Warum es 5 Monate lang keine Einigung mit Griechenland gab

14. Juli 2015 / Aufrufe: 2.965

Griechenlands ehemaliger Finanzminister Yanis Varoufakis enthüllt, ein Grexit sei schon lange ein signifikanter Teil Schäubles Plan für Europa gewesen.

Griechenlands ehemalige Finanzminister Yanis Varoufakis publiziert auf seinem persönlichen Blog einen Auszug eines Artikels, der am Donnerstag (16 Juli 2015) in der deutschen Zeitung „Die Zeit“ veröffentlicht werden soll, und merkt unter anderem an: „Fünf Monate intensiver Verhandlungen zwischen Griechenland und der Eurogruppe hatten nie Chancen auf einen Erfolg.

Dazu verurteilt, in eine Sackgasse zu führen, war der Zweck der Verhandlungen, den Weg für das zu öffnen, wovon Dr. Schäuble – bereits lange bevor unsere Regierung gewählt wurde – beschlossen hatte, es sei ‚ideal‘: nämlich, dass Griechenland aus der Eurozone entlassen werden muss, damit die Mitgliedstaten in seinem sehr konkreten Plan zu einer Umstrukturierung der Eurozone gezwungen werden„, schreibt Yanis Varouakis und fährt fort:

Halten Sie Schäubles Plan für Europa für gut?

Das ist keine Theorie. Woher ich weiß, dass der Grexit ein signifikanter Teil des Plans Schäubles für Europa ist? Weil er es mir selbst sagte!

Ich schrieb diesen Artikel nicht als griechischer Politiker, der die deutsche Presse wegen der Verleumdung unserer logischen Vorschläge, die Weigerung Berlins, den gemäßigten Plan für eine Umschuldung ernsthaft zu überdenken, die politische Entscheidung der EZB, unsere Regierung in Atemnot zu bringen, die Entscheidung der Eurogruppe, der EZB das grüne Licht zu geben, unsere Banken zu schließen, kritisiert.

Ich schrieb diesen Artikel als europäischer Beobachter der Entfaltung eines konkreten Plans für Europa: des Plans des Dr. Schäuble. Und ich stelle den Lesern der ‚Zeit‘ eine einfache Frage. Ist dies ein Plan, dem sie zustimmen? Betrachten Sie diesen Plan als gut für Europa?

(Quelle: tvxs.gr)

  1. Realist
    14. Juli 2015, 14:18 | #1

    Ich halte nichts davon, dass Schäuble von Anfang an den Plan verfolgte, Griechenland aus dem Euro zu drängen. Wozu? Was hätte es Schäuble bzw. den Leuten, die die Strippen im Hintergrund ziehen, gebracht? Nichts. Von Anfang an war von der Troika geplant, die Griechen so in den Schwitzkasten zu nehmen, dass Sie bereit sind Ihr Tafelsilber zu verschleudern, denn die „Damen und Herren“ Märkte hängen sich keine Geldscheine um den Hals und schwimmen auch nicht wirklich in Geld, sondern wollen mit den vielen angehäuften Dollars und Computerzahlen auf den Konten Sachwerte billig erwerben. Das ist offensichtlich gelungen, denn Dr. Schäble hatte ein leichtes Spiel, weil er wußte, dass die gr. Regierung keinen Plan B hatte (Austritt aus dem Euro, Schuldenschnitt erklären, geordnete Einführung einer eigenen Währung mit eigener Zentralbank). Ich verstehe allerdings nicht, warum die Mehrzahl der Griechen am Euro festhalten wollte und will? Alexis Tsipras, Varoufakis und das griech. Volk waren hoffnungslose Idealisten, vergleichbar mit Schafen, die sich mit Wölfen zusammentun wollen, um gemeinsam die Weiden und Wiesen zu bewürtschaften. Wie soll das gehen, ohne gefressen zu werden? Griechenland wird ausgeplündert werden, ohne dass die Schulden nennenswert abgebaut werden können, weil ohne Einnahmen die Schulden nicht mal bedient, geschweige den abgebaut werden können. So wird es kommen, wenn Gr. sich diese Demütigung morgen gefallen lässt.

  2. ReiHe44
    14. Juli 2015, 16:01 | #2

    Es hat sich bestätigt – nur Interessenslagen bestimmen die Politik. Und Ineressenslagen kann man nur erahnen oder vermuten – daher kann man sie auch einfach dementieren oder als Verschwörungstheorie verunglimpfen. „Besser“ geht es wohl kaum. Der menschliche Geist gebährt auch oft „verkrüppelte“ Ideen. Und da der überwiegende Teil der Menschen ungern denkt oder nachdenkt, lässt er sich gern die gewünschte Meinung implantieren. Ich hoffe, die Griechen durchschauen im letzten Moment das mieserable Spiel und entscheiden mit der historischen Vernunft. Noch ist wohl Plan B möglich.

  3. Weekend01
    14. Juli 2015, 19:59 | #3

    Bis jetzt hat sich immer wieder als wahr herausgestellt, was Herr Tsipras und Herr Varoufakis ueber die EU gesagt haben.
    Erst kam kurz vor knapp das Gespinst Grexit auf Zeit und dann die Privatisierungen, Herr Tsipras hatte keine Chance dies abzuwenden, wenn er seinem Volk den Euro beibehalten moechte.
    Ist es Wirtschaftshilfe, wenn Lobbyisten und Finanzmaechtige in Griechenland durch Privatisierungen ihre Geschaefte machen koennen, ohne dabei die griechische Bevoelkerung zu beteiligen? Billige Lebensmittel und andere Wirtschaftswaren muessen die Griechen wegen Knebelvertraege einkaufen und sie sollen produzieren, wo sie keinen Cent dabei verdienen koennen?
    Das ist der Ausverkauf aller Werte in Griechenland, fuer die sie so hart gearbeitet haben und nun nicht mal mehr das Noetigste zum Leben haben.
    Alle Werte, die zu einer Demokratie gehoeren, werden damit unterwandert und ich glaube es wird die Aufgabe aller sein muessen, sich gegen die EU zu wehren und sie zu stoppen, damit sich dieses Geschwuer nicht noch weiter ausbreiten kann.

  4. Karl
    16. Juli 2015, 13:06 | #4

    Zu den durchaus glaubhaften Absichten Herrn Schäubles fällt mir ein Spruch ein, den ich kürzlich aufgeschnappt habe.
    Frage: Was kommt nach der EU? Antwort: Grossdeutschland!

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