Hilfsprogramme für Griechenland waren unglaublich idiotisch

18. Juni 2015 / Aktualisiert: 05. Oktober 2017 / Aufrufe: 4.417

Daniel Altman vertritt in seinem Artikel im Magazin Foreign Policy, die Hilfsprogramme für Griechenland seien unglaublich idiotisch gewesen.

Die Programme zur Stützung Griechenlands waren unglaublich idiotisch„, vertritt in der letzten Ausgabe des Magazins Foreign Policy der Assistenzprofessor der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der New York University und Senior-Redakteur Daniel Altman in seinem Artikel The Greek Bailouts Are Incredibly Stupid.

Für Altman ist das Thema nicht, ob die Rettung Griechenlands von Anfang an eine schlechte Idee war, da er einschätzt, ein völliger Zusammenbruch der griechischen Wirtschaft hätte zu gesellschaftlichen Unruhen und sogar einem Konflikt geführt haben können. „Die Weise jedoch, auf welche die Europäer und ihre Kumpane beim IWF Griechenland stützten, war erstaunlich, unerträglich idiotisch„, betont er.

Langfristige Probleme haben keine kurzfristigen Lösungen

Die Probleme Griechenlands – hohe Verschuldung, schwaches unternehmerisches Umfeld und Schattenwirtschaft – haben keine kurzfristigen Lösungen, und dennoch waren es die kurzfristigen Lösungen, die mit den Hilfsversuchen angestrebt wurden, erklärt Altman, laut dem „Griechenland darin fortfährt, mit seinen Gläubigern kritische Gespräche zu führen, weil die von ihm erwarteten Zahlungen und umzusetzenden Reformen Erwartungen entsprachen, die absurd kurzfristig waren„.

Um es einfach zu sagen, die Probleme Griechenlands haben langfristige Gründe, für die es nur langfristige Lösungen gibt. Eine dermaßen große Verschuldung wie die Verschuldung Griechenlands verschwindet nicht über Nacht, selbst nicht mit den härtesten Austeritäts-Maßnahmen„, betont der Redakteur und fügt an: „Die Austerität kann für Griechenland möglich machen, kurzfristig seinen Kreditverpflichtungen zu entsprechen, welcher wird jedoch der Nutzen sein, wenn die Wirtschaft langfristig vernichtet wird?

Laut Altman „brauchen die erforderlichen kulturellen und gesetzlichen Änderungen Zeit. Es wäre wirklich falsch, hastig aufgesetzte Gesetze über dermaßen fundamentale Themen eilig durch das griechische Parlament zu bringen, spezieller ohne dass das Verständnis und die Unterstützung für sie durch die öffentliche Meinung aufgebaut worden ist.

Schließlich wäre es idiotisch zu glauben, Griechenland würde innerhalb weniger Jahre in eine Nation disziplinierter und treuer Steuerzahler umgewandelt werden. Die Steuervermeidung und die Steuerhinterziehung haben vielfältige und tiefe gesellschaftliche Wurzeln. Sie können von dermaßen verschiedenen Faktoren wie religiösen Überzeugungen, Klassenunterschieden, persönlicher Psychologie und Ansichten über Gerechtigkeit beeinflusst werden. Wenn auch bestimmte Motive kurzfristig die Anpassung an das Steuersystem zu steigern vermögen, hat die Verpflichtung zur Zahlung der Steuern mehr mit dem Empfinden, an etwas beteiligt zu sein, und mit dem Gerechtigkeitsgefühl zu tun – etwas, das in Griechenland mit seiner zersplitterten politischen Welt und dem heutigen Verlust der Illusionen Zeit benötigt, um sich zu äußern„, schreibt der Redakteur des Magazins Foreign Policy.

Es gibt keine Rechtfertigung für den Griechenland aufgezwungen Tod

Altman zufolge „gibt es keine Rechtfertigung für den Tod, der Griechenland mittels 1.000 kurzfristiger Bedingungen aufgezwungen wird„. Die Kriterien der Gläubiger basierten wahrscheinlich eher darauf, was sie glaubten, dass Griechenland es tun könne, als auf dem, was das Land zu tun fähig war. „Sie wollten ebenfalls sicherstellen, dass Griechenland für jede Tranche der Finanzhilfe hart arbeitet, anstatt sicherzustellen, dass der griechische Reformprozess möglichst reibungslos ist. Mit all diesem als gegeben ruft die Tatsache, dass Griechenland ein drittes Hilfspaket benötigen könnte um den Zahlungsstopp bei der Bedienung seiner Schulden zu vermeiden, keine Überraschung hervor. Eine Reihe kurzfristiger Therapien wird niemals ein langfristiges Problem lösen.

Die Amtsträger in Frankfurt, Brüssel und Berlin zeigten niemals Interesse für die Herausforderungen, denen die Wirtschaft Griechenlands begegnet. Ihr Ziel war in diesem ganzen Zeitraum, die Unversehrtheit der Eurozone trotz ihrer Mängel sowie auch ihre eigene Unfehlbarkeit zu erhalten. Die Ironie ist, dass sie sich näher an ihrem Ziel befinden könnten, wenn sie weniger an sich selbst und mehr an die Griechen denken würden„, endet Daniel Altman.

(Quelle: Imerisia)

  1. Volker
    18. Juni 2015, 10:43 | #1

    Das waren doch nie „Hilfsprogramme“ für Griechenland, sondern Programme um den Kopf Merkels (Floskel „wenn der Euro scheitert, scheitert Europa“) und den Euro zu retten. Mit den Programmen sollte ein Übergreifen der griechischen Schuldenkrise auf andere Länder vermieden werden.
    Die damaligen greichischen Politiker (Pasok, ND) waren zu weich und haben sich vor allem von der Frau Merkel über den Tisch ziehen lassen. Ein Reformprogramm / Austerität hätte wenigstens durch ein Investitionsprogramm flankiert werden müssen, um Arbeitsplätze zu schaffen und Geld ins Land zu bringen.
    Merkel hat sich zudem sehr unsolidarisch mit ihren konservativen Amtskollegen Samaris verhalten. Zugeständnisse, die sie heute an Tsipras bereit ist zu machen (z.B. geringerer Primärüberschuss) hat sie Samaris verweigert und ihm damit auch die Wahlchancen versaut. Die Konservativen Europas sind keine Familie, sondern elitäre Bankretter. Mit den Banken wurden ja nicht die Bänker selbst gerettet, sondern die Vermögen der reichen Griechen und anderer Europäer.

  2. melanie G.
    18. Juni 2015, 11:28 | #2

    Sehr richtig Herr Altman. Endlich spricht es einer aus, was dieses ganze Theater der alternativlosen Endlosrettung war.
    Nun sind sie alle ratlos und nervös. Die hätten mal besser früher nachgedacht, was sinnvoll und erfolgreich sein kann und was nicht.

  3. Christian Schramayr
    18. Juni 2015, 14:41 | #3

    Entschuldigt, verlinke in meinen Kommentar selten anderen Medien … aber nachstehend findet sich bei Spiegel-online ein Lösungsansatz, der endlich einmal Varoufakis Analyse ernst nimmt:
    Drohende Staatspleite: Ein Plan B für Griechenland

  4. jörg
    19. Juni 2015, 14:58 | #4

    der Plan von Varoufakis sieht ganz anders aus, nur weil in beiden Plänen ein Schuldenschnitt vorkommt, so ist das nicht das gleiche

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