Griechenlands Premierminister ruft zu Gelassenheit und Geduld auf

29. Juni 2015 / Aufrufe: 3.954

Anlässlich der Ergreifung von Maßnahmen zum Schutz des Banksystems in Griechenland rief Premierminister Alexis Tsipras die Bürger zu Gelassenheit und Geduld auf.

Nach dem Antrag des Ausschusses für Systemische Sicherheit auf Verhängung von Kontrollen des Kapitalverkehrs (capital controls) und Schließung der Banken ab Montag (29 Juni 2015) richtete Premierminister Alexis Tsipras eine Ansprache an das griechische Volk.

Wie der Premierminister erklärte, führte der (vor-) gestrige Beschluss der Eurogruppe, das Ersuchen auf eine Verlängerung (des Hilfsprogramms) nicht zu genehmigen, die EZB dazu, die Liquidität an die griechischen Banken nicht zu erhöhen, und im weiteren Sinn die Griechische Bank dazu, zur Ergreifung außerordentlicher Maßnahmen zu schreiten.

Versuch der Erpressung des griechischen Volkes

Es ist mehr als klar, dass dieser Beschluss darauf abzielt, den Willen des Volkes zu erpressen. Sie werden es nicht schaffen. Sie werden das griechische Volk noch trotziger in seiner Entscheidung machen, die inakzeptablen ‚memorandischen‘ Vorschläge und die Ultimaten der Gläubiger abzulehnen„, merkte Premierminister Alexis Tsipras an und unterstrich, erneut das Ersuchen auf eine Verlängerung des Programms um wenige Tage an die europäischen Partner gerichtet zu haben und betonte, auf deren Reaktion zu warten: „Sie sind die einzigen, die den Beschluss der Eurogruppe kippen können, was der EZB die Möglichkeit geben wird, die Liquidität wiederherzustellen.

Alexis Tsipras versicherte in seiner Ansprache, die Bankguthaben sowie auch die Zahlung der Gehälter und Renten seien abgesichert, und riet zu Gelassenheit und Nüchternheit. „Je gelassener wir den Schwierigkeiten begegnen, um so baldiger werden wir sie überwinden und um so gemäßigter werden ihre Folgen sein„, betonte er.

Derweilen befand sich seit 20:00 Uhr (Ortszeit) die Kabinettssitzung im Gang, in deren Rahmen eine Informierung durch Finanzminister Yanis Varoufakis über die von dem Ausschuss für Systemische Sicherheit getroffenen Entscheidungen erfolgte. Die im Anschluss erwarteten offiziellen Bekanntmachungen  und anschließend mit offiziellen Bekanntmachungen gerechnet wird.

Der Wortlaut der am 28 Juni 2015 gegen 20:30 Uhr (Ortszeit) in den Medien publizierten Ansprache des Premierministers wird nachstehend in deutscher Übersetzung wiedergegeben:

Botschaft der Hoffnung und des Stolzes an ganz Europa …

Der gestrige Beschluss der Eurogruppe, das Ersuchen der griechischen Regierung abzulehnen, das Programm um einige Tage zu verlängern, damit das Volk mittels eines Referendums über das Ultimatum der Gläubiger abstimmen kann, stellt einen für die europäischen Gegebenheiten unerhörten Akt der Anzweiflung des Rechts eines souveränen Volkes auf eine demokratische Entscheidung dar. Das höchste und heilige Recht auf Meinungsäußerung.

Dieser Beschluss führte heute die Europäische Zentralbank (EZB) dazu, die Liquidität der griechischen Banken nicht anzuheben, und zwang die Griechische (Zentral-) Bank, die Aktivierung von Maßnahmen zur Aussetzung des Betriebs der Banken und Beschränkung der Abhebungen zu beantragen. Es ist nun mehr als klar, dass dieser Beschluss kein anderes Ziel hat, als den Willen des griechischen Volks zu erpressen und die reibungslose Durchführung des Referendums zu verhindern.

Sie werden es nicht schaffen. Diese Züge werden das genau gegenteilige Ergebnis herbeiführen. Sie werden das griechische Volk noch trotziger in seiner Entscheidung machen, die inakzeptablen „memorandischen“ Vorschläge und die Ultimaten der Gläubiger abzulehnen. Eins bleibt jedoch sicher: die Verweigerung einer Verlängerung um wenige Tage und der Versuch der Annullierung eines höchsten demokratischen Verfahrens stellt einen Akt der Beleidigung und eine maximale Schande für die demokratische Tradition Europas dar.

Aus diesem Grund schickte ich heute (28 Juni 2015) erneut ein Ersuchen auf eine kurze Verlängerung (des Programms), diesmal an den Präsidenten des Europäischen Rats und die 18 Führer der Staaten der Eurozone sowie auch an die Leiter der EZB, der Kommission und des Europa-Parlaments. Ich warte auf ihre umgehende Reaktion auf ein elementares Begehren nach Demokratie. Sie sind die einzigen, die schnellstmöglich – sogar auch noch heute Abend – den Beschluss der Eurogruppe kippen und der EZB die Möglichkeit geben können, den Liquiditätsfluss der Banken wiederherzustellen. Was jedoch in den kommenden Tagen auf jeden Fall erforderlich ist, sind Nüchternheit und Geduld.

Die Guthaben der Bürger bei den griechischen Banken sind absolut sicher. Eben so sicher ist auch die Zahlung der Gehälter und Renten. Den wie auch immer gearteten Schwierigkeiten ist mit Gelassenheit und Entschlossenheit zu begegnen. Je gelassener wir den Schwierigkeiten begegnen, um so baldiger werden wir sie überwinden und um so gemäßigter werden ihre Folgen sein. Wir haben heute die Gelegenheit, uns selbst und der ganzen Welt zu beweisen, dass das Recht gewinnen kann. Wir haben ein weiteres Mal die Gelegenheit, an Europa und die ganze Welt eine Botschaft der Hoffnung und Würde zu schicken.

Und rufen wir uns in Erinnerung: in diesen kritischen Stunden, in denen wir uns alle an der Größe unserer Geschichte messen, ist unsere einzige Furcht die Angst. Wir werden nicht zulassen, dass sie uns beherrscht. Wir werden es schaffen. Die Würde der Griechen gegenüber den Erpressern und dem Unrecht wird eine Botschaft der Hoffnung und des Stolzes an ganz Europa schicken.

(Quelle: dikaiologitika.gr)

  1. bürgerhans
    29. Juni 2015, 08:12 | #1

    Was wir derzeit erleben ist die „Eskalationsleiter der Bürgerknechtung“ durch unsere großen FÜHRER in den EU- Ländern. Gegenüber Deutschen, Franzosen, Niederländern … wird noch mit sanfter Stimme und mit treuesten Augen „Vernunft“ gerufen und gleichzeitig wird gesagt, Politik sei zu komplex geworden, um Bürger an demokratischen Prozessen zu beteiligen.

    Gegenüber Griechen soll ein Musterverfahren den übrigen Bürgern in der EU aufgezogen werden; dieses Musterverfahren soll disziplinieren
    a) die Griechen und
    b) alle anderen EU- Bürger,
    um die Dominanz des Großkapitals und der Finanzwelt zu erhalten und damit hunderttausenden Bürgern, die davon profitieren, eine weitere Lebensbasis zu geben.

    Wir sind, wenn die Griechen so weitermachen, in einer der wichtigsten Epochen der Nachkriegszeit! Haltet durch, unterstützt Euch gegenseitig.
    Griechenland gehört auf den moralischen Olymp dieser Welt.

  2. Zahlmichel
    29. Juni 2015, 09:31 | #2

    Es war schon 2010 klar das Griechenland hoffnungslos überschuldet ist. Sie durften aber nicht Pleite gehen weil der Großteil der Forderungen noch in Händen von privaten Investoren (Banken) waren. Sie mussten erst in die Hände der europäischen Steuerzahler übergeben werden. Dies ist jetzt weitestgehens geschehen. Also ist der Zeitpunkt gekommen Griechenland in die Pleite zu entlassen. Merkel und Schäuble als Gauleiter des Protektorats Griechenland haben die Daumen gesenkt. Es trifft jetzt nur noch den Steuerzahler. Dies war von Anfang an ein abgekartetes Spiel der Eliten der EU. Es ist jetzt ersichtlich das die EU ein Diktatorisches Konstrukt ist. Demokratische Abläufe, egal welcher Art sind nicht gewünscht und werden verhindert. Griechenland hat seine Schuldigkeit getan.

  3. Paraschou Gerasimos
    29. Juni 2015, 11:49 | #3

    Ich hoffe das das griechiesche volk in diesen schwieriegen stunden gelassen bleibt, groesse zeigt und den uebrigen buergern europas zeigt wie man mit vernunft und gellasenheit sein schicksal selbst bestimmt.

  4. LiFe
    29. Juni 2015, 14:06 | #4

    Die Art und Weise, wie in der Sendung bei Jauch über Griechenland (von oben herab) (Stoiber) diskutiert wurde, ich finde nicht die richtigen Worte, fand ich taktlos, arrogant und kontraproduktiv. Man hätte Stoiber daran erinnern sollen: Auch Deutschland musste schon einmal international entschuldet werden. Die Regierung Adenauer stimmte dieser Forderung zu.

  5. Ellen Westphal
    29. Juni 2015, 15:33 | #5

    Lieber aufrecht sterben als auf Knien leben!

  6. Ilona
    29. Juni 2015, 19:14 | #6

    Ich bin sehr stoltz auf das griechische Volk und dessen Regierung. Für jeden ist auch sehr lesenswert das Manifest von Delphi vom 22.Juni 2015. Ich wünschte wir hätten eine solche Regierung, die das Volk vertritt.
    Das Manifest von Delphi, Griechenland

  7. Walter Mandl
    29. Juni 2015, 19:17 | #7

    Der konkret Wortlaut der Rede von Tsirpas ist sehr wichtig. Und wer in zu Gesicht bekommt, versteht, warum diese Rede von keinem offiziellen Medium widergegeben wird. Die griechische Volkswirtschaft musste in den letzten Jahren tiefste Einschnitte in ihre Systeme als Bedingung für sogenannte „Hilfspakete“ hinnehmen. Hilfspakete, die mehr oder weniger ausschließlich dafür geschnürt und beschlossen wurden, internationale Privatgläubiger – allen voran deutschen und französischen Banken – das Kreditrisiko für Kredite an Griechenland abzunehmen und auf die Schultern europäischer Steuerzahler zu laden.
    Dabei darf nicht vergessen werden, dass gerade diese Kredite über viele Jahrzehnte hinweg äusserst ertragreiche Schuldzinsen für die Privatgläubiger generierten. Über diesen Gesamtzeitraum hinweg betrachtet war es für die Banken ein endloser Casinobesuch mit garantierten Milliardenerträgen aus Athen. In dem Augenblick, wo den Finanzeliten der Gedanke an noch höhere Erträge aus Griechenland in den Sinn kam, galt es, das eingesetzte Kapital abzuziehen um mit Hilfe dessen auf die nach völliger Unterwerfung lukrativen Privatisierungen in Griechenland zu warten. IWF und EZB spielen dabei mit ihren Kreditbedingungen eine optimale Doppelpassfunktion für die Finanzbarone. Ich wünsche dem griechischen Volk den Mut und die Weisheit, dieses verächtliche Spiel zwischen Politik und „Institutionen“ zu Fall zu bringen, indem sie sich mit klarer Mehrheit für ein „NEIN“ entscheiden können!
    Griechenland benötigt einen Neubeginn ohne die Knechtschaft aus Zins- und Zinsendienst für Kredite, deren Kapital schon lange von volksverbrecherischen Günstlingen und Oligarchen ausser Landes gebracht wurde. Fürchtet euch nicht vor der Schaffung eigenen Geldes, fürchtet euch ausschließlich vor den Fängen derer, die euch zu verstehen geben, dass ihr sie bräuchtet!
    Kein Schaf muss den Abschied vom Schlächter fürchten. Die Menschen in Griechenland haben die Chance, sich durch eigene Willensäusserung zu befreien. Tut es ohne Furcht und ergreift die letzte Chance, der systematischen Verknechtung ein Ende zu bereiten. Eure Kinder und Enkelkinder, aber auch viele Millionen Menschen in den übrigen Nationen der Union, werden es euch danken. Gott schütze das griechische Volk auf seinem steinigen Weg in eine bessere Zukunft.

  8. Weekend01
    29. Juni 2015, 20:31 | #8

    Nicht nur bei Jauch, bei allen sogenannten Reportagen was Griechenland betrifft diese arroganten und spitzen Bemerkungen, die Zuschauer werden mit Halbwahrheiten informiert und das ist vielleicht nicht ganz ungewollt … . Karrikaturen die ebenfalls nur ungute Gefuehle ausloesen sollen – obwohl sie sowieso dem Klein- und Mittelstand keine Chance geben wollen, da die Elite alle Gewinne selber abschoepfen will. So spielen sie den Hass auf diejenigen, die keine Schuld haben und bekommen immer mehr Macht fuer ihre Spielchen. Ja auch ich vertrete die Meinung, lieber durch ein tiefes Tal gehen und danach frei sein – als ewig in den Klauen dieser Eliten zu enden.

  9. frei von und zu
    29. Juni 2015, 21:12 | #9

    Ich wünsche dem Griechischen Volk Standhaftigkeit und Mut. Alle ehrlichen Menschen der Welt stehen auf der Seite der Syriza und des Griechischen Volkes. Ihr Griechen werdet es schaffen! Und den Völkern Europas ein wichtiges Signal senden.

  10. mia
    30. Juni 2015, 00:30 | #10

    Gott schütze das griechische Volk und seine Regierung. Bleibt standhaft, mutig und befreit euch aus der Knechtschaft mit einem klaren „Nein“.

  11. LaNovelera
    30. Juni 2015, 00:31 | #11

    Ich ziehe vor allen Griechen meinen Hut und verneige mich im Angesicht Eures ungebrochenen Stolzes auf Eure Nationalität, Landesgeschichte und Demokratieverständnis. Ich hoffe, das Ihr diesen Weg unbeirrbar fortsetzt – und Euch von den Gläubigern weder irre machen noch gegeneinander aufhetzen lasst! Das einzige, was die Eurokraten in ihrer unseligen Demokratur wirklich beherrschen ist das Spiel: Divide et imperea! (Teile und herrsche!) Und vor was die europäischen, von keinem Volk Europas gewählten und legitimierten, Politiker am meisten Angst haben, das haben die letzten Ereignisse ja gezeigt: vor der gewaltigen Stimme eines Volkes – Euren Stimmen, liebe Griechen!
    Zur Zeit wird Euer Premier weltweit in den verschiedenensten MainstreamMedien im negativsten Sinne dargestellt – auch begibt sich ausgerechnet Martin Schulz nach Griechenland, um für die Position der EU Werbung zu betreiben… . Lasst Euch aber nicht gegeneinander ausspielen und aufhetzen, denn Tsipras hatte absolut Recht damit, ein demokrtisches Referendum auszurufen. Wer sich mit dem letzten EU-Angebot beschäftigt hat, konnte erkennen, das dieses mehr als nur „fischig“ war – dazu auch ein guter Artikel unter: War letztes EU-Angebot großzügig? Es roch jedenfalls fischig
    Darum zeigt es nicht nur der EU, sondern der ganzen Welt, am kommenden Sonntag – und stimmt bei der Frage „ob Griechenland die Gläubiger-Forderungen akzeptiert“ mit einem stimmgewaltigen „Nein“.

  12. happy
    30. Juni 2015, 13:16 | #12

    ich wünsche Tsipras und dem griechischen Volk die Kraft und den Mut zur richtigen Entscheidung: OXI, Nein zur Austerität. Ich bedanke mich an alle GR-Unterstützer. Die Stunde der Eurokraten hat geschlagen. Wenn GR Beispiel macht, wird sich der Gedanke europaweit ausbreiten und Spanien, Frankreicht, Italien, Irland anstecken. Wir könnten die NICHTGEWÄHLTEN Eurokraten, die nur Unheil und Spaltung in Europa hervorgebracht haben, abwählen

  13. tobi123
    30. Juni 2015, 16:58 | #13

    ich beneide die Griechen! Nicht weil sie arm sind ,,Nein“ !Die Griechen haben etwas was wir schon lange nicht mehr haben. Die Griechen haben eine Regierung die sich für den Otto Normalo stark machen. Diese Regierung könnte in der EU wieder einiges gerade stellen. Ich wünsche den Griechen ,die übrigens überhaupt nicht faul sind auch wenn das einige geschmierte Medien verbreiten, das sie stark bleiben und den EU- Versallen, dem geistig verwirrten Schäuble und allen Duckmäuser, die alle am Tropf der Kapitalisten hängen, zeigen das die EU unter der Knechtschaft des Kapitals ausgedient hat. Die Eurokraten haben schon lange den Bogen überspannt. Leider ist mit Deutschland in dieser Sache nicht zu machen, ist doch in diesem Land das Duckmäusertum sehr stark ausgeprägt.

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