Griechenland hat bereits eine Parallelwährung

10. Juli 2015 / Aufrufe: 4.593

Griechenland hat bereits zwei Währungen, die beide den selben Wert haben, von denen jedoch die eine auf Papier gedruckt und die andere immateriell ist.

Das einzige Gute an der wirtschaftlichen Krise unglaublicher Intensität, die wir in den letzten Tagen in Griechenland mit der Schließung der Banken und den Kapitalverkehrskontrollen durchleben, ist die Verallgemeinerung der Kreditkarten (bzw. des „Plastikgelds“) und die Ausweitung des E-Bankings, also der Bewegung von Geldbeträgen per Internet.

Es geht um zwei absolut modern Praktiken, die unabhängig von den Umständen sowohl der Wirtschaft als auch der Alltäglichkeit helfen, da die Nutzer Zeit und Geld sparen, während sie ihnen auch eine große Transaktionssicherheit bieten. Die Nutzer sind also nicht gezwungen, Bargeld zu bewegen, das sie verlieren können oder das ihnen gestohlen werden kann, was für jemanden, der sogar auch auf die bis neulich sogenannten Kleinbeträge angewiesen ist, katastrophal ist.

Griechenland hätte in das beste Internet der Welt investieren müssen

Auf diese Weise nutzen in den letzten Tagen viele Griechen praktisch eine doppelte Währung. Eine ist der Papier-Euro – sprich die 50 oder 60 Euro, die jeder täglich (per ATM) abzuheben berechtigt ist – und eine ist der immaterielle Euro, der genau den selben Wert hat und dessen Bewegung flexibler ist.

Bisher haben zwei der vier systemischen griechischen Banken ein Limit für die von ihnen gebotenen E-Banking-Dienste gesetzt. Die Eurobank bei 10.000 Euro und die Piräus Bank bei 15.000 Euro, was den Kunden einen relativen Komfort bietet. Auf diese Weise werden Transaktionen „aufgetaut“, die sonst nicht erfolgen könnten, und eine Atempause geboten. Der Geldumlauf wird mit dem Ergebnis verstärkt, dass „Löcher“ geschlossen und Anhängigkeiten abgebaut werden. Und dies unabhängig davon, ob das physische Geld auf dem Niveau von 50 Euro pro Tag eingefroren ist, da man es – selbst wenn auf dem eigenen Konto Zahlungen eingehen – nicht in seiner traditionellen Papierform anheben kann. Man kann es jedoch elektronisch an jemand anderen bewegen, dieser andere an einen Dritten und so weiter und so fort.

Die Überlegung kam einige Male zaghaft zu Gehör, verlor sich jedoch, ohne hinreichend diskutiert zu werden. Ein Land wie Griechenland, mit unzähligen Inseln und kleinen Bergdörfern, schuldete, für seine bestmögliche Vernetzung Sorge zu tragen, und zwar nicht nur mit Straßen, sondern – hauptsächlich – mit dem schnellsten und qualitativsten Internet der Welt. Nicht einfach nur in Europa, sondern der ganzen Welt, damit es Erleichterungen in der Alltäglichkeit gibt, von medizinischen Untersuchungen und Bildungsunterricht bis hin zu Bank- und anderen Finanzgeschäften, vom Tourismus bis hin zum Handel.

Das Bargeld hat seinen Zyklus vollendet …

Anstatt jedoch in moderne Internet-Strukturen hat der Staat dutzende Mrd. Euro fast ausschließlich in Beton und Asphalt investiert. Anlässlich der wirtschaftlichen Krise der letzten Jahre in unserem Land, deren maßgeblicher Faktor weiterhin das Unvermögen des Staates ist, die Steuerhinterziehung, die Steuervermeidung, den Steuerdiebstahl, die Beitragshinterziehung und allgemein die graue Wirtschaft und den Schattenhandel in den Griff zu bekommen, kommt wieder die Notwendigkeit an die Oberfläche, die Verwendung von Bargeld im Geschäftsverkehr einzuschränken.

Es wäre schön, wenn Griechenland wie Dänemark werden würde, wo der Konsument selbst einen Kaugummi am Kiosk per Debit- oder Kreditkarte bezahlt. Wir mögen von Verhältnissen des „Großen Bruders“ sprechen – mittels der elektronischen Transaktionen wird wirklich alles aufgezeichnet -, nachdem jedoch die Balance bei den öffentlichen Einnahmen verloren gegangen ist, muss etwas Drastisches geschehen. Etwas, das bereits die Ökonomen auf der ganzen Welt diskutieren, wie der berühmte Harvard-Professor Kenneth Rogoff, der glaubt, „das Bargeld ist gestorben“. Es wurde im 7. Jahrhundert v. Chr. erfunden, hat sich über 3.000 Jahre lang gehalten, und auf eine gewisse Weise hat das Bargeld seinen Zyklus vollendet … .

(Quelle: voria.gr, Autor: Giorgos Doras)

  1. Zahlmichel
    10. Juli 2015, 17:00 | #1

    Wenn das stimmt was die deutschen Mainstream Propaganda Medien verbreiten, das Tsipras dem weiteren Austeritätsprogramm zugestimmt hat, ist alle Hoffnung auf ein demokratisches Europa zerstört. Die Neoliberale Agenda hat gewonnen. Er verrät sein Volk, für einige Monate Ruhe, wie seine Vorgänger. Er hat das Nein im Referendum in ein Ja verwandelt. Er ist der Judas der Griechischen Politik. Dann geht das Leiden der Menschen weiter. Er bereitet den Boden für die Goldene Morgenröte. Da sie als allerletzte Hoffnung für das Volk übrig sind. Syriza wird den Weg der Pasok gehen und das Volk den Weg in den Bürgerkrieg. Ein trauriger Tag.

  2. 10. Juli 2015, 17:18 | #2

    Natürlich hat das bargeldlose Zahlungssystem seine Vorteile, aber leider leider, nicht mit diesen Politikern und Mächtigen im Hintergrund. Elektronische Zahlungssysteme SIND anfällig und SIND ein Traum für den Überwachungsstaat. Warum soll ich überall Spuren hinterlassen? Bargeld heißt Freiheit und Annonymität. Bargeld entspricht der physischen Wirklichkeit – alles ist begrenzt, elektronisches Geld ist nicht greifbar und in der Hinsicht irreal das nur ein Tippfehler oder Hacker oder Computerausfall jemanden zahlungstechnisch ausschalten kann. Griechenland mach Deine Drache mit einer staatlichen Bank…

  3. Werner
    10. Juli 2015, 22:06 | #3

    An einen Sinneswandel glaube ich nicht. Tsipras wollte und will unbedingt in der EU und im Euro bleiben. Ich glaube, er schätzt die Lage so ein, dass bei einem Grexit eine absolut gefährliche Situation in Griechenland entstehen würde. Ich teile das.
    EU, speziell Deutschland und ausgenommen vielleicht noch Frankreich und Italien, geht lieber das Risiko der totalen Verelendung bis zu Hungerrevolten, des Erstarkens der extremen Rechten bis zu einem Bürgerkrieg, bevor einer linken Regierung Zugeständnisse gemacht werden. Sahra Wagenknecht: „Offenbar sieht die griechische Regierung angesichts der Erpressung durch IWF, EZB und EU-Technokraten, geschlossener Banken und verzweifelter Menschen keinen anderen Ausweg mehr. Wird das Programm so beschlossen, geht die griechische Tragödie nur in eine erneute Verlängerung.

  4. Selber denken
    11. Juli 2015, 01:27 | #4

    Glauben wir nicht der Propaganda und machen uns nicht selber irre. Jeder denkende Mensch konnte in den letzten Monaten bzw. Jahren beobachten wie Propaganda funktioniert. Ob beim Thema Ukraine oder Griechenland. Die Intensität bzw. die Widerlichkeit der Propaganda haben sich allerdings in den letzten 2 Jahren massiv verstärkt. Da wird gelogen und gehetzt.

    Goebbels hätte seine helle Freude daran. Der Hinweis auf die Propaganda der Nazis ist leider mehr als treffend. Ich verfolge seit langem auch die „Hetzpresse“ (Welt, FAZ, Süddeutsche, ÖR etc.). Man wird ja ständig damit im Freundes- bzw. Kollegenkreis konfrontiert. Das verlangt nach einem robusten Magen.

    Es gibt genügend Informationsalternativen (z.B. dieser Blog hier, Nachdenkseiten, Telepolis, RT) um nur mal die bekanntesten zu nennen. Also lassen wir uns nicht irre machen und glauben nicht den Propagandisten und denken selber.

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