Griechenland nimmt Matratzengeld ins Visier

27. August 2015 / Aktualisiert: 14. Mai 2017 / Aufrufe: 2.768

Das Finanzamt in Griechenland nimmt das in Schließfächern und unter Matratzen versteckte Bargeld der Steuerpflichtigen ins Visier.

In Visier des Finanzamts sind die ungefähr 30 Milliarden Euro geraten, die in Griechenland in den letzten fünf Jahren die Steuerpflichtigen von den Banken abhoben und in Schließfächern und unter der Matratze deponierten.

Im Rahmen der Umsetzung des Vermögensregisters werden die Steuerpflichtigen aufgefordert sein, auch diese Beträge zu deklarieren, da sie – falls sie es nicht tun – diese nicht für die Deckung des Vermögensnachweises und der Lebenshaltungskriterien nutzen können. Damit diese Gelder von dem Finanzamt für die Deckung von Einkommensindizien anerkannt werden, müssen sie vorher sogar bei einer Bank eingezahlt werden, damit der Inhaber erfasst wird.

Nicht deklarierte Beträge können nicht geltend gemacht werden

Wie gegenüber Capital.gr zuständige Funktionäre des griechischen Finanzministeriums betonen, ist in den letzten Jahren der „Lieblingssport“ all jener, die unversteuertes Geld verdienen, dieses in Schließfächern und zu Hause zu deponieren. Bis zur Aufhebung des Bankgeheimnisses, also bis einschließlich 2011, hatten selbst die Steuerhinterzieher keine Angst vor dem Finanzamt und brachten auch das Schwarzgeld ganz normal zur Bank. Die Dinge haben sich jedoch geändert.

Im Finanzministerium ist bekannt, dass für eine effiziente Funktion des Vermögensregisters ein Strich unter die Vergangenheit gezogen werden muss und die Steuerpflichtigen einen neuen Anfang in ihrer Beziehung zu dem Finanzamt machen. Innerhalb des Jahres 2016 werden alle Steuerpflichtigen aufgefordert werden, eine Erklärung zum Vermögensregister abzugeben, in der sie alle ihre Vermögenswerte deklarieren müssen, die dem Finanzamt (noch) nicht bekannt sind. So werden sie ihr mobiles Vermögen zu deklarieren haben, wie es unter anderem der Wert von Aktien, Guthaben und natürlich Bargeld sind, das sie inne haben.

Um das Bargeld deklarieren zu können, das sie inne haben und nicht versteuert worden ist, plant das Ministerium, den Steuerpflichtigen die Möglichkeit zu geben, diese Gelder zu deklarieren und eine einmalige Steuer zu entrichten. Jedoch sogar auch für jene, die von dieser Regelung gebrauchen machen werden, sind die Gelder zur Bank zu bringen um sie im weiteren Verlauf verwenden zu können.

Auf diese Weise wird das Finanzamt vor der Gefahr geschützt, dass Steuerpflichtige einzig und allein, um sich ein „Sparschwein“ für zukünftige Käufe von Vermögenswerte aufzubauen, Beträge deklarieren, über die sie gar nicht verfügen. Das bedeutendste ist, dass nicht deklarierte Barbeträge ebenfalls in einem großen Grad für die Deckung des Vermögensnachweises nutzlos werden.

(Quelle: Capital.gr, Autor: Spyros Dimitrelis)

  1. Wolfgang Koch
    27. August 2015, 12:54 | #1

    Es scheint so auszugehen, wie immer. Die Kleinen hängt man, die Grossen lässt man laufen.Tip meinerseits: In den Villen und auf den Yachten sind die Matratzen um einiges dicker!

  2. Anton
    27. August 2015, 14:32 | #2

    Die Bedeutung dieser Maßnahme geht weit über Griechenland hinaus. Was wäre wenn z.B. in Deutschland ähnliche Gesetze erlassen würden? Anders gesagt: Auch in diesem Punkt stellt Griechenland ein Versuchslabor für Maßnahmen dar, die in Zukunft auch andere EU-Staaten treffen könnten. Eine Abschaffung oder Reduzierung von Bargeld wird übrigens bereits breit diskutiert. Man sieht am Beispiel Griechenland jedoch, welche Nachteile und Gefahren in solchen Plänen stecken. Auch tangiert ist das Problem der Überwachung. Je totaler diese ist, umso mehr kann der Umgang und Gang der Finanzen der Bevölkerung überwacht werden. Das mangelnde Interesse außerhalb von Griechenland an den dortigen Maßnahmen zeigt auch hier, dass das, was dort abläuft (bzw. versucht wird) völlig zu Unrecht auf zu wenig allgemeines Interesse stößt.

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