Kommission gesteht Problem bei Griechenlands Verschuldung ein

17. Juli 2015 / Aufrufe: 1.073

Die Europäische Kommission gesteht in einem aktuellen Bericht das Tragfähigkeits-Problem der öffentlichen Verschuldung Griechenlands ein.

Die Europäische Kommission schritt zu dem Eingeständnis, dass es ein Problem mit der Tragfähigkeit der öffentlichen Verschuldung Griechenlands gibt, merkt jedoch an, das Thema werde nach der Ratifizierung der Vereinbarung zwischen Griechenland und Europa und dem Beginn der Reformen untersucht werden.

Die Analyse der Kommission über die Tragfähigkeit der griechischen Verschuldung, die auf das Ersuchens der griechischen Regierung nach einem neuen Hilfsprogramm erstellt wurde, stellt fest, dass damit gerechnet wird, dass das Verhältnis der griechischen Verschuldung zum BIP sich 2020 auf 165% und 2022 auf 150% belaufen wird, wenn Griechenland zufriedenstellende Maßnahmen zu seiner Reduzierung trifft, weil es anderenfalls entsprechend 187% und 176% erreichen könnte. Die Prognose der Kommission hat sich im Verhältnis zu dem Bericht von April 2014, als geschätzt wurde, die Verschuldung werde sich 2020 auf 125% des BIP und bis 2022 auf 112% belaufen, sogar erheblich verschlechtert.

Erneut Rezession anstatt des erwarteten Wachstums

Was die Prognosen bezüglich des Wachstums in Griechenland betrifft, schätzt die Kommission, dass 2015 im Verhältnis zu ihren Frühjahrsprognosen ein starker Rückgang der wirtschaftlichen Aktivität verzeichnet werden wird. Wie es lautet, wird damit gerechnet, dass Griechenland 2015 eine Rezession von 2% – 4% haben wird, gegenüber einem im Frühjahr 2015 prognostizierten Wachstum von 0,5%. Das langfristige Wachstum wird im Basisszenarium auf 1,8% und im ungünstigen Szenarium auf 1,5% geschätzt.

Die Kommission veranschlagt die sich für Griechenland bis Mitte 2018 ergebende Finanzierungslücke auf 74 Mrd. Euro und setzt die Brutto-Finanzierungsbedürfnisse des Landes auf 81,7 Mrd. Euro an. In Bezug auf den Überschuss wird – betont die Kommission – für 2015 mit einem primären Defizit von 0% – 1% gerechnet und mit einem Überschuss von 0,5% – 1% für 2016 und 2% – 2,25% für 2017, bevor er sich ab 2018 und nachfolgend bei 3,5% bewegen wird.

Zuerst die Reformen

Wie die Analyse der Kommission anmerkt, verursachen das hohe Verhältnis der Verschuldung zum BIP und die großen Finanzierungsbedürfnisse des Landes ernsthafte Sorgen bezüglich der Tragfähigkeit der griechischen Verschuldung. Sie schätzt ein, dass den Beunruhigungen mittels eines glaubwürdigen Reformprogramms großen Ausmaßes, unter sehr starker Eigentümerschaft der griechischen Träger an einem solchen Programm und – nach der Wiederherstellung der Kreditverträge – durch Maßnahmen zu Beschränkung der Verschuldung begegnet werden kann, die nur gewährt werden, wenn die Reform-Zusagen seitens der griechischen Träger erfüllt werden.

Warnungen an die Eurozone

Ein ungeordneter Zusammenbruch des griechischen Bankensystems und Griechenlands würde erhebliche Zweifel an der Unversehrtheit der Eurozone in ihrer Gesamtheit schaffen, sowohl jetzt als auch in Zukunft, betont die Europäische Kommission.

Die Kommission warnt ebenfalls, dass die Stützung des Landes durch den ESM, mit Kapital für die griechischen Banken, für die Widerherstellung des Vertrauens der Anleger und Märkte in die Banken und die Sicherstellung der finanzwirtschaftlichen Stabilität Griechenlands, kritisch sei. Parallel ist kritisch, dass Risiken für die übrigen Länder der EU und der Eurozone vermieden werden, wird angemerkt.

(Quelle: tvxs.gr)

  1. Robert Schrade
    17. Juli 2015, 20:42 | #1

    Die Verhandlungen über ein 3. Hilfspaket auf Basis einer ESM-Finanzierung stellt einen totalen Rechtsbruch dar, weil die für eine ESM-Unterstützung zwingend notwendigen Bedingungen
    NICHT gegeben sind:
    – Gefährdung der Gesamt-Eurozone
    – Schuldentragfähigkeit von Griechenland.

    Die einzige wirksame und legale Lösung ist ein GREXIT, wie Schäuble es vorgeschlagen hat. Beim Grexit könnte legal ein Schuldenschnitt vereinbart werden und Griechenland nach einer erheblichen Durststrecke die Wettbewerbsfähigkeit wieder erlangen. Nur hierzu fehlt die politische Führung in Griechenland, die ihr Volk wirklich führt und Wege aufzeigt, aus der Talsohle wieder raus zu kommen. Wie kann ein 3 Hilfspaket funktionieren, wenn keiner in Griechenland dran glaubt? Was funktionieren wird, ist, dass eine unvorstellbar große Geldmenge vernichtet wird.
    In Deutschland wird die Politikverdrossenheit enorm ansteigen und die Wahlbeteiligung bei der nächsten Bundestagswahl wird unter 50 % liegen.

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