Griechenlands Premierminister ruft zu NEIN bei dem Referendum auf

2. Juli 2015 / Aktualisiert: 12. Oktober 2018 / Aufrufe: 2.397

In seiner Ansprache an das Volk betonte Griechenlands Premierminister Alexis Tsipras, es sei eine Pflicht gegenüber der Geschichte, bei dem Referendum mit NEIN zu stimmen.

In seiner Ansprache, die Griechenlands Premierminister Alexis Tsipras am Mittwochnachmittag (01 Juli 2015) und inmitten des vielfältigen Drucks von Seite der Gläubiger und mit praktisch geschlossenen Banken an das griechische Volk richtete, sprach er sich klar und kategorisch für das NEIN bei der Volksabstimmung am 05 Juli 2015 aus.

Der Premierminister sprach von einer „Pflicht gegenüber Geschichte“ und sagte, das NEIN werde Griechenlands Position bei der Verhandlung aufwerten. Alexis Tsipras wiederholte natürlich, die griechische Regierung verlange eine wirtschaftlich tragfähige Lösung und die griechische Seite werde umgehend reagieren, wenn es einen guten Vorschlag gibt.

Das Referendum mobilisierte umgehend die Gläubiger

Alexis Tsipras verteidigte seinen Beschluss zur Durchführung einer Volksabstimmung und sagte, dass die Gläubiger – während sie Griechenland die Fortsetzung des selben gescheiterten Rezepts und ohne Regulierung der Verschuldung vorgeschlagen hatten – mit der Ankündigung mobil gemacht wurden und „bessere Vorschläge bezüglich der Verschuldung auf den Tisch kamen„. Der Premierminister sagte, „wir legten sofort unseren Gegenvorschlag vor„.

Weiter sagte er, „der Wille des Volkes ist stärker als der Wille einer Regierung„, und sprach von der demokratischen Tradition Europas und bezog sich dabei auf das Referendum in Frankreich über die EU-Verfassung und jenes in Irland über das Abkommen von Lissabon. Im Fall Griechenlands werden „andere Maße und Gewichte“ angewendet, meinte Alexis Tsipras. Die Schließung der Banken charakterisierte als eine den Traditionen Europas entgegen stehende Erpressung, die er nicht erwartet hatte, uns meinte: „Sie verlagerten die Erpressung von der Regierung auf jeden einzelnen Bürger.

Direkte Ansprache an die Rentner

Den Stil seiner Rede ändernd richtete Alexis Tsipras sich in der zweiten Person an die Rentner, die in diesen Tagen wegen der Schließung der Banken strapaziert werden, und erklärte: „Wir kämpfen, um Eure Renten zu schützen und damit sie nicht einfach ein Trinkgeld werden.

Alexis Tsipras sagte, er sei sich der Schwierigkeiten voll bewusst, und verbürgte sich, alles zu tun, was in seiner Hand liegt, damit die Gehälter, Renten und Bankguthaben der Griechen, die – wie er sagte – nicht vorzogen, ihr Geld ins Ausland zu schaffen, nicht gefährdet werden. Er versprach, die Strapazen dieser Woche werden vorübergehend sein und die Dinge werden sich ändern.

Sie wollen Euch als Mittäter bei der Verewigung der Memoranden

Scharf war der Premierminister gegenüber den Anhängern der Nea Dimokratia (ND), die – wie er sagte – die Durchführung der Volksabstimmung als Putsch charakterisieren. „Die Demokratie ist kein Putsch„, sagte er mit Nachdruck und legte dar, was bei dem Referendum das JA bedeute: „Indem sie Euch aufrufen, mit JA zu stimmen, wollen sie, dass auch Ihr „ja zu allem“ sagt und mit ihnen eins werdet, Mittäter bei der Verewigung der Memoranden.

Dagegen ist für Alexis Tsipras „das NEIN nicht einfach eine Parole, sondern eine Waffe für ein besseres Ergebnis“ und wird Druck ausüben, damit die Beaufsichtigung und Bevormundung aufhört, Reformen erfolgen und die Nester der Verstrickung bestraft werden und der humanitären Krise begegnet wird. Über das „inländische politische Establishment“ sprechend sagte er, „sie beharren darauf, das Referendum an den Verbleib des Landes im Euro zu koppeln“ und „lügen wissentlich„. Er bekräftigte die europafreundliche Identität der SYRIZA und rief in Erinnerung, dass er bei der Europawahl 2014 für das Amt des Präsidenten der Kommission kandidierte.

Im weiteren Verlauf attackierte er die „ultrakonservativen Kreise“ in Europa und meinte, „alle, die eine oberflächliche Union mit dem IWF als Klebstoff wollen, sind zaghafte Politiker, die nicht als Europäer zu denken vermögen„. Er sagte, die selbigen Kreise „verlangten einen unterwürfigen Premierminister“ und „die ergebenen Regierungen und nicht die Volksabstimmungen stellen einen Putsch dar„.

Der Premierminister beendete die Ansprache mit der Zusicherung, er werde unmittelbar nach dem demokratischen Verfahren die Lösung suchen, und bedankte sich bei den Griechen für ihre Nüchternheit und Gelassenheit.

Der – wie von der am Ende des Beitrags benannten Quelle publizierte – Wortlaut der Ansprache des griechischen Premierministers Alexis Tsipras wird nach stehend in deutscher Übersetzung wiedergegeben:

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  1. Moppel
    2. Juli 2015, 08:25 | #1

    Gregor Gysi hat im Bundestag zur Euro-Rettung eine fulminante Rede gehalten. Im Stile vom Emile Zola warf Gysi der Bundeskanzlerin und ihren Helfern Schäuble und Gabriel vor, aus eiskaltem Parteiinteresse die Regierung in Griechenland stürzen zu wollen und dafür das Elend des griechischen Volkes in Kauf zu nehmen. Zugleich forderte Gysi, dass die Troika endlich für den von ihrer falschen Politik angerichteten Schaden zur Verantwortung zu ziehen sei.
    Gysi entzaubert die selbstgefällige Kanzlerin

  2. Ronald
    2. Juli 2015, 08:27 | #2

    Die Griechen werden erst nach dem Referendum wissen, worüber eigentlich abgestimmt wurde.

  3. happy
    2. Juli 2015, 12:04 | #3

    wer JA stimmt, der sagt JA zur weitern Austerität, Ja zum Tod auf Raten, die Enteignung eines Volkes durch die Banken. Fünf Jahre sagt GR JA zu allem, das Ergebnis ist dass die Schulden von 180Mrd auf 320Mrd gestiegen sind, dass die Wirtschaft brach liegt, dass der nächste rokiaplan die kleinen Einkommen und Renten weiter kürzen wird, das womöglich Grund und Boden weiter belastet wird. Am Ende werden die Menschen ihre restliche Habseligkeiten verlieren.

  4. Weekend01
    2. Juli 2015, 13:36 | #4

    Wir alle werden mit Versprechungen genoetigt in Richtung EU-Reformen zu gehen, ansonsten werden alle ins Unglueck rennen…., sagen sie! Was fuer eine Farce, erst seit es diese Reformen gibt, wurde die meisten Klein- und Mittelstandsbetriebe kaputt gemacht, die Menschen haben immer weniger Geld in der Tasche. Der Zusammenschluss von Politik, Finanzmaerkte und riesigen Unternehmen untergraben jeglichen Anreiz und Moral, wenn Menschen ganz legal fuer ein paar Euro arbeiten gehen sollen….. und das ganz legal…
    Demokratie? Wie weit sind wir gekommen, wenn es als negativ von der EU bewertet wird, eine Volksabstimmung durchzufuehren, das kommt fuer mich eher als Entmuendigung der Bevoelkerung gleich. Warum wollen die EU-Politiker solches Verhalten verhindern?
    Die moderne Ausbeutung und Sklaverei laesst gruessen!

  5. Bella
    2. Juli 2015, 17:55 | #5

    Ich bin Griechin, ich stimme mit Nein, meinen Eltern, sie leben in Athen, und meinen deutschen Kindern zuliebe … es ist unsere Pflicht, jetzt standhaft zu bleiben.

  6. Zahlmichel
    2. Juli 2015, 18:43 | #6

    Wer jetzt mit ja stimmt beendet die Regierung Tsipras. Es wird dazu führen das danach richtige Hungersnöte ausbrechen, da weiterhin die Armen die Zeche zahlen müssen, damit die Reichen geschont werden. Dies wird die Rechtsradikalen an die Macht bringen. Was am Ende dazu führt das Griechenland in einen Bürgerkrieg gerät. Es geht um viel mehr als nur um die EU-Kredite. Es geht darum, dass die EU ihre Diktatur ausbaut, mit Merkel und Schäuble an der Spitze. Merkel will kein europäisches Deutschland sondern ein deutsches Europa unter amerikanischer Führung. Dagegen müssen wir uns alle wehren. Merkel will Griechenland klarmachen „Ihr könnt wählen wen ihr wollt, was passiert bestimme immer noch ich!“. Mit dem Ergebnis, dass ein weiterer Failed State in der Entstehung ist. Merkel ist mit Hilfe der Troika in Griechenland einmarschiert um die Macht zu übernehmen und niemand merkt es. Diese Dame ist eiskalt.

  7. Demokratia
    2. Juli 2015, 19:26 | #7

    Ich bin Deutsche (und schäme mich wieder einmal für diese Tatsache in Grund und Boden!). Dürfte ich auch am Referendum teilnehmen, ich würde mit NEIN stimmen! Damit sich Deutschland endlich aus den inneren Angelegenheiten anderer Länder raushält. Die Zwangsmedizin, die Frau Merkel Griechenland durch Installation der Troika und Eingriffe in die nationale Souveränität verabreicht hat, hat im Ergebnis gezeigt, dass keine Fachkompetenz vorhanden ist. Dafür aber umso mehr Realitätsverweigerung und Arroganz. Das muss ein Ende haben! Weil es die einfachen Menschen sind, die den Preis für die Unfähigkeit der Institutionen und ihrer Beratungsresistenz zahlen.

  8. windjob
    2. Juli 2015, 22:21 | #8

    Ich kann den Griechen nur empfehlen mit NEIN zu stimmen. Andernfalls wird es eine neue Regierung geben und dies wird vermutlich wieder die ND mit Samaras. Danach geht es weiter wie gehabt.

  9. Kasia
    3. Juli 2015, 00:03 | #9

    Ich hoffe die Griechen lassen sich nicht von der Presse beeindrucken und stimmen mit NEIN! Ich schäme mich ebenfalls in diesen Tagen für das was die Bundesregierung abzieht! Sie predigen von Europa und Zusammenhalt und bla bla, ich hab eher das Gefühl, dass im Moment viel Hass und Rassismus entsteht aufgrund dieses Verhaltens der EU, absolut keine Vorbilder. Ich bin extrem enttäuscht!

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