Strategie-Lehrstück für Europa aus Griechenland

3. Juni 2015 / Aktualisiert: 04. Oktober 2017 / Aufrufe: 2.986

Laut einem Artikel der französischen Zeitung La Tribune erteilte Griechenlands Premier Alexis Tsipras ganz Europa ein Lehrstück in Strategie.

Alexis Tsipras unterschreibt das Misslingen der Schlinge„, lautet der Titel eines Artikels des Chefredakteurs der Wirtschaftszeitung La Tribune, Romaric Godin, der sich auf die „Strategie der Schlinge“ bezieht, wie selbiger griechischer Premierminister im März 2015 in einem Interview an die deutsche Zeitschrift Spiegel die Strategie der Institutionen gegenüber Griechenland charakterisierte.

Der Artikel bezieht sich auf die Strategie Alexis Tsipras‘, stabil bei den „roten Linien“ zu verbleiben und sich der „absurden Strategie der Schlinge“ zu widersetzen und so den Europäern das Beispiel zu geben. Die wie mit seinem Artikel in der Zeitung Le Monde zum Ausdruck gebrachten Positionen des Premierministers analysierend, merkt Godin an: „Alexis Tsipras hat allen europäischen Regierungen wirklich eine schöne Lehre in Strategie erteilt, nämlich dass es möglich ist, sich Angela Merkel zu widersetzen. Für Manche, wie für Francois Hollande, ist die Lehre sicherlich hart … .

Tsipras hat die Situation völlig umgekehrt

Wie der Redakteur der La Tribune meint, hofften die Gläubiger, „je mehr sich die Schlinge zuziehen und die wirtschaftliche Atemnot steigern würde, desto mehr würde der griechische Widerstand nachlassen. Jedoch geschah das Gegenteil. Mit seinem Artikel zeigt Alexis Tsipras sich entschlossen: Er beginnt, indem er die Sackgasse der Politiker der von der Troika durchgesetzten vorherigen Regierungen moniert, führt die Zugeständnisse an, welche seine Regierung zu machen akzeptierte, und endet mit der klaren Aussage, die ‚roten Linien‘ beizubehalten.“ Mit dieser Haltung „hat Tsipras die Situation völlig gekippt„, schätzt Godin ein:

Es ist nicht Griechenland, das um eine Vereinbarung „betteln“ muss (…), sondern jene (die Gläubiger) müssen die Realität der griechischen Zugeständnisse und die Realität einer Wirtschaft begreifen, die ‚durch ihre Blockade verwundet worden ist‘. (…) Dieser taktische Zug Alexis Tsipras‘ ist besonders schlau. Fortan ist er derjenige, der die Regeln des Spiels setzt, und zeigt sich entschlossen, stabil bei seinen Positionen zu bleiben, wie auch immer die Dinge liegen werden. Die Zeit arbeitet nun gegen die Gläubiger, die gezwungen sind, ihre Wahl zu treffen, und die so oder so verloren haben: Ein Nachgeben gegenüber Athen wird – trotz der griechischen Zugeständnisse – eine politische Niederlage und der Stoß in einen Grexit eine Katastrophe sein.

Schutzmechanismen der Eurozone sind nicht erprobt

Seine Position stützend führt der Redakteur an, dass die Schutzsysteme der Eurozone „unerprobt“ sind und die Europäer schwerlich riskieren werden, die „Irreversibilität“ des Euro in Gefahr zu bringen. Für ihn selbst ist Alexis Tsipras‘ Artikel ein Aufruf direkt an Angela Merkel: „Die Kritik bezüglich der Unnachgiebigkeit der Gläubiger ist in Wirklichkeit eine Kritik gegen Finanzminister Wolfgang Schäuble, der niemals seine Bevorzugung eines Grexit’s verbarg„, meint der Redakteur und fügt an, die Botschaft Alexis Tsipras‘ an Berlin ist:

Wolfgang Schäuble könnte gewinnen, er könnte sein Ziel erreichen, wenn die Kanzlerin ihn nicht stoppt, weil Griechenland sich der Erpressung nicht beugen wird. Folglich kann Schäuble nicht als eine einfache Drohung zwecks Einschüchterung dienen. Daher auch das Verlangen Alexis Tsipras‘, dass dem griechischen Problem eine Lösung auf Ebene der Regierungsführer gegeben wird. Wenn Angela Merkel sich des Themas nicht annimmt, wenn sie Schäuble entscheiden lassen wird, dann wird sie die europäische Vision in Gefahr bringen, und der griechische Premierminister weiß, dass sie das nicht will„, endet der Artikel.

Anmerkung: Der in der Le Monde veröffentlichte Artikel von Alexis Tsipras wurde inzwischen von zahlreichen Medien aufgegriffen und mehr oder weniger vollständig übersetzt und republiziert sowie auf Englisch auch unter der offiziellen Internet-Präsenz des Premierministers eingestellt: Prime Minister Alexis Tsipras’ article in Le Monde newspaper: Europe at crossroads

(Quelle: Imerisia)

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  1. Omnipraesent
    3. Juni 2015, 10:43 | #1

    Sehr guter Artikel der aufzeigt, dass Herr Alexis Tsipras mehr auf dem Kasten hat als man gemeinhin von Linken zu erwarten weiss. Dieser Schachzug ist das was ich in einem frueheren Artikel bereits geschrieben habe, naehmlich, dass man die Geldgeber in Zugzwang bringen muss, eben auch wie es im Pokerspiel allgemein der ueblicher Praxis entspricht.
    Desweiteren schliesse ich mich der Meinung des Artikel Verfassers an, der dazu anmerkt, dass Frau Merkel sicherlich ihren FM einbremst, denn einen Kommentar wie Alternativlos ihrerseits, kann sie sich in dieser Angelegenheit nicht mehr leisten. Herr Alexis Tsipras, ich hoffe ihr Plan geht auf, zum Wohle GR, und deren Buerge(r), die besseres verdient haben als die Machenschaften der vergangenen Regierungen.

  2. 4. Juni 2015, 16:59 | #2

    es ist doch völlig klar was hier passiert ist. ich lebe seit 15 Jahren hier in kreta und sehe tatsächlich was diese Krise verursacht hat und was für sie verantwortlich ist. Wer vom Faulen Griechen redet sollte sich mal vorstellen bei 36 Grad auf dem Bau zu Werken!

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