Korrektur von Steuerungerechtigkeiten in Griechenland

13. Juni 2015 / Aktualisiert: 04. Oktober 2017 / Aufrufe: 1.578

In Griechenland wurde eine Novelle zur Vermeidung der irrwitzigen Überbesteuerung bestimmter Kategorien von Steuerpflichtigen vorgelegt.

Praktisch in letzter Minute (die Abgabefrist für die diesjährigen Einkommensteuererklärungen endet am 30 Juni 2015) wurde in Griechenland dem Parlament ein Mini-Steuergesetz vorgelegt (Anmerkung: und von dem zuständigen Ausschuss inzwischen verabschiedet), das Themen der Besteuerung von Gelegenheitsarbeitern mit sehr niedrigen Jahreseinkommen, Landwirten und im Ausland ansässigen Griechen bzw. allgemein Steuerausländern regelt.

Mit den modifizierenden Bestimmungen soll die übermäßige steuerliche Belastung eingeschränkt werden, welche die neue Einkommensteuerordnung herbeiführte, die zwar 2013 bereits ratifiziert wurde, deren Inkraftsetzung jedoch um ein Jahr verschoben wurde und die somit zum ersten Mal in diesem Jahr (2015) für die Einkommen des Jahres 2014 zur Anwendung kommen wird. Spezieller sehen die zur Verabschiedung vorgelegten Bestimmungen vor:

1. Abschaffung der Lebenshaltungsindizien für Steuerausländer

Wiederherstellung des Status einer vorherigen Einkommensteuerordnung („KFE“ – Gesetz N. 2238/1994) für das Fiskaljahr 2014 (Steuerjahr 2013) und Abwendung einer ungerechten Besteuerung Auslandsansässiger (hauptsächlich tausender Auslandsgriechen) auf Basis der sogenannten fiktiven Lebensführungsaufwendungen (z. B. Zweitwohnung, Pkw usw.), weil sie beispielsweise in Griechenland ein Einkommen aus Zinsen in Höhe von sei es auch nur 1 Euro erwarben. Damit soll auch dem massenhaften Abzug im Ausland ansässigen Griechen gehörender Gelder aus Griechenland entgegen gewirkt werden.

2. Besteuerung der Differenz zwischen realen und fiktiven Einkommen

Die auf Basis fiktiver Einkommenskriterien hinzugerechnete Differenz zu dem Einkommen des Steuerpflichtigen, der ein (reales) Einkommen allein aus Kapitalerträgen (z. B. Zinsen / Dividenden / Mieteinnahmen) oder / und Spekulationsgewinnen (z. B. aus Aktien) wird mit der Steuerskala für Arbeitnehmer / Rentner (unter Vorlage von Belegen über Konsumausgaben zur Gewährung des Einkommensteuerfreibetrags von 2.100 Euro) und nicht mit einem Steuersatz von 26% + Steuervorauszahlung von 55% für das kommende Jahr besteuert werden, sofern das fiktiv festgestellte Einkommen den Betrag von 9.500 Euro nicht übersteigt.

3. Vorübergehend Beschäftigte / Gelegenheitsarbeiter

Das Einkommen (außer aus Kapitalerträgen / Kapitalgewinnen / landwirtschaftlicher Tätigkeit) bis zu 6.000 Euro und das fiktiv festgestellte Einkommen bis zu 9.500 Euro dieser Kategorie (Arbeitslose, Hausfrauen, Studenten, Praktikanten usw.) und sofern sie keine Gewerbetreibenden sind, also nicht die Aufnahme einer gewerblichen Tätigkeit angemeldet haben, wird aus Gründen der Steuergerechtigkeit steuerlich als Einkommen aus Löhnen – Renten behandelt, unter Anrechnung des Steuerfreibetrags von 2.100 Euro (unter Vorlage von Belegen über Konsumausgaben) und ohne Erhebung einer Steuervorauszahlung für das kommende Jahr.

4. Eigennutzung oder Überlassung landwirtschaftlicher Flächen

Für die Steuerpflichtigen, die eine persönliche landwirtschaftliche Tätigkeit ausüben, wird kein fiktives Einkommen aus der Eigennutzung oder kostenlosen Überlassung landwirtschaftlicher Flächen an Vorfahren / Nachfahren / Ehepartner veranschlagt.

Ebenfalls werden neue Regelungen zur Modifizierung der MwSt.-Ordnung mit dem Ziel eingeführt, dass die griechischen Unternehmen wie die gleichartigen Unternehmen der EU behandelt werden und die Möglichkeit haben, sich zu gleichen Bedingungen an Ausschreibungen für die Lieferung von Gütern und Dienstleistungen für den Bau von Erdgasleitungen (TAP) zu beteiligen. Weiter wird eine Befreiung von der Sonderverbrauchssteuer auf Erdgas eingeführt, das in der griechischen Industrie als Rohstoff verwendet wird – welche Steuerbefreiung bereits von der Mehrheit der Mitgliedstaaten der Europäischen Union umgesetzt wird.

(Quelle: Imerisia)

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