Griechenlands Finanzminister wurde den Gläubigern geopfert

6. Juli 2015 / Aktualisiert: 05. Oktober 2017 / Aufrufe: 4.366

Warum Yanis Varoufakis zum Rücktritt von dem Amt des Finanzministers Griechenlands gedrängt wurde und die Rolle des Premierministers Alexis Tsipras.

Griechenlands Finanzminister Yanis Varoufakis legte sein Amt mit einem Tweet auf Twitter nieder. Diese Entscheidung stellt allerdings praktisch eine Absetzung und keinen Rücktritt dar, was auch aus seiner eigenen Bekanntmachung erscheint. Er hinterlässt Seitenhiebe gegen Premierminister Alexis Tsipras, da er betont, die Partner seien jene, die verlangten, dass er den Verhandlungstisch verlässt.

Yanis Varoufakis führt in seiner Bekanntmachung sogar auf besonders charakteristische Weise und unter Verwendung von Anführungsstrichen bei konkreten Worten und Auslassungspunkten an: „Mir wurde bekannt gemacht, dass die Teilnehmer der Eurogruppe und sonstige Partner meine … Abwesenheit bei den Sitzungen ’schätzen‘ würden.

Geste des guten Willens an die Gläubiger

Das Missfallen des Herrn Varoufakis in Richtung sowohl der Partner als auch des Premierministers persönlich, der dem Begehren der Ausländer nach seiner Entfernung stattgab, ist offensichtlich. Informationen zufolge hatte auch Stavros Theodorakis, Vorsitzender der Partei „Potami“, von dem Premierminister verlangt, Herrn Varoufakis aus dem Verhandlungsteam zu entfernen, damit es ein nationales Einvernehmen gibt.

Es ist völlig klar, dass diese Entscheidung des Premierministers, Herrn Varoufakis „abzudanken“, zu der Schlussfolgerung führt, dass die Regierung eine Geste des guten Willens an die Gläubiger macht, damit die Verhandlung leichter wird und es schnellstmöglich eine Einigung gibt. Das Verhältnis des Herrn Varoufakis zu den Partnern war praktisch seit der Eurogruppe in Riga grottenschlecht, was die Verhandlungen schwer machte.

Es bleibt abzuwarten, wer das Finanzministerium übernehmen und die Führung in der Verhandlung und den heißen Themen der Wirtschaft übernehmen wird, wobei die auf den Tisch gebrachten Namen die der Herren Tsakalotos (derzeit Vizeminister für internationale Wirtschaftsbeziehungen) und Stathakis (derzeit Minister für Wirtschaft, Infrastrukturen, Seefahrt und Tourismus) oder sogar auch eine Aufwertung der Frau Valavani (derzeit stellvertretende Finanzministerin) sind. Die Bekanntgabe des neuen „Zaren“ wird nach der Konferenz der politischen Führer erfolgen, wobei nicht ausgeschlossen ist, dass es eine Mini-Regierungsumbildung und ein Domino der Änderungen sowohl in der Regierung als auch in dem Verhandlungsteam geben wird, zumal Informationen zufolge ebenfalls die Möglichkeit des Rücktritts auch des Vorsitzenden der beeidigten Schätzer (SOE), Herrn Chouliarakis besteht.(Anmerkung: Das Amt des Finanzministers hat inzwischen Efklidis Tsakalotos angetreten.)

Yanis Varoufakis‘ Erklärung wird nachstehend in deutscher Übersetzung aus dem Griechischen sowie auch in dem von ihm selbst publizierten englischen Wortlaut wiedergegeben.

Ich bin nicht mehr Minister!

Das Referendum des 05 Juli 2015 wird als ein einzigartiger Moment, an dem sich ein kleines europäisches Volk gegen den Schuldsklavenkolonialismus erhob, in die Weltgeschichte eingehen.

Wie alle demokratischen Errungenschaften hat auch die Ablehnung des Ultimatums der Eurogruppe des 25 Juni einen hohen Preis. Es ist also erforderlich, dass das Kapital des NEIN umgehend investiert wird, damit es in ein JA zu einer fairen Vereinbarung – Lösung umgewandelt wird – nebst Umstrukturierung der Verschuldung, reduzierter Austerität, unter Umverteilung zu Gunsten der Besitzlosen und mit wirklichen Reformen.

Kurz nach der Bekanntgabe der Ergebnisse der Volksabstimmung wurde mir bekannt gemacht, dass die Teilnehmer der Eurogruppe und sonstige Partner meine … Abwesenheit bei den Sitzungen ’schätzen‘ würden, worüber der Premierminister urteilte, es werde vielleicht die Erzielung einer Vereinbarung erleichtern. Deswegen verlasse ich das Finanzministerium.

Es ist meine Pflicht, Alexis Tsipras so sehr ich vermag zu helfen, das Kapital, das uns das Volk mittels des Referendums schenkte, so zu nutzen wie er es erachtet. Und die Forderung der Gläubiger ist mir eine Ehre.

Die Linke agiert kollektiv und die Linken hängen nicht an den Stühlen. Ich werde Alexis Tsipras, die neue Führung des Finanzministeriums, die Regierung der Linken unterstützen. Die Hyper-Anstrengung, das mutige griechische Volk und das berühmte NEIN zu würdigen, das es gestern den Demokraten überall schenkte, beginnt gerade einmal!

(Quelle: Imerisia)

Minister No More!

The referendum of 5th July will stay in history as a unique moment when a small European nation rose up against debt-bondage.

Like all struggles for democratic rights, so too this historic rejection of the Eurogroup’s 25th June ultimatum comes with a large price tag attached. It is, therefore, essential that the great capital bestowed upon our government by the splendid NO vote be invested immediately into a YES to a proper resolution – to an agreement that involves debt restructuring, less austerity, redistribution in favour of the needy, and real reforms.

Soon after the announcement of the referendum results, I was made aware of a certain preference by some Eurogroup participants, and assorted ‘partners’, for my… ‘absence’ from its meetings; an idea that the Prime Minister judged to be potentially helpful to him in reaching an agreement. For this reason I am leaving the Ministry of Finance today.

I consider it my duty to help Alexis Tsipras exploit, as he sees fit, the capital that the Greek people granted us through yesterday’s referendum.

And I shall wear the creditors’ loathing with pride.

We of the Left know how to act collectively with no care for the privileges of office. I shall support fully Prime Minister Tsipras, the new Minister of Finance, and our government.

The superhuman effort to honour the brave people of Greece, and the famous OXI (NO) that they granted to democrats the world over, is just beginning.

(Quelle: Yanis Varoufakis)

Relevante Quellen:

  1. monika
    6. Juli 2015, 16:36 | #1

    Wenn es nach beleidigungen und misstönen geht müssten in Brüssel und Berlin auch einige zurücktreten. Sowohl politiker als auch Journalisten

  2. bürgerhans
    6. Juli 2015, 16:41 | #2

    Was ist denn diese Information aus dem SPIEGEL: „Der griechische Premier Tsipras hat mit Bundeskanzlerin Merkel gesprochen. Die Regierungschefs haben sich darauf geeinigt, dass Griechenland neue Vorschläge präsentiert.“ Wieder neue Vorschlägen von Tsipras? Diesmal ohne Einfluss von Yanis Varoufakis? Ich hatte bisher immer allergrößte Sympathie für die Position der Griechen; aber selbst für mich wird es nun zu einem politischen Tollhaus.

  3. windjob
    6. Juli 2015, 17:12 | #3

    Herr Varoufakis wird kaum zu arbeiten aufhören. Als Minister ist er aus der Schusslinie. Aus dem Hintergrund wird er mit Sicherheit viel effektiver sein. Was mich wirklich stört, ist, dass die EU wieder mit den selben taktischen Spielchen beginnt. Wir haben es wirklich nur noch mit hirnlosen Idioten zu tun.

    • rolfwerner
      6. Juli 2015, 19:37 | #4

      Sollen die Griechen sich doch die Ukraine zur Vorlage nehmen und einen Schuldenschnitt von 40 Prozent fordern – ohne Konditionen! An der schwierigen Lage sind sie ja nicht schuld. Das war die Vorgängerregierung! Der Ukraine werden doch auch Gelder nachgeworfen, ohne dass sie EU-Mitglied ist!

  4. Zahlmichel
    6. Juli 2015, 18:44 | #5

    Brüssel hat eine kurze Genugtuung das Varoufakis weg ist. Es wird jedoch nichts daran ändern das sie Griechenland aus dem Euro drängen wollen. Varoufakis war allen Finanzministern weit überlegen. Er hat als einer der wenigen Finanzminister in der freien Wirtschaft gearbeitet und sich behauptet. Was man von den anderen nicht sagen kann. Sie verstehen noch nicht einmal die einfachsten wirtschaftlichen Zusammenhänge. Er hätte Tausend Vorschläge machen können.
    Ein Souverän der selbst die Politikrichtung bestimmt ist viel zu gefährlich für die Europäische Demokratur. Nachher wollen das alle. Wenn man die deutschen Medien beobachtet, bekommt man das Gefühl, dass wir noch in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts sind. Sie sind zu Propaganda-Instrumenten verkommen, die willfährig die Regierungsmeinung vom bösen und faulen Griechen verbreiten.
    Diese linke Regierung wird mit allem bekämpft um sie zu vernichten. Die Menschen in Deutschland haben vom letzten Krieg gelernt, nur unsere Eliten und Politiker nicht. Sie benehmen sich wieder wie Herrenmenschen. Sie wollen immer noch auf jeder Ebene Krieg spielen und andere zum Untertan machen.

  5. berger
    6. Juli 2015, 18:48 | #6

    Leider denkt Finanzmininister.de Schublaedle im Traum nicht an Ruecktritt, obwohl seine langjaehrige „Therapie“ verheerende Folgen zeigt.

  6. Heidi Preiss
    6. Juli 2015, 19:24 | #7

    Vielleicht haben die Griechen noch ein As im Ärmel. Herr Varoufakis wird mit Sicherheit nicht seine Arbeit aufgeben; das wäre auch fatal. Wie wärs mit Chef der Zentralbank Griechenlands? Dann hat das Referendum seine Wirkung gleich doppelt.

  7. LiFe
    6. Juli 2015, 19:27 | #8

    Gegenüber der SYRIZA, als Partei der Linken herrschte, das sagen selbst deutsche Medien, eine völlig voreingenommene Haltung. Man wollte sie vom ersten Tag nicht haben. So gesehen wurde eine ganzes Volk, Mensch für Mensch zu Opfern gemacht.

  8. Peter
    6. Juli 2015, 19:38 | #9

    Leider kann ich die Handlungsweise des Herrn Tsipras nicht nachvollziehen, mgg ja vielleicht Vernunft aus seiner Sichtweise dazu geführt haben, letzten Endes betrachte ich es als eine Art Selbstzerfleischung und Verrat an seinen eigenen Genossen. Wer oder was ist das nächste Lamm was geopfert wird ? Vielleicht Tsipras selbst … die Haie warten schon.

  9. Frank
    6. Juli 2015, 19:45 | #10

    Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!
    Warum verstehen es nur so wenige? Wir leben wohl in dern größten Lügen aller Zeiten. Was auf diesen mit Blut und Lügen gebauten Bühnen der Weltgeschichte getrieben wird, ist bei vernunftgemäßer Betrachtung ohne Sinn und Verstand. Welche außergewöhnlichen menschlichen Qualitäten rechtfertigen die Machtfülle dieser Leute, die wir in unserem Unwissen wählten? Es dreht sich einzig um Machterhalt um jeden Preis.

    Die Classe politique strebt permanent danach, die eigene Macht auf Kosten der Untertanen zu erweitern. Sie zetteln im Namen der Völker Kriege an und müssen sich nicht dafür verantworten. Selbst die, die vielleicht nicht in diese Verbrechen direkt verstrickt sind, hofieren sie und sie decken sich gegenseitig. Das sind die viel beschworenen westlichen Werte! Doch die eigentlichen Strippenzieher haben kein vom Volk getragenes politisches Mandat. Und weil deren Marionetten das bewusst ist, schlüpfen diese Tag um Tag in des Kaisers neue Kleider. Und wißt ihr nicht, wie die Geschichte endet? Ein Kind sprach aus, was die Erwachsenen nicht imstande waren zu sehen: SIE SIND ALLE NACKT! Daher müssen sie auch permanent von Polizei und Militär geschützt werden.

    Solange wir das nicht in aller Einfachheit erkennen, bleibt jeder von uns deren Trottel. Erst dann, wenn wir da unten aufhören zu kriechen, hören die da oben auf zu herrschen! Steige ab, wenn du merkst, dass du ein totes Pferd reitest …

  10. GR-Block
    6. Juli 2015, 21:29 | #11

    Varoufakis: „Mir wurde bekannt gemacht, dass die Teilnehmer der Eurogruppe und sonstige Partner meine … Abwesenheit bei den Sitzungen ‚schätzen‘ würden.
    Oh Gott, der arme Dijsselbloem. Er kommt vom Regen in die Traufe. Jetzt übergibt der Volkswirtschaftler Prof. Varoufakis an seinen Kollegen Prof. Tsakalotos, der im Gegensatz zu Varoufakis auch noch erklärter Marxist ist und damit in der Vergangenheit keine Scheu hatte, Kontakte zur Sinn Féin in Irland aufzunehmen. Das Manager Magazin skandiert schon: „Der Varoufakis im Schafspelz„. Von wegen „Geste des guten Willens an die Gläubiger„. Der ist das Trojanische Pferd, dass die EURO-Group nun selbst nach Brüssel reinzieht. Mal sehen, welch listiger Odysseus in ihm steckt. Dass die beiden Profs Kumpels sind, daraus machten sie bei der Amtsübergabe keinen Hehl.

  11. Felix Klinkenberg
    6. Juli 2015, 21:37 | #12

    Die Griechische Notenbank oder alternativ irgendeine Druckerei, im Notfall tut es auch ein exzellenter Laser- Drucker, kann das FALSCHGELD Euro (nur ein verfasster Staat kann rechtlich Geld herausgeben, die EU ist kein Staat) doch selber beliebig drucken, genau so wie es die EZB ständig macht. Dann sind die Geldautomaten immer gut mit Blüten gefüllt, genau so wie bei uns.

  12. navy
    7. Juli 2015, 08:53 | #13

    Die Troika und Brüssel sind ein Haufen Idioten auf allen Gebieten. Keine Erfahrung als Banker, Wirtschaft nur bei der Bestechung und Korruption ist man Experte.

  13. Wildkatze
    7. Juli 2015, 10:45 | #14

    Oh Herr, lass Hirn regnen … auf Brüssel und die deutsche Presse. FM Varoufakis war einfach zu intelligent und hat seine „Partner“ alt aussehen lassen. Wenn man von Dummheit umgeben ist, wird man als intelligenter Mensch sofort als „überheblich“ klassifiziert und ausgegrenzt. Aber Herr Varoufakis wird das locker wegstecken. Schließlich ist es ja kein so großes Vergnügen, sich täglich mit geistig minderbemittelten aufgeblasenen „Spitzenpolitikern“ herumschlagen zu müssen.

  14. LiFe
    7. Juli 2015, 11:52 | #15

    Die Troika, das Lieblingsfolterinstrument Schäubles, hat Griechenland komplett verwüstet und nichts zum Wirtschaftsaufbau beigetragen. Die letzten gut funktionierende Unternehmen bangen um ihre Existenzen. Lieferanten verlangen Barzahlungen. Die Automaten geben kein Geld her. Die Unternehmer können ihre Angestellten nicht bezahlen. Die Finanzmärkte werden sich über Verluste keine Gedanken machen. Sie werden sie auf alle europäischen Steuerzahler umlegen. No risk no fun! In You Tube können wir Varoufakis und Joseph Stieglitz bei einer Konferenz hören. Es kamen sehr konkrete Vorschläge und gute Ideen rüber. Joseph Stiglitz ist der Ansicht: Damit die Globalisierung einen Wohlstand für alle schaffen kann, hierfür muss ein globaler Gesellschaftsvertrag ausgearbeitet werden, der unter anderem eine faire Handelsordnung beinhaltet. Die Vorgaben der Troika haben Griechenland in eine furchtbare Misere gestürzt, aus der Griechenland ohne sinnlose Vorgaben der Institution herausgekommen wäre, hätte man 2010 statt Austerität, die Abwanderung von Fachkräften und Firmen ins Ausland bestärkt hatte, den Schuldenschnitt vorgezogen, dann hätte Griechenland eine bessere Chance gehabt sich zu erholen. Mit weniger Schulden. Herr Ackermann, aber, er hatte andere Ideen, gemeinsam mit Herr Schäuble galt es das Feuer zu löschen, auch in You Tube zu sehen, und das Unheil nahm seinen dramatischen Lauf.

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