6 Gründe für ein NEIN beim Referendum in Griechenland

2. Juli 2015 / Aktualisiert: 05. Oktober 2017 / Aufrufe: 3.830

Finanzminister Yanis Varoufakis benennt zusammenfassend sechs Gründe für ein Nein bei der Volksabstimmung am 05 Juli 2015 in Griechenland.

Griechenlands Finanzminister Yanis Varoufakis bezieht sich in einer persönlichen Erklärung auf das Referendum am 05 Juli 2015 und seine Unterstützung für das „Nein“ (also gegen den in Form eines Ultimatums vorgelegten Vorschlag der Gläubiger) und führt dafür sechs Gründe an.

Der Erklärung wird nachstehend in deutscher Übersetzung aus dem Griechischen sowie auch in dem von Yanis Varoufakis selbst publizierten englischen Wortlaut wiedergegeben.

Yanis Varoufakis: 6 Gründe für ein NEIN beim Referendum

1. Die Verhandlungen gelangten nicht bei einer Vereinbarung an, weil die Gläubiger a) sich weigerten, die nicht tragfähige Verschuldung umzustrukturieren, und b) darauf beharrten, dass die schwächeren Bürger, ihre Kinder und ihre Enkelkinder die Verschuldung zu bezahlen haben.

2. Der IWF, die Regierung der USA, viele andere Regierungen sowie auch die überwältigende Mehrheit der Ökonomen urteilen – wie auch wir, dass die Verschuldung umstrukturiert werden muss.

3. Die Eurogruppe hat am 20 November 2012 eingestanden, dass die Verschuldung umstrukturiert werden muss, weigert sich jedoch, sich diesbezüglich festzulegen.

4. Ab dem Moment, wo wir die Volksabstimmung bekannt gaben, hat Europa vertraulich signalisiert, bereit zu sein, die Umstrukturierung der Verschuldung zu diskutieren. Dies zeigt, dass sogar auch das offizielle Europa gegen … seinen eigenen „finalen“ Vorschlag stimmen wird.

5. Griechenland wird im Euro bleiben. Die Guthaben bei den griechischen Banken sind sicher. Die Taktik der Gläubiger basiert auf der Erpressung mittels Schließung der Banken. Die Kollision beruht auf dieser ihrer Entscheidung und in keinem Fall darauf, dass die griechische Regierung der Einigung Hindernisse entgegen stellt oder mit dem Gedanken des Ausscheidens (aus dem Euro) und der Abwertung experimentiert. Griechenlands Position im Euro und in Europa ist nicht verhandelbar.

6. Die Zukunft will ein stolzes Griechenland im Euro und im Zentrum Europas. Dies erfordert am Sonntag ein großes NEIN, das uns die Stärke geben wird, über die Verschuldung sowie auch die Verteilung der Lasten zwischen den Wohlhabenden und den Schwachen unserer Mitbürger zu verhandeln.

(Quelle: Imerisia)

Why we recommend a NO in the referendum – in 6 short bullet points

1. Negotiations have stalled because Greece’s creditors (a) refused to reduce our un-payable public debt and (b) insisted that it should be repaid ‘parametrically’ by the weakest members of our society, their children and their grandchildren

2. The IMF, the United States’ government, many other governments around the globe, and most independent economists believe — along with us — that the debt must be restructured.

3. The Eurogroup had previously (November 2012) conceded that the debt ought to be restructured but is refusing to commit to a debt restructure

4. Since the announcement of the referendum, official Europe has sent signals that they are ready to discuss debt restructuring. These signals show that official Europe too would vote NO on its own ‘final’ offer.

5. Greece will stay in the euro. Deposits in Greece’s banks are safe. Creditors have chosen the strategy of blackmail based on bank closures. The current impasse is due to this choice by the creditors and not by the Greek government discontinuing the negotiations or any Greek thoughts of Grexit and devaluation. Greece’s place in the Eurozone and in the European Union is non-negotiable.

6. The future demands a proud Greece within the Eurozone and at the heart of Europe. This future demands that Greeks say a big NO on Sunday, that we stay in the Euro Area, and that, with the power vested upon us by that NO, we renegotiate Greece’s public debt as well as the distribution of burdens between the haves and the have nots.

(Quelle: Yanis Varoufakis)

  1. Omorfos
    2. Juli 2015, 02:43 | #1

    Ähnlich wie zu der Parlamentswahl im Juni 2012 beeinflusst wieder einmal ganz Europa das griechische Volk um zu warnen. 2012 hat es funktioniert und auch diesesmal wird es wieder funktionieren. Hätte man nicht ständig hingehalten mit aussagen man sei einer Vereinbarung nahe wäre auch die Zeit nicht unnötig verstrichen. Wäre das Program um einen Monat verlängert worden wie es die griechische Delegation präferierte hätten die Banken nicht schliessen müssen. So wichtig auch ein „Nein“ ist, die Verunsicherung der Menschen ist zu gross, sie werden sich auch diesmal beeinflussen lassen. Die Griechen werden knapp mit Ja stimmen und die folgenden Jahre werden weiter gehen wie die bisherigen. Weitere Entlassungen, weitere kürzungen, Leben am Limit.

  2. Milla
    2. Juli 2015, 04:24 | #2

    Die Eurogruppe, insbesondere die Bundesregierung, hatte NIE vor, zu einer Einigung mit Syriza zu kommen!

  3. flowerpower
    2. Juli 2015, 15:58 | #3

    Eine Volkswirtschaft gleicht einem Motor. Entzieht man im zu viel Energie, wird er immer langsamer, dadurch ineffizienter, bis hin zum abwuergen. Deshalb muss Grichenland die Kupplung treten (Schuldenzahlungen voruebergehend aussetzen) und in den 1. Gang herunterschalten (80%Schuldenschnitt) langsam die Kupplung kommen lassen, (Schuldzahlungen langsam wieder aufnehmen) und die Wirtschaft anfahren. Wo ist da das Problem?
    Ach so, unsere Bankster haben Sorge, sie koennten dabei zu kurz kommen und ihre feinen Anzuege verschmutzen. Egal, sie wissen so wie so nicht mehr weiter.

    Liebe Griechen, Kopf hoch, Brust raus und werft ordentlich Matsch nach unseren Bankstern. Sie fuerchten dies wie die Vampire das Weihwasser. Das wichtigste ist fuer die Zukunft eurer Kinder Banken zu verstaatlichen, Wasser, Energieversorgung und Infrastruktur staatlich zu halten. Wir lieben euch so wie ihr seit und habt keine Angst. Denn Angst ist der schlechteste Ratgeber von allen.

  4. Uta
    2. Juli 2015, 20:03 | #4

    Wenn Griechenland am Sonntag bei dem Referendum mit „Ja“ stimmt und danach eine Einigung mit der EU, dem IWF und der EZB erfolgt, egal mit welchem Ministerpräsidenten und Finanzminister, wird folgendes geschehen:

    Die drei Institutionen EU, IWF, EZB werden mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln die Bedingungen zum Erhalt eines neuen Kredits verschärfen. Die Auswirkungen werden für Griechenland verheerend sein.
    1. weitere Rentenkürzungen
    2. drastische Erhöhung der Mehrwertsteuer
    3. Teilprivatisierung (mindestens 51%) oder komplette Privatisierung der Stromversorger.
    Angeblich wird der Strom günstiger, das Gegenteil wird der Fall sein, der Strom wird erheblich teurer.
    4. Privatisierung der Gasversorger, das gleiche Verfahren wie bei den Stromversorgern
    5. Privatisierung der Ölkonzerne, Benzin und weitere Ölerzeugnisse werden erheblich teurer.
    6. Europäische Industrienationen (Deutschland, Frankreich und andere) werden die griechische Industrie ganz oder teilweise (Anteile von mind. 51%) übernehmen und nur auf dieser Grundlage investieren.
    Z. B.: deutsche Firmen werden horrende Summen an Subventionen aus Deutschland und von der EU erhalten wenn in Griechenland investiert oder ein neues Werk gebaut wird. Die erzielten Gewinne werden nicht in Griechenland bleiben und investiert, was eine logische Schlussfolgerung wäre, aber hier darf man Logik nicht anwenden, nein, die Gewinne werden ins Ausland transferiert und dort für den „guten Zweck“ verwendet (etwas sarkastisch: neues Auto, neues Strandhaus usw. für Vorstände und Manager).
    Wie viele Abgeordnete und was wichtiger ist, „wer“ sitzt dann in diesen Aufsichtsräten und
    Vorständen und zieht die Gewinne raus.
    7. Löhne: Mindestlöhne, was ist das? Die Löhne werden auf ein Minimum sinken. Zuwenig zum Leben, zu viel zum Sterben. So haben wir doch billige Arbeitskräfte. Begründung: Keine ausgebildete Fachkraft. Gelernte Ausbildung wird nicht anerkannt.
    8. Die Arbeitslosenzahl wird in Griechenland astronomische Zahlen erreichen.

    Was wollen Frau Merkel und Herr Schäuble? Griechenland als Billiglohnland ausbeuten oder, was ganz makaber wäre, als 18. Bundesland (den geografischen Standort mal ausgeschlossen) ausrufen? Frau Merkel und Herr Schäuble haben gelernt Deutschland und seine Bürger als „nicht gern gesehen“ oder ins Abseits zu manövrieren, wie auch schon einige Personen vor ihnen. z. B.:
    – Sanktionen gegen Russland, die klatschen sich vor Lachen auf die Schenkel
    – Frankreich, Einmarsch in die Normandie im 2. Weltkrieg,
    noch heute ist man als deutscher Tourist dort nur geduldet.
    – einige Bundesstaaten in den USA

    Meine Sorge: Dass es so auch in Griechenland geschehen wird. Ich könnte die Griechen sogar verstehen, was jetzt passiert sind Raubrittermanieren.

  5. Ronald
    3. Juli 2015, 11:47 | #5

    Ich hoffe wirklich, dass die Griechen mit „Nein“ stimmen. Stimmen sie mit „Ja“, würde alles das, was wir in den letzten 5 Monaten gesehen haben von vorn los geht. Stimmen sie hingegen mit „Nein“ geht alles dass, was wir in den letzten 5 Monaten erlebt haben von vorne los. Der Unterschied zwischen „Ja“ und „Nein“ ist lediglich der, dass die Griechen bei einem „Ja“ diese Entwicklung nicht erwarten.

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