Ergebnis des Referendums in Griechenland

6. Juli 2015 / Aktualisiert: 03. Oktober 2017 / Aufrufe: 2.706

Bei dem Referendum am 05 Juli 2015 in Griechenland stimmte die Mehrheit der Wähler mit Nein und bestätigte damit die SYRIZA Regierung in ihrer Verhandlungsstrategie.

Die formale Fragestellung bei dem am 05 Juli 2015 in Griechenland durchgeführten Referendum erschien auf den ersten Blick zugegebenermaßen verwirrend, erweist sich jedoch auf den zweiten Blick als sehr simpel und reduziert sich auf die Annahme (Ja) oder Ablehnung (Nein) der bisher aus dem Aus- bzw. speziell von Deutschland aufgezwungenen stupiden Austeritäts-Politik, und zwar ohne endlich die bereits 2012 zugesagte und parallel auch permanent von dem Internationalen Währungsfonds (IWF) geforderte Regelung des Themas der Verschuldung verbindlich anzugehen.

Oppositionsführer Antonis Samaras trat zurück

Indirekt wird das Ergebnis der Volksabstimmung auch als Vertrauensvotum gewertet, das die Mission, die der SYRIZA-Regierung unter Premierminister Alexis Tsipras mit ihrem Wahlsieg bei den Parlamentswahlen im Januar 2015 von den Wählern angetragen wurde, erneut mit überwältigender Mehrheit bestätigt bestätigt.

Bei der „amtierenden Opposition“, sprich der Nea Dimokratia (ND), die sämtliche Register zog und unter anderem sogar auch politische Zombies wie den (inzwischen fast 100 Jahre alten!) Konstantinos Mitsotakis und den ehemaligen Premierminister Kostas („Bulukos“ = Dicksack) Karamanlis mobilisierte, um die Bürger davon zu überzeugen, bei dem Referendum mit „Ja“ stimmen zu müssen, wurden umgehend Konsequenzen gezogen: Der ehemalige Premierminister und bisherige Vorsitzende der ND, Antonis Samaras, legte inzwischen den Parteivorsitz nieder, den nun bis auf weiteres Vangelis Meimarakis ausüben soll.

Griechenlands Zugehörigkeit zu EU und Eurozone ist nicht verhandelbar

Es sei in Erinnerung gerufen, dass Premierminister Alexis Tsipras die Durchführung des Memorandums beschloss, nachdem die Gläubiger / „Partner“ der griechischen Regierung in der vergangenen Woche ein sowohl formal als auch gegenständlich unerhörtes Ultimatum stellten. Im Gegensatz zu den opportunistischen Lakaien und Speichelleckern, die praktisch zu allem „Ja und Amen“ sagten um nicht ihre Pfründe zu verlieren, urteilte die heutige (SYRIZA-) Regierung Griechenlands, dieses ihrem Auftrag diametral entgegen stehende Ultimatum nicht ohne weiteres akzeptieren zu dürfen. Was lag also näher, als das Volk im Rahmen eines Referendums selbst entscheiden zu lassen?

Entgegen dem von den – allen voran natürlich wieder einmal deutschen – Mainstream-Medien und Propaganda-Posaunen willkürlich implizierten Dilemma stand jedoch bei dem Referendum ein „Ja“ oder „Nein“ zu Europa bzw. der Europäischen Union und dem Euro definitiv nicht zur Rede, zumal allen voran speziell Premierminister Alexis Tsipras und Finanzminister Yanis Varoufakis bis heute unbeirrt geradezu gebetsmühlenhaft beteuern, Griechenlands Position sei innerhalb der EU und der Eurozone und „nicht verhandelbar“. Das Ergebnis der Volksabstimmung darf somit legitim ebenfalls als ein klares „Ja“ der Griechen zu Europa interpretiert werden.

Das Ergebnis der Volksabstimmung des 05 Juli 2015 in Griechenland stellt sich konkret folgendermaßen dar (Stand: 06/07/2015 – 02:51 Uhr MEZ +1):

Nein Ja
Registrierte Wähler 9.858.508
Ausgezählte Stimmen 100,00 % 61,31 % 38,69 %
Wahlbeteiligung 62,50 %
Ungültige / leere Stimmzettel 5,80 %

Anmerkungen:

In der Anzahl der registrierten Wähler sind alle, also auch nicht am Ort ihrer Registrierung (in Griechenland) wohnhafte wahlberechtigte Bürger umfasst,  die ihr Stimmrecht gegebenenfalls nicht nicht auszuüben vermochten.

Vorstehende Angaben basieren auf den Daten, die von dem griechischen Innenministerium publiziert wurden, und unterliegen dem Vorbehalt des finalen Abgleichs mit den Daten, die im Rahmen der Auszählung der abgegebenen Stimmen an die jeweils lokal zuständigen Gerichtsbehörden übermittelt wurden.

  1. Ein Freund echter Demokratie
    6. Juli 2015, 01:42 | #1

    Glückwunsch von ganzem Herzen! Über 3/5 des Volkes haben sich gegen die verachtenswerte Angstmache der Eurokraten und ihrer Speichellecker ausgesprochen. Wundervoll! Das hätte ich mir auch z.B. bei den Hartz 4 Zwangsmaßnahmen in Deutschland gewünscht. Jeder kämpfe an seinem Platz gegen diese korrupten Scheindemokraten a la Schulz, Merkel und Co. So offen wie jetzt haben sie selten ihre Visage gezeigt.
    Ünterstützen wir weiter den Kampf der Griechen, indem wir gegen die Hetze gegen Griechenland in unserem Land die Stimme erheben.

  2. Christina
    6. Juli 2015, 02:23 | #2

    Hut ab! Mit so einem klaren Ergebnis hat wohl kaum jemand gerechnet. Ein deutliches Votum für die Demokratie und gegen die angeblichen Sachzwänge des Turbokapitalismus und dessen sogenannte „Spielregeln“. Ich wünsche mir, dass die Stimmen der griechischen Bürgerinnen und Bürger noch lange in Resteuropa nachhallen und viel Stoff zum Nachdenken und Diskutieren bieten, denn so sollte es eigentlich sein in einer Gemeinschaft formal demokratischer Staaten, in der der David dem Goliath auch schon einmal eine lange Nase zeigen darf, wenn er bei den demokratischen Spielregeln bleibt. Jetzt wird und muss es endlich ein bisschen Luft geben, wenn die anderen 18 Euro-Länder auch nur noch ein Minimum an Verständnis für ein Nachbarland aufbringen können und wollen, dem das Wasser bis zum Hals steht.
    Wer auch nur teilweise die griechischen Privatsender in der letzten Woche verfolgt hat, klatscht allen Beifall, die sich von deren Verdrehungen, Einseitigkeiten und Lügen nicht haben beeinflussen lassen. Und wenn jetzt der Ministerpräsident im Wartestand, Samaras, der bis heute nacht darauf gehofft hatte, mit Hilfe konservativer (und sozialdemokratischer) EU-Bürokraten und Regierungen und ihrer konzertierten Aktion des „regime change“ ganz schnell wieder an die Macht zurückkehren zu können, endlich das Handtuch wirft, dann gehört das mit zu den schönsten Nachrichten dieser Nacht. Innenpolitisch hat die Syriza-Regierung krachend gewonnen. Nun muss sie etwas daraus machen, denn von den versprochenen Systemveränderungen (Verwaltung, Steuerwesen etc.) ist bislang wenig zu sehen.
    Und nach außen bitte weniger rhetorisches Getöse und Jungs-Kindergarten auf beiden Seiten. Vokabeln wie „Volksbelüger“ oder „Terroristen“, ob in Anführungsstrichen oder ohne, sind keiner Seite nützlich. Um sinnvoll weiter verhandeln zu können, müssen alle Seiten ihr Ego mal ein bisschen zurückfahren und einfach nur bereit sein, eine konstruktive Lösung jenseits allen persönlichen Beleidigtseins zu finden. Es hätte doch schon in der letzten Juniwoche fast so weit sein können. Wenn es dazu notwendig ist, dass Madame Merkel ihren Staatsbürgerinnen und -bürgern mal reinen Wein einschenkt, was sie und ihr Kumpel Sarkozy da vor fünf Jahren und warum veranstaltet haben, dann ist das der Preis, den die Bundeskanzlerin entgegen der Wünsche ihrer Spindoktoren nach heute Nacht zu zahlen hat. Erzähl mir keiner irgendetwas von Gesichtswahrung! Wer Sch… baut, muss irgendwann auch dazu stehen. Dank nach Griechenland!

  3. monika
    6. Juli 2015, 02:39 | #3

    Das war heute ein guter tag für die Demokratie. Ich hätte mir jedoch eine neutralere Presse in Deutschland gewünscht. absolut groko gesteuert. und den politikern in Berlin und Brüssel kann ich nur raten hört auf zu lügen und verhandelt ohne eine vom volk gewählte Regierung stürzen zu wollen. Kalinichta hellas bleibt stark ich bin stolz auf euch

  4. windjob
    6. Juli 2015, 05:08 | #4

    Glückwunsch dem griechischen Volk, das die ganze EU Sippschaft durchschaut hat. Nur Schulz hat es immer noch nicht begriffen was sein letzter Beitrag vor der Jauch Sendung beweisst. Den griechischen Oligarchen wurde nun gezeigt, dass die Griechen doch nicht so dumm und naiv sind wie sie glauben. Ich hoffe Tsipras und Varoufakis nutzen diese gestärkte Position für die zukünftigen Verhandlungen.

  5. nico
    6. Juli 2015, 06:05 | #5

    Ein Hoch auf die Demokratie! In Urform aus dem Land, das sie hervorbrachte! Ich hoffe, es setzt ein Zeichen gegen die Konzerndiktatur. Schande über die deutsche gewählte Diktatur. Mein Herz schlägt links. Menschen aller Länder….

  6. Zahlmichel
    6. Juli 2015, 06:24 | #6

    Herzlichen Glückwunsch, eine gute Entscheidung. Dies hat die von den Reichen und der Finanzindustrie gesponserten Polit Parasiten in Deutschland und Europa einen Schock verpasst. Es wird Zeit, diese verkommenen Nieten in Nadelstreifen europaweit nach Hause zu schicken. Ein Feiertag für die verloren geglaubte Demokratie. Sollte Brüssel weiterhin jede Hilfe verweigern, besteht vielleicht ja die Möglichkeit, das sich Griechenland zusätzlich der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU) anschließt. Da sich abzeichnet, dass die EU ein totgeborenes Kind ist, werden sich nach und nach sowieso alle Mitgliedsstaaten Richtung Osten aufmachen.

  7. GR-Block
    6. Juli 2015, 10:17 | #7

    Na ja, so unerwartet war das klare Ergebnis nun wirklich nicht. Bei so vielen Wahlhelfern in Brüssel und Berlin. Der enorme Druck, eine Volksabstimmung sei ein Verrat der Regierung Tsipras an den Verhandlungs-„partnern“, hatte Wirkung getan. Die Griechen waren bei Ankündigung der Volksabstimmung noch 50:50 unentschlossen. Dann aber glaubte die Dreifaltigkeit so fest im Sattel zu sitzen, dass sie Drohungen aussprachen, um das Volk wie einst 2012 in eine Schockstarre zu versetzen. Sie glaubten wirklich der Doppeladler sei genauso ungeliebt wie Papandreou, Papadimos oder Samaras. Es hieß wahnsinniger Weise, die Abstimmung sei eigentlich eine über die Mitgliedschaft, und die Schulden müssten um weitere 52 Mrd aufgestockt werden egal wie der Ausgang sei.
    Was ist denn das? Harakiri auf europäisch? Juncker, Dijsselbloem und Schulz haben vorsätzlich die Stabilität ganz Europas riskiert, nur um ihre Karrieren zu stabilisieren. Jetzt sollten sie wie Samaras Konsequenzen ziehen.
    Mein größter Respekt gilt dem Rockstar und Volkswirt Yanis Varoufakis. Dieser Politiker hat die EU revolutioniert. Sein mahnender Finger wird uns ein Symbol bleiben. Jetzt beginnt das schmutzige Geschäft, jetzt zieht sich Herr Professor in den Elfenbeinturm zurück. Gut so. Vermutlich wird ihm sein Gegner Schäuble demnächst folgen … wenn er schlau ist.

  8. georgios
    6. Juli 2015, 10:25 | #8

    Ich möchte auf einen „ZEIT“ Artikel vom 25.Juni 2015 verweisen, Titel: „Deutschland hat nie bezahlt“. Den sollten sich unsere Politiker/innen mal reinziehen, bevor sie ständig mit Besserwisserei und erhobenen Zeigefingern andere Gesellschaften belehren, demütigen und verarmen lassen.
    Der „neue“ Gott „Geld“ beherrscht unsere und bis Februar auch die griechische Politik, „Solidarität“ und „Menschlichkeit“ bleiben auf der Strecke. Die Korruption in Griechenland – und in Deutschland – ist das Geschwür, das behandelt werden muss.

  9. Weekend01
    6. Juli 2015, 11:35 | #9

    Die Einen reden von Demokratie, unterdruecken ihr Volk indem sie es bei keiner Entscheidung teilnehmen lassen. Demokratie?
    Die Anderen (Griechenland) laesst es teilhaben an einer wichtigen Entscheidung, ernten nur Hohn und Spott, das laesst ueber die Gesinnung der restlichen EU-Staaten tief blicken!
    Ich wuensche dem griechischen Volk fuer seine Entscheidung alles Gute und viel Erfolg. Schoen ist, dass Herr Tsipras vor den EU-Eliten nicht gekuscht hat – so wie es leider sehr viel andere Politiker praktizieren.

  10. Griechenlandfreund
    6. Juli 2015, 14:23 | #10

    Zwar kann Griechenland nicht aus dem Euro „rausgeworfen“ werden, jedoch beachtet die griechische Regierung die juristischen Rahmenbedingungen und Vereinbarungen zu wenig. Das zweite Hilfspaket ist rechtsverbindlich ausgelaufen. Zudem wurden die Kredit des IWF nicht bedient. Damit darf die EZB die 90 Mrd. ELO Notfallkredite an griechische Banken nicht aufstocken. Das Gegenteil ist der Fall: Die EZB müsste die ELO-Kredithöhe sogar schnell drastisch verringern und damit die Banken in die Insolvenz schicken. Griechenland wird ein „Euro“-Land, bei dem Unternehmen und Privatleute jedoch von Banken keine Euros erhält. Die griechische Wirtschaft schrumpft zudem seit Jahresanfang noch deutlicher und die Steuereinnahmen lagen bereits bis Mai um fast 2 Mrd. unter den Prognosen. Gegenwärtig investiert zudem keiner. Der Staat erhält als Folge noch weniger Steuereinnahmen und weniger Geld – u.a. für die steigenden Rentenzahlungen. In Folge muss der Staat eine Zweitwährung einführen.

  11. Wildkatze
    6. Juli 2015, 14:30 | #11

    Hut ab vor dem griechischen Volk! Ich beobachte schmunzelnd, wie man sich in Brüssel und Deutschland die Wunden leckt und noch immer die Katastrophe herauf beschwört, die Griechenland bevorstehen soll. Aber nix da! Schaltet endlich das Hirn ein, Ihr mehr als nur dümmlichen EU- Technokraten. Was wollt Ihr denn mit Eurer hoch bejubelten EU anfangen, wenn GR keine Eurer Entscheidungen mehr unterstützt und künftig all Eure Beschlüsse torpediert? Dann nämlich könnt Ihr Eure ganze Oligarchen- EU begraben. Die Zeit ist gekommen vom hohen Ross herunter zu steigen! Jetzt wird nach griechischer Musik getanzt. Vielleicht begreifen ja auch die Herren Schulz und Dijsselbloem das irgendwann. Ich fürchte allerdings, dass deren Hirnareale zu einfach gestrickt sind.

  12. Barbara Fischer
    6. Juli 2015, 14:35 | #12

    Herzlichen Glückwunsch Herr Tsipras, meinen vollen Respekt , daß Sie den Kredithaien die Stirn geboten haben. Außerdem haben Sie einmal mehr gezeigt, was Demokratie heißt bzw. wie sie gelebt wird. Es wird bestimmt nicht leicht werden für Ihr Volk, aber garantiert besser als unter der selbsternannten Allmacht der EU. Sie sind ein freies Land und brauchen keine Bevormundung und Gängelung anderer Staaten. Ich wünsche Ihnen und Ihrem Volk alles erdenklich Gute.

  13. monika
    6. Juli 2015, 15:24 | #13

    Nochmals alles gute für Griechenland. Aber was ist denn mit dem Gabriel los. mit der einstellung und den Kommentaren von heute sollte er die Partei wechseln. Ich hätte da einen tipp: die neue afd.

  14. multiman
    6. Juli 2015, 17:29 | #14

    Herzlichen Glückwunsch an euch Griechen! Zu hoffen und wünschen ist jetzt, dass die Regierung schnell und konsequent eine Politik der Selbstverantwortung und Selbststärkung betreibt, und eine Parallelwährung einführt. Dann wäre Griechenland nicht mehr überwiegend fremdbestimmt, könnte schnell seine Wirtschaft stärken, und ein Vorbild für andere sein.

  15. Wolfgang Potratz
    6. Juli 2015, 19:09 | #15

    Die alternativlose Alternative. Frau Merkel, nutzen Sie Ihre Chance, machen Sie die 180°-Kehrt-Wende Ihrer Politik. Warten Sie nicht, bis der Tsunami aus Griechenland Sie und Ihre GROKO hinwegspült. Haben Sie Mut! Als Mitinhaberin des „Europäischen Friedens-Nobel-Preises“ machen Sie endlich einen Friedensvertrag mit Griechenland. Damit man irgendwann sagen kann, Angela Merkel hat sich um Deutschland und Europa verdient gemacht.

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