IWF: Griechenlands Verschuldung ist nicht tragfähig

16. Juli 2015 / Aktualisiert: 05. Oktober 2017 / Aufrufe: 1.501

Der IWF betont erneut, Griechenlands Verschuldung, die bis 2018 voraussichtlich auf 200 Prozent des BIP steigen wird, sei nicht tragfähig.

Laut einem vertraulichen Bericht des Internationalen Währungsfonds (IWF), der die griechische Verschuldung ein weiteres Mal als nicht tragfähig charakterisiert, wird Griechenland wegen der Schäden, die seine Wirtschaft und Banken in den beiden letzten Wochen erlitten, eine sehr viel größere Entlastung seiner Verschuldung als jene benötigen, welche die Gläubiger sich zu untersuchen anschicken.

Die aktualisierte Analyse über die Tragfähigkeit der Verschuldung wurde am späten Abend des 13 Juli 2015 an die Regierungen der Eurozone geschickt, also wenige Stunden nach der Grundsatzvereinbarung zwischen Athen und seinen 18 Partnern, die Verhandlungen über ein drittes Rettungspaket in Höhe von 86 Mrd. Euro aufzunehmen.

Die Entscheidung liegt bei Griechenland und seinen Partnern

Wie in dem Bericht des IWF angeführt wird, ist die Verschuldung Griechenlands wegen der Tatsache, dass diverse Politiken aufgeschoben wurden, aber auch wegen der Belastung des makroökonomischen und finanziellen Umfeldes nach der Schließung der Banken „nicht tragfähig“ geworden.

Griechenland wird über einen Kredit verhandeln, der 85 Milliarden Euro für die kommenden drei Jahre erreichen wird, und dies wird seine Verschuldung, die 2018 voraussichtlich bei 200% des BIP angelangen wird, noch mehr belasten„, führt der Bericht an und fährt fort: „Aus diesem Grund müssen Entscheidungen getroffen werden, die auf die Senkung der Verschuldung abzielen, und zwar auf eine dringendere Weise als es die Europäer und der EMS zu tun wünschen.

Der IWF unterstreicht weiter, dass in dem Fall, in dem Europa auf seinem Vorschlag bezüglich einer Prolongierung beharrt, diese dann nicht geringer als 30 Jahre sein darf. Eine weitere Option könne der jährliche Transfer in den Haushalt oder tiefe vorab erfolgende Beschneidungen sein. Wie betont wird, liege jedenfalls – welche Option auch immer sich durchsetzten wird – die Entscheidung bei Griechenland und seinen Partnern.

Der EU war der aktualisierte IWF-Bericht bekannt

Den europäischen Politikern war derweilen die aktualisierte Analyse des IWF über die Tragfähigkeit der griechischen Verschuldung bereits bekannt, bevor sie die Bedingungen des dritten Rettungspakets für Griechenland am vergangenen Montag (13 Juli 2015) endgültig festlegten, betonte in seinen Erklärungen gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters ein europäischer Amtsträger, der unterstrich:

Die Zahlen, darunter auch die 200%, kursierten seit Samstag. IWF-Chefin Christine Lagarde und andere kannten sie, bevor die Vereinbarung über die Konditionen des dritten Rettungspakets für Griechenland am Montagmorgen finalisiert wurden.

(Quellen: Imerisia, Medienberichte)

  1. windjob
    16. Juli 2015, 13:48 | #1

    Ist schon seltsam. Vor kurzem hat Sträuble im Bundestag den IWF noch als die kompetente Institution dargestellt. Nun sagt Lagarde ohne Schuldenschnitt geht es nicht. Aber jetzt interessiert ihn diese ach so kompetente Instition überhaupt nicht mehr. Was für ein verlogener Haufen. Ich hätte eine Empfehlung an Herrn Tsipras. Gehen sie vor den internationalen Gerichtshof und klagen auf Rückzahlung der Zwangsanleihen. Dies sage ich als Deutscher. Dieser Kerl braucht die selbe Art von Demütigung die er Griechenland angetan hat.

  2. Ruul
    16. Juli 2015, 18:24 | #2

    Griechenland steckt somit in einer Falle. Wenn das, was der IWF bekannt gibt ( die spatzen pfeiffen es übrigens von den Dächern ) zutrifft, darf sowohl der IWF als auch die EZB oder der ESM keine weiteren „Hilfen“, laut der Einschlägigen „Verträge“ mehr geben. Aber wie bekannt, wird die „Idiologie “ Euro und Europa egal zu welchen Bedingungen fortgesetzt. Koste es was es wolle. Ein Referendum (möglicherweise verstehe ich als Deutscher das nicht) , das sich mit knapp 62% gegen weitere Sparmassnahmen ausspricht, wird mit noch größeren Einschnitten durchgezogen. Was war diese „Demokratische Abstimmung“ wert. Sorry Versteh ich nicht.

  3. Omnipraesent
    16. Juli 2015, 20:22 | #3

    Und, das macht doch nichts, die EU hat gerade Griechenland gekauft, so gesehen kann die EU sich jetzt an das vormals griechische Eigentum machen. Im Klartext, sie kann Griechenland frisch, fromm frei, Verscherbeln, Verkaufen, Verschenken, oder was auch immer. Nein, das Volk hat dies nicht verdient, aber nach diesem Referendum *sie wollen im Euro bleiben* haben sie ihren Schlachter selbst gewaehlt, also ab ins Schlachthaus, aber rapido.

  4. jörg
    17. Juli 2015, 08:25 | #4

    ich weiss nicht was diese endlosen Diskussionen bringen sollen, aber lediglich Griechenland kann aus dem Euro „austreten“ . Die EU kann nicht mal eben Griechenland vor die „Tür“ setzen. Warum geht Griechenland nicht seinen Weg und macht das? Wenn die Griechische Regierung ein Referendum nicht umsetzt, warum macht sie dies überhaupt erst?

  5. Roland Wolf
    18. Juli 2015, 13:58 | #5

    Nun ja, der IWF fordert das die Schulden der anderen-also der EZB und der Eurostaaten geschnitten werden, damit die Wahrscheinlichkeit steigt die eigenen Kredit zurück zu erhalten. Ist etwas wohlfeil das und ich würde das deutlich ernster nehmen wenn der IWF selbst seine Schulden beschneiden würde.
    Wäre Griechenland der einzige Staat dem von anderen Eurostaaten geholfen würde wäre der Schuldenschnitt vermutlich längst gemacht. Würde er jedoch dieser Tage erfolgen würden Irland, Spanien, Portugal und Zypern dasselbe verlangen, da wäre schnell Feierabend.
    Ansomnsten sollte man sich von einem solchen Schnitt nicht zuviel erhoffen. Weder die EZB noch der IWF können und wollen einen solchen Schnitt gewähren, da sind die Satzungen vor. Die Schulden der Eurozone müssen so ab 2020 zurückgezahlt werden. Ob diese beschnitten werden oder nicht würde in der derzeitigen Lage keinen Unterschied machen. Und dann stünde da immer noch das Problem im Hause das die Einnahmen und Ausgaben des Griechischen Staates so einigermaßen auszugleichen wären.

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