Wie in Griechenland öffentliche Gelder geplündert werden

26. Juli 2015 / Aufrufe: 6.344

Das Beispiel eines simplen Auftrags für den Abriss einer Sporthalle in Griechenland zeigt das Ausmaß der Verstrickung politischer und unternehmerischer Interessen.

So wurden die öffentlichen Kassen geleert: Anstatt 10.000 Euro kostete der Abbruch einer Basketball-Halle 265.000 Euro!

Ein beispielhafter Fall für die in Griechenland über Jahre entwickelten und die öffentlichen Kassen vernichtenden Kundenbeziehungen zwischen den Strukturen des Staates und den Bauunternehmern brachte jüngst der derzeitige Sportminister Stavros Kontonis ans Licht.

Konkret wurde der Abbruch einer Basketball-Halle in Zakynthos (sprich der Hauptstadt der – auch als Zante bekannten – gleichnamigen Insel im Ionischen Meer) anfänglich auf 265.632 Euro veranschlagt, während nach einer lokalen Ausschreibung die realen Kosten letztendlich gerade einmal 10.000 Euro erreichten!

„Framework“ für Veruntreuung öffentlicher Gelder

Der SYRIZA-Minister Stavros Kontonis brachte den Fall ans Licht um die Verschwendung öffentlicher Mittel durch Aufträge an Unternehmer zu zeigen. Eine Basketball-Halle in Zakynthos war als abbruchreif beurteilt worden. Herr Kontonis verlangte von dem Direktor der technischen Dienststellen des Ministeriums, die Kosten des Projekts (sprich des Abbruchs der Halle) zu ermitteln. Der anfängliche Kostenvoranschlag lautete auf 265.632 Euro. Nach einer unterschiedlichen technischen Auslegung von Seite der Dienststellen reduzierten sich die Kosten jedoch erheblich und gelangten bei dem Betrag von 83.500 Euro an.

Die beiden obigen Kostenvoranschläge wurden gemäß den gesetzlichen Preisen für (solche) Arbeiten ermittelt, so wie diese unter der vorherigen Regierung (unter Antonis Samaras) mit dem Beschluss Nr. D11c/0/9/7 des (damaligen) stellvertretenden Ministers für Infrastrukturen, Stavros Kalogiannis, angeglichen wurden. Stavros Kontonis schlug jedoch dem Bürgermeister von Zakynthos (Pavlos Kolokotsas) vor, die lokalen Unternehmen zur Abgabe von Angeboten aufzufordern, und nach der Durchführung einer einschlägigen Ausschreibung übermittelte Herr Kolokotsas dem Sportminister ein Angebot, mit dem das Abriss-Projekt auf gerade einmal 10.000 Euro veranschlagt wurde!

Der in Rede stehende Fall wurde mit einem detaillierten Schreiben von Stavros Kontonis an Premierminister Alexis Tsipras übermittelt, damit auch dieser persönlich weiß, dass „unter dem Deckmantel der mathematischen und legitimen Kostenberechnung ein ‚Framework‘ für die Unterschlagung der öffentlichen Gelder aufgebaut worden ist„. „Die Verstrickung mit den unternehmerischen Interessen hat zu einer fadenscheinigen Legitimität und ‚Transparenz‘ geführt, die das griechische Volk teuer bezahlt„, führte der Sportminister unter anderem in seinem Schreiben an.

Es sei angemerkt, dass Herr Kontonis am 24 Juli 2015 mit dem stellvertretenden Minister für Transportstrukturen und Netze, Christos Spirtzis, kommunizierte, damit mit einem Gesetzesdekret die Preise angeglichen werden und es keine dermaßen große Abweichung zwischen ihnen gibt.

(Quelle: tvxs.gr)

  1. jörg
    26. Juli 2015, 09:39 | #1

    das Problem ist: ich sehe das in Deutschland auch des öfteren, aber richtig bestraft wird niemand. Man geht immer recht grosszügig mit den Geldern des Bürgers um.

  2. windjob
    26. Juli 2015, 13:40 | #2

    Dies ist ja wirklich kein Griechenland spezifisches Problem. Wenn ich mir die Geldverbrennung in Deutschland anschaue ist dieses Beispiel harmlos. Ich nenne nur BER, Elbphilharmonie und und und. Wir haben kein Recht mit dem Finger auf andere zu zeigen. Tun es aber leider immer wieder.

  3. Pierre
    26. Juli 2015, 14:14 | #3

    Das ist nicht nur in GR so sondern auch jahrzehntelange Praxis in Ö. Fast die gesamte ö. Bauwirtschaft und Politik Leben auf dieser „mafiösen“ Struktur und das sehr vorzüglich. Doch das gehört wohl zu einem „guten Staat“ dazu. Ironie off

  4. Anne
    27. Juli 2015, 22:40 | #4

    … seht Euch mal den Jahresbericht vom „Bund der Steuerzahler“ aus Deutschland an!

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