Griechenland blufft nicht

16. Juni 2015 / Aktualisiert: 15. Juli 2015 / Aufrufe: 3.861

Finanzminister Yanis Varoufakis erklärte erneut entschieden, Griechenland werde keine Vereinbarung zur endlosen Fortsetzung der Krise unterschreiben.

Zu dem griechischen Radiosender „Sto Kokkino“ sprechend gab Griechenlands Finanzminister Yanis Varoufakis sich am Tag nach dem Abbruch der Verhandlung des 14 Juni 2015 zuversichtlich und betonte:

Heute ist ein sehr schöner Tag, wir gelangten endlich bei dem Moment der Klarheit an; Griechenland sagte gestern ‚bis hier und nicht weiter‘, nun müssen die Europäer Entscheidungen treffen.

Europa muss endlich Farbe bekennen …

Yanis Varoufakis fügte an: „Heute ist ein schöner Tag, weil die Dinge kristallener sind. Die Botschaft der Eurogroup war von Anfang an klar: entweder Ihr unterschreibt das Memorandum oder Ihr erleidet Schiffbruch. Wir sagten, dass wir dies nicht glauben und einen Verhandlungsprozess beginnen. Wir tun es. Endlich gelangten wir an dem Punkt an, wo Europa entscheiden muss, ob es sich für das Europa der Völker interessiert. Wir werden jedenfalls keine Verlängerung der Krise unterschreiben. Wir haben keinen Auftrag des griechischen Volkes, diese Vereinbarung zu unterzeichnen, auf dass wir die nächste Tranche erhalten und die Rezession auf immer und ewig weitergeht.

Auf dem Thema der Umschuldung beharrend meinte der Finanzminister, es habe praktisch keinerlei Verhandlung zwischen Griechenland und den Partnern gegeben, wobei Griechenland von Anfang an gesagt hatte, keine Diskussion auf Basis des Memorandums führen zu wollen, und betonte: „Wir hatten eine Konvergenz auf technischer Ebene, der Brussels Group, allerdings hatten wir gesagt, dass die Diskussion auf politischer Ebene erfolgen müsse, damit wir zu einer Lösung kommen.“ Letzteres erfolgte jedoch mit ihrer Verantwortung nicht, merkte Yanis Varoufakis an: „Das einzige, was wir tun können, ist zu schauen, wann die Partner endlich vermögen werden, dass wir eine ernsthafte Diskussion führen.

Sich auf die Haltung Europas bezüglich des Themas beziehend, sagte er: „Wenn wir den Schriftsatz unterschreiben, den sie uns übergaben, sprechen wir von einer Demontage Europas, als ob es Europa niemals gegeben habe. Essentiell verlangen sie von uns den Beginn der Spaltung der EU, sogar Karamanlis – wenn er noch leben würde – wäre außer sich. Wir sind zu einem Europa der Gläubiger und Schuldner, nicht der Völker geworden. Es werden sich Ehrlichkeit, Besonnenheit und die europäische Dimension des Themas durchsetzen. Wer mit Szenarien der Demontage Europas spielt, wird sich in der europäischen Geschichte zu verantworten haben.

Wir spielen keine Spielchen, wir bluffen nicht!

Betrachten wir es aus seine positiven Sicht, heute ist ein guter Tag, die Dinge sind kristallener„, schätzte Yanis Varoufakis ein und merkte an: „Auf der Ebene, auf der diese Tage die Diskussionen erfolgten, wobei auch wir offen waren, konnte es keine wirkliche Konvergenz geben. Ohne eine Diskussion über die Umstrukturierung der Verschuldung und nur – wie von ihnen (den Gläubigern) gewollt – über die fiskalischen Themen kann diese (Diskussion) nicht voranschreiten. Wir gelangten endlich bei dem Moment der Klarheit und dem Augenblick an, in dem die deutsche Kanzlerin Entscheidungen treffen muss.

Wir spielen keine Spielchen, wir bluffen nicht“ führte Herr Varoufakis charakteristisch an und endete „Was gestern geschah, war, das Griechenland sagte, bis hier und nicht weiter. Wir boten Euch gemäßigte Reformen an, wenn Ihr jedoch darauf zu beharren fortfahrt, dass wir die Soziale Solidaritätszulage für Rentner (EKAS) streichen müssen um eine nicht tragfähige Verschuldung zu tilgen, werden wir nicht zahlen und die Verhandlungen verlassen. Wir werden keine Verlängerung der Krise unterschreiben. Das griechische Volk will keine Regierung, die eine auf immer und ewig währende Krise unterzeichnet.

(Quelle: Imerisia)

  1. Iannis
    16. Juni 2015, 08:50 | #1

    Meinen Respekt für Herrn Varoufakis und seine klaren Worte. Bleiben Sie standhaft, lassen Sie sich nicht erpressen, die Griechen und die wahren Europäer werden es Ihnen danken!

  2. fio
    16. Juni 2015, 09:31 | #2

    Richtig so, Herr Varoufakis! Griechenland muss sich nicht unter Druck setzen lassen. Die EU und die Institutionen haben nicht das Recht dazu. Ich finde es super, dass ihre Regierung den Mut hat. Unsere deutsche Regierung hätte den in einer solchen Situation nicht.
    Weiter so!

  3. windjob
    16. Juni 2015, 10:16 | #3

    Jetzt herrscht endlich Klarheit und die Eurogruppe begreift hoffentlich, dass man so nicht mit einem souveränen Land umgehen kann. Sehr gut Herr Varoufakis. Machen sie weiter so. Irgendwann wird die andere Seite einknicken und das ist gut so. Es mag für Griechenland zwar kurzfristig schmerzhaft sein aber die Zeit und die Angst an den Börsen wird auch den letzten Skeptiker einlenken lassen. Dies war schon vor 5 Jahren fällig aber die Marionette und grundkorrupte Person eines Samaras hat dies mit veranstaltet. Jetzt gebt doch der neuen Regierung endlich die Zeit die Dinge vernünftig zu regeln.

  4. fio
    16. Juni 2015, 10:39 | #4

    Richtig so Herr Varoufakis, niemand hat das Recht Griechenland und seine Regierung unter Druck zu setzen. Wenn uns Deutschen diese widerliche Politik der EU und der Institutionen widerfahren würde- wir das durchleben müssten, was die griechische Bevölkerung durchmachen muss – gebe es unsere Regierung sicher nicht mehr. Unsere Regierung hätte auch nicht den Mut sich für sein Volk so einzusetzen, wie die griechische Regierung es zeigt. Mit der Austeritätspolitik muss endlich Schluss sein. Notfalls nimmt Griechenland seine Drachme zurück und dann werden wir sehen, was mit Europa passiert.
    Weiter so, Herr Varoufakis.

  5. Ulli
    16. Juni 2015, 13:44 | #5

    Ich hoffe, die griechische Verhandlungsseite bleibt bei dem, was Varoufakis sagt. Klarheit und Wahrheit ist die richtige Herangehensweise. Das griechische Volk darf sich nicht noch mehr unterjochen lassen.

  6. hubi stendahl
    16. Juni 2015, 18:40 | #6

    In gewisser Weise ist es schon ein Bluff, denn er weiß, dass die EU auseinander fliegt, wenn die Forderungen nicht erfüllt werden. Alleine die CDS die noch existieren reichen, um den Laden gehörig durch zu schütteln. Die Apparatschiks in Brüssel werden aber weiter stur bis zur letzten Sekunde Halali schreien, um dann die Pferde zu wechseln. Varoufakis und Tsipras sind die richtigen für Griechenland, aber auch für Europa, um diesem Moloch dort Grenzen aufzuzeigen.

  7. Traumschau
    16. Juni 2015, 18:46 | #7

    Herr V. hat recht! Es ging der Troika nie darum, die Probleme sachlich und ernsthaft zu analysieren und zu lösen, sondern die neoliberale Agenda in ganz Europa zugunsten der Kapitaleliten durchzudrücken. Wenn Syriza scheitert oder einknickt, ist es vorbei. Die Linke wird dann in ganz Europa marginalisiert. Dann wird nur noch rechts bzw. ganz rechts gewählt. Ich hatte vor kurzem aber ehrlich den Eindruck, Syriza würde einknicken – Gott sei Dank sieht es nach diesen Worten von Herrn V. so nicht (mehr) aus.
    Nachstehender Gastbeitrag bei Norbert Häring von Michael Bernegger zur Griechenlandkrise ist sehr empfehenswert, weil er mit vielen (ökonomischen) Mythen gründlich aufräumt:
    Die griechische Tragödie und ihe Lösung

  8. Volker
    16. Juni 2015, 20:32 | #8

    Herr V. vergisst, dass die Euro Zone aus 19 Demokratien besteht, und nicht nur die Tsipras Regierung wollen wiedergewaehlt werden. Wie soll eine deutsche Kanzlerin ihr „Einknicken“ dem Bundestag und Wahlvolk rechtfertigen? Sie ist mit 80 Mrd Verlust weg vom Fenster. Genauso Rajev in Spanien – wie soll er gegen populistische Bewegungen wie Podemos bestehen, wenn an den Griechen kein „Exempel“ statuiert wird? Wie soll der IMF gegenueber seinen 188 Mitgliedern die Sonderbehandlung Griechenlands rechtfertigen? Brasilianer und andere laufen jetzt schon Sturm dagegen.
    Im Ende zaehlen Macht und Wahlchancen, und da kann sich Merkel keine Niederlage leisten – sie wird als eiserne Kanzlerin, die es den Griechen gezeit hat, gefeiert werden, genauso wie damals Thatcher, die es den Argentiniern – koste es was es wolle – einfach gezeigt hat.

  9. Pro Greek
    16. Juni 2015, 20:47 | #9

    Bleiben Sie standhaft, Herr V. Wir sind wenige Meter vor der Zielgeraden!

  10. Weekend01
    16. Juni 2015, 21:01 | #10

    Immer wenn EU-Wahlen sind und nicht der gewuenschte Partner von den Vorsitzenden EU-Regierungen gewaehlt wird, werden die Daumenschrauben ein wenig mehr angezogen, da wird sogar nicht davor gescheut, ueber Funk und Fernsehen die Wahrheiten etwas zu verdrehen. Schoen, wenn Tsipras und Varoufakis standhaft bleiben und sich nicht verbiegen lassen.

  11. LiFe
    17. Juni 2015, 00:46 | #11

    Ich denke Varoufakis (1961 geboren) und Tsirpas (1976 geboren) muss man als Europäer verstehen. Ich habe extra ihre Geburtsjahre eingegeben. Diese Generation gehört im Vergleich zu anderen Europäern, ausgenommen Portugal und Spanien nicht zu den Gewinnern. Griechenland hatte es sowohl historisch als auch politisch nicht sonderlich leicht gehabt. Den Balkankrieg dürfen wir nicht vergessen. Er hatte Griechenland in seiner entscheidenden Phase im Aufbau nachzuholen, was andere europäischen Ländern möglich war derartig wirtschaftlich lahmgelegt und die Folge sehen wir heute. Die Finanzkrise 2008 und die Rettung der Banken waren Ereignisse, die Griechenland immer weiter stagnieren ließen. Hoffte das Land auf Investoren, da produktive Griechen ausgewandert waren. Die Ukraine meldete sich indessen. Alle waren mit der Krise in der Ukraine beschäftigt. Den Griechen verordnete man en passant „Sparen!“ Die Ukraine bedurfte Finanzspritzen und Russland musste sanktioniert werden, wobei viele europäische Unternehmen in Russland investiert hatten. Ich denke Griechenland hat einfach Pech gehabt. Historisch, politisch und hoffen wir, dass die Bevölkerung weiter gut zusammenhält. Ein Schurkenland ist Griechenland gewiß nicht!

  12. Fairplay
    17. Juni 2015, 22:44 | #12

    Ein Alkoholiker wie Herr Junker, der Amtskollegen mit Ohrfeigen begrüßt – mein Gott, was für ein Prolet, nennt andere einen Lügner. Und das obwohl er öffentlich zugegeben hat, dass man halt die Wahrheit in der Öffentlichkeit schon mal verdrehen muss um seine Ziele zu erreichen.
    Unsere Eliten sind zum Großteil Selbsdarsteller und Psychopaten und die Völker in Europa hirngewaschen. Macht diesen Verbrechern das Leben schwer – jeder kann es; zahlt nicht mehr mit Kreditkarten und holt euer Geld spätestens Mitte eines Monats vom Konto! Schränkt Euren Konsum soweit als möglich ein, redet miteinander und lasst die Volksverblödungsmaschine – sprich öffentlich rechtliches TV ausgeschaltet und schaltet endlich den Hausverstand ein.
    Diese Lügen und Verbrechen an den Menschen sowie die Kriegshetze sind derart offensichtlich zu erkennen, da benötigt man keine große Intelligenz mehr sondern einfach die nötige Wut im Bauch, diesen Wahnsinn nicht mehr mitzumachen! Hier geht es nicht mehr um:
    Ich in besser, reicher, schöner und wer wird der nächste Superstar etc. hier geht es bereits ums nackte Überleben einer friedlichen Gesellschaft und Europa oder wollt ihr Friedrich von Weizsäcker Recht geben – „die Deutschen warten bis Alles zerschlagen ist und vernichten dann auch noch den kärglichen Rest, den sie zum Überleben bräuchten“. Straft ihn der Lüge; er wäre stolz auf Euch!

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