Versionen des Ausgang des Referendums in Griechenland

4. Juli 2015 / Aufrufe: 2.617

Das Referendum in Griechenland kann auf dreierlei Weisen ausgehen, die jedoch angesichts der aktuellen Entwicklungen allesamt keine wirkliche Lösung mehr bieten.

Die Bürger in Griechenland sollen bei dem auf den 05 Juli 2015 anberaumten Referendum darüber abstimmen, ob sie für (Ja) oder gegen (Nein) die Annahme des Maßnahmenpakets sind, das der von den Gläubigern des Landes am vergangenen Donnerstag (25 Juni 2015) in Form eines Ultimatums vorgelegte Vorschlag umfasst.

Dabei gibt es drei Versionen des Ausgangs dieser Volksabstimmung:

Die drei möglichen Ausgänge der Volksabstimmung

● Die Beteiligung der registrierten Wähler liegt unter 40%, womit das Ergebnis nichtig ist, gleich ob das „Nein“ vorherrscht oder das „Ja“ überwiegt.

● Stimmt die Mehrheit für „Nein“, was auch die Linie der Regierung ist, wird der griechische Premierminister mit der Siegesquote unter dem Arm losziehen und von den Partnern eine neue Verhandlung auf Basis des griechischen Vorschlags verlangen und hoffen, dass sie den Beschluss des Volkes respektieren und in ihren extremen Positionen einknicken.

Niemand garantiert jedoch, dass es so geschehen wird. Warum sollten die europäischen Kanzlerämter und die Institutionen nachgeben? Wenn sie es tun, wäre dies, als ob sie auch anderen Kräften, die gegen die Austerität sind, den Weg zeigen, den sie zu befolgen haben, falls sie sich in Zukunft in einer entsprechenden Lage wie die der SYRIZA befinden sollten.

Bisher haben sie keine Verhaltensmuster solcher Art gegeben. Im Gegenteil. Sie benehmen sich wie die Schakale, kurz bevor sie ihr Opfer angreifen um es zu zerfleischen.

● Wenn jedoch das „Ja“ überwiegt, wird die Regierung ein sehr ernstes Problem haben. Der Premierminister sagte, er werde das Ergebnis respektieren. Was selbstverständlich ist. Wird seine Regierung das Programm bedienen können, das sie demontierte, weil sie es für das Land als katastrophal betrachtet? Die Logik sagt nein. Also? Sie tritt zurück und schlägt Wahlen vor.

Anders gesagt, innerhalb von 40 Tagen werden wir zwei Urnengänge haben. Außer, es ergibt sich aus dem gegenwärtigen Parlament eine neue Regierung mit einer anderen Mehrheit. Damit dieses Szenarium gedeiht, müssen Tsipras und ein großer Teil der parlamentarischen Fraktion der SYRIZA zustimmen. Ich glaube nicht, dass dies wahrscheinlich ist.

Jedenfalls hoffe ich, dass die griechische Regierung nicht impulsiv zu ihrer Entscheidung geführt wurde und alle Parameter berücksichtigt und einen Plan ausgearbeitet hat, um aus der Sache hinauszukommen.

(Quelle: Zeitung der Redakteure, Autor: Tasos Pappas)

  1. Ronald
    4. Juli 2015, 08:19 | #1

    Nur ein überwältigendes Votum, egal in welche Richtung, wäre ein Gewinn für Griechenland. Aber ich fürchte, dass das Referendum nur zeigen wird, dass große Teile der Bevölkerung Griechenlands den Weg, den der nur etwas größere Teil der Wählerschaft gewählt hat, nicht mitgehen will (egal, wie das Referendum ausgeht). Ich hoffe auf ein Nein, denn dann erwartet wenigstens niemand, dass es eine Einigung in der kommenden Woche gibt, die es – unabhängig vom Ausgang des Referendums – niemals geben wird.

  2. jörg
    4. Juli 2015, 10:17 | #2

    es wird keinen Gewinner geben, denn selbst bei einem nein müssten die Verhandlungen erst einmal wieder von null anfangen. Man hat ja in den letzten Monaten zuoft gehört, an diesem Wochenende, in dieser Woche unterzeichnen wir das Papier und heute Monate später ist das Programm ein für allemal zu Ende. Für ein neues müssten wieder die Länderparlamente befragt werden . Ebenso hat Griechenland finanziell gesehen, eine wesentlich schlechtere Ausgangslage, man ist ja als insolvent eingestuft worden und man hat die Rate an den IWF nicht gezahlt. Die Raten an die EZB wird man bestimmt auch nicht zahlen können. Deswegen sollte man die derzeitgen Aussagen etwas mit Skepsis betrachten. In zwei Tagen wird man bestimmt nichts neues aushandeln , das ist Utopie.

  3. N. Ritter
    4. Juli 2015, 12:36 | #3

    Ein knappes Ergebnis wird, glaube ich, die Verhandlungsposition Griechenlands wirklich eher schwächen als stärken. Allerdings habe ich auch den Eindruck, dass momentan viele Medien versuchen, ihr Wunschergebnis herbeizuschreiben. Hoffen wir, dass ein klares, eindeutiges „Nein“ herauskommt.

  4. Frieder
    4. Juli 2015, 17:50 | #4

    Mit Sicherheit gibt es angesichts der Lage in Griechenland und der EU so einiges zu bedenken und eine geniale Lösung mit sofortigen positiven Ergebnissen ist ebensowenig zu erwarten. Dennoch hoffe ich, die Griechen durchschauen die suggestiv manipulativen Einmischungen aus Berlin und Brüssel, die ihnen einreden wollen ein NEIN bedeute das automatische Ausscheiden Griechenlandes aus der EU und dem Euro. Kennen diese Volksverdummer ihre eigenen Paragraphen nicht?

    Meiner Meinung machen Frau Merkel, Herr Schäuble, Herr Dijsselbloem uns nur eins deutlich:
    – Eine linksorientiert Regierung innerhelb der EU (auch wenn sie eigentlich nur an die ursprünglichen Grundsätzen der Sozialdemolkratie erinnert) kann nicht toleriert werden.
    – Ein Mitspracherecht des Volkes bei Entscheidungen, die letztendlich jeden treffen – und die meisten soger sehr hart – kann nicht gutgeheissen werden.
    – Ein politischer und ökonomischer Erfolg für die SYRIZA, auch wenn es Jahre dauern dürfte bis der sich für alle Griechen spürbar macht, könnte ein Zeichen für andere EU-Länder (und darüber hinaus) sein, dass es auch anders geht als mit der hemmungslosen Ausplünderung der menschlichen und materiellen Ressourcen eines Volkes.
    – Und: Ein NEIN schafft eine Situation, der mit den bisher üblichen Mitteln der politischen und ökonomischen Erpressung nicht Herr zu werden ist. Die EU und ihre Vertreter haben offensichtlich keine, auch nicht die kleinste Idee, wie man nach diesem (eventuellen) NEIN mit Griechenland umgehen soll und welche Konsequenzen das für die EU und den Euro wirklich hat. Und da man keine Ahnung hat, verfällt man wie die kleinen dummen Kinder in Angstzustände, nämlich alles was ich nicht kenne ist böse, ist mein Feind, muss bekämpft, ja ausgerottet werden. Und solche Leute massen sich an, uns zu regieren!

    Kopf hoch Griechenland! Schnell noch einmal nachgedacht (keinesfalls nachdenken lassen!) und eine mutige Entscheidung getroffen. Es kann nur besser werden – ohne Knebelauflagen allemal

  5. Jannis
    4. Juli 2015, 19:33 | #5

    Keine Frage, ich hoffe auch auf ein NEIN beim Referendum. Aber im Gegensatz zu manchen Kommentaren sehe ich nicht, dass sich der Verhandlungsspielraum mit der EU erweitert. Die EU unter maßgeblichen Druck von Deutschland glaubt ein Aufweichen des „Südgürtels“ durch unnachgiebige Härte verhindern zu müssen, und man wird allenfalls die Schlinge um den Hals etwas lockern, damit der Delinquent noch mal Luft schnappen kann, ohne jedoch die Schlinge jemals loszuwerden. Wenn das aber stimmt, dann bliebe wirklich nur: Verlassen dieser EU, Aufgabe des EURO, Refinzierung durch Quellen außerhalb von „Institutionen“ und IWF – ein Weg, den SYRIZA – ANEL erklärtermaßen nicht gehen wollen. Und wenn doch, ist eine „Lösung“ à la 1967 nicht undenkbar! Armes Hellas, du hattest geglaubt, EU stünde für ein Europa der großen Mehrheit seiner freien und selbstbewussten Bürger; nun musst du erkennen, dass du nur als Melkkuh aufgenommen wurdest.

  6. Griechenlandfanin
    4. Juli 2015, 21:39 | #6

    Ich hoffe und wuensche sehr, dass morgen die Griechen weise abstimmen, naemlich mit einem klaren und lauten „OXI“. Andere Laender werden folgen, da bin ich mir sicher! Haut dem Schaeuble, den Dijsslbloed, der Merkel, der gesamten Eurogruppe Euer Nein hin. Schade, ich bin hier Auslaenderin und darf nicht waehlen. Ja, ich stimme dem Finanzminister zu …. es ist eine Art Terrorismus was da ablaeuft und die deutsche Presse, diese Hetzkampagnen, grausam. Ich schaeme mich fuer uns Deutschen. Pfui

  7. Bella
    4. Juli 2015, 21:47 | #7

    Natürlich soll es morgen ein starkes NEIN geben, weil das ein starkes moralisches Votum für ein besseres Europa ist. Mehr aber auch nicht. Ich persönlich glaube, eine Währungsunion ist wie ein Völkergfängniss, die jede eigenständige Initiative einer nationalen Regierung in Richtung sozialer Fortschritt verhindert. Außer in Deutschland oder Frankreich gäbe es auch eine linke Regierung. Leider ist das eine Illussion. Leider glaubt auch noch die Mehrheit der Griechen an den Euro und ein besseres Europa. Eine Illussion, die nächste Woche schwer bestraft wird. Wie auch immer das Referendum ausgeht, es wird zu einen Bankencrash kommen, mit Enteignung der Sparer wie auf Zypern. Dann könnte es in Griechenland zu Unruhen kommen und wenn ANEL das Mlitär ruhighält, könnte dies im günstigsten Fall zu einer Revolution führen. Denn machen wir uns nichts vor, das gegenwärtige Europa ist nur revolutionär zu verändern. Es gibt aber keine revolutionäre Partei in Greece, die KKE ist aus der Zeit gefallen. Also droht ein neues Chile … hoffentlich irre ich mich

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