, welche die griechischen Inseln überschwemmen und praktisch ihre Geringschätzung für das Land beweisen, in dem sie zu Gast sind.

Für die Amerikaner ist Griechenland ein lebender Mythos. Sie mögen nicht genau wissen, wo es sich auf der Karte befindet, kennen jedoch seine antike Geschichte und seine heutige Eigenschaft als einzigartiges touristisches Ziel und zweifeln auf keinen Fall die natürliche Bindung des griechischen Bodens mit seinen modernen Einwohnern an.

Ich machte diese Einleitung um zu zeigen, wie die Beziehung zwischen Völkern zu sein hat, die nichts untereinander auszutragen haben und sich gegenseitiger Achtung erfreuen, wobei jeder seine eigenen Vorzüge aufzeigt. Mit den heutigen Deutschen ist dies leider nicht der Fall und je schneller wir (Griechen) das verdauen, um so besser ist es.

Das Problem der antihellenischen Politik Berlins geht nicht nur von den Personen aus, die heutzutage gerade Spitzenpositionen inne haben, wie Merkel und Schäuble. Es ist nicht nur ausschließlich ihre eigene Schöpfung oder Entscheidung. In der Praxis stellt es eine ständig gespeiste Situation dar, die von der allgemeinen deutschen Führungs- und Herrschaftsmentalität ausgeht, die sehr zügig und gefährlich wiederauflebt.

Die abstrafende Gesinnung gegenüber Griechenland ist in Deutschland zu einem Synonym der politischen Popularität geworden! Je härter, desto populärer. Und die Anerkennung für die unmenschliche, nationalrassistische Politik genießen heute Schäuble und Merkel.

Griechenland ist einer Nation „zweiter Klasse“ nicht wert

Fragen Sie mich nicht, ob es das deutsche Volk ist, das die Ausübung der antihellenischen Politik diktiert, oder ob die heutige Koalitionsregierung Deutschlands sie in der öffentlichen Meinung ihres Landes zu einer „politischen Notwendigkeit“ gemacht hat. Die Antwort erinnert an das Problem mit dem Huhn und dem Ei. Auf jeden Fall ist jedoch die abstrafende Voreinstellung der systemischen deutschen Parteien gegenüber Griechenland dermaßen mit dem laizistischen Empfinden verflochten, dass sie eine politische Pflicht eines jeden in den Bundestag gewählten Vertreters ist.

Bei allen Meinungsumfragen bleiben die deutschen Bürger die treuesten Anhänger des sofortigen Ausscheidens Griechenlands aus dem Europa. Gleichzeitig stellt Griechenland jedoch weiterhin eins der populärsten touristischen Ziele für die Deutschen dar, die meinen, eine ins Elend geraten Schuldenkolonie, zu deren sozialer Einebnung sie mehr als jeder andere beigetragen haben, als Eroberer besuchen zu können.

Der moderne deutsche Antihellenismus ist weder zufällig noch opportunistisch. Er stützt sich auf gut gefestigte Stereotypen und negative Mythen, welche die heutige deutsche Mentalität, aber auch den äußert fragwürdigen … deutschen Humor durchziehen. Der Grieche ist der Faulpelz, der Nichtsnutz, der von Gott den besten Claim auf dem Planeten geschenkt bekam und ihn nicht zu nutzen weiß, sondern nur herumsitzen, seinen Ouzo trinken und seinen Kaffee genießen möchte. Diese Hässlichkeiten sind nicht nur eine Reproduktion der „BILD“. Sie durchziehen von dem einem bis zum anderen Ende die deutsche Gesellschaft als gut gefestigte Überzeugungen. Für den durchschnittlichen Deutschen ist Griechenland es leider nicht wert, von den modernen Griechen bewohnt zu werden! Es ist ein zu privilegiertes Bestimmungsland für eine Nation … zweiter Klasse.

All das Vorstehende hat also nicht nur mit Merkel und Schäuble zu tun, wie in Griechenland manche naiv glauben mögen. Es stellt ein sehr ernstes Problem einer gefestigten angenommenen Vorstellung eines Volkes gegenüber einem anderen Volk, also einer negativen Voreingenommenheit dar, die auch rassistische Charakteristika annimmt, wenn das erste Volk durch Kredite souveräne Rechte über das zweite erwirbt …

(Quelle: dimokratianews.gr, Autor: Giorgos Charvalias)

  1. windjob
    9. August 2015, 04:11 | #1

    Diese Voreingenommenheit der Deutschen beruht auf mangelhaftem Interesse und blindem Glauben an eine Presse wie Bild. Man fährt für 14 Tage nach Griechenland, am besten in ein Hotel mit all inclusive Angebot und meint danach das Land zu kennen. Die Mühe die Griechen kennen zu lernen macht man sich nicht. Leider ist diese oberflächliche Einstellund bei uns Deutschen viel zu stark verbreitet. Es ist doch viel einfacher den Journalisten und den Politikern zu glauben. Dies kotzt mich langsam wirklich ernsthaft an.

  2. Kleoni
    9. August 2015, 08:14 | #2

    BLÖD äh BILD ist leider bei vielen Deutschen immer noch die einzige Informationsquelle um „über den Tellerrand“ zu blicken. Politiker äussern sich über dieses BLÖDblatt und das wird dann für bare Münze gierig aufgesaugt.

    • FrauSonnenschein
      9. August 2015, 14:54 | #3

      Nicht nur der „Bild Zeitung“ lesende deutsche ist so … die „Blick Zeitung“ lesenden deutsch-schweizer genauso auch. Noch schlimmer, einer meinte tatsächlich man solle griechenland aufteilen unter den nachbarländer … ich war und bin immer wieder schockiert ob solcher bösartiger arroganz und ignoranz.

  3. ungefragt
    9. August 2015, 11:43 | #4

    Am Beispiel Griechenlands kann man sehr gut sehen, dass die Führung des Volkes durch die Beherrschung der Medien noch immer sehr gut funktioniert.

  4. Wolfgang Potratz
    9. August 2015, 12:01 | #5

    Es geht nicht nur um BILD-WELT-ZEIT-SZ u.a.“Leser“, die den „Tellerrand“ als Schutzwall sehen und gar nicht interessiert sind, was wirklich in der Welt passiert. Und was Griechenland-
    Interessierte betrifft, da ist es sehr viel einfacher, sich dem „Chor der Blöker“ anzuschliessen, als gegen das „Schweigen der Lämmer“ zu protestieren. Ist es vielleicht typisch für die deutsche Seele, dass Tierliebe weit höher steht, als Menschenliebe ? Zumindest, wenn es sich dabei ja nur um „DIE GRIECHEN“ handelt. Mitverantwortung und Solidarität sollte anders aussehen. Auch im eigenen Interesse … Egoismus tötet. Und ganz am Anfang steht, perfekt organisiert und akzeptiert, die deutsche Volks-Gefolgschaft, basierend auf einer total blinden „Obrigkeits-Hörigkeit“. Macht nur weiter wie gehabt, liebe deutsche Landsleute. Der drohende Abgrund wartet längst schon auf „DIE DEUTSCHEN“. Stumm, blind und taub lässt sich vieles verdrängen. Fragt sich nur, wie lange ? Ich unterstütze jedenfalls auch weiterhin, so gut ich kann (von meiner deutschen Rente), notleidende griechische 360 €-Rentner. Weil ich glaube, besser beurteilen zu können, was manche „Menschen“ in Griechenland „anrichten“.

    • Marlène
      9. August 2015, 18:44 | #6

      Ich bin CH. und lebe schon lange hier. Die Griechen sind nicht faul! Sowohl die Deutschen wie die Ch. könnten auch von ihnen lernen. ZB. Wie in der jetzigen NOT die Familien einander unterstützen und nicht im Stich lassen!

  5. Utz Weber
    9. August 2015, 13:57 | #7

    Der gute amerikanische Tourist streift naiv und uninformiert durch Hellas. Die deutschen sind besser informiert. Sie wissen: die Griechen sind gastfreundlich, herzlich, lebensfroh. Sie wissen aber auch: Strukturen in Verwaltung fehlen, Steuern werden häufig nicht gezahlt, rigide Gewerkschaften schrecken ausländische Investoren ab. Und sie sehen deshalb nicht ein, dafür mit ihrem Geld zu bürgen. Ich lebe übrigens in Griechenland …

  6. Ilonka Müller-Getahun
    9. August 2015, 14:26 | #8

    Lieber Giorgis Charvalias, als Deutsche Stimme ich dir zu. Es ist nicht nur die erbärmliche Regierung, diese wurde von der Mehrheit gewählt. Es gibt hier wohl eine weitverbreitete Mentalität, die dieses Land schon mal ins Unglück geführt hat. Vielleicht sind die Griechen nicht naiv,s ondern einfach klüger, menschlicher. Ich distanzieren mich in letzter Zeit oeffentlich von diesem Teil DE und von dieser Regierung sowieso.

  7. Erich Becker
    9. August 2015, 19:03 | #9

    Was in dieser Argumentation leider ausgeklammert wird,
    1. ist die Tatsache, dass die deutschen Leitmedien (ARD, ZDF, FAZ, Welt, SZ,teilweise auch Spiegel und Zeit – und natürlich auch „Bild“)eine Schlüsselrolle bei der Meinungsbildung der „Deutschen“ spielen. Ohne objektiven und kritischen Journalismus, der nicht Regierungsverlautbarungen einfach nachplappert, gibt es auch kein, vom deutschen Volk getragenes, wirkliches weiterkommen in der Griechenlandkrise.
    In „Journalist Online“ (1.4.2015) hat M. Pantelourius diese Problematik (journalistisches Dauerfeuer auf „die unfähigen Griechen“) nachvollziehbar dargelegt.
    2. ist die Tatsache, dass von anderen Ländern der Eurozone bisher nicht ernsthaft gegen die Merkel-Schäubelsche Austeritätspolitik opponiert wurde. James Galbraith hat vermutlich Recht wenn er Merkel, Hollande, etc. „flach“ findet, eingesperrt in ihrer eigenen Realität und „moralisch und intellektuell zu unterversorgt, um ein kontinentales Problem zu lösen“ …
    3. Wichtig scheint mir also, nicht nur über die jämmerlich versagenden Euro-Politiker und das „deutsche Volk“ zu klagen, sondern den deutschen Journalisten Mut zu machen, ihr Handwerk ernst zu nehmen, und sich einer regierungsunabhängige Berichterstattung verpflichtet zu fühlen;
    4. anzuerkennen, dass es das „deutsche Volk“, was für die derzeitige Griechenlandpolitik verantwortlich ist, nicht gibt. Ich bin Deutscher und schreibe bzw. argumentiere seit Februar 2015 gegen diese Griechenlandpolitik an – und gottseidank tun dies viele andere (deutsche Staatsbürger) auch!

  8. Dudel
    9. August 2015, 19:43 | #10

    Ich schäme mich für die Arroganz und Dummheit meiner Landsleute und drücke dem griechischen Volk die Daumen, dass sie wieder eine Zukunft haben. Wenn die Deutschen sich weiter so in ihrem Hochmut sonnen, werden sie sich hoffentlich ordentlich verbrennen.

  9. Michael
    9. August 2015, 22:27 | #11

    Ob es den Griechen Spaß macht oder nicht, ihre Sozialausgaben und Beamtengehälter zahlen sie von ihren Steuereinnahmen. Jede Diskussion dazu ist gegenstandslos, ich schäme mich für eine ganze Reihe von Typen hier, die die Pleite relativieren wollen. Das Land ist bankrott. Jede finanzielle „Hilfe“ ist Insolvenzverschleppung. Entschulden auf Kosten der Gläubiger durch Austritt aus dem Euro. Punkt.

  10. Falk
    9. August 2015, 22:43 | #12

    Leider folgt die Mehrheit der Deutschen dem erbärmlichen Griechenlandkurs. Den Deutschen geht es nicht gut. Löhne stagnieren, prekäre Jobs greifen um sich, staatliche Investition ist auf dem Tiefpunkt. (Gut geht es eigentlich nur der Wirtschaft, also den Anteilsinhabern). Dafür braucht es Erklärungen, Schuldige. Griechenland wird dazu gemacht, ebenso wie Flüchtlinge. Leider werden die wirklichen Zusammenhänge von Politik und Medien erfolgreich vernebelt. Dazu kommt noch die ideologische Komponente einer Linksregierung, wofür das griechische Volk bestraft werden muss.

  11. Freigeist
    9. August 2015, 23:20 | #13

    Medial ist in Deutschland Herr Prof. Sinn in München der Ideengeber für einen Grexit. Zwischen den Wirtschaftswissenschaftlern tobt ein erbitterter Streit um pro und kontra Grexit. Was soll nun der normale deutsche Bürger dazu denken?

  12. Kruxdie26
    10. August 2015, 00:55 | #14

    Der aufgeklärte Deutsche hat nichts gegen die Griechen und weiß Bescheid, was für ein perfides Spiel getrieben wird – mit Griechen, mit Deutschen – mit Europa! Raus aus Euro und EU und gute nachbarschaftliche Beziehungen pflegen. – Und die Flüchtlingsmassen werden Europa (also ganz Europa!) einen Bürgerkrieg bescheren. Die Schuld liegt nicht an den Europäern oder originär an diesen Massen, sondern am POlitikerpack, Volksverräter sind das.

  13. dissidentin
    10. August 2015, 08:57 | #15

    diese meinung wurde von der deutschen presse gemacht und viele machen sich einfach nicht die mühe hier quer zu recherchieren um auf den trichter zu kommen, dass griechenland eines der ersten opfer einer finanzdiktatur wurde, die mit der immobilienkrise in den usa angefangen hat. hierzu gabs vor jahren auch schon mal eine ezb-studie. allerdings darf man nicht die geduld aufgeben, weil viel aufklärung erst während der auseinandersetzung mit einem thema geschieht. nach der ersten bashingwelle mehren sich inzwische kritische stimmen von deutschen an der deutschen politik und die solidarität mit griechenland wächst, da bei immer mehr durchdringt, dass die raubtierkapitälistischen mechanismen, die mit einer realwirtschaft nichts mehr zu tun haben, auch vor anderen ländern (eben auch deutschland) nicht halt machen würde, wäre es in der selben lage.

  14. Querdenker
    10. August 2015, 11:04 | #16

    Das die deutsche Bevölkerung nicht in Gänze hinter dieser menschenverachtenden Politik steht möchte ich dann auch mal zum Ausdruck bringen, das machen dieser und ähnliche Blogs sehr anschaulich. Griechenland hat uns deutlich gemacht wie sich die Demokratie in Europa definiert, nämlich ausschließlich übers Geld. Griechenland hat uns gezeigt wie Demokratie gelebt wird, und Europa (Deutschland) hat sich dieser wohlkalkuliert entgegen gestellt. „Ein Linksregierung wird uns nicht sagen wo und wie es langgeht.“ Wir sollten aber bedenken, dass dies eine Verabschiedung der Demokratie in Europa bedeutet und wir alle diese Folgen noch deutlich zu spüren bekommen und tragen müssen. Das so was nicht in den neoliberalen Propagandablättern steht ist verständlich.
    Wir alle leben in der Mitverantwortung zur Wahrung von Demokratie und Menschenwürde, wer sich dessen nicht bewusst ist sollte sich auch nicht über die angeblich so faulen Griechen beschweren.

  15. 10. August 2015, 11:10 | #17

    Das Aufhetzen der Völker gegeneinander nützt nur den Konfliktprofiteuren. Bitte macht da nicht mit! Weder sind die Griechen “Pleitegriechen”, noch sind sie alle korrupt. Sie sind unsere europäischen Nachbarn und Freunde. Weder sind die Deutschen “Feinde der Griechen”, noch sind sie alle hartherzig. Sie sind die europäischen Nachbarn und Freunde der Griechen. Denn das ist das soziale Kapital, das Europa zusammenhält. Gibt man es auf, so bricht Europa auseinander.
    Ich bin Europäer.

  16. XYZ
    10. August 2015, 15:01 | #18

    „Die Deutschen“ gibt es (zum Glück!) ebenso wenig, wie „die Griechen“. Leider holt sich die große Mehrheit der Deutschen ihre Informationen aus den „Leitmedien“. Diese werden aber von der regierenden Kaste gelenkt. Wer’s nicht glaubt, lese sich den Vortrag („Warum schweigen die Lämmer?“) von Prof. Dr. Rainer Mausfeld (Universität Kiel) durch.
    Ich persönlich schäme mich für den Umgang von Merkel und Schäuble mit Griechenland. Hier wird ein ganzes Volk mit Füßen getreten, nur damit kein (weiteres) Land glaubt, es gäbe eine Alternative zum menschenverachtenden Neoliberalismus. Wobei fairerweise erwähnt werden muss, dass auch unsere Politikdarsteller in ihren Entscheidungen keineswegs unabhängig sind …

  17. Klaus Fricke
    10. August 2015, 19:36 | #19

    Sehr geehrter Herr Charvalias, ich stimme Ihnen zu, dass große Teile der Deutschen bereit sind, Strafe für Vernunft zu halten.
    Es ist sicher richtig, dass eine solche Haltung mit der Abwertung der angeblich aus Gründen einer solchen Vernunft zu Bestrafenden einhergeht. Die Entwertung der Anderen, der anderen Ethnie, Hautfarbe, Religion etc, das wissen wir, hatte und hat brutale, tödliche, barbarische Konseqenzen. Deutschland obliegt aufgrund der faschistischen Barberei eine besondere Verantwortung und unterliegt, da zwar formal (und nur punktuell) aber nicht nachhaltig inhaltlich entnazifiziert, den Wirkungen tradierter Haltungen in den Köpfen vieler Menschen. Sicher ist auch das ein Punkt, der von Bedeutung ist, insbesondere wenn man sich die Ereignisse der letzten Wochen um Flüchtlingsunterkünfte ansieht.

    Es sind und da möchte ich die vorausgehenden Kommentare ähnlichen Inhaltes verstärken, aber eben nicht alle Deutschen, die so denken. Ihr „Die Deutschen“, es ist leider von ähnlicher Qualität, wie „Die faulen Griechen“ der deutschen Stammtische. Ich empfinde beides als Propaganda der Barbarei.

    Ich denke, ich kann nachvolziehen, welche schweren Demütigungen -Traumatisierungen- den Menschen aus Griechenland, durch die politischen „EU“ Entscheidungen von deutschen Gnaden in den letzten Wochen zugefügt worden sind. Die Politik der in D regierenden Großen Koalition, die auch über deren Grenzen hinaus befürwortet wird, sie ist nicht nur zweifelsfrei ohne jede fachlich-ökonomische Legitimation, sie ist nicht nur inhuman aufgrund der sozialen Katastrophe, die sie in GR verursacht hat, sie ist nicht nur verlogen, da sie das Märchen von den Hilfgeldern für Griechenland erzählt, von den Hilfsgeldern, die faktisch zur Refinanzierung internationaler, insbesondere auch Deutscher Banken dienten, sie ist zudem ein Schlag ins Gesicht und jetzt spreche auch ich von den Griech*Innen, dem Staatsvolk, da tatsächlich alle Menschen Griechenlands als Mitglieder des Staatsvolkes diesen Schlag in ihr Gesicht hinnehmen mussten, eine Ehrverletzung im Angsicht der Welt.

    Wenn ich in diesen Tagen, ich bin seit Mai mit kurzen Unterbrechungen, in Griechenland, mit den hier lebenden Menschen spreche, nehme ich eine Haltungsänderung wahr, die mir vollkommen verständlich ist. Vor dem Ochi erlebte ich, wenn ich das Thema „Krise“ ansprach, lebhafte Diskurse um den politischen Weg Griechenlands, um notwendige Reformen, um die Fehler, die in der eigenen Verantwortung liegen und um falsche neoliberale Konzepte.

    In diesen Diskussionen waren Entschlossenheit und Energie zu spüren. Ein Wandel, auch unter Verzicht, auch unter Lasten, auch mit scharfer Selbstkritik, sollte herbeigeführt werden. In den letzten Tagen nun wandelt sich der Ton zur Bitterkeit, und diese entnehme ich auch Ihrem Artikel Herr Charvalias.

    Ein Beispiel: Vor drei Tagen, Freitag, der 7.8.15, ein Taxifahrer, an die 60 Jahre in Thessaloniki. Wir kommen während der Fahrt ins Gespräch.

    – Krise: Darüber nicht zu sprechen, sei das Beste.
    Pause im Gespräch

    – Hübsche Frauen auf dem Weg (Bitte keine Sexismus Diskussion): Er hätte keine psychische Kraft mehr, daran Freude zu finden.
    Pause im Gespräch

    – Das Bild von Griechenland in den deutschen Medien (Die Faulen Griechen): Er würde seit 33 Jahren an sieben Tagen in der Woche als Taxifahrer arbeiten. Er hätte zwei Kinder. Beide um die 30 Jahre, beide mit abgeschlossenem Studium, die jede Arbeit, die sich Ihnen bieten würde annehmen würden. Sie würden arbeitslos zu Hause sitzen. Was das solle, wo da der Sinn läge? „Die faulen Griechen“, wer so etwas als Deutscher sagen würde, das wäre ein Schlag in sein Gesicht. Fehler wären gemacht worden, aber das deutsche Diktat raubt seinen Kindern ihr Leben. Das wäre und er sagt das zu mir als Deutschem, der ich Gast in seinem Taxi und seinem Land bin, eine Unverschämtheit von Merkel. Die Deutschen wären sehr dumm, in dem was sie täten. Was war, sei nicht vergessen, was jetzt geschehe, käme hinzu und würde nicht vergessen werden.

    Und in diesem Sinne haben sich die Gespräche, die ich in den letzten Tagen führte, wenn es um die Krise geht, vom Diskurs zur, wie ich meine berechtigten, Anklage gewandelt. Bedenklich.

    Sehr geehrter Herr Charvalias, ich bitte Sie, ich bitte die Menschen in Griechenland, verzichten Sie auf die Anklage wegen des Schlages in Ihr Gesicht. Ihr Ochi, ich stimme Herrn Tsipras darin zu, hat die Geschichte Europas geprägt. Machen Sie dort weiter, erheben Sie Ihre Stimme in Europa. Ich verspreche Ihnen derweil, ich werde nicht vergessen, was wir griechischen Menschen, insbesondere denen, die nur über geringe Einkünfte und geringes Eigentum verfügen, erneut angetan haben.

    HASS, ich kann verstehen, dass er aufkeimt, ich begreife, dass er naheliegt IST KEINE ALTERNATIVE für den politischen Souverän, für die Bevölkerung dieser kleinen Erde.

    Und: Ich kann den Hass nachspüren, da wir, meine Frau und ich, aufgrund unserer beruflichen Tätigkeit alltäglich persönlichen Anfeindungen und Unverschämtheiten seitens konkreter Menschen und „großer“ Politik begegnen, die unsere soziale und ökonomische Existenz gefährden und unsere leiblich-seelische Existenz auch unmittelbar bedrohen.

    Klaus Fricke, Bremen
    Sprecher „Haus9“
    Vermietung von Betriebsstätten an selbständig in der Sexarbeit tätige Menschen
    Fachmoderator auf http://www.sexworker.at

  18. Andreas
    10. August 2015, 20:16 | #20

    Die Schuldenkrise haben die Griechen, bzw. die jeweilige Regierung, selber zu verantworten. Da gibt es gar nichts zu diskutieren. Ebenso entspricht es den Tatsachen, dass dort einiges nicht so funktioniert, wie es es sollte. Was mich aber ankotzt ist die üble Meinungsmache unserer Systempresse. Vor allem, wenn es immer hießt, „die Griechen“ bekommen Milliarden Euro und wenn das nicht reicht, bekommen sie die nächsten Milliarden und die nächsten etc. Es sind aber nicht „die Griechen“, die das Geld bekommen, sondern zu allergrößtem Teil sind es Banken und Geldinstitute. Das Geld fließt fast vollständig in den Finanzmarkt. Und warum tut es das? Damit sie die Schulden, die sie bei uns in Deutschland, aber auch in Frankreich haben, zurück zahlen können. Das ist absurd: Griechenland wird immer tiefer in die Schuldenfalle gedrückt, damit sie ihre Schulden bezahlen können. Ohne Schuldenschnitt wird es nicht gehen. Aber Voraussetzung dafür wäre tatsächlich eine grundlegende Reform. Nur nicht so, wie sich Hardliner Schäuble das vorstellt. Der will ja keinen Schuldenschnitt und Reformen nur dann, wenn sie die Rentner und die Normalbevölkerung treffen.

  19. Stup
    10. August 2015, 20:34 | #21

    Ich schäme mich auch für den Umgang von Merkel und Schäuble mit Griechenland. Bedenkt aber, dass die Strippen von den NWO Verschwörern gezogen werden. Die Politiker werden bestochen, erpresst, bedroht. Die mesnchen sind total überfordert, weil seit sie ein paar Jahren an vielen Fronten überrollt werden. Wenn die Demokratien und ihre Einrichtungen nicht mehr funktionieren- was soll das Vol da tun. Alles zu Klump hauen. Ich möchte niemandem was tun.
    Die Menschen stehen zu dieser Situation wie Menschen, denen gesagt wurde, dass sie eine lebensgefährliche Krankheit haben, scheints manchmal. Verdrängen, Leugnen, mit Kott verhandeln, resignieren/ akzepieren? Es scheint ja auch so zu sein, dass manche Menschen psychologisch nicht in der Lage sind, bestimmte Fakten wahrzunehmen. Interessante Mechanismen. Lest auch gerne mal Bücher zu Menschenbeeinflussung / Werbung. Da schützt auch keine Intelligenz.
    Trotzdem glaube ich, dass viele Deutsche die Politik zum Kotzen finden. Langsam begreifen sie nämlich schon einiges. Und was den Verkauf zB von Inseln betrifft, finde ich, keine Regierung hat das Recht dies zu tun; ebenso Wasser etc. Das Land gehört allen Menschen.

  20. Kant
    11. August 2015, 01:04 | #22

    Der Kampf darum im Euro und in der EU zu verbleiben, ist der Kampf darum weiterhin unterdrückt zu werden. Menschen als Anti-Hellenen darzustellen, weil sie für die Befreiung des greichischen Volkes sind, ist zumindest Naiv. Und gegen die Deutschen zu hetzen, ist das zu tun, was man dem anderen vorwirft; und mehr als Kontraproduktiv.
    Niemand bei meinen vielen Griechenlandaufenthalten wollte es hören, wenn ich ihnen genau die Folgen eines Eurobeitritts erklärte, die wir nun haben. Seit den 90igern rede ich viel mit Griechen. Nur die griechischen Kommunisten sehen in diesen Punkten klar. Wer in den Euro wollte, konnte wissen, daß es so kommt wie es jetzt ist. Wenn man sich Illusionen über die EU hingibt, daß sie etwas mit Demokratie zu tun hat, ist leider gewaltig auf dem Holzweg. Eine Analyse der polit. wirt. und finanziellen mächte sollte helfen.

  21. Opa
    11. August 2015, 07:51 | #23

    Die pauschale Verunglimpfung der deutschen Bevölkerung hilft niemandem weiter. Ja, die deutschen Medien fuhren und fahren eine ekelhafte Kampagne gegen das griechische Volk, aber die angebliche öffentliche Meinung ist längst nicht so verbreitet wie gemeinhin angenommen.

    Es sind immer nur die dummen und lauten Mitbürger die bei jeder Gelegenheit ihre Fresse in die Kameras halten und ihre, durch faschistisch-neoliberale Medienpropaganda, befeuerte „Nichtmeinung“ in die Welt posaunen. Minderwertigkeitkomplexbehaftete Würmer die es genießen endlich mal dazuzugehören und als Deutsche leistungslos, nur aufgrund des Besitzes des „richtigen“ Passes etwas darzustellen. Solche Leute sind nicht repräsentativ.
    Genausowenig würde ich auf die Idee kommen alle Griechen als brutale Schläger und Faschisten zu bezeichnen, nur weil die „Goldene Morgenröte“ existiert oder wegen des skandalösen Internierens und der zum Teil unmenschlischen Behandlung von Asylanten in Griechenland.

    Wie gesagt, es sind immer die dummen und die lauten Mitbürger eines Landes, die das Bild prägen. Taucht man jedoch tiefer ein und setzt sich unvoreingenommen mit den Menschen auseinander, dann bemerkt man schnell, dass die Mehrheit, sowohl hier wie auch dort, sehr nett, aufgeschlossen und reflektiert ist.

  22. mechman
    11. August 2015, 09:54 | #24

    Neben vieln eher unsäglichen Artikeln in der „Bild“ oder „Focus“ gab und gibt es sehr verständnissvolle Artikel in deutschen Zeitungen, teils auch von konservativer Seite. Münchau im Spiegel oder Gastkommentare im Handelsblatt sind gute Beispiele.
    Ein Faktor der zur derzeitigen unerfreulichen Stimmung zum Thema Griechenland in Deutschland beiträgt wurde im Artikel nicht erwähnt: Die Betonung das alle Ablehnung und Härten der Memoranden aus Deutschland kommen und die an doch recht prominenter Stelle gezeigten Nazivergleiche und -karikaturen haben viele Menschen schwer geärgert.

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