Griechenlands Gläubiger fordern Rentenkürzungen von bis zu 62 Prozent

6. Juni 2015 / Aufrufe: 3.271

Die Gläubiger Griechenlands verlangen weitere rigorose Einsparungen im Rentensystem und behalten sich die Genehmigung jeglicher Änderungen im Arbeitswesen vor.

Um von 10% bis zu 62% gekürzte Renten sollen alle erhalten, die ab dem 01 Januar 2016 in die Frührente gehen, während ab dem selben Jahr bis 2022 jedes Jahr 6 Monate (und 1 Jahr ab 2022) zu den für die „alten“ Versicherten weiterhin geltenden niedrigeren Altersgrenzen hinzukommen, so dass niemand mehr ein Motiv hat, vor 62 Jahren in Rente zu gehen.

Kürzungen bei Hauptrenten, Beibehaltung der Null-Defizit-Klausel für die Zusatzrenten und Abfindungen, Streichung der Solidaritätszulage für Rentner (EKAS), aber auch sofortige Abschaffung der vorzeitigen Verrentungen ab dem 30 Juni 2016 sind jedoch nur einige der Maßnahmen, welche die Gläubiger in Zusammenhang mit der Versicherungsreform verlangen.

Gläubiger verlangen erneut Rentenkürzungen in Milliardenhöhe

Parallel akzeptieren die Gläubiger keinerlei Eingriff bei der Arbeitsgesetzgebung, aber auch nicht die (von der SYRIZA versprochene) Anhebung des gesetzlichen Mindestlohns bis Ende des Jahres. Die wie auch immer gearteten Änderungen im Arbeitswesen müssen sogar vorher erst von selbigen Gläubigern gestattet werden, bevor ihre Umsetzung voranschreiten kann.

Bezeichnend ist, dass für das 2. Halbjahr des laufenden Jahres eine Senkung der Rentenaufwendungen von 0,25% – 0,5% des BIP (450 – 900 Mio. Euro) verlangt wird. Entsprechend wird für 2016 eine weitere Reduzierung der Rentenaufwendungen um 1% des BIP, also um 1,8 Mrd. Euro gefordert. Die zur Erzielung der Senkung der Rentenausgaben vorgeschlagenen Maßnahmen sind:

  • Umgehende Abschaffung aller vorzeitigen Verrentungen und Anhebung der Pönale für alle, die ab dem 30 Juni 2015 und nachfolgend in Rente gehen.
    (Anmerkung: Dies soll auch für zigtausende Rentenanwärter mit fundamentierten Rentenansprüchen gelten, die sich derzeit in „Warteschlangen“ befinden.)
  • Integration aller während der gesamten vorherigen Zeit infolge von Interventionen außerhalb der Fusionierung gebliebenen Kassen in die „Einheitskasse für Selbständige“ (ETEA). Diese Maßnahme beeinflusst offensichtlich die Kasse der Polizeibeamten (TEAPASA), die von der Zusammenlegung ausgenommen wurde, sowie auch all jene Kassen, die in Berufskassen umgewandelt worden sind.
    (Anmerkung: Letztere Kassen mussten entweder die Zwangsfusion mit der ETEA akzeptieren oder sich in sogenannte „Berufskassen“ umwandeln und fortan auf staatliche Zuschüsse zu verzichten.)
  • Streichung der „Sozialen Solidaritätszulage für Rentner“ (EKAS) bis Ende 2016.
  • Einfrierung jeglicher von der „Lex Loverdos“ vorgesehenen Erhöhungen bei den Hauptrenten bis 2021.
  • Gewährung der Basisrente zusammen mit der Analogrente ab dem 30 Juni 2015 und nachfolgend nur an jene, die im Alter von über 67 Jahren in Rente gehen.
  • Anhebung der Krankenkassenbeiträge bei Rentnern von derzeit 4% auf 6% sowohl für Haupt- als auch Zusatzrenten.
  • Integration (Vereinheitlichung) der Beiträge für alle Kassen auf Basis der Beiträge des Versicherungsträgers für Arbeitnehmer (IKA).
  • Größere Kopplung von Beiträgen und Leistungen, was sich in einer zukünftigen Senkung der Renten ausdrückt.
  • Ausweitung und Modernisierung der Beiträge und der Versicherungsbasis der Selbständigen. Die Berechnung der Rente soll auf Basis des realen Einkommens erfolgen.
    (Anmerkung: Bisher ist die Höhe der Rente an die Höhe der – obligatorisch oder freiwillig – entrichteten Beiträge gekoppelt.)
  • Streichung sozialer (Transfer-) Mittel und ihre Substituierung entweder durch Kürzung von Leistungen (Renten) oder Anhebung der Beiträge.
  • Änderungen bei der Verrentung der Landwirte (bzw. der Versicherten des Versicherungsträgers OGA), damit die Bedingungen und Voraussetzungen mit denen der übrigen Versicherten harmonisiert werden.
    (Anmerkung: Da für Versicherte der OGA das Renteneintrittsalter bereits infolge vorheriger „Reformen“ auf 67 Jahre angehoben wurde, kann eine „Harmonisierung“ nur weitere Anhebungen der Beiträge und Wartezeiten und Kürzungen der Leistungen bedeuten.)

(Quelle: dikaiologitika.gr)

  1. windjob
    6. Juni 2015, 13:10 | #1

    Ich möchte nicht wissen, wie z.B. eine Bundesregierung und insbesondere Frau Nahles auf solche Forderungen reagieren würden. Es ist bestimmt unbestritten, dass hier in Griechenland was geschehen muss, aber hat man der jetzigen Regierung überhaupt eine Chance gegeben was zu tun. Die war doch bisher mehr beschäftigt sich mit den Institutionen auseinander zu setzen als ihre Arbeit zu tun. Nun soll sie in fünf Monaten das aufarbeiten was ihre korrupten Vorgänger verursacht haben mit welchen alle anderen gekungelt haben.

  2. N. Ritter
    6. Juni 2015, 15:38 | #2

    Die Reaktion von Frau Nahles ist vorhersehbar: sie würde mit ernstem Gesicht in einer Talkshow sitzen und etwas von „Demografischem Wandel“, „internationaler Wettbewerbsfähigkeit“ und „explodierenden Sozialbeiträgen“ faseln, um zu erklären, warum die Kürzungen notwendig sind. Oder erwarten Sie von der Dame irgendeinen Einsatz für die Belange des gemeinen Volkes? Man kann für Griechenland und ganz Europa nur hoffen, dass die Regierung Tsipras sich nicht auf einen neuerlichen sozialen Kahlschlag einlässt.

  3. Angie
    6. Juni 2015, 17:27 | #3

    Ich möchte einmal wissen, wie man in Griechenland mit einer Rente von nicht einmal 300 Euro leben kann! Dies weiss ich zufällig aus erster Hand. Und dann soll diese Rente noch einmal gekürzt werden. Das ist doch alles eine riesige Sauerei.

  4. HJM
    6. Juni 2015, 17:36 | #4

    Das ist eine Liste des Grauens. Ich bin ganz sicher kein Freund von Tsipras, ganz zu schweigen von den Veranstaltungen des Konglomerats, das sich Syriza nennt, aber DARAUF kann sich niemand, der noch bei Verstand ist, einlassen. Da dies nun wirklich jedem klar sein muss, bleibt die Frage: was ist gewollt? Hoch reingehen, um demnächst grosszügig einzulenken? Treibjagd mit fröhlichem Halali (=Grexit)? Kein Zweifel, dass sich der griechische Staat das bisherige Rentenniveau nicht länger leisten kann und dass hier dringend etwas geschehen muss, aber ein derartiges Massaker kann nur zu dramatischen Reaktionen führen.

  5. Frank-Uwe Albrecht
    6. Juni 2015, 19:00 | #5

    Keine Frage, diese Forderungen der „Gläubiger“ sind allesamt inakzeptabel. Da habe auch ich die Erwartung an die Regierung, dieses Ansinnen zurückzuweisen.

  6. fox23.de
    6. Juni 2015, 19:06 | #6

    Muhahaha ja klar, verzichtet mal auf 2/3 eurer Rente.. ne is klar. Dieselben Leute, die das fordern, gönnen sich dann die fetten Banken-Boni. Der Crash ist die Lösung 🙂

  7. Porfyriadou,Christiane
    6. Juni 2015, 21:01 | #7

    Ich lebe in Griechenland. Mit 300 Euro kann man nicht ueberleben.

  8. Zahlmichel
    6. Juni 2015, 21:45 | #8

    Die Neoliberalen Wirtschaftsfaschisten in Deutschland und Europa versuchen weiterhin Griechenland in den Grexit zu treiben. Auf der einen Seite sind Abermilliarden für Faschisten, für neue Waffen in der Ukraine kein Problem. Auf der anderen Seite will man Griechenland in die europäische Wirtschaftsdiktatur pressen. An den derzeitigen Ereignissen kann mann ablesen das wir auf dem Weg in die Diktatur sind. Frau Merkel ist unsere neue europäische Staatsratsvorsitzende. Tsipras soll gefälligst wie Merkel auch, eine Marionette der Finanzindustrie werden. Ich hoffe das die Griechische Regierung diesen Machenschaften niemals nachgeben wird. Auf Ihnen ruht die Hoffnung Europas.

  9. Jannis
    7. Juni 2015, 23:59 | #9

    Statt Lohn- und Rentenkürzungen könnte man ja von Gläubigerseite auch die Kürzung der unsinnigen Rüstungsimporte fordern. Aber das geschieht merkwürdigerweise nicht!

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