Frankreich verdiente an Griechenlands Verschuldung Milliarden

3. Juni 2015 / Aktualisiert: 13. Oktober 2018 / Aufrufe: 2.150

Laut Olivier Besancenot soll Frankreich an der Verschuldung Griechenlands rund zwei Milliarden Euro aus Zinsen und Anleihen verdient haben.

Laut dem Parteivorsitzenden der französischen „Neuen Antikapitalistischen Partei“ (NPA), Olivier Besancenot, hat Frankreich seit 2010 ungefähr 2 Mrd. Euro aus den Zinsen der griechischen Verschuldung und den staatlichen Anleihen verdient.

Der französische Politiker kehrte im vergangen Februar die von Redakteuren gestellte Frage, wie viel die französischen Steuerzahler eine griechische Annullierung der Verschuldung kosten werde, um und vertrat dagegen, die griechische Verschuldung fülle die Kassen des französischen Staates, und meinte: „Bevor wir darüber sprechen, was die Nichtabzahlung der Verschuldung kostet, sollten wir vielleicht darüber reden, was die griechische Verschuldung den französischen Steuerbehörden einbringt. Wir sprechen von 2 Mrd. Euro an Einnahmen seit 2010 aus den Staatsanleihen und Zinsen.

Frankreich lieh Griechenland über 3 verschiedene Kanäle Geld

Mangelnde Transparenz des Staates und Europas kritisierend erklärte Olivier Besancenot auf Désintox seine Berechnungen: „Wie die France Culture in einem Artikel berichtet, gibt es laut dem Finanzministerium 800 Mio. Euro an Zinsen, die aus den bilateralen Krediten herrühren. Die übrigen 1,2 Mrd. Euro stammen aus Staatsanleihen, die von der Europäischen Zentralbank aufgekauft worden sind und ihr 6 Mrd. Euro einbrachten. Gemäß den Nachforschungen, die wir im Finanzausschuss unserer Fraktion anstellen konnten, erscheint es nicht irrational, dass die Französische Bank 1,2 Mrd. Euro zurückbekommen hat.

Im weiteren Verlauf stellt die Libération eine Analyse an und betont, Frankreich habe Griechenland mittels dreier verschiedener Finanzierungskanäle Geld geliehen:

  • Anfänglich hat Frankreich Griechenland zwischen Mai 2010 und Oktober 2012 in Form bilateraler Kredite 11,390 Mrd. Euro geliehen.
  • Im weiteren Verlauf kommen die von der – 2012 in Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) umbenannten – Europäischen Finanzstabilitätsfazilität (EFSF) erteilten Kredite, wo Frankreich mit dem Betrag von 31 Mrd. Euro als Bürge engagiert ist – wie auch die anderen Staaten, die zu dem europäischen Fonds beitragen.
  • Schließlich ist die Französische Bank Teil der EZB, die 25 Mrd. Euro aus Anleihen des griechischen Fiskus erwarb.

Insgesamt 695 Mio. Euro aus Zinsen, die sich zwischen 2010 und 2013 angesammelt haben. Der Artikel in der France Culture, auf den Olivier Besancenot sich bezieht, spricht auch von dem Betrag von 729 Mio. Euro, der laut dem Finanzministerium „als Einnahme an den Staatshaushalt zurückfloss„. Was für 2014 mit 34 Mio. Euro zu Buche schlägt. Eine Differenz, die sich aus dem Umstand erklärt, dass die Eurogruppe zwischen 2011 und 2012 drei Mal beschloss, die Zinssätze der griechischen Verschuldung drastisch zu senken, indem sie die Laufzeit des Kredits verlängerte – also die Tilgungsfrist, wie Bruno Bézard, Direktor des Finanzministeriums, in einem Memo in Erinnerung rief. Der Satz erreicht heute 0,5%.

Erstattung der Buchgewinne an Griechenland wurde blockiert

Was den Europäischen Stabilitätsmechanismus betrifft, zahlt die Europäische Finanzstabilitätsfazilität allgemein ungefähr 1,5%, jedoch ist die Zahlung dieser Zinsen für zehn Jahre ausgesetzt. Es ist klar, dass Griechenland vor 2023 nicht zu zahlten braucht. Zusätzlich bringen diese Kredite den europäischen Staaten, die nur Bürgen und nicht Gläubiger sind, nichts ein.

Letzte potentielle Einkommensquelle sind die Anleihen des griechischen Staates. In diesem Punkt hat Olivier Besancenot Recht, die Anleihen von 25 Mrd. Euro, die von der EZB aufgekauft wurden, bringen ihr Zinsen ein. Er unterlässt jedoch zu betonen, dass die Eurogruppe im November 2012 beschloss, diese Zinsen ab 2013 an die griechische Zentralbank auf ein Sonderkonto zu erstatten, dass für die Erleichterung der Zahlung der zukünftigen Schulden des Landes vorgesehen ist – und derzeit blockiert ist.

Griechenland hätte somit 2013 schätzungsweise zwischen 2 und 3 Mrd. Euro eingenommen, allerdings ohne jegliche offizielle Bestätigung. Die neue griechische Regierung verlangte ebenfalls 1,9 Mrd. Euro, die als solche (Erstattung) von der EZB für das Jahr 2014 nicht entrichtet wurden. Es ist jedoch schwierig, die Beträge in Erfahrung zu bringen, welche die EZB aus den zwischen 2010 und 2013 eingenommen Zinsen verdiente, von der Französischen Bank ganz zu schweigen …

(Quelle: Büche der Pandora)

  1. V 99%
    5. Juni 2015, 11:15 | #1

    Es wurde mal Zeit, dass ein solcher Bericht hier erscheint, da sonst immer nur ein Land als Buhmann dargestellt wird, an Griechenland zu verdienen. Danke!

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