Wahrheit über die Renten in Griechenland

13. Juni 2015 / Aufrufe: 8.448

Der hartnäckig auf weiteren Kürzungen bei den Renten in Griechenland beharrende IWF scheint offensichtlich absichtlich mit unwahren Zahlen zu argumentieren.

Das Megaro Maximou (Anmerkung: gemeint ist die regierungszentrale) eilte klarzustellen, dass der Internationale Währungsfond in Zusammenhang mit den Renten in Griechenland falsche Zahlen genannt hat. Nach Kategorien aufgeschlüsselt beträgt in Griechenland die durchschnittliche Monatsrente 664,69 Euro bei den Hauptrenten und 168,40 Euro bei den Zusatzrenten.

44,8% der griechischen Rentner (1.189.396 von insgesamt 2.654.784) beziehen sogar eine Rente unterhalb der stabilen relativen Armutsgrenze, die in Griechenland bei 665 Euro liegt. Jedenfalls ist anzumerken, dass der durchschnittliche Wert der monatlichen Renten in Griechenland und Deutschland ungefähr der selbe ist.

Die Lüge vom feudalen Renteneintrittsalter in Griechenland

Für die Deckung der Defizite bei den Renten bringt in Griechenland der Staatshaushalt 9% des BIP auf (Gerry Rice sprach von 10%), während es in Deutschland 3% sind. Die wirkliche Differenz beträgt jedoch gerade einmal 1,5 Prozentpunkte, da von besagten 9% des BIP 4,55% Teil der trilateralen (Renten-) Finanzierung darstellen und nur die übrigen 4,45% eine staatliche Bezuschussung zur Deckung der Defizite des Rentensystems darstellen (Angaben aus dem Ageing Report 2012).

Das durchschnittliche Renteneintrittsalter liegt in Griechenland für die Männer bei 63 Jahren und für die Frauen bei 59 Jahren. In Deutschland ist es für die Männer das selbe (63 Jahre) und für die Frauen 62 Jahre (Daten der OECD, Pension at Glance 2011). Gerry Rice hatte dagegen unwahr behauptet, das durchschnittliche Renteneintrittsalter in Deutschland liege um sechs Jahre höher als in Griechenland … . (Anmerkung: Für Versicherte des griechischen Versicherungsträgers OGA liegt das Renteneintrittsalter für Männer und Frauen ausnahmslos bei 67 Jahren.)

(Quelle: dikaiologitika.gr)

  1. Ronald
    13. Juni 2015, 11:47 | #1

    Es steht ganz außer Frage, dass es dem größten Teil der griechischen Rentnern nicht gut geht, erst recht nicht so gut, wie manche Medien es in Deutschland immer noch behaupten. Es steht auch ganz außer Frage, dass die Lebenshaltungskosten in Griechenland hoch, wenn nicht sogar höher sind als in Deutschland und viele griechische, gerade die hier angesprochenen Bezieher kleiner Renten im Falle von Rentenkürzungen nicht überlebensfähig wären. Das ist der moralische Aspekt. Der mathematsche Aspekt gestaltet sich aber nun einmal wie folgt:
    Unterstellt man in GR und DE ähnlich hohe Renten (wie im Artikel angegeben) so ergibt sich in Griechenland eine jährliches Rentenaufkommen von rund 25 Milliarden Euro und dies sind 8,6 % des Bruttoinlandsproduktes. In Deutschland ergeben sich rund 165 Milliarden Euro und das sind rund 4,4 % des Bruttoinlandsproduktes. Obwohl sich heute Renteneintrittsalter und das Verhältnis zwischen Rentnern zur Bevölkerung (in Griechenland 24 %, in Deutschland 22% der Bevolkerung) kaum unterscheiden belasten die Rentenzahlungen gemessen am BIP Griechenland ungleich höher als Deutschland und zwar fast doppelt so hoch.
    Kürzen geht aus sozialen Gründen nicht, wird nicht gekürzt, gehen die Rententräger pleite. Die einzige Lösung heisst Wachstum um das Verhältnis zwischen Sozialleistungen/Renten und BIP wieder in‘ Gleichgewicht zu bringen. Das sagt Varoufakis, das sagt Tsipras, das weiss jeder. Aber wer investiert in diesem Land mit seiner ausufernden Bürokratie, der Rechtsunsicherheit der Ankündigung Deutsche Vermögen zu pfänden und einer Regierung, die jeden Tag auf’s neue zeigt, dass sie sich einen Dreck um das Ausland schert?

  2. Dr. Christian Pinter
    13. Juni 2015, 12:49 | #2

    Griechenland ist die Wiege unser Zivilisation. Viele Menschen haben es zudem als Urlaubsland ins Herz geschlossen. Mitanzusehen, wie es langsam wieder zurück auf den Entwicklungsstand eines Dritte-Welt-Landes gezwungen wird, ist traurig. Mitzuerleben, wie seine Menschen ins Elend getrieben werden, schmerzt mich. Wenn sich alles nur noch um die fortwährende Bedienung von Gläubigern dreht, ist kein wirtschaftlicher Aufschwung möglich. Anstatt die Meinungen an den Stammtischen ihrer Wähler zu bedienen, müssen europäische Politiker endlich erkennen: Die einzige Lösung ist ein kompletter Schuldenerlass.

  3. GR-Block
    13. Juni 2015, 16:34 | #3

    Endlich hat es mal einer gesagt: „Der mathematische Aspekt gestaltet sich anders.“ Und der ist so flexibel. Immer wenn einem die Rohdaten nicht passen, wird normiert (getrickst). Ist die Steuerhinterziehung wie in GR nur EU-Mittelmaß, wird einfach auf das kleine BIP Bezug genommen (dividiert), dann sieht sie gewaltig groß aus. Ist die Zahl der Verwaltungsangestellten wie in GR gering, dann bezieht man sie eben auf die viel zu kleine nationale Beschäftigtenzahl, dann sieht der „Beamtenapparat“ groß aus.
    Das gleiche wird hier mit den Rentnern gemacht. Der Bezug auf das BIP ist unseriös, denn in einem Agrarstaat ist das BIP naturgemäß klein, und das ist gut so. Die Leute verkonsumieren nicht, sie sparen. Übrigens hat GR laut „der in Rede stehenden“ OECD-Studie genau deshalb eine der höchsten Spareinlagenquote unter den Rentnern. Weit höher als in den verzocker-Industrieländern. Schließlich muss der Rentner weiterhin seine arbeitslose Familie ernähren. Der untertänige Industriearbeiter überlässt dagegen alles dem Staat und seinen Vorgesetzten.
    Damit auch in GR diese Untertanenmentalität Fuß fassen kann, brauchen Staat und Sozialsysteme mehr Einnahmen, d.h. es müssen Arbeitsplätze her. Solange jedoch GR im Maastrichtvertrag geknebelt ist, werden Arbeitsplätze abgesaugt. Sobald aber Importware versteuert wird, werden die „Investoren“ anstatt Verkaufsbüros einzurichten, Produktionsstätten aufbauen. Denn dann wären ja die lokalen Märkte geschützt und GR genau wie China das Paradies für risiko-scheuende Unternehmer der FUKG-US. Dann könnte sich die Regierung getrost einen Dreck um das deutsche Ausland scheren.

  4. Weekend01
    13. Juni 2015, 18:56 | #4

    Was steckt da fuer eine Logik dahinter, von den Aermsten immer noch mehr wegzunehmen? Wie sollen sie noch Medikamente und andere Lebenshaltungskosten abdecken, wenns bei vielen jetzt schon nicht mehr reicht? Wie viele Griechen und von anderen EU – Laendern sind schon daran gestorben, an den Sparmassnahmen der EU? Demokratie und Gerechtigkeit – war das mal oder wie wollen sie das sonst erklaeren?

  5. windjob
    13. Juni 2015, 20:46 | #5

    Ich würde vorschlagen, Herr Tsipras lädt Frau Merkel und Herr Varoufakis Herrn Schäuble nach Athen ein. Dann gehen alle gemeinsam durch die Athener Innenstadt und reden mit der Bevölkerung. Danach ein Symposium mit griechischen Rentnern. Das wäre ein Spass. Aber wahrscheinlich sind die beiden deutschen zu feige.

  6. Claude
    22. Juni 2015, 18:49 | #6

    Griechenland ist die Wiege unser Zivilisation. Viele Menschen haben es zudem als Urlaubsland ins Herz geschlossen. Mitanzusehen, wie es langsam wieder zurück auf den Entwicklungsstand eines Dritte-Welt-Landes gezwungen wird, ist traurig. Mitzuerleben, wie seine Menschen ins Elend getrieben werden, schmerzt mich. Wenn sich alles nur noch um die fortwährende Bedienung von Gläubigern dreht, ist kein wirtschaftlicher Aufschwung möglich. Anstatt die Meinungen an den Stammtischen ihrer Wähler zu bedienen, müssen europäische Politiker endlich erkennen: Die einzige Lösung ist ein kompletter Schuldenerlass.

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